Trossinger Leier
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Die Trossinger Leier ist eine sechssaitige Lyra aus einem alamannischen Adelsgrab des 6. Jahrhunderts aus der „Musikstadt“ Trossingen im Landkreis Tuttlingen. Diese nahezu vollständig erhaltene Leier gilt als das besterhaltene Stück unter den insgesamt 15 bisher bekannten frühmittelalterlichen Exemplaren. Künftig wird sie im Archäologischen Landesmuseum in Konstanz ausgestellt.
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[Bearbeiten] Beschreibung
Der Resonanzkörper der Leier hatte, nach der Konservierung, eine Gesamtlänge von 803 mm, die größte Breite am Joch betrug 195 mm, am Ansatz der Querstange 160 mm am Joch. Der Resonanzkörper des Instruments ist lediglich 11 bis 20 mm dick. Resonanzkörper, Jocharme und Querjoch waren aus einem Stück Ahorn gearbeitet. Die, zwischen 6 und 1 mm starke, Resonanzdecke aus Ahorn war aufgeklebt und bei einer nachträglichen Reparatur mit fünf kleine Eisennägelchen fixiert. An den Ansätzen der Jocharme sind je ein und etwa mittig auf der Resonanzdecke sind 8 Schallöcher eingebohrt. Dies ist der erste Nachweis von Schallöchern an einer Leier. Von den 6 Wirbeln zum Spannen und Stimmen der Saiten bestehen vier aus Esche und zwei aus Hasel. Der Saitensteg besteht aus Weidenholz. Lederreste an den unteren Enden der Jocharme deuten auf eine Art Halteband hin. Abnutzungsspuren und angeschliffene Kanten an einem der Jocharme zeigen, dass das Instrument über eine längere Zeit bespielt wurde. Reste der vermutlich aus Darm bestehenden Saiten sind nicht erhalten.
Beide Seiten der Leier sind reichhaltig, und nahezu flächenfüllend mit Ornamenten beschnitzt. Die Vorderseite des Resonanzdeckels ziert zudem eine bildliche Darstellung mit Menschen, was für diese Zeit Seltenheitswert besitzt. Die Flechtbandornamente sind im Stil des Tierstil II ausgeführt. Rußpartikel in den eingeschnittenen Verzierungen deuten an, dass die Schnitzereien schwarz gefärbt waren.
- Vorderseite: Der Resonanzdeckel zeigt zwei Gruppen von je sechs bewaffneten Kriegern, in Seitenansicht, welche aufeinander zuschreiten. Die jeweils anführenden Krieger umfassen mit ihren Händen eine vor ihnen aufrecht stehende Lanze, an deren Tülle zwei rautenförmige Wimpel an Bändern herabhängen. Die Krieger tragen schulterlanges Haar, das von einem Stirnband gehalten wird. Die von einem Kinnbart gezierten Gesichter sind individuell gestaltet. Die Männer sind mit knöchellangen tunikaartigen Gewändern bekleidet unter deren Säume je ein Paar Füße mit angedeutetem Schuhabsatz ragen. Jeder Krieger hält, auf der dem Betrachter abgewandten Seite eine mit der Spitze zu Boden gerichtete Lanze, und auf der Schauseite zwei übereinander liegende Schilde. Ob damit eine Verdopplung oder Vervielfachung der dargestellten Krieger angedeutet werden sollte ist unklar, da jedem Krieger nur ein Kopf, eine Waffe und ein paar Füße zugeordnet sind. Über den Köpfen der Gruppe befindet sich eine, durch eine Linie getrennte, flammenartige Verzierung. Die Jocharme der Leier sind mit Flechtbandornamenten in schlangenform verziert.
- Rückseite: Der Resonanzkörper ist flächenfüllend mit einem komplexen, aus 44 Schlangen gebildeten, Flechtornament verziert. Die Jocharme zeigen in je drei Kassetten verschiedenen Flecht- und Schleifenornamenten.
[Bearbeiten] Fundgeschichte
Das alamannische Gräberfeld im Stadtgebiet von Trossingen ist schon seit vielen Jahren bekannt, er wurde immer wieder bei Bauarbeiten angeschnitten und untersucht. Bei der Anlage einer Tiefgarage, auf dem ehemaligen Gelände der Schreinerei Weiss, stießen Archäologen im Jahr 2001 auf Bodenverfärbungen, die ein Grab anzeigten. Das Grab wurde mit der laufenden Nummer 58 gekennzeichnet und freigelegt. Da die Grabkammer ideale Bedingungen für Holz und Textilerhaltung aufwies wurde es im Block geborgen. Im Archäologischen Institut der Universität Freiburg wurde es über mehrere Jahre unter Laborbedingungen freigelegt und dokumentiert. Bei Freilegung des Grabes des etwa 30 bis 40 jährigen, wohlhabenden Mannes, traten viele Grabbeigaben zu Tage: Bett, hölzerne Feldflasche, Teller, Schalen, Kerzenleuchter, Stuhl, Tisch, Waffen sowie zahlreiche Textil- und Lederfragmente. Die Leier lag mit der Vorderseite nach unten, in Armhöhe, auf der linken Seite des Toten. Es ist nicht sicher, ob die Leier so in das Grab gelegt wurde, oder ob sie sich später verlagerte. An dem Holz des Instruments hafteten einige Textilreste. Ob die Leier darin eingewickelt war ist noch Gegenstand von Untersuchungen.
[Bearbeiten] Forschungsergebnisse
Die Datierung der Leier erfolgte über dendrochronologische Untersuchungen von fünf Holzproben aus dem Grab, drei Eichenholzbolen und einem Buchendeckbrett der Grabkammer, sowie des Kerzenleuchters, ergaben übereinstimmende Fälldatum der Bäume um die Jahre 578 - 580 n. Chr [1]. Die Leier stammt also spätestens aus dem Jahr 580, aufgrund der Abnutzungspuren an dem Instrument ist aber von einem früheren Herstellungsdatum auszugehen. Eine Begutachtung des Instruments durch einen erfahrenen Instrumentenbauer ergab, dass die Leier voll spielbar war.
[Bearbeiten] Quellenangaben
- ↑ Germania 84/2006 S.100
[Bearbeiten] Literatur
- Barbara Theune-Großkopf: Die vollständig erhaltene Leier des 6. Jahrhunderts aus Grab 58 von Trossingen, Ldkr. Tuttlingen, Baden-Württemberg. In: Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts (Hrsg.) Germania. 84 / 2006 Frankfurt
- Jutta Klug-Treppe: Einzigartige Funde und Einbauten aus Holz in merowingerzeitlichen Gräbern in Trossingen. In "Schriften der Baar" 47 / 2004 Donaueschingen.

