Trona (Mineral)

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Trona
Trona-417601.jpg
Gelblicher Trona vom Owens Lake im kalifornischen Inyo County (Größe: 14,4 x 10,8 x 7,8 cm)
Andere Namen
Chemische Formel

Na3(HCO3)(CO3)·2H2O[2]

Mineralklasse Carbonate und Nitrate (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate)
5.CB.15 (8. Auflage: V/D.02) nach Strunz
13.01.04.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch; 2/m[3]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)
Farbe farblos, grau, gelb, grauweiß, gelbweiß, rosa
Strichfarbe weiß
Mohshärte 2,5 bis 3
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,11 ; berechnet: 2,124[4]
Glanz Glasglanz
Transparenz durchscheinend
Spaltbarkeit vollkommen nach {100} , undeutlich nach {211} und {001}[4]
Bruch uneben bis kleinmuschelig
Habitus säulenförmige, faserige Kristalle, massige Aggregate
Häufige Kristallflächen {001}, {100}; gestreckt nach {010}
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,412 ; nβ = 1,492 ; nγ = 1,540[5]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,128[5]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = 72° (gemessen), 70° (berechnet)[5]
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten wasserlöslich, schon in schwachen Säuren unter CO2-Abgabe löslich

Trona ist ein selten vorkommendes Mineral aus der MineralklasseCarbonate und Nitrate“ (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate, und Verwandte). Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Na3(HCO3)(CO3)·2H2O[2], ist also chemisch ein wasserhaltiges Natriumhydrogencarbonat.

Trona entwickelt meist durchscheinende Kristalle mit säulenförmigem oder faserigem Habitus, aber auch massige Aggregate von weißer, grauer, gelber und gelegentlich auch rosa Farbe inklusive aller Zwischentöne. Auch farblose Kristalle sind bekannt.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Unter UV-Licht kann Trona eine grünliche bis gelblichgrüne Fluoreszenz zeigen.[6]

Trona ist wasserlöslich und hat einen alkalischen („seifigen“) Geschmack.[4] Auch in schwachen Säuren ist er unter CO2-Abgabe löslich.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Trona ist aus dem arabischen Wort „trōn“ abgeleitet, was eine Kurzbezeichnung für Natron (Natriumhydrogencarbonat) ist. Dessen Wortstamm ist allerdings noch älter. Er findet sich auch im hebräischen נטרן (natruna) und im älteren griechischen Wort νιτρον (nitron) wieder, stammt ursprünglich aber aus dem Ägyptischen „ntrj“ (= göttlich).

Erstmals beschrieben und benannt wurde Trona 1773 von dem schwedischen Konsul Bagge in Tripolis, der das Mineral in Fessan (Fezzan, Libyen) fand.[7][8]

Die von Johan Gottschalk Wallerius 1759 eingeführte Bezeichnung alkali orientale impurum terrestre für ein neues Mineral wird zwar von verschiedenen Quellen dem Trona zugeordnet, entspricht allerdings dem chemisch ähnlichen Thermonatrit.[9][10]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Trona zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Wasserhaltigen Carbonate ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Baylissit, Chalkonatronit, Gaylussit, Pirssonit, Soda und Thermonatrit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Trona in die neue Klasse der „Carbonate und Nitrate“ ein (die Borate bilden hier eine eigene Klasse). Dort gehört das Mineral nach wie vor in die Abteilung der „Carbonate ohne weitere Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist allerdings inzwischen weiter unterteilt nach der Größe der beteiligten Kationen und der Elementgruppenzugehörigkeit der Metalle, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit großen Kationen (Alkali- und Erdalkali-Carbonaten)“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 5.CB.15 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Trona wie die veraltete Strunz’sche Systematik in die gemeinsame Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung der „Carbonate“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 13.01.04 innerhalb der Unterabteilung der „13.01 Sauren Carbonate mit verschiedenen Formeln“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Fast weißer Trona vom Green River, Wyoming, USA

Trona bildet sich in nicht-ozeanischen Evaporiten und wird deshalb vor allem in Salzseen (Natronseen) vieler Wüstengebiete gefunden. Selten findet er sich auch in Form von Ausblühungen nahe austretender Gase von Fumarolen. Als Begleitminerale treten unter anderem Bradleyit, Glauberit, Halit, Mirabilit, Natron, Northupit, Pirssonit, Shortit, Thermonatrit, Thénardit sowie in alkalischen Seen Gips.[4]

Als seltene Mineralbildung konnte Trona bisher (Stand: 2012) nur an wenigen Fundorten nachgewiesen, wobei rund 100 Fundorte als bekannt gelten.[11]

Der einzige bisher bekannte Fundort in Deutschland sind die Schlackenhalden der Blei- und Silberhütte Braubach in Rheinland-Pfalz. In der Schweiz fand sich Trona im Salzbergwerk Bex im Kanton Waadt und bei Bauarbeiten zum Tunnelbau für die Nationalstraße 9 nahe Martigny im Kanton Wallis.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, Argentinien, Australien, Bolivien, Chile, China, Grönland, Italien, Kanada, Kenia, Libyen, Namibia, Russland, Südafrika, Sudan, Tansania, im Tschad, Tschechien, der Türkei, Uganda, Ukraine, Ungarn, Venezuela, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[5]


Kristallstruktur[Bearbeiten]

Trona kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15) mit den Gitterparametern a = 20,42 Å; b = 3,49 Å; c = 10,33 Å und β = 106,4° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[12]

Verwendung[Bearbeiten]

Trona ist ein wichtiges Mineral zur Herstellung von Natriumcarbonat. Neben dem Ammoniak-Soda-Verfahren (Solvay-Verfahren) zur Herstellung von reiner Soda (Na2CO3) hat sich in den USA seit 1952 das Trona-Verfahren mehr und mehr durchgesetzt. Die letzte Ammoniak-Soda-Fabrik nach Solvay schloss 1985 ihre Pforten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 554.
  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 581.
  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. vollständige überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer Verlag, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 306.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trona – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1979, ISBN 3-342-00288-3, S. 718.
  2. a b IMA/CNMNC List of Minerals – Trona (englisch, PDF 1,8 MB; S. 288)
  3. Webmineral – Trona
  4. a b c d John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Trona, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 67,4 kB)
  5. a b c d Mindat – Trona
  6. Mindat: Bildbeispiele fluoreszierender Trona, grünlichgelb und grünlich vom Owens Lake, Kalifornien, USA
  7.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 335.
  8. Open Library – Robert Jameson: A system of mineralogy, in which minerals are arranged according to the natural history method, 3. Auflage 1820, S. 44
  9. Mineralogie ou Description générale des substances du regne mineral von Johann Gotschalk Wallerius in der Google-Buchsuche
  10. Bulletin – United States National Museum, Published 1877 by Smithsonian Institution Press
  11. Mindat - Anzahl der Fundorte für Trona
  12.  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 305.