Tscherkessen

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Hauptsiedlungsgebiete der Tscherkessen in Kaukasien. Die beiden westlichen Gebiete in Adygeja gelten in Russland als Titularnation der „Adygejer“, die die Westtscherkessische/ Adygeische Schriftsprache verwenden. Die beiden östlichen Gebiete sind die Titularnation Kabardiner in der Teilrepublik Kabardino-Balkarien, die die Osttscherkessische/ Kabardinische Schriftsprache verwenden und als historischen Sonderweg eigene Fürstentümer bildeten. Das mittlere Feld sind Beslenejer und einige Kabardiner in Karatschai-Tscherkessien, die die Kabardinische Schriftsprache verwenden, ohne historisch eigene Staatsbildung. Sie gelten in Russland als Titularnation „Tscherkessen“.

Die Tscherkessen sind ein kaukasisches Volk. Sie sind eines der namensgebenden Völker der Teilrepubliken im Staatsverband Russlands Adygeja, Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien. In Europa ist das Volk unter dem Namen „Tscherkessen“, auch Zirkassier, bekannt; sie selbst nennen sich „adyge“. Davon abgeleitet gibt es die Bezeichnung Adygejer.

Nach der russischen Volkszählung 2010 leben in Russland rund 719.000 Tscherkessen. Infolge des Kaukasuskrieges lebt die große Mehrheit der Tscherkessen oder der Menschen tscherkessischer Herkunft aber seit dem 19. Jahrhundert in der Diaspora in Staaten des Nahen Ostens und des Balkans, von denen einige in jüngerer Zeit auch in weitere Länder auswanderten. Die größte Gruppe bilden die Tscherkessen in der Türkei, gefolgt von Minderheiten in Syrien, Jordanien, und kleineren Gruppen im Irak, in Ägypten, Libyen, Israel, dem Kosovo und Südserbien. Sie werden auf unter drei bis über vier Millionen Menschen geschätzt. Von ihnen spricht nur noch eine Minderheit tscherkessische Dialekte.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Die Herkunft der Fremdbezeichnung „Tscherkessen“ oder englisch „Circassians“ ist umstritten. Sie taucht im 13./14. Jahrhundert etwa zeitgleich in den Quellen als türkisch Çerkez, persisch ‏ چرکس‎ tscharkas und bei Kaufleuten aus Genua, die zu dieser Zeit durch die Genueser Kolonien im Schwarzmeergebiet Kontakte unterhielten, als italienisch Ci(a)rcassi oder lateinisch Ci(a)rcassiani auf, woraus sich fast alle Bezeichnungen der Tscherkessen in europäischen und orientalischen Sprachen entwickelten. Nach einer umstrittenen Hypothese geht sie vielleicht auf die vorherige Fremdbezeichnung kaschag, russisch kassog, kerket oder lateinisch Cercetae zurück, eventuell vermittelt von der ossetischen Sprache.[1]

Ebenso umstritten ist die Herkunft der Selbstbezeichnung „adyge“ und „adygei“. Eine ältere Etymologie aus dem 19. Jahrhundert, nach der sie sich von tscherkessisch „attéghéi“ ableiten soll, wobei „atté“ Gebirgsbewohner und „ghéi“ Meeresbewohner (Küstenbewohner) bedeutet[2], gilt heute vielen Forschern aufgrund der Lautstruktur des Tscherkessischen und seiner späten Überlieferung seit dem 19. Jahrhundert als fraglich.

Sprache[Bearbeiten]

Die tscherkessischen Sprachen bestehen aus zwei verschriftlichten Sprachen, die manchmal auch als Dialekte bezeichnet werden, dem West-Tscherkessischen (Adygeisch) und Ost-Tscherkessischen (Kabardinisch). Man hegt die Vermutung, dass sich das Ost-Tscherkessische im 13. bis 14. Jahrhundert von der gemeinsamen tscherkessischen Sprache getrennt hat. Das West-Tscherkessische ist in der Autonomen Republik Adygeja die offizielle Sprache, das Ost-Tscherkessische wiederum in Kabardino-Balkarien und in Karatschai-Tscherkessien. Da das Ost-Tscherkessische weniger konsonantische Laute als das West-Tscherkessisch besitzt, ist es für ost-tscherkessisch Sprechende schwieriger, das West-Tscherkessische zu verstehen, als umgekehrt. Nach ihrer Sprache befragt, geben alle die Antwort, Adygejisch zu sprechen. Daher erscheint es oft irreführend, die tscherkessische Sprache in Adygejisch und Kabardinisch zu unterteilen. Die Unterteilung in West-Tscherkessisch (Adygejisch) und Ost-Tscherkessisch (Kabardinisch) ist sinnvoller, jedoch nicht gebräuchlich, da sie bei den Tscherkessen selbst nicht so vorgenommen wird.

Die Tscherkessen besitzen keine eigene Schrift. Mit der Islamisierung war ihre Schriftsprache die arabische Sprache. Anfang des 20. Jahrhunderts bediente man sich des lateinischen Alphabets zur Schreibung des Tscherkessischen. Seit 1937/38 wird das kyrillische Alphabet mit einigen Ergänzungen benutzt. Man bedient sich zweier verschiedener kyrillischer Alphabete: das des West-Tscherkessischen, welches hauptsächlich auf dem temirgojischen Dialekt aufgebaut ist, und das des Ost-Tscherkessischen, dem kabardinischen Dialekt.

