Trnava

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Trnava (Begriffsklärung) aufgeführt.
Trnava
Wappen Karte
Wappen von Trnava
Trnava (Slowakei)
Trnava
Trnava
Basisdaten
Staat: Slowakei
Kraj: Trnavský kraj
Okres: Trnava
Region: Dolné Považie
Fläche: 71,538 km²
Einwohner: 65.978 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 922,28 Einwohner je km²
Höhe: 146 m n.m.
Postleitzahl: 917 00
Telefonvorwahl: 0 33
Geographische Lage: 48° 23′ N, 17° 35′ O48.377517.586388888889146Koordinaten: 48° 22′ 39″ N, 17° 35′ 11″ O
Kfz-Kennzeichen: TT
Kód obce: 506745
Struktur
Gemeindeart: Stadt
Gliederung Stadtgebiet: 6 Stadtteile mit 10 Stadtvierteln
Verwaltung (Stand: November 2014)
Bürgermeister: Peter Bročka
Adresse: Mestský úrad Trnava
Hlavná 1
91771 Trnava
Webpräsenz: www.trnava.sk
Statistikinformation auf statistics.sk

Trnava ( Aussprache?/i; deutsch Tyrnau, ungarisch Nagyszombat, lateinisch Tyrnavia) ist eine Stadt mit 65.978 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) im Westen der Slowakei nordöstlich der Hauptstadt Bratislava. Trnava ist sowohl Hauptstadt des Trnavský kraj als auch des Kreises Trnava.

Außerdem ist die Stadt seit 1978 Sitz eines Erzbistums, mit dessen Errichtung die Slowakei zum ersten Mal zu einer von Ungarn unabhängigen Kirchenprovinz wurde.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im Westen des Landes im Trnavský kraj, der von Tschechien her nach Ungarn langgezogen ist. Sie liegt inmitten des Hügellands Trnavská pahorkatina, einem Teil des größeren Donautieflands beiderseits des Flüsschens Trnávka. Das Zentrum befindet sich auf der Höhe von 146 m n.m.. Die nächstgelegenen Gebirge sind die Kleinen Karpaten im Nordwesten und der Inowetz in Nordosten. Das Gemeindegebiet umfasst fast 71.54 km². Trnava ist ca. 55 Kilometer nordöstlich von Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei entfernt.

Das Klima ist überwiegend warm und trocken mit milden Wintern. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 9 bis 10 °C. Am wärmsten ist es im Juli (20,3 °C), am kältesten im Januar (2,2 °C). Der jährliche Niederschlag bewegt sich zwischen 420 und 800 mm.

Geschichte[Bearbeiten]

Stadtturm von Trnava
Blick in die Fußgängerzone
Luftaufnahme von Trnava

Trnava entstand an einer Kreuzung alter Handelsstraßen mit Besiedlungsnachweisen seit der Urzeit. Besonders zahlreich sind Funde aus der Altbronzezeit und Zeit der Kelten. Die heutige Stadt entwickelte sich aus einem Ort, der sich auch nach dem Zerfall von Großmähren weiter entwickelte.

Im 13. Jahrhundert wurde die slawische Siedlung von deutschen Siedlern nachbesiedelt, deren Anteil jedoch in der Folge allmählich wieder gesunken ist. Die Stadt wurde zum ersten Mal 1211 schriftlich erwähnt (s. u.). Der Titel der Königlichen Freistadt wurde im Jahre 1238 vom ungarischen König Béla IV. verliehen. Durch günstigere Handelsbedingungen entwickelte sich der landwirtschaftlich geprägte Ort zu einem Zentrum des Handels und der Handwerke. Die Bedeutung wurde noch vom Marktrecht, acht große Jahresmärkte zu veranstalten, noch weiter angehoben. 1418 wurde die Stadt von den Hussiten erobert, die sich hier bis 1425 aufhielten.

Nach der ungarischen Niederlage in der Schlacht von Mohács im Jahr 1526 und der osmanischen Besetzung von Gran im Jahr 1543 wurde der Hauptsitz des Erzbischofs mit dem Kapitel in Tyrnau gebracht und war bis 1820 Sitz des Erzbistums Gran (und dann wieder ab 1978 als eigenes Erzbistum). Hiermit wurde die Stadt das kirchliche und kulturelle Zentrum des von den Osmanen nicht besetzten Königlichen Ungarns, das die heutige Slowakei, Burgenland, Westungarn und Kroatien umfasste, im Gegensatz zu Pressburg, das zum politischen Zentrum wurde. In der langen Zeit der Türkenkriege büßte die Stadt einen großen Teil ihrer Bewohner ein, andererseits kamen viele Ungarn hinzu.

Die Stadt war seit dem 17. Jahrhundert ein Zentrum der ungarischen Gegenreformation. Zwischen 1635 und 1777 gab es hier die Tyrnauer Universität, die vom Erzbischof Peter Pázmány gegründet wurde. Die Nachfolgerinnen dieser Universität sind die heutige Loránd-Eötvös-Universität und die Katholische Péter-Pázmány-Universität in Budapest. Zugleich musste die Stadt die Aufstände des 17. Jahrhunderts leiten. 1619 ereignete sich beim Ort die Schlacht bei Tyrnau, wo eine kaiserliche Armee dem Heer von Gábor Bethlen unterlag. Später wurde es von den Aufständischen von Emmerich Thököly niedergebrannt, wodurch 4.000 Menschen ums Leben kamen. Letztendlich fand 1704 wieder eine Schlacht bei dem Ort statt zwischen einem kaiserlichen Heer und den Aufständischen von Franz Rákóczi. 1777 wurde die Tyrnauer Universität per Anordnung von Maria Theresia in Ofen verlegt, wodurch die Stadt an Bedeutung verlor. Am Ende des 18. Jahrhunderts (als Fortsetzung der Tradition der Tyrnauer Universität) war es ein Zentrum der slowakischen Gelehrten. So beruhte auch die erste slowakische Sprachkodifikation (von 1787 durch Anton Bernolák) auf dem slowakischen Dialekt aus der Gegend von Trnava.

1831 wurde von den Bürgern das erste Stadttheater gegründet. 1846 erreichte die sogenannte Tyrnauer Pferdeeisenbahn von Pressburg aus die Stadt und führte weiter noch auch Sereď am Ufer der Waag. Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich im Jahr 1867 setzte sich eine Periode der Magyarisierung ein, die bis zum Ersten Weltkrieg dauerte. Dessen ungeachtet wurde von den Slowaken der Verein Spolok sv. Vojtecha gegründet, die auch nach der Schließung von Matica slovenská das slowakische Bewusstsein aufrecht hielt. Die alte Pferdeeisenbahn wurde für den Dampfbetrieb umgebaut und in den folgenden Jahrzehnten erweitert.

Nach dem Zerfall von Österreich-Ungarn wurde die Stadt am 24. November 1918 von den tschechoslowakischen Truppen definitiv eingenommen, nachdem sie bereits vom 7. bis zum 13. November besetzt wurde. Damit wurde Trnava Teil der Tschechoslowakei, 1939–1945 Teil der Ersten Slowakischen Republik und ist seit 1993 in der Slowakei.

Johannes-der-Täufer-Kathedrale zu Trnava (Trnava)

1971 wurden die Gemeinden Hrnčiarovce nad Parnou und Modranka eingegliedert, 1974 kam dazu auch Biely Kostol. 1992 gliederte es sich aus und 1994 folgte auch Hrnčiarovce nad Parnou. 1996 wurde die Stadt Sitz des neu geschaffenen Trnavský kraj.

1992 wurde die Universität Trnava gegründet.[1]

Im Jahre 2003 wurde mit dem Bau einer Autofabrik des französischen PSA-Konzerns begonnen und insgesamt 700 Millionen Euro investiert. Seit Juni 2006 wird in Trnava der Peugeot 207 produziert; zusätzlich ab Dezember 2008 das Modell Citroën C3 Picasso. Das Werk ist auf eine Jahresproduktion von ca. 300.000 Wagen ausgelegt und beschäftigt etwa 3.000 Menschen. 2010 wurden 186.150 Fahrzeuge hergestellt.[2]

Trnava ist auch wegen des alljährlichen internationalen Dobrofestivals, welches immer am Dreifaltigkeitsplatz stattfindet, bekannt. Aus dieser Stadt stammten einst die Dopyera-Brüder, die 1908 in die USA emigrierten und dort die Dobro-Gitarren anfertigten und dieser Art von Gitarre ihren Namen gaben.

Name[Bearbeiten]

Die ersten Quellenbelege stammen aus dem 13. Jahrhundert (z. B. 1211 Sumbot, 1240 Turnaw, 1271 Tirnauia Zomboth dicta – etwa „Trnava, Szombat genannt“). Der slowakische Name ist vom Namen des Flusses Trnava (heute Trnávka) abgeleitet, der soviel wie durch das Dornendickicht fließend (tŕnie = Dornenbusch u. ä.) bedeutete. Die deutsche Form ist von der slowakischen abgeleitet.

Die ungarische Form (Nagy)szombat belegt als Zumbotel im Jahre 1238 – „(Großer) Samstag“ – bezieht sich auf den Markttag.

Im Jahr 1914 wurde in Wien Favoriten (10. Bezirk) die Tyrnauer Gasse nach der Stadt benannt.

Stadtbild[Bearbeiten]

Bastion am Bernolák-Tor

Das historische Stadtzentrum zeichnet sich unter anderem durch eine größere Zahl an Kirchen aus und wird daher auch Kleines Rom (parva Roma), oder heutzutage auch Slowakisches Rom genannt.

Zu den bekanntesten Kirchen zählt der Dom des Hl. Nikolaus, eine spätgotische Kirche aus dem Jahr 1380. Im Jahr 1629 kamen die zwei Flügelkapellen hinzu, 1739–41 wurde auf der Nordseite eine achteckige Barockkapelle erbaut, die auch das heilige Bild der Maria von Trnava beherbergt. Weiter gehört hierzu die Kathedrale des heiligen Johannes des Täufers, die heute Sitz des Erzbistums ist und 1637, noch nicht fertiggestellt, geweiht wurde. Die zweitürmige Kirche gehörte zu den Universitätsgebäuden, daher fanden in der Kirche auch theologische Diskussionen und Promotionen statt. Das Herzstück des Inneren ist der 1640 fertiggestellte hölzerne Altar. Weitere Kirchen in der Altstadt sind die Franziskanerkirche des Hl. Jakob, die Kirche der Dreifaltigkeit, die einst den Jesuiten gehörte, Kirche der Hl. Helene, 1924 erbaute evangelische Kirche und andere. Das Erzbischof-Palais im Renaissance-Stil war von 1562 bis 1820 Sitz des Graner Erzbischofs.

Aus den säkularen Gebäuden gehören hier der Renaissance-Stadtturm am Dreifaltigkeitsplatz (Trojičné námestie), der auch eine kleine Ausstellung über die Geschichte der Stadt beherbergt, das Rathaus und das Gebäudekomplex der ehemaligen Tyrnauer Universität. Teilweise ist auch die ehemalige Stadtbefestigung mit einem Tor erhalten.

An die jüdische Anwesenheit erinnert die orientalische Synagoge status quo aus dem Ende des 19. Jahrhunderts an der Halenárska-Straße.

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Trnava

Demographie[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung von 2001 wurden 70.286 Einwohner registriert, von denen 96,89 % Slowaken, 0,79 % Tschechen, 0,27 % Roma und 0,21  % Ungarn waren. Nach der Konfession dominierte die römisch-katholische Kirche mit 71,85 %, während 18,37 % der Einwohner sich als Atheisten bezeichneten. 5,73 % machten keine Angaben und 2,93 % bekannten sich zur evangelischen Kirche A. B.[3]

1891 - bereits unter starkem staatlichen madjarischen Einfluss - zählte man unter 11.560 Einwohnern 6.564 Slowakisch-, 3.154 Deutsch- und 1.625 Ungarischsprachige, 9.324 Katholiken, 1.558 Juden und 593 Lutheraner. Die bedeutende jüdische Gemeinde sprach zum größten Teil deutsch. 1930 zählte man unter 23.948 Einwohnern 20.225 (84,4 %) Slowaken, 1.044 (4,3 %) Deutsche und 864 (3,6 %) Ungarn.

Von 1991 (71.783 Einwohner) bis 2011 war - bedingt durch die Nähe zu den Zentren Bratislava und Wien - ein Rückgang der Bevölkerung um 8 % zu verzeichnen. Die Branchen mit den meisten Erwerbstätigen sind das produzierende Gewerbe, Erziehung und Unterricht sowie das Gesundheitswesen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt gliedert sich in sechs Stadtteile mit zehn Stadtvierteln:

  1. Trnava-stred mit den Stadtvierteln Staré mesto (Altstadt) und Špiglsál (Spiegelsaal)
  2. Trnava-západ mit dem Stadtviertel Prednádražie,
  3. Trnava-juh mit den Stadtvierteln Tulipán und Linčianska
  4. Trnava-východ mit den Stadtvierteln Hlboká und Vozovka
  5. Trnava-sever mit den Stadtvierteln Kopánka, Zátvor und Vodáreň
  6. Modranka (1971 eingemeindet; deutsch Modersdorf)

Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Trnava ist ein Verkehrsknotenpunkt mehrerer Straßen, die sowohl überregional als auch regional bedeutend sind. In der Stadt selbst kreuzen sich die Straßen 51, deren erster Teil von Tschechien aus hier endet, und 61, die alte Hauptstraße von Bratislava in den Norden der Slowakei. Die frühere Straße verläuft auf der im Jahr 2012 vollständig fertiggestellten Ostortsumgehung. Am Südende der Ortsumfahrung beginnt die Schnellstraße R1 nach Nitra und Banská Bystrica, die sich am Autobahnkreuz Trnava mit der Autobahn D1 (Bratislava–Žilina) kreuzt.

Aber auch für die Eisenbahn ist Trnava ein Knotenpunkt. Durch die Stadt verläuft die zweigleisige Bahnstrecke Bratislava–Žilina. Außerdem enden hier die beiden eingleisigen Bahnstrecken von Kúty und Sereď. Alle genannten Bahnstrecken sind elektrifiziert. Am Bahnhof, der südwestlich des Ortszentrums liegt, halten sowohl mehrere Nahverkehrszüge als auch Schnell- oder Intercity-Züge nach Bratislava, Prievidza, Žilina, Martin, Košice und Humenné.

Der öffentliche Personennahverkehr in der Stadt und in die umliegenden Gemeinden wird von der Gesellschaft SAD Trnava a. s. mit aktuell (2011) 16 Linien betrieben.

Fernwärme[Bearbeiten]

Trnava wird mit Fernwärme aus dem etwa 15 km entfernt liegenden Atomkraftwerk Bohunice versorgt. [4] Die thermisch aus dem Atomkraftwerk auskoppelbare Leistung liegt bei 170 MW.[5]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Johannes Sambucus

In Trnava wirkten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Das Stadion von FC Spartak Trnava

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website der Hochschule
  2. PSA PEUGEOT CITROËN Slovakia - Základné údaje, abgerufen am 11. Juni 2011
  3. Statistiken des Statistischen Amts der Slowakischen Republik zur Stadt Trnava, abgerufen am 11. Juni 2011
  4. http://www.wua-wien.at/home/atomschutz/akw-in-europa/kkw-bohunice
  5. http://www.iaea.org/Publications/Magazines/Bulletin/Bull264/26404792228.pdf

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trnava – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien