Trois-Rivières

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Dieser Artikel erläutert die Stadt in Kanada, weitere Bedeutungen siehe Trois-Rivières (Begriffsklärung).
Trois-Rivières
Ansicht vom Sankt-Lorenz-Strom her
Ansicht vom Sankt-Lorenz-Strom her
Wappen von Trois-Rivières
Wappen
Flagge von Trois-Rivières
Flagge
Lage in Québec
Trois-Rivières (Québec)
Trois-Rivières
Trois-Rivières
Staat: Kanada
Provinz: Québec
Région administrative: Mauricie
Koordinaten: 46° 21′ N, 72° 33′ W46.346-72.5422516Koordinaten: 46° 21′ N, 72° 33′ W
Höhe: 16 m
Fläche: 288,9 km²
Einwohner: 131.338 (Stand: 2011)
Bevölkerungsdichte: 454,6 Einw./km²
Zeitzone: Eastern Time (UTC−5)
Gemeindenummer: 37067
Postleitzahl: G8T–G8Z, G9A–G9C
Vorwahl: +1 819
Bürgermeister: Yves Lévesque
Website: www.v3r.net

Trois-Rivières (​[tʁwɑ.ʁi.vjɛʁ], englisch veraltet Three Rivers) ist eine Stadt im Süden der kanadischen Provinz Québec. Sie liegt etwa 125 km nordöstlich von Montreal und 110 km südöstlich der Provinzhauptstadt Québec, also etwa auf halbem Weg zwischen den zwei größten Ballungsräumen der Provinz. Trois-Rivières ist der Hauptort der Verwaltungsregion Mauricie und ist ein so genanntes territoriales Äquivalent einer Regionalgemeinde. 2002 entstand die heutige Stadt durch die Fusion mit fünf angrenzenden Gemeinden. Die Stadt im dicht besiedelten Québec-Windsor-Korridor hat eine Fläche von 288,9 km² und zählt 131.338 Einwohner (2011). Trois-Rivières gilt als älteste Industriestadt Kanadas.

Geographie[Bearbeiten]

Trois-Rivières liegt im Sankt-Lorenz-Tiefland, am Zusammenfluss des Rivière Saint-Maurice mit dem Sankt-Lorenz-Strom. Wenige Kilometer südwestlich befindet sich der Lac Saint-Pierre, ein See, der unter dem Schutz der Ramsar-Konvention steht und ein Biosphärenreservat ist. Das gänzlich auf der Nordseite des Sankt-Lorenz-Stroms gelegene Stadtgebiet ist 26 km lang und bis zu 17 km breit. Das Gelände ist überwiegend flach und umfasst ein Plateau, das etwas erhöht über dem Strom liegt und eine Höhe von bis zu 75 m erreicht. Der Name der Stadt bedeutet auf Deutsch „Drei Flüsse“ und bezieht sich auf die drei Mündungsarme des Saint-Maurice. Im Mündungsbereich liegen mehrere Inseln, darunter die Île Saint-Christophe, die Île Saint-Quentin, die Île de la Potherie, die Île Caron und die Île de Blonville. Unter besonderem Schutz steht die Réserve écologique Marcel-Léger, ein ökologisches Schutzgebiet.

Nachbargemeinden sind Yamachiche im Westen, Saint-Étienne-des-Grès im Nordwesten, Notre-Dame-du-Mont-Carmel im Norden, Saint-Maurice im Nordosten und Champlain im Osten. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sankt-Lorenz-Stroms befinden sich Bécancour und Nicolet.

Klima[Bearbeiten]

Trois-Rivières hat ein kaltgemäßigtes, vollfeuchtes Klima (Köppen-Klassifikation: Dfb). Die Winter sind lang, kalt und schneereich, während die Sommer in der Regel warm sind. Die durchschnittliche jährliche Schneemenge beträgt 241 cm, wobei der Boden von Dezember bis März durchgehend schneebedeckt ist. Die jährliche durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 1099,8 mm. Im Januar fällt die Durchschnittstemperatur auf −12,5 °C, im Juli steigt sie auf 19,8 °C. Kälteste je gemessene Temperatur ist −41,1 °C am 24. Januar 1976, der Wärmerekord beträgt 36,1 °C am 1. August 1975.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Büste des Stadtgründers Laviolette

Das heutige Stadtgebiet wurde ursprünglich von den Ureinwohnern, den Algonkin und den Abenaki, besiedelt. Sie nutzten die günstig gelegene Stelle am Zusammenfluss zweier bedeutender Verkehrswege (Sankt-Lorenz-Strom und Rivière Saint-Maurice), um Handel zu treiben. Der französische Entdecker Jacques Cartier beschrieb die Stelle 1535 während seiner zweiten Reise in die Neue Welt und errichtete auf der Île Saint-Quentin ein Kreuz. Den Namen Trois-Rivières benutzte erstmals Kapitän François Dupont-Gravé im Jahr 1599; dabei bezog er sich auf die drei Mündungsarme des Rivière Saint-Maurice.[2] 1603 empfahl Samuel de Champlain den Bau einer permanenten Siedlung, was jedoch erst drei Jahrzehnte später geschah, nachdem der Algonkin-Häuptling Capitanal ihn ausdrücklich darum gebeten hatte. Der Sieur de Laviolette (dessen genaue Identität bis heute umstritten ist) gründete am 4. Juli 1634 die Stadt Trois-Rivières.[3]

Trois-Rivières, die zweite französische Stadt in Neufrankreich, war sogleich ein wichtiges Verwaltungszentrum und bedeutender Handelsplatz. 1697 ließen sich Ursulinen nieder, welche die erste Schule gründeten und Missionaren dabei behilflich waren, die Ureinwohner zu bekehren. Während des Siebenjährigen Kriegs wurde Trois-Rivières 1760 von den Briten erobert. Zu Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs versuchte die Kontinentalarmee, Québec zu erobern und besetzte die Stadt während dreieinhalb Monaten. Am 8. Juni 1776 kam es zur Schlacht von Trois-Rivières, in der es den Briten gelang, die Amerikaner zurückzudrängen.[3]

Papierfabrik um 1930

Trois-Rivières ist die älteste Industriestadt Kanadas; die erste Eisenwerk (Forges-du-Saint-Maurice) wurde 1730 eröffnet und blieb 150 Jahre lang in Betrieb. Ihre Hauptaufgabe war es zunächst, Eisen für den Export nach Frankreich herzustellen, das fast gänzlich für den Bau von Schiffen der französischen Marine bestimmt war.[4] 1818 entstand die erste Hafenanlage. 1879 wurde die erste Eisenbahnlinie eröffnet. 1908 zerstörte ein Großbrand weite Teile der historischen Innenstadt. Von den 1920er bis 1960er Jahren galt Trois-Rivières als „Welthauptstadt der Papierindustrie“. Der sinkende Bedarf an Zeitungspapier und die zunehmende Globalisierung führten zur Schließung mehrerer Papierfabriken. Die Stadt stagnierte in den 1980er und 1990er Jahren, als auch mehrere Textilfabriken schließen mussten. Durch Diversifizierung soll ein Wiederaufschwung herbeigeführt werden.[5]

Die Stadt in ihren heutigen Grenzen entstand am 1. Januar 2002 durch den Zusammenschluss von Trois-Rivières mit den angrenzenden Städten und Gemeinden Cap-de-la-Madeleine, Sainte-Marthe-du-Cap, Saint-Louis-de-France, Trois-Rivières-Ouest und Pointe-du-Lac. Gleichzeitig wurde die regionale Grafschaftsgemeinde Francheville, deren Verwaltungssitz Trois-Rivières gewesen war, aufgelöst.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Es gibt vier Stätten, die als National Historic Site klassifiziert sind. Nur mit Gedenktafeln gekennzeichnet sind die Standorte des ersten befestigten Siedlung (Fort de Trois-Rivières, 1634) und das Schlachtfeld von 1776. Der Standort des Eisenwerks Forges du Saint-Maurice (1730) steht als Kulturlandschaft unter Schutz. Erhalten geblieben ist der Historische Bezirk. Dabei handelt es sich um eine aus fünf Häusern bestehende Gebäudegruppe in der Innenstadt. Er umfasst das Maison De Gannes (1756), das Maison Hertel de la Fresnière (1824), das Franziskanerkloster (1742), die Franziskanerkirche (1750) und das Ursulinenkloster (1700). Weitere Sehenswürdigkeiten sind unter anderem die 1858 erbaute Kathedrale Assomption de Trois-Rivières (Sitz des Bistums Trois Rivières), die Basilika Notre-Dame du Cap (1954), die Manoir Boucher-De Niverville (1668) und das alte Gefängnis (1822).

Bevölkerung[Bearbeiten]

Gemäß der Volkszählung 2011 zählte Trois-Rivières 131.338 Einwohner, was einer Bevölkerungsdichte von 454,6 Einw./km² entspricht. 96,3 % der Bevölkerung gaben Französisch als Hauptsprache an, der Anteil des Englischen betrug 1,1 %. Als zweisprachig (Französisch und Englisch) bezeichneten sich 0,4 %, auf andere Sprachen und Mehrfachantworten entfielen 2,2 %. Ausschließlich Französisch sprachen 70,5 %.[6] Im Jahr 2001 waren 92,4 % der Bevölkerung römisch-katholisch, 1,9 % protestantisch und 4,3 % konfessionslos.[7]

Bevölkerungsentwicklung:[8]

Jahr 1871 1901 1931 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2011
Einwohner 11.107 13.540 48.699 72.254 93.451 103.703 111.453 121.483 122.395 131.338

Verkehr[Bearbeiten]

Pont Laviolette

Die Stadt befindet sich an der Kreuzung zweier Autobahnen. Die Autoroute 40 verbindet Montreal mit der Provinzhauptstadt Québec, während die Autoroute 55 den US-Bundesstaat Vermont mit Shawinigan verbindet. Letztere führt über die Pont Laviolette, die einzige Brücke über den Sankt-Lorenz-Strom zwischen den Ballungsräumen Montreal und Québec. Parallel zum Flussufer verläuft die Route 138, eine der wichtigsten überregionalen Hauptstraßen der Provinz. Die in Trois-Rivières beginnende Route 157 führt nach Shawinigan.

Zwei Eisenbahnlinien verbinden Trois-Rivières mit Montreal und Québec bzw. mit Shawinigan. Seit der Einstellung des Personenverkehrs im Jahr 1990 sind sie dem Güterverkehr vorbehalten, der von der Gesellschaft Chemins de fer Québec-Gatineau durchgeführt wird. Die Stadt ist mit Fernbuslinien erreichbar, im Nahverkehr betreibt die Gesellschaft Société de transport de Trois-Rivières 23 Buslinien. Trois-Rivières besitzt einen Regionalflughafen und einen Flusshafen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Aufgrund mehrerer Wirtschaftskrisen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat Trois-Rivières gegenüber den zwei wichtigsten Städten der Provinz, Montreal und der Hauptstadt Québec, etwas an Bedeutung verloren, bleibt aber eine der wichtigsten mittelgroßen Städte der Provinz (neben Saguenay, Sherbrooke und Gatineau). Trois-Rivières ist heute noch ein wichtiges Zentrum der Papierindustrie. Weitere bedeutende Industriezweige sind Metallverarbeitung, Herstellung von Baustoffen, Möbelbau und Holzverarbeitung sowie Lebensmittelverarbeitung. Gezielt gefördert wird die Ansiedlung von Unternehmen in den Bereichen Luftfahrt, Biotechnologie, Logistik, Umwelttechnik und Mikroelektronik. Darüber hinaus wird Trois-Rivières jährlich von 2,2 Millionen Touristen besucht.[9]

Bildung[Bearbeiten]

Campus der Universität

Seit 1969 besteht in der Stadt eine Universität: Die Université du Québec à Trois-Rivières gehört zum Verbund der staatlichen Université du Québec und zählt rund 11.000 Studenten. Auf der Mittelschulstufe gibt es in Trois-Rivières zwei Cégeps (Collège d’enseignement général et professionnel), welche die Vorbereitung auf die universitäre Bildung und die technische Berufsschule vereint. Es sind dies das staatliche Collège Laflèche und das private Collège Laflèche. Zwei Schulbehörden sind für Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen, Erwachsenenbildung und Berufsbildung zuständig: die Commission scolaire du Chemin-du-Roy für französischsprachige Schüler und das Central Quebec School Board für englischsprachige Schüler.

Kultur[Bearbeiten]

Trois-Rivières gilt als „nationale Poesiehauptstadt Québecs“: Seit 1985 findet jeweils in der ersten Oktoberwoche ein viel beachtetes internationales Poesiefestival mit mehreren zehntausend Besuchern statt, außerdem sind in der gesamten Stadt Schautafeln mit poetischen Versen zu finden.[10] Eine weitere wichtige Veranstaltung ist FestiVoix, ein zehntägiges Openair-Musikfestival, das seit 1992 jeweils im Juli stattfindet und rund 300.000 Besucher anzieht.[11]

In der Stadt gibt es mehrere Museen. Zu diesen gehören unter anderem das Papierindustriemuseum Boréalis, das Musée québécois de culture populaire (Museum der Volkskultur Québecs), das Centre d’exposition Raymond-Lasnier (zeitgenössische Kunst) und die Galerie d’art du Parc (verschiedene Kunstausstellungen unterschiedlicher Art). Letztere veranstaltet die Biennale nationale de sculpture contemporaine, eine Biennale der zeitgenössischen Bildhauerei.

Sport[Bearbeiten]

In der Stadt gibt es eine international bekannte Motorsport-Rennstrecke, den Circuit Trois-Rivières. Auf dem 2,41 km langen Stadtkurs finden unter anderem Rennen der NASCAR Canadian Tire Series und Grand-Am-Serie statt. Bekannteste Sportmannschaft der Stadt ist das Eishockeyteam Caron & Guay de Trois-Rivières, das in der Ligue Nord-Américaine de Hockey; die Heimspiele werden in der 3.500 Zuschauer fassenden Colisée de Trois-Rivières ausgetragen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Trois-Rivières – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Trois-Rivières – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Trois-Rivières. In: Données des stations pour le calcul des normales climatiques au Canada de 1971 à 2000. Environment Canada, 12. November 2013, abgerufen am 25. Januar 2014 (französisch).
  2. Trois-Rivières. Commission de toponymie du Québec, abgerufen am 25. Januar 2014 (französisch).
  3. a b Bref historique. Stadt Trois-Rivières, abgerufen am 25. Januar 2014 (französisch).
  4. Le fer de la Nouvelle-France. In: Lieu historique national du Canada des Forges-du-Saint- Maurice. Parks Canada, 13. Juli 2009, abgerufen am 25. Januar 2014 (französisch).
  5. Monique Roy-Sole: A Tale of Tenacity. In: Canadian Geographic Magazine, April 2009, Ausgabe 129, Nr. 2, S. 36–37.
  6. Bevölkerungsprofil der Gemeinde Trois-Rivières. In: Volkszählung 2011. Statistics Canada, 2011, abgerufen am 25. Januar 2014 (französisch).
  7. Bevölkerungsprofil der Gemeinde Trois-Rivières. In: Volkszählung 2001. Statistics Canada, 2001, abgerufen am 25. Januar 2014 (französisch).
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatÉvolution historique de la population des municipalités au Québec. In: Données sociodémographiques en bref. Institut de la statistique du Québec, Februar 2008, abgerufen am 25. Januar 2014.
  9. Industries : Pôles et filières. Innovation et développement économique Trois-Rivières, abgerufen am 25. Januar 2014.
  10. Festival International de la Poésie. Tourisme Trois-Rivières, abgerufen am 25. Januar 2014 (französisch).
  11. Le FestiVoix de Trois-Rivières. Tourisme Trois-Rivières, abgerufen am 25. Januar 2014 (französisch).