Tscherkessisch und Ubychisch in den nordwestkaukasischen Sprachen nach einer möglichen Genealogie
Tscherkessisch, Ubychisch und Abchasisch-Abasinisch nach einer anderen möglichen Genealogie, mit einigen Dialekten

Einer der zwölf Tscherkessenstämme (siehe unten), die Ubychen, sprachen die Ubychische Sprache, die nach Dokumentationen mehrerer Sprachwissenschaftler, u. a. Adolf Dirr und Georges Dumézil, weder mit dem abchasisch-abasinischen Zweig, noch mit dem tscherkessischen (kabardinisch-adygeischen) Zweig verständlich war und somit einen dritten Zweig der nordwestkaukasischen Sprachfamilie bildete, wenn auch die Ubychen sich immer als Teilstamm der Tscherkessen sahen. Fast alle Ubychen emigrierten im 19. Jahrhundert ins Osmanische Reich, wo ihre Sprachkenntnisse verschwanden und die Sprache ausstarb. Dumézil forschte mit dem letzten Muttersprachler Tevfik Esenç. Es gibt inzwischen Versuche, die Sprache wieder zu etablieren.

Gemeinsam mit der abchasischen, abasinischen und ubychischen Sprache gehören die tscherkessischen Dialekte zur Adyge-abchasischen Sprachfamilie, die auch als (Nord-)Westkaukasische Sprachfamilie bezeichnet wird. Die Mehrheit der Kaukasiologen meint, dass die beiden Hauptzweige dieser Sprachfamilie, der abchasisch-abasinische und der tscherkessische (adygische) seit etwa 3000–5000 Jahren getrennt sind.[3] Die historische Stellung des Ubychischen als mittlerer Zweig ist umstritten. Für einige Forscher hat es sich später vom tscherkessischen Zweig entfernt, für viele Forscher dagegen vom abchasisch-abasinischen Zweig, näherte sich aber durch areale Sprachkontakte den tscherkessischen Dialekten an.

Siedlungsgebiet[Bearbeiten]

Tscherkessien im Jahr 1840 mit einigen Stämmen und Nachbarvölkern (Karte von James Stanislaus Bell)[4]

Das Siedlungsgebiet reichte im 16. Jahrhundert bis ans Asowsche Meer und umfasste die Steppen des heutigen südlichen Russland bis zum Unterlauf des Don. Durch Kriege und Völkerwanderungen wurden die Tscherkessen immer weiter nach Süden zurückgedrängt. Im 18. Jahrhundert bildete der Fluss Kuban die nördlichste Grenze ihres Siedlungsgebietes. Dieses erstreckte sich über die Ostküste des Schwarzen Meeres, den mittleren Kuban, den unteren Kuban, das Westufer des Terek-Flusses und den Großteil der Kabardei bis zur heutigen Stadt Mosdok in Nordossetien.[5] Im 19. Jahrhundert, nach Ende der russisch-kaukasischen Kriege, wurden etwa 500.000 Nordkaukasier in das damalige Osmanische Reich zwangsumgesiedelt. Diese Ereignisse wurden durch das Parlament Georgiens einstimmig als Genozid eingestuft.[6] In das Gebiet der Tscherkessen wurden zumeist christliche russische Bauern aus dem Landesinneren des Russischen Reiches angesiedelt.[7]

Heute lebt die Mehrheit der Tscherkessen außerhalb des Kaukasus: in der Türkei etwa zwei Millionen[8], in Syrien ca. 100.000, in Jordanien 65.000, in Israel 4000 sowie in der EU 40.000 und in den USA 9000. Es gibt auch Tscherkessen im Kosovo (in der Stadt Obiliq) und in Südserbien. Die Assimilierung spielt eine bedeutende Rolle und entfernt die Tscherkessen mehrheitlich von ihrer eigenen Kultur. Die Folgen sind, dass die Kinder oft kein Tscherkessisch mehr sprechen.*[9]

Karte mit den heutigen russischen Republiken Adygeja, Karatschai-Tscherkessien und Kabardino-Balkarien im Nordwesten

