Trojaburg

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Als Trojaburgen (schwedisch Trojeborg, Mehrzahl Trojeborgar) werden Steinsetzungen in labyrinthscher Form aus faust- bis kopfgroßen Steinen bezeichnet. Die Durchmesser der Anlagen betragen zwischen fünf und zwanzig Metern. Die Steine liegen meistens lose auf dem Erdboden, sie bilden dicht aneinanderlegt ein begehbares Wegesystem, in der Regel ohne Verzweigungen. Trojaburgen befinden sich häufig in Küstennähe und auf Inseln, seltener auch im Binnenland (z. B. in Südschweden) wurden Trojaburgen entdeckt. In Grundriss und Größe ähneln sie den manchmal ebenfalls als Trojaburgen bezeichneten Rasenlabyrinthen.

Grundriss einer aus Steinen gelegten Trojaburg

Seit dem 19. Jahrhundert begannen sich Archäologen und Völkerkundler für diese Stätten zu interessieren. Die meisten Trojaburgen befinden sich im skandinavischen Raum. Es existieren noch: in Schweden (etwa 200), Finnland (141), Russland (um 60) und einige in Norwegen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die Bezeichnung „Troja-Burg“

Der Begriff „Troja“ leitet sich ab vom indogermanischen Begriff „dra“ (thra)/ „druh“ (thru)(gotisch = trajan / altarisch = draian / keltisch = trojan / germanisch = trelle), der mit „drehen“, „winden“, „verfangen“ übersetzt werden kann, aber auch Verbindung zu Wörtern wie „Fallensteller“ (sanskrit: „druh“) oder etwa dem dreiköpfigen Drachen der indischen Mythologie („druja“) aufweist.

Damit ergibt sich sowohl ein Hinweis auf eine runde Form nicht nur der als Steinsetzungen bekannten Trojaburgen sondern auch jener Orte, die mit dem Namen Troja(-burg) in Zusammenhang stehen. Neben dem bekannten Troja Homers (Wilusa), sind dies das bereits erwähnte Trelleborg sowie das „fränkische“ oder „kleine“ Troja Xanten, aber auch das heutige Paris und Troyes in Frankreich oder verschiedene etruskische Orte im heutigen Italien (vgl. Hallmann 1994). Die Benennung dieser Orte als „Troja“ wird zumeist auf die dichterische Phantasie mittelalterlicher Autoren zurückgeführt, obgleich vielfach ältere Bezüge zum Begriff der Trojaburg vorzuliegen scheinen (vgl. Schmoeckel 2006)

[Bearbeiten] Alter und Herkunft

Schätzungen zum Alter der Trojaburgen weichen stark voneinander ab: Die meisten Trojaburgen sind offenbar jüngeren Ursprungs, während andere möglicherweise bis in die Bronzezeit datiert werden können. Die Altersbestimmung ist schwierig, da nur von wenigen jüngeren Anlagen schriftliche Zeugnisse existieren. Eine absolute Altersbestimmung kann mithilfe der Lichenometrie versucht werden. Ebenso ist es möglich, die Verfärbungen der Teile der Steine, die im Boden stattgefunden haben, zu beurteilen und daraus Rückschlüsse auf das Alter zu ziehen. Zahlreiche Trojaburgen sind jüngeren Ursprungs (19. und 20. Jahrhundert).

Die gefundenen Trojaburgen haben meist die Form des klassischen (kretischen) Labyrinths, welcher sich im Mittelmeerraum anhand von archäologischen Funden bis etwa ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurückverfolgen lässt. Der Name Troja im Zusammenhang eines labyrinthischen Musters findet sich das erste Mal auf der Oinochoë von Tragliatella (7. – 6. Jahrhundert v. Chr.). Vermutlich haben diese Darstellungen und die dazugehörigen Mythen einen gemeinsamen Ursprung in der Bronzezeit und wurden über ganz Europa verbreitet.

[Bearbeiten] Mögliche Deutungen

Das unverzweigte Labyrinth und speziell die begehbare Trojaburg entstammen dem volkstümlichen-religiösen Brauchtum der vorchristlichen Zeit. Das Durchwandeln des spiralförmigen, aber immer wieder die Richtung wechselnden Ganges diente vermutlich u. a. der zyklischen Förderung und Erneuerung der Fruchtbarkeit von Mensch und Natur.

Grundlage dieser Vorstellung war dabei die Erkenntnis der Bedeutung der Sonne für diesen Fruchtbarkeitsprozess. Aus der Beobachtung des Verschwindens der Sonne in den Wintermonaten im äußersten Norden Europas entstand die mythische Verklärung dieses Vorganges als Gefangennahme der Sonne durch ein Ungeheuer,oftmals mit dem Drachen assoziiert. Dieser, so stellte man es sich vor, verbarg die Sonne in der Winterzeit in seinem Verlies, das aufgrund des zu beobachtenden spiralförmig und sich zunehmend verengenden Sonnenlaufes vor dem völligen Verschwinden als Spirale ohne Ausgang (= Trojaburg)dargestellt wurde. Dabei wurde der Lauf der Sonne des ersten Halbjahres als rechts-, der des zweiten Halbjahres als linksdrehende Spirale symbolisiert – der tiefste Punkt der Sonne, also die Wintersonnenwende, wurde mit einem Teilungsstrich durch die Doppelspirale dargestellt. Dieses Symbol der geteilten Doppelspirale ist zugleich das Symbol der Doppelaxt (griech. „labrys“), woraus sich der Name für die Trojaburg im Mittelmeerraum ableitete. Da dieser Vorgang nur im Norden Europas beobachtet werden kann und im Mittelmeerraum nicht mehr nachvollziehbar war, versank auch der einstige Zusammenhang der Doppelaxt mit der Trojaburg in Vergessenheit und wurde ersetzt durch den sinnentleerten Begriff „Labyrinth“ (vgl. Krüger 2006).

Erhalten haben sich jedoch die zahlreichen Sagen von der Befreiung der Sonne durch den „Lichtbringer“, die spätere indogermanische Sonnen- bzw. Himmelsgottheit (Apollon, Baldur, Belenus; vgl. auch die Entsprechung „Baal“ im vorderasiatischen Raum!),der den Drachen besiegt und die Sonne befreit. In der Sagen- und Märchenwelt werden die Sonne als Jungfrau oder Königstochter und der Lichtbringer als Königssohn oder Held symbolisiert – hier finden sich auch die Ursprünge der Märchen des Dornröschens oder Rapunzels (vgl. Krause 1893)! Die bekannteste Version im Mittelmeerraum ist die Minotaurus-Sage, die von der Befreiung der athenischen Jungfrauen aus dem Minotaurus-Labyrinth des kretischen Königs Minos durch den Königssohn Theseus berichtet. In Erinnerung an diese Überlieferung wurden die Trojatänze gestiftet, die sowohl in Rom als auch in Hellas und weiteren Mittelmeerinseln zum beginnenden Frühjahr begangen wurden,und in deren Verlauf junge Männer zu Fuß oder zu Pferde die Windungen der Trojaburg durchlaufen und junge Frauen aus ihrer Mitte „erretten“. Hieraus leitet sich auch die bis heute erhaltene Feier des ersten Maitages ab („Tanz in den Mai“ – im keltischen wurde an diesem Tag das Beltaine-Fest begangen). Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde dieser Tanz etwa an der Trojaburg von Steigra zelebriert (vgl. Meinike 2005).

Überlieferungen aus Finnland kennen noch so genannte „Jungfrudanser“, die in den Steinsetzungen stattgefunden haben sollen. Während solcher Frühlingsriten soll eine Jungfrau im Zentrum des Labyrinths von einem jungen Mann, der dem Spiralgang folgte, umtanzt worden sein.

Auf einen solchen Fruchtbarkeitsritus im Labyrinth weist wiederum auch die Abbildung zweier kopulierender Paare auf dem Krug von Tragliatella (siehe oben) hin. Zugleich verband sich mit der Trojaburg-Symbolik das Gleichnis der Fruchtbarkeit und des erwachenden Lebens schlechthin.

Andere Labyrinthanlagen haben ihre Spuren in der Nähe bronzezeitlicher Gräberfelder hinterlassen, was auch Deutungen in Zusammenhang mit altem Totenbrauchtum zulässt.

Alle Erklärungsversuche zur Bedeutung und dem Zweck der Trojaburgen sind bis heute fehlgeschlagen.

[Bearbeiten] Trojaburgen

  • bei Visby auf Gotland (Schweden)
  • Fröjel, Gotland (Schweden)
  • Borås (Schweden)
  • Lindbacke (Schweden)
  • Tibble (Schweden)
  • Ulmekärr (Schweden)
  • Blå Jungfrun (Schweden), 15 Ringe
  • Roerslev auf Fünen (Dänemark)
  • Calbe (Saale) (Deutschland)

[Bearbeiten] Literatur

  • Frithjoff Hallmann: Das Rätsel der Labyrinthe. Ardagger, Damböck 1994, ISBN 3-900589-15-1.
  • John Kraft: Die Göttin im Labyrinth. edition amalia, Bern 1997, ISBN 3-905581-00-0.
  • Hermann Kern: Labyrinthe. 4. Auflage. Prestel, München 1999, ISBN 3-7913-0614-6.
  • Mechthild Meinike: Die Trojaburg von Steigra. In: Megalithos. 3/2005.
  • Reinhard Schmoeckel: Die Trojamär in den frühen fränkischen Quellen. In: Trojaburg. 1/2006.
  • Dennis Krüger: Das Symbol der Trojaburg. In: Trojaburg. 3/2006.

[Bearbeiten] Weblinks

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