Trotz

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit Trotz als Verhalten; zu anderen Bedeutungen siehe Trotz (Begriffsklärung).
Trotzendes Kind

Trotz ist ein Verhalten des Widerstands, welches sich in hartnäckigem, oft auch von heftigen Gefühlsausbrüchen begleitetem Beharren auf einer Meinung oder einem Recht äußert.

Der Begriff Trotz (trotzen) war ursprünglich nicht negativ wertend, sondern bezeichnete allgemein Gegenwehr oder Standhaftigkeit. In Bezug auf kindliches Verhalten wird der Begriff jedoch traditionell negativ verstanden. In der wissenschaftlichen Diskussion wird er kaum mehr verwendet, denn er wertet mehr, als dass er Klarheit schaffen würde.

Trotz als Verhalten[Bearbeiten]

Der Trotz empfindende und ausübende Mensch befindet sich dabei in einem Zustand des inneren, leicht auch äußeren Widerstandes gegen die soziale Umwelt im Sinne der Selbstbehauptung. Es besteht immer auch eine Tendenz zum Abbruch der Kommunikation. In der Psychologie ist auch die komplexe Abwehrreaktion der Reaktanz beschrieben, die zum Beispiel dann eintritt, wenn eine Appellbotschaft auf der Beziehungsebene nicht fundiert ist.

Trotz in der Kindesentwicklung[Bearbeiten]

Bei der Kindesentwicklung gibt es einen sogenannten Übergangsabschnitt, der typischerweise im zweiten Lebensjahr beginnt und bis zum vierten Lebensjahr anhält (auch Trotzalter oder -phase genannt), wobei die Zeiten jedoch stark schwanken können. In dieser Zeit macht sich erstmals der kindliche Selbstbehauptungswille geltend. In der Entwicklungspsychologie wird inzwischen die Bezeichnung Autonomiephase bevorzugt, da „Trotz“ etwas Negatives darstellt und als Begriff unscharf ist.

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Als zweites Trotzalter wurde früher häufig eine bestimmte Phase in der Pubertät bezeichnet, in der die Heranwachsenden sich insbesondere gegen die Erziehungsberechtigten wenden.

Die Trotzphasen des Kindes in der Sprachentwicklung[Bearbeiten]

In der Sprachentwicklung des Kindes, etwa ab dem Alter von 1½ Jahren an, beginnt das erste Fragealter, welches inzwischen auch als 1. Trotzphase bezeichnet wird. Das Kind drückt mit seinem noch relativ geringen Wortschatz von etwa 50 Wörtern alle seine Wünsche und Bedürfnisse aus und versucht diese in Einklang mit seinem Umfeld zu bringen. Dabei werden Fragen an den Erwachsenen gestellt, die, wenn sie mit ja beantwortet werden vom Kind als positiv gewertet werden. Wird etwas verneint, so kommt es zu Gefühlen wie Wut, Trauer, Enttäuschung und Angst. Die linke Gehirnhälfte, der bei Kindern Funktionen wie logisches Denken, Sprache und analytisches Denken zugeschrieben, ist bei Stresserlebnissen inaktiv, weswegen eine Kommunikation unmöglich wird. Durch kurze Sätze, Wiederholungen und das Spiegeln von Emotionen kann erreicht werden, dass das Kind für Ablenkung oder Trost empfänglich wird. Diese Trotzreaktionen treten jedoch nicht bei allen Kindern in diesem Alter auf. Insofern ist Trotzphase heute ein ungesicherter und in Psychologie und Pädagogik kaum mehr verwendeter Begriff, noch dazu ist er herablassend und negativ wertend. Das kleinkindliche Verhalten wird passender mit dem Begriff Autonomiephase bezeichnet, da es sich dabei um einen ersten Ablöseprozess handelt, in dem Kinder erkennen, dass ihre Bedürfnisse nicht mehr wie selbstverständlich erfüllt werden

Das zweite Fragealter beginnt ab dem vierten bis fünften Lebensjahr, wenn die Wortschatzentwicklung bereits weit fortgeschritten ist. Das Kind stellt jetzt Warum-Fragen, um Informationen zu den einzelnen es beschäftigenden Gebieten zu bekommen und stellt auch die Erwachsenen in Frage, wenn es erkennt, dass diese keine Antwort auf seine Frage parat haben. Während dieser Phase widersprechen Kinder ihren Eltern und versuchen durch Sturheit, Bockigkeit und kreative Ideen ihre erwachsenen Mitmenschen auf das eigentliche Problem hinzuweisen. Kinder in diesem Alter haben gelernt, Stress besser zu bewältigen, so dass die Fähigkeit, sich an die Umstände anzupassen immer besser ausgeprägt ist. Erst im Grundschulalter ist zu erwarten, dass der bewusste Umgang mit Wut und Ärger so weit ausgeprägt ist, dass Trotzanfälle nicht mehr auftreten.

Sprachgebrauch[Bearbeiten]

  • Die RedensartSchutz und Trutz“ unterscheidet die helfende und die kämpferische Seite z. B. eines Bündnisses. Auch die Trutzburg oder Kaisertrutz leiten sich vom Wort „trotzen“ ab.
  • Die Präposition trotz führte zunächst den Dativ mit sich. Neuere Formen stehen mit dem Genitiv, was aber ursprünglich falsch war. Allerdings ist dies im Gegensatz zum verbreitet mit dem falschen Kasus gesetzten „wegen dem“ heute laut Duden richtig.[1]
  • Von „Trotz“ abgeleitet sind das Verb trotzen (intransitiv bzw. transitiv mit dem Dativ) und die einen Hauptsatz einleitende Konjunktion trotzdem.
    • im positiven Sinne außerhalb des oben beschriebenen Bedeutungszusammenhangs als trotzen = einer Sache (u. a. Unwetter, Gefahr) oder einer Person (u. a. Feind) (erfolgreich) Widerstand leisten
  • etwas aus/zum Trotz tun = etwas tun, nur weil es der Andere nicht will oder wünscht
  • nichtsdestotrotz
  • Trotz und Eitelkeit hält der Schönheit Gesellschaft (K. F. W. Wander: Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Bd. 4, S. 1339)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Trotz – Zitate
 Wiktionary: trotz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.duden.de/suche/index.php?begriff=trotz&bereich=mixed&pneu=