Im Kaukasus ist eine Minderheit verblieben, die in drei autonomen Republiken lebt. In Adygeja waren von 440.000 Einwohnern bei der Volkszählung 2010 in Russland 107.048 Tscherkessen, die in Russland „Adygejer“ genannt werden, 25,2 % der Einwohner dieser Republik.[10] In der Autonomen Republik Karatschai-Tscherkessien sind von etwa 478.000 Einwohnern 56.466 Tscherkessen (11,9 %), die in Russland auch offiziell so genannt werden.[11] In der Autonomen Republik Kabardino-Balkarien sind von 860.000 Einwohnern etwa 490.453 Tscherkessen (57,2 %),[12] die in Russland offiziell als „Kabardiner“ bezeichnet werden. Weitere etwa 17.500 Tscherkessen leben als „Adygejer“ oder „Schapsugen“ in der Region Krasnodar, besonders in der Umgebung der Stadt Tuapse an der Schwarzmeerküste.[13] Bis auf Kabardino-Balkarien sind die Tscherkessen in ihrer heutigen Heimat Minderheiten. Natürlich entsprechen sie nicht dem vollständigen, ursprünglichen Siedlungsgebiet der Tscherkessen. Die verschiedene Namensgebung der jeweiligen Republiken erweckt oft den Anschein, dass es sich bei den Begriffen Adygejer, Tscherkessen, Kabardiner und Schapsugen um verschiedene Völker handelt. Alle Begriffe bezeichnen im Grunde die Tscherkessen. Der Begriff „Tscherkessen“ wird häufig in Europa benutzt. Die Tscherkessen selbst nennen sich „Adyge“ und die Kabardiner und Schapsugen sind ein Stamm der Adyge und somit auch Tscherkessen oder Adygejer. In ganz Russland registrierte die Volkszählung 2010 124.835 „Adygejer“, 516.826 „Kabardiner“, 73.184 „Tscherkessen“ und 3882 „Schapsugen“,[14] also insgesamt 718.757 Tscherkessen.

Die zwölf tscherkessischen Stämme[Bearbeiten]

Die Flagge der Tscherkessen, gleichzeitig Flagge der Republik Adygeja. Die zwölf Sterne repräsentieren die zwölf Stämme der Tscherkessen.
Heutige Hauptsiedlungsgebiete der tscherkessischen Stämme (grün) im westlichen Kaukasus.

Traditionell teilte sich die Gesellschaft der Tscherkessen in zwölf große alte Stämme, die verschiedene Dialekte oder Sprachformen sprechen:

  1. Abadzechen oder Abzachen
  2. Beslenejer
  3. Bjjedughen
  4. Hatkuajer
  5. Kabardiner (meist in Kabardino-Balkarien)
  6. Makhoscher
  7. Mamkeyher
  8. Natkhuajer
  9. Schapsugen
  10. Temirgojer auch Chemgujer genannt
  11. Ubychen und
  12. Yecerikhuajer

Die Zahl der Mitglieder schwankt zwischen einigen Tausend (z. B. Hatkuajer) bis zu über einer drei Viertel Million (Kabardiner, inklusive Diaspora), je nach Größe des früheren Siedlungsgebietes. Der Dialekt der Temirgojer wurde zur Grundlage der Adygejischen Schriftsprache, der Dialekt der Kabardiner zur Grundlage der Kabardinischen Schriftsprache. Andere Dialekte wurden nicht verschriftlicht.

Nur noch sechs dieser Stämme leben zumindest teilweise noch im Kaukasus, die Kabardiner als einzige zur Mehrheit. Die anderen sechs - Hatkuajer, Makhoscher, Mamkeyher, Natkhuajer, Ubychen und Yecerikhuajer - sind fast vollständig in die Diaspora gegangen, und die wenigen Zurückgebliebenen schlossen sich anderen Stämmen an.

Bis in die Zeit der Mitte des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts gab es weitere Stämme, die für diese Kriegszeiten aber zu klein waren und sich deshalb zum Schutz größeren Stämmen anschlossen: besonders die Schanejer auf der Taman-Halbinsel, die im Konflikt mit den Kubankosaken so starke Verluste erlitten, dass sich die Reste 1802 den Natkhuajern anschlossen, und die Adamijer in der Region der Wendung des Kuban nach Westen, die Ende des 18. Jahrhunderts gegen die Nogaier so stark dezimiert wurden, dass sich die Reste den Temirgojern anschlossen. In Quellen der Zeit werden weitere schon immer kleine Stämme erwähnt, alle im äußersten Westen: die Adaler (=Inselbewohner) im Westen der Taman, die Hegaiken bei Anapa und-alle im Hochland des äußeren Westkaukasus-die Nadho und Netaho (vielleicht identisch), die Koble, die S’schchapete, die Sotochen und die Guajer und Hakutschen. Abgesehen von den letzten beiden ist aber aufgrund widersprüchlicher Quellenangaben unklar, ob sie wirklich früher selbstständig waren, oder nur Untergruppen größerer Stämme. Alle diese kleineren Stämme gingen später in die Natkhuajer, Schapsugen oder Abadzechen auf.[15] Nach Angaben zeitgenössischer Quellen (Evliya Çelebi, Suleiman Khan-Giraj, Heinrich Julius Klaproth und Johann Anton Güldenstädt) sprachen die Schanejer früher, wie auch die Ubychen, eine von den anderen tscherkessischen Dialekten stark unterschiedliche eigene Sprache. Mangels Überlieferung sind keine näheren Aussagen möglich.

Zum Siedlungsgebiet der größeren Stämme im 18. Jahrhundert vgl. die Karte im Kapitel Geschichte seit dem 15. Jahrhundert.

Religion[Bearbeiten]

Seit dem 5. Jahrhundert wurden Tscherkessen von byzantinischen Missionaren zum Christentum bekehrt, im Mittelalter folgten Bekehrungen durch georgische-orthodoxe, byzantinisch-orthodoxe und genuesisch-katholische (ein Erzbistum und zwei Bistümer) Missionare und Bischöfe, die aber aufgrund der geografischen und politischen Abgeschnittenheit Tscherkessiens alle nicht von Dauer waren. Katholischen Bistümer verschwanden im 14., die orthodoxen im 15. Jahrhundert, nachdem der Kontakt zu den Mutterkirchen abriß.[16] Die Tscherkessen verehrten weiterhin Naturgötter und der christlich-pagane Mischkult wurde von einer eigenen Priesterschaft zelebriert.

Die Tscherkessen pflegten einen respektvollen Umgang mit der Natur. In der Vergangenheit wurde kein Baum ohne den Beschluss des Ältestenrates (Chase) gefällt. Jede Familie oder Sippe hatte ihren speziellen Baum, bei dem man sich vor Versammlungen oder vor wichtigen Entscheidungen traf. Naturgötter waren z. B. Schible – Gott des Donners, Tlepsch – Gott des Feuers, Soserez – Gott des Wassers, Mezischa – Gott der Wälder. Zahlreiche weitere animistische und Stammesgottheiten wurden verehrt.[17]

Im 15. Jahrhundert wurden die kabardinischen Tscherkessen unter dem Einfluss der Krim-Tataren zum Islam bekehrt. Die Kabardiner verbreiteten ab dem 15. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert den Islam unter den tscherkessischen Stämmen und benachbarten Völkern, der christliche und animistische Kulte allmählich zurückdrängte.

Der schottische Gesandte James Stanislaus Bell, der sich von 1837 bis 1839 in Tscherkessien aufhielt, berichtet, dass damals die Bibel (auf Georgisch) und der Koran (auf Arabisch) gelesen wurde und auch alte Kulte verbreitet waren, wobei der Koran bevorzugt wurde.[18] Bis auf eine kleine Minderheit der kabardinischen Tscherkessen in der Umgebung der Stadt Mozdok, welche orthodoxe Christen sind, sind die meisten Tscherkessen heute sunnitische Muslime.

Siehe auch: Islam in Russland

Lebensweise im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Soziale Ordnung und Kultur[Bearbeiten]

„Vornehmer Tscherkesse in gewöhnlicher Kleidung“ (Mitte), „Gewappneter Tscherkesse“ (links) und „Tscherkessische Fürstentochter“, Bild 1808

Bis ins 19. Jahrhundert hatten die meisten Tscherkessenstämme eine soziale Schichtung aus vier oder mehr Ständen, die eher untereinander heirateten.[19][20] Am stärksten ausgeprägt war diese Schichtung bei den Kabardinern im Osten, gefolgt von den nordwestlichen Stämmen am Kuban. Stämme im südwestlichen Hochgebirge – Ubychen, Abadzechen, Natkhuajer und Schapsugen u. a. – kannten diese soziale Staffelung nicht[21] und wurden in russischen Quellen auch als „freie Tscherkessen“ oder „demokratische Tscherkessen“ bezeichnet, im Gegensatz zu den „aristokratischen Tscherkessen“. Die Schapsugen und Abadzechen hatten erst im 18./19. Jahrhundert die Vorrechte des Adels beseitigt[22], die Ubychen und Natkhuajer hatten ihn nie.

  1. Fürsten (pschi) aus einigen dynastischen Geschlechtern, die oft an einer konzentrisch gewölbten Mütze aus Samt zu erkennen waren.
  2. Ritter (work oder elsden), ein niederer Adel im Gefolge, der neben den Fürsten im Kriegsfall oft in Kettenrüstungen auftrat. Bei den Kabardinern war er noch unterteilt in eine höherstehende Gruppe tlakotle, die sich ihren Patron selbst suchen durften und der niederen Gruppe deschenugo, die auf einen Anführer festgelegt waren.
  3. Freie (zokol oder waguscheh), die große Mehrheit der Bevölkerung. Bei den Kabardinern tlofokotle, bei einigen westlichen Stämmen auch techokotle genannt. Sie unterteilten sich in verschiedene Clan-Gemeinschaften (dschamaat)
  4. Leibeigene (pschitli), selten persönlich abhängige Sklaven (asat), die kleinste Gruppe, entweder Gefangene oder gerichtlich verurteilte Tscherkessen.

Besonders die Kabardiner im Osten hatten noch einige Untergruppen.[23]

Es war ungewöhnlich, dass die Tscherkessen trotz dieser mehrheitlich differenzierten Gesellschaft mit Ausnahme der Kabardiner nie Staaten mit einem Fürsten an der Spitze bildeten. Als Ursache gilt allgemein, dass die tscherkessische Tradition Adyge-Chabse (siehe nächstes Kapitel) die Anhäufung von Besitz und die Zurschaustellung von Reichtum als Schande betrachtete, was die Konzentration von Macht in einzelnen Händen behinderte. Wichtige Entscheidungen wurden in Versammlungen (Chase) getroffen. Diese Versammlungen wurden oft außerhalb der Siedlungen an traditionellen heiligen Plätzen von einer Familie, einem Clan oder einem ganzen Stamm stehend abgehalten. Bei den demokratischen Stämmen waren es Volksversammlungen unter Vorsitz der Ältesten, bei den aristokratischen tagten oft die Fürsten und Ritter an verschiedenen Orten und tauschten sich über Gesandte aus, zu denen selten noch eine Versammlung der Freien trat. Die zweiten Versammlungen wurden deshalb trotz oberflächlicher Unterschiede schon in der Literatur des 19. Jahrhunderts als „Kongress“ bezeichnet. 1861–64 unterhielten die letzten drei noch gegen Russland kämpfenden Stämme der Abadsechen, Schapsugen und Ubychen einen gemeinsamen Madschlis aus dauerhaft gesandten Ältesten, Militärführern und Geistlichen in der Nähe des Ortes beim heutigen Sotschi, der auch eine Art Regierung bestimmte und Gesandtschaften in verschiedene Staaten schickte. Dieser Madschlis wird deshalb auch häufig als erstes tscherkessisches Parlament bezeichnet.

Tscherkessisches Wohnhaus, Bild 1810

Traditionelle tscherkessische Siedlungen unterschieden sich bis auf wenige Ausnahmen stark vom mittel- und ostkaukasischen Aul, bei dem die Häuser sehr dicht am Hang stehen. Typisch waren rechteckige Langhäuser aus Lehm mit Stroh gedeckt. Oft befanden sich neben dem Wohnhaus ein Gästehaus, ein Küchenhaus, eine Scheune, Stallungen und weitere Wirtschaftsgebäude auf einem Hof, der zur Verteidigung von einer Mauer, meist aber nur von einem Flechtzaun umgeben war. Wehrtürme waren selten. Die Höfe standen in den Siedlungen oft weit auseinander, eine Tradition, die die Tscherkessen in der Diaspora wiederholten.[24] Bis ins 18. Jahrhundert existierten auch Siedlungen, deren Wohnhäuser zur Verteidigung ringförmig aneinander gebaut waren.[25]

Tscherkessische Ritter mit Kabardinerpferd

Wie viele Bewohner des Kaukasus und auch anderer Hochgebirge lebten die Tscherkessen traditionell halbnomadisch in Transhumanz, d. h. ein Teil der Bevölkerung zog im Winter mit den Viehherden auf Weiden am Rand des Gebirges. Im Gegenzug trieben die Tscherkessen des nördlichen steppenartigen Hügellandes und auch benachbarte Volksgruppen ihre Herden im Hochsommer auf die Gebirgsalm. Die Schafzucht war der wichtigste Teil der Viehzucht, gefolgt von der Pferdezucht, die in der Kultur einen sehr breiten Raum einnahm.[26] Seit dem Mittelalter wurden im zentralen und westlichen Nordkaukasus Gebirgspferde gezüchtet, die als „Kabardiner[27][28][29] bezeichnet werden, weil die kabardinischen Adelsfamilien die bekanntesten Züchter waren. Rinder, Hühner, Schäferhunde und Katzen waren weitere Haustiere. Im Ackerbau dominierte Getreide, wo neben Weizen auch Hirse und Linsen eine Rolle spielten, danach Obst, Gemüse und Gewürze, zu dem auch seit dem 18. Jahrhundert die aus Amerika stammenden Kartoffeln, Tomaten, Mais und Chilis kamen. Der Weinanbau spielte eine große Rolle, wie schon italienische Reisende berichteten. Der Fisch- und Kaviarfang im Schwarzen Meer und in den Flüssen des Westkaukasus war auch für den Export wichtig. Ergänzend kam dazu die Jagd, die v. a. vom Adel gepflegt wurde.[30] Die Tscherkessen wie auch die Abchasen oder Inguschen hatten eine spezielle geheime „Jägersprache“.[31]

Kabardinisches Folklore-Ensemble Islamej

Die traditionelle Kleidung der Tscherkessen[32] ähnelte im 16. bis 19. Jahrhundert zunehmend der Tracht anderer Bewohner Kaukasiens, die auch von den südrussischen Kosaken übernommen wurde. Männer trugen eine Tschocha (tscherkessisch: sai, russisch: tscherkesska), darunter ein Hemd, eine Papacha (tscherkessisch: Paʾo) oder die Filzmütze Beschmet (schʾharchon), weiche Lederstiefel (schasma) und einen silberbeschlagenen Gürtel (tidschhin bghiripch).[33] Bei Wind oder Regen wurde darüber die kaukasische Burka (dschako-schtschaque)[34] und der Baschlik[35] getragen. Zur Verteidigung diente der Langdolch Kindjal (kama), eine Schaschka und die Gazyr oder Gasiren genannten[36] Schießpulverladungen im Brustbereich. Frauen trugen privat eine verziertes Blusengewand (sch'i'w oder bgh'ewlh) mit falscher Hemdfront vorn und eine Pluderhose zu denen öffentlich ein Kaftan-ähnlicher Leinenumhang kam[37] und je nach festlichem Anlass und Kälte noch eine bestickte Kappe, ein Tunica-ähnlicher Umhang (zey)[38] sowie weitere Gewänder, z. T. mit Goldapplikationen und Schmuck, dies aber nur zu festlichen Anlässen oder bei adeligen Frauen. Gesichtsschleier waren nicht üblich. Auffällig waren verzierte hohe Holzsandalen (pch'evaqe). Diese Tracht wird heute nur noch in entlegenen Regionen, von älteren Menschen oder zu Festen getragen und war, wie erwähnt, bei vielen Völkern Kaukasiens ähnlich.

Der traditionelle Tanz der Tscherkessen[39] ist die Lesginka, die weitgehend dem tscherkessischen Paartanz islamej oder islamij (= Islamischer) entspricht. Er ist in ganz Kaukasien verbreitet und entgegen dem tscherkessischen Namen nicht nur bei muslimischen Völkern, sondern auch bei christlichen und jüdischen. Der lheperischw (leperischu) ist eine Variante, die nur von Männern getanzt wird, dazu kommt z. B. der Springtanz zighelhet. Neben diesen oft sehr akrobatisch getanzten Tänzen existieren weitere, wie der langsamere Geschlechtertanz zechwek’we (zefaqu) und der alte Ritualtanz w(u)idsch, der eine Tanzparty beendet, mit seiner schapsugischen Variante ch’wrasche. Der sehr langsame qafe (=Tanz) war vor allem im Adel beliebt, wo er auch worq qafe (Rittertanz) genannt wurde, und wird sehr getragen getanzt.[40]

Früher gab es auch Sänger (kikwakwa[41] oder dschegwak’we),[42] die eher romantische, melancholische und heroische Gesänge vortrugen, aber auch Gesänge des nordkaukasischen Narten-Epos, Volkslieder,[43] Märchen, Witze, satirische und Lobgesänge. Zu ihren Aufgaben gehörte auch die Leitung von Banketten und Tanzparties. Die Tscherkessen setzten beruhigende Musik, Rituale und motivierende Ansprachen und Unterhaltung auch zur Therapie Verwundeter ein.[44] Eine Sonderform tscherkessischer Volkslieder sind die sogenannten Istanbulako (= Weg nach Istanbul; auch Jistanbulakue)-Gesänge: Mehrstimmige Klagegesänge, die an die Flucht ins Osmanische Reich 1864 erinnern und besonders in der Diaspora die Erinnerung erhielten.[45] Die Melodien stammen aus der älteren tscherkessischen Sängertradition.[46]

Die tscherkessische Küche[47] war im Alltag der einfachen Bevölkerung oft vegetarisch: Brot und gewürzte Suppen oder Aufläufe aus Graupen, Linsen, Gemüse oder Hirse. Durch die größere Rolle der Viehzucht waren auch Fleisch und Milchprodukte häufiger. Vieles, was heute als Nationalküche gilt, war im 19. Jahrhundert die Küche des Adels, an Festtagen oder besonders zur Bewirtung von Gästen. Es gibt Ähnlichkeiten zur Küche anderer nordkaukasischer Ethnien, zur georgischen Küche und zur Küche der Krimtataren. Häufig waren gekochte oder gebratene Teigtaschen, Spieße, Eierspeisen und Halwa. Bekannt ist auch im Nahen Osten der „Tscherkessenkäse“ (q´wey) aus Kuhmilch oder „Tscherkessenhuhn“ in Walnuss-Knoblauch-Paste. Übliche Getränke waren der sogenannte „Kalmücken-Tee“ (mit Butter und Pfeffer oder Chili), Kefir und die mit der Islamisierung weniger getrunkenen alkoholischen Getränke Hirse- und Maisbier (machsima oder bachsima), Bier (sira), Wein und Met.

Zum traditionellen Kunsthandwerk der Tscherkessen gehörten Schaffelle, Kleidungsstücke, Bastmatten, Sattel und Gold-, Silber-, Eisen- und Waffenschmiedearbeiten, die oft sehr hochwertig waren, weil sie neben Fisch, Holz, Getreide, Kaviar oder Wachs auch für den Export bestimmt waren. Seit der Antike bis ins 19. Jahrhundert wurden auch immer wieder gefangene Sklaven aus dem Westkaukasus verkauft.[48]

Adyge-Chabse (Tradition und Gewohnheitsrecht)[Bearbeiten]

Grabstein des Fürsten Zhebaghi mit späterer Erinnerungstafel

„Adyge-Chabse“ (= tscherkessische Tradition oder tscherkessische Etikette) ist bei den Tscherkessen der Inbegriff ihrer alten Lebensweise.[49] Auch die Siedlungsformen, Musik, Sozialstruktur und Küche im letzten Kapitel können als Teile des Adyge-Chabses bezeichnet werden. Es ist ein Ehrenkodex, der auf gegenseitiger Achtung und Respekt basiert und Verantwortung, Disziplin und Selbstbeherrschung voraussetzt. Es sind die Alltagsgesetze der Tscherkessen, die nie niedergeschrieben wurden, aber dennoch in der Vergangenheit ihr Alltagsleben regelten. Nach diesem Kodex und Konformitätsdruck wurden Kühnheit, Verlässlichkeit und Großzügigkeit als Eigenschaften eines Ritters betrachtet, Habgier, Drang nach angehäuftem Besitz, Reichtum und Prahlerei jedoch als Schande („Haynape“). Obwohl der Adyge-Chabse[50] im Volksmund schon den legendären Narten nachgesagt wird, wurde er auch immer wieder verändert und reformiert. So z. B. von Fürst Beslan (ca. 1498–1525), einem Enkel des Gründers des Fürstentums Kabarda, Inal und Onkel seines größten Herrschers Temrjuk, von Fürst Zhebaghi (Dschebachi, ca. 1684–1750) und nochmals im Jahr 1807 durch mehrere Älteste.

Tscherkessen, Gemälde von Theodor Horschelt, 19. Jahrhundert

Alle Stationen des Lebens von Tscherkessen wurden bis ins 19./20. Jahrhundert von Traditionen des Adyge-Chabses mitbestimmt: die Schwangerschaft und Geburt, Taufe, Erziehung, Partnerwerbung und Hochzeit, Scheidung, Krankenpflege und Tod und Beerdigung. So gab es bestimmte Einschränkungen für Schwangere, nach der Geburt wurden die Kinder zuerst in kaltem Bergwasser oder Schnee gereinigt. Die Namensgebung geschah beim Fest des Neugeborenen, bei dem mehrere Rituale durchgeführt wurden, meist nicht durch die eigenen Eltern, sondern durch fremde Besucher. Es gab viele Erziehungsweisheiten und Wiegenlieder für Kinder. Die Taufe wurde oft noch nach der Islamisierung beibehalten, da ihre christliche Herkunft nicht mehr beachtet wurde und war seltener ein Fest für Babys, meist ein Initiationsfest ins frühe Jugendalter. Kinder von Adeligen wurden zwischen sechs und zehn Jahren oft von ihren leiblichen Eltern weg zu einem Ziehvater (ataliq) gegeben, der ihnen in Gruppen die kriegerische und gesellschaftliche Erziehung zukommen ließ, weshalb die Bindung an die Zieheltern und Ziehgeschwister ein Leben lang oft enger war, als zu den leiblichen Verwandten. Diese Erziehungseinrichtung (ataliqate) wird oft mit der spartanischen agoge verglichen. Die Braut oder den Bräutigam lernte man oft auf Tanzpartys oder Brautschauen kennen, und man traf sich danach in Begleitung von Freunden, aber immer ohne die Eltern (Regeln des semercho-der Brautschau und des Flirts). Die Verlobung und Hochzeit wurde nach der Brautschau mit Zustimmung der Eltern geplant. Waren die Eltern gegen die Hochzeit, bestand die im gesamten Nordkaukasus bis ins 20. Jahrhundert streng reguliert bestehende Möglichkeit des Brautraubes, nach dem zwischen den Familien nachverhandelt werden musste. Nur selten entstanden daraus ernsthafte Fehden der Familien. Die Hochzeit war ein von sehr vielen Ritualen begleitetes zentrales Ereignis des tscherkessischen Lebens.[51] Die Scheidung war prinzipiell möglich, aber selten; ein Ehrenmord bei Ehebruch wurde gesellschaftlich nicht erwartet und kam deshalb nicht vor. Im Fall des Ehebruchs konnte die Ehe gegen Entschädigungszahlungen durch die Familien geschieden werden. Prinzipiell war die Gesellschaft monogam aufgebaut, Polygamie kam nur in der Diaspora und selten auf, und ist heute in allen Ländern nicht mehr legal. Der genuesische Reisende Giorgio Interiano berichtete noch im 16. Jahrhundert von einigen Ritualen rund um den Tod: eine legale Gnadentötung pflegebedürftiger Alter, eine zehntägige Wache am sitzenden Toten, eine Bestattung mit Grabbeigaben für das Jenseits und ein 40-tägiges tägliches Besuchen mit dem Lieblingsmahl mit Auffordungen, gemeinsam zu essen. Diese Rituale bestanden im 18. Jahrhundert nicht mehr, die tscherkessische Erzählung kannte sie aber und bestätigte, dass sie im Adyge-Chabse abgeschafft wurden.

Tscherkessische Frau in Nationaltracht 1855

Dem ritterlichen Männerideal stand ein Frauenideal gegenüber: großer und schlanker Wuchs und eine zurückhaltende Art, sich zu geben und zu reden. Ein großer, schlanker Wuchs sollte bei den Mädchen durch ein eng anliegendes Lederkorsett, welches das Brustwachstum hemmen sollte, erreicht werden.[52] Das Wachsen der Brust wurde aber als Zeichen des Erwachsenwerdens akzeptiert. Obwohl die Gesellschaft prinzipiell patriarchalisch und kriegerisch war, standen Frauen sehr viele Sonderrechte zu.

Grundstein der tscherkessischen Gesellschaft ist die Eigenschaft eines „Thamades“. Nach allgemeinem Verständnis und Gebrauch werden die „Älteren“ als „Thamade“ bezeichnet, dies ist jedoch zu ungenau. Ein „Thamade“ ist auch derjenige, der, unabhängig von seinem Alter, innerhalb einer Hochzeitsgesellschaft oder einer anderen Veranstaltung die Verantwortung übernimmt. Voraussetzung ist jedoch, dass dieser Person die Regeln der „Chabse“ bekannt sind. Oft, aber nicht immer ist es ein Ältester, in frühere Zeiten auch oft ein Sänger. Er übernimmt auch die Leitung einer Festtafel und spricht die Trinksprüche aus. Auch in der georgischen Küche wird die Festtafel von einem Tamada geleitet.

Zum Adyge-Chabse gehörten drei Bereiche, die ursprünglich im Rittertum entwickelt wurden und deshalb gemeinsam auch „Worq Chabse“ genannt wurden. Sie strahlten aber schon bald auf andere gesellschaftliche Schichten, den Hochadel, die Freien und Leibeigenen aus und wurden gesamtgesellschaftlich: die Regeln der Blutrache, der Gastfreundschaft und des Respekts für Ältere und Frauen. Letztere waren auch verbunden mit einem ganz ausgeprägten Ideal der Höflichkeit und Mäßigung in der Gesellschaft.

Wie viele alte Gewohnheitsrechte, regelte auch das Adyge-Chabse in der Vergangenheit im Fall kriegerischer Konflikte, des Mordes an Verwandten, die Frage der Verhandlungen um Entschädigung, oder welche Schritte der Blutrache möglich waren und welche zu weit gingen.[53] Die Blutrache wurde gesellschaftlich erwartet und war, weil auch die Familie des Mörders oder des aus Rache getöteten Verwandten, die Beleidigung nicht auf sich sitzen ließ, oft der Ausgangspunkt längerer Fehden zwischen den Familien. Es gab Möglichkeiten, durch ein Verzeihen, durch Entschädigungszahlungen oder durch eine arrangierte Ehe zwischen den Familien dem Gewaltkreis zu entkommen, aber diese galten besonders für Adelsfamilien als ehrenrührig.

Die Gesellschaft galt allgemein als kriegerisch. Tscherkessen und andere Kaukasier waren in der Vergangenheit wie auch Steppennomaden für ihre Kampftaktik bekannt, nie lange in Deckungen zu bleiben, sondern sehr schnell ungeachtet der eigenen Verluste anzugreifen, weshalb sie als Elitekrieger beliebt waren. Der Wert dieser Eliteeinheiten wurde aber dadurch geschmälert, dass besonders bei den Tscherkessen Feuerwaffen lange Zeit verpönt waren, nur Hieb- und Stichwaffen und Pfeil und Bogen anerkannt. Zuletzt bis ins 18. Jahrhundert nur noch im Ritterstand. Diese Einstellung ist auch von den Burdschi-Mamluken (siehe unten) bekannt, weshalb ihr Reich der Artillerie der Osmanen nichts entgegenzusetzen hatte. Im Ursprung waren die sehr schnellen kaukasischen Tänze (Lesginka u. a.) auch eine unterhaltsame Übung der notwendigen Schnelligkeit und Wendigkeit. Die horizontale Grundhaltung der Oberarme geht auf die Armhaltung von Bogenschützen zurück. Als besonders ehrenhaft galt, Streitigkeiten statt in der Schlacht im Zweikampf zu entscheiden. Diese Tradition scheint sehr alt zu sein, denn schon 1022 kämpften der Kassogen-Fürst Reidade und und der altrussische Fürst Mstislaw von Tmutarakan statt in der Schlacht im Zweikampf.[54]

Die Gastfreundschaft war und ist bei den Tscherkessen besonders ausgeprägt. Ein Gast war nicht nur ein Gast der Familie, sondern immer ein Gast der ganzen Ortschaft und der Sippe. Wie in weiten Teilen den Kaukasus wurde der Gast im besten Haus des Gehöfts mit den besten Vorräten bewirtet. Selbst Feinden gegenüber wurde diese Gastfreundschaft weiterhin als eine Pflicht angesehen. Wenn ein Feind das Haus betrat, wurde auch er respektvoll behandelt und bedient. Es gehörte sich auch nicht, ihn zu fragen wer er ist, woher er kommt und wohin er will. Der Kaukasiologe Adolf Dirr schrieb auch: „Der Gast ist wie ein Sklave des Gastgebers“. Damit versuchte er zu erklären, dass auch der Gast die Vorschriften der „Chabse“ zu befolgen hat, z. B. durfte der Gast nicht ohne die Erlaubnis seines Gastgebers der „Gast“ einer anderen Familie werden. In der Vergangenheit gab es eine komplizierte Hierarchie der Gäste, die aber heute kaum noch verbreitet ist.

Der Gastfreundschaft entsprach eine Höflichkeit in der tscherkessischen Gesellschaft. Jeder Tscherkesse erhebt sich, sobald jemand den Raum betritt, bietet diesem einen Platz an und redet nur, wenn er dazu aufgefordert wird. Es gab früher auch eine heute weitgehend vergessenes kompliziertes System an Grußformeln. Die Anwesenheit von Älteren und Frauen verlangt Rücksicht und Respekt. In Gegenwart von Frauen werden Streitigkeiten unterbunden, bricht eine Frau in eine derartige Situation herein, wird der Streit sofort beendet. Auf Wunsch einer Frau versöhnen sich sogar die zerstrittenen Parteien. Frauen hatten auch die Möglichkeit, einen von der Blutrache Bedrohten in ihrem Haus zu schützen, oder durch den Wurf eines Taschentuchs zwischen zwei bewaffnet