True West

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Daten des Dramas
Titel: True West
Originalsprache: Englisch
Autor: Sam Shepard
Erscheinungsjahr: 1981
Uraufführung: 10. Juli 1980
Ort der Uraufführung: Magic Theater in San Francisco
Personen
  • Austin; erfolgreicher Drehbuchautor
  • Lee; sein Bruder, Landstreicher
  • ihre Mutter
  • Saul Kimmer

True West ist ein Drama des amerikanischen Autors Sam Shepard, das 1981 durch Faber & Faber veröffentlicht wurde.

Es behandelt zwei Aspekte des American Dreams (Freiheit und Wohlstand) und die Probleme, die diese mit sich bringen. Das Buch ist in manchen Bundesländern (u.a. Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Saarland) eine der Pflichtlektüren in der Jahrgangsstufe 12/13 als Vorbereitung auf das Zentralabitur im Unterrichtsfach Englisch.

Form[Bearbeiten]

Das Drama ist in zwei Akte aufgeteilt. Der erste Akt umfasst die Szenen 1 bis 4, der zweite Akt die Szenen 5 bis 9. Alle 9 Szenen spielen in der Küche des Hauses von Austins und Lees Mutter.

Handlung[Bearbeiten]

Das Drama handelt von der Entwicklung zweier Brüder namens Lee und Austin, die sich in ihren Charakteristika nicht unähnlicher sein könnten. Während Austin ein erfolgreicher Drehbuchautor ist, der mitten im Leben steht, ein Haus und eine Familie hat und aufgrund eines guten finanziellen Hintergrundes ein unbekümmertes Leben führen kann, ist sein Bruder Lee ein kleinkrimineller Landstreicher, der sich auf das Diebeshandwerk spezialisiert hat und damit seinen Lebensunterhalt bestreitet.

Die Mutter der beiden Brüder ist zu Beginn des Dramas in Alaska im Urlaub. Sie hat ihrem Sohn Austin aufgetragen, sich um ihr eher konservativ eingerichtetes Haus zu kümmern und ihre geliebten Pflanzen zu gießen. Lee war erst 3 Monate in der Wüste unterwegs und hat den "old man" (Lees und Austins Vater) besucht, der sich vor langer Zeit für das Exil und die Abgeschiedenheit entschieden hat. Er kommt zum Haus seiner Mutter, um in die Anwesen der reichen Nachbarn einzubrechen. Ob die Eltern nun geschieden sind oder lediglich getrennt voneinander leben, geht aus dem Stück nicht hervor.

Das Drama beginnt mit Austin, der an Notizbuch und Schreibmaschine sitzt und an seinem Projekt, einem Drehbuch für einen Historienfilm, arbeitet. Er arbeitet schon seit längerer Zeit daran und hat sich aus diesem Grund bereits über Monate hinweg mit einem Produzenten namens Saul Kimmer getroffen, der vorgibt, von seinem Projekt durchaus begeistert zu sein. Lee, der über den gesamten ersten Akt einen betrunkenen Eindruck macht, ist ebenfalls anwesend und unterhält sich mit Austin. Beide sprechen aber eher aneinander vorbei, eine wirkliche Kommunikation findet nicht statt. Lee versteht es dabei, seinen Bruder mit abwertenden Fragen, Antworten und Aussagen zu provozieren; Austin geht aber nicht sonderlich darauf ein, da er Lee augenscheinlich körperlich unterlegen ist und Angst vor ihm hat. Er spricht in einer eher gehobenen Sprache, wohingegen Lee einen eher vulgären, teilweise beleidigenden Slang verwendet. Durch die stetigen Provokationen und die Gegensätze zwischen den beiden Brüdern kommt es unablässig zum Streit, der im Laufe des Theaterstückes noch weiter eskaliert. Um sich in Ruhe mit Saul Kimmer über das Geschäft unterhalten zu können, gibt Austin Lee, für den er sich schämt, seine Autoschlüssel und macht mit ihm eine Zeit ab, zu der dieser wieder zurück sein sollte. Während des Treffens erscheint Lee allerdings verfrüht und mit einem aus der Nachbarschaft gestohlenen Fernseher in den Händen. Er verwickelt Saul - anfänglich durch Geschick, später durch Bedrängen - in eine Diskussion. Lee und Saul entdecken dabei ihre gemeinsame Vorliebe für Golf und verabreden sich sogleich zu einer morgendlichen Partie. Weiterhin versucht Lee ihn von seiner eigens ausgedachten Geschichte zu überzeugen. Saul scheint zunächst desinteressiert, auf Lees Drängen verspricht er aber, sich den groben Handlungsverlauf durchzulesen, sobald Austin diesen aufgeschrieben hat. So wird Austin unfreiwillig zu Lees Schreiber. Beim Golftreffen (einer sogenannten "Off-Stage Scene", die man hier außerdem als Wendepunkt bezeichnen kann) schafft es Lee schließlich, den Produzenten von seiner von Klischees überhäuften Geschichte zu überzeugen und ihn durch eine Wette zur Produktion zu verpflichten. Da Lee aber kein begabter Schreiber ist, soll Austin die Geschichte zu Papier bringen. Er findet die Geschichte aber zu simpel, ja geradezu "dumm" und lehnt deshalb ab. Daraufhin bricht Saul seine Abmachung mit Austin und lässt dessen Geschichte fallen.

Die Protagonisten verändern sich daraufhin in die genau entgegengesetzte Richtung. Austin betrinkt sich nun fortlaufend und beleidigt seinen Bruder in einer für ihn ungewöhnlichen Sprachebene. Um Lee zu beweisen, dass er ebenfalls in der Lage ist zu stehlen, zieht er nun selbst durch die Nachbarschaft und stiehlt sämtliche Toaster. Lee versucht sich selbst als Autor an der Schreibmaschine, kann jedoch keinen klaren Gedanken fassen und ist auf Austin als Schreiber angewiesen. So treffen die Beiden eine Abmachung: Austin soll Lees Gedanken aufbereiten und schreiben, Lee soll Austin dafür mit in die Wüste nehmen und ihm zeigen, wie man dort (über)lebt, denn ein Leben in der Wüste (zumindest auf Zeit) scheint schon immer Austins Traum gewesen zu sein. In der Folge haben Austin und Lee nur noch das Drehbuch im Kopf und vernachlässigen das Haus und die Pflanzen der Mutter total, sodass die Wohnung zu einer "Müllhalde" verkommt. In der letzten Szene formulieren Lee und Austin gerade eine Passage der Geschichte, als die Mutter, die früher von ihrem Urlaub zurückgekommen ist, auftaucht. Lee ändert blitzartig sein Verhalten, ist wieder beleidigend gegenüber Austin und will sofort das Haus verlassen (und nebenbei etwas Silberbesteck und Porzellan mitnehmen); er sagt, dass man den Deal verschieben müsse, aber es ist klar, dass er seinen Teil der Vereinbarung überhaupt nicht einzuhalten beabsichtigt. Austin wird deswegen sehr wütend und stranguliert Lee mit dem Telefonkabel; die Mutter scheint davon wenig beeindruckt, ihre Sorge gilt viel mehr ihren mittlerweile abgestorbenen Pflanzen. Sie verlässt das Haus, um später in einem Motel zu übernachten. Schließlich liegt Lee am Boden und gibt vor, tot zu sein, woraufhin Austin das Kabel löst und - anscheinend etwas benommen - versucht, seinen Bruder anzusprechen. Dieser rührt sich nicht - Austin will das Haus verlassen, aber plötzlich springt Lee auf und blockiert den Ausgang. Die Geschichte endet hier, mit der Konfrontation der beiden Brüder vor dem Haus im Hintergrund der Wüste.

Besonderes[Bearbeiten]

Auffällig an dem Stück ist die Konfrontation mit dem American Dream. Mit den Leitmotiven "From rags to riches" und der Freiheit des Wilden Westens zeigt es die Entwicklung zweier Brüder, die als typische Vertreter der jeweiligen Aspekte des American Dream, nämlich einerseits grenzenlose Freiheit und Ungebundenheit und andererseits sozialer Aufstieg und beruflicher Erfolg, auftreten, aber sich das Leben des jeweils anderen erträumen und einander darum beneiden. Weitere wichtige Aspekte hängen mit dem Schauplatz und der Umgebung zusammen. Die Umgebung wird detailliert beschrieben, auch das Zirpen der Grillen und das Heulen der Koyoten, als Symbol der wilden Natur, findet man in dem ganzen Theaterstück mehrmals wieder.

Das Stück wurde in einer Co-Produktion des Theatre National de Luxembourg, der Ruhrfestspiele Recklinghausen und des Renaisssace-Theaters Berlin im Jahr 2008 u.a. von Oktay Özdemir (Lee) und Eralp Uzun (Austin) aufgeführt. Die beiden türkischstämmigen Schauspieler schaffen es hierbei aktuelle Bezüge zum Leben in Berlin-Kreuzberg darzustellen.

Weblinks[Bearbeiten]