Truppenübungsplatz Baumholder

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Verbandsabzeichen Truppenübungsplatzkommandantur Baumholder

Der Truppenübungsplatz Baumholder ist ein militärisches Übungsgelände in Rheinland-Pfalz. Der Übungsplatz wird von der Bundeswehr verwaltet. Auf ihm ist der Einsatz von Bordkanonen, Bordmaschinenkanonen, Panzerabwehrhandwaffen, Panzerabwehrlenkflugkörpern, Handwaffen, Artillerie, Mörser, Unmanned Aerial Vehicles sowie Luft-Boden-Schießen vorgesehen.[1]

Lage[Bearbeiten]

Truppenübungsplatz Baumholder

Der Truppenübungsplatz (TrÜbPl) liegt südlich des Hunsrücks zwischen den Flüssen Nahe, die nordwestlich daran vorbeiführt, und Glan am Rande des Nordpfälzer Berglands. Namensgeberin ist die im Westen des Geländes liegende Stadt Baumholder. Die nächste größere Stadt ist Idar-Oberstein im Nordwesten. Das Übungsgelände misst von Norden nach Süden bis zu zwölf Kilometer und von Westen nach Osten bis zu 15 Kilometer.

Geschichte[Bearbeiten]

Erinnerungstafel für den Ort Grünbach an der Stelle, wo der Ort existierte

Der Truppenübungsplatz wurde für das XII. Armeekorps der Wehrmacht angelegt, dessen Generalkommando seinen Sitz in Wiesbaden hatte. Mit der Anlage wurde 1937 begonnen.

Für den 11.600 Hektar großen Platz wurden Gemeinden und Weiler mit 3970 Einwohnern geräumt und zu Wüstungen. Es waren Aulenbach, Ausweiler, Breungenborn, Ehlenbach, Erzweiler, Frohnhausen, Grünbach, Ilgesheim, Kefersheim, Mambächel, Oberjeckenbach, Ronnenberg, Zaubach, Wickenhof und Wieselbach. Die ehemaligen Bewohner veranstalten jährliche Treffen.[2] Die Infanterieregimenter 105 und 70 hielten im April 1937 die ersten Übungen ab.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden kriegsgefangene Angehörige der Roten Armee, die vom Stammlager 326 VI K in Nordrhein-Westfalen nach Baumholder gebracht worden waren, in Arbeitskommandos auf dem Truppenübungsplatz eingesetzt. Im Spätsommer 1941 waren es etwa 450.[3]

Ab dem 17. Dezember 1943 wurden die Bataillone der Strafdivision 999 nur noch auf dem Truppenübungsplatz Baumholder aufgestellt.

Im Herbst 1944 wurde die Gebäude des Truppenübungsplatzes bombardiert. Dabei wurden Kasernen- und Wirtschaftsgebäude sowie das Theater beschädigt.

1945 nahm die United States Army den Truppenübungsplatz ein. Sie übergab ihn im August 1945 an das Französische Heer, das ihn bis 1960 führte. Die 2. US-Panzerdivision nutzte den Platz ab 1951/1952. Deutsche Soldaten übten ab 1956 nach der Gründung der Bundeswehr wieder auf dem Truppenübungsplatz. Sie übernahm ihn 1960 in ihre Zuständigkeit.

2003 wurde ein neues Nutzungskonzept entwickelt und die Zahl der Schießanlagen seither reduziert. Die Anlage verfügt über 26 Schießbahnen, sechs Sprengplätze, Handgranatenwurfstände, eine ABC-Übungsbahn, einen Pionierübungsplatz und weitere militärische Einrichtungen. 5400 Hektar sind Freifläche und 6200 Hektar Forstbetriebsfläche.

Mit dem Baumholder Army Airfield verfügt der Truppenübungsplatz über einen eigenen Flugplatz.

Auf Grund der Luftraumstruktur ist der TrÜbPl Baumholder derzeit in Deutschland der einzige, der taktische Luft-Boden-Einsätze der Luftwaffe mit Übungs- und Gefechtsmunition aus mittleren und großen Höhen erlaubt.[4]

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Auf dem Truppenübungsplatz leben 104 Vogelarten, darunter Schwarzstörche, Heidelerchen und Raubwürger. Mehr als 80 Tagfalter wurden nachgewiesen, darunter der Rundaugen-Mohrenfalter, der Lilagold-Feuerfalter und der Quendel-Ameisenbläuling. Auch Populationen von Luchsen und Wildkatzen finden sich. Auf dem Gelände wachsen Schmetterlingsblütler wie die Gras-Platterbse und Moose wie Bryum alpinum. Von 721 Farn- und Blütenpflanzen stehen 27 auf der deutschen Roten Liste gefährdeter Arten. Der Truppenübungsplatz ist geschützt nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und Vogelschutzgebiet.[5]

Weitere Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Erkalteter Lavastrom auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes

Nördlich der durch den Truppenübungsplatz verlaufenden L 169 befand sich ein Steinbruch. Bei Sprengungen entdeckte man einen erkalteten Lavastrom, welcher in dieser gut erhaltenen Form in Deutschland selten zu bestaunen ist.[6]

Weiterhin gibt es auf dem gesamten Gelände zahlreiche Achatfunde.[7]

Da sich diese Naturdenkmäler innerhalb des Truppenübungsgeländes befinden, dürfen sie ohne Erlaubnis nicht besichtigt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Kunz: 70 Jahre Truppenübungsplatz Baumholder. Von der bäuerlich geprägten Kultur- zur militärisch bestimmten Dienstleistungslandschaft. Eine Zeitreise durch 70 Jahre Geländebetreuung, gesehen mit den Augen eines Landwirts, dem es vergönnt war, 36 Jahre davon als Geländebetreuer mit zu erleben. Geiger, Horb am Neckar 2008, ISBN 978-3-86595-252-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Truppenübungsplatz Baumholder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Antwort der Bundesregierung. In: www.bundestag.de. 21. Dezember 2011, abgerufen am 18. Januar 2012 (PDF; 108 kB, deutsch).
  2. Truppenübungsplatz Baumholder, Informationen zur SWR-Sendung vom 28. Juni 2007
  3. Reinhard Otto: Wehrmacht, Gestapo und sowjetische Kriegsgefangene im deutschen Reichsgebiet 1941/42, S. 177 (Digitalisat)
  4. Antwort der Bundesregierung. In: www.bundestag.de. 21. Dezember 2011, abgerufen am 18. Januar 2012 (PDF; 108 kB, deutsch).
  5. Baumholder: Naturschutz, wo die Truppe übt
  6. http://www.mineralienatlas.de/?l=6568
  7. http://www.mineralworld.de/html/trupp.html

49.6531897.343117Koordinaten: 49° 39′ 11″ N, 7° 20′ 35″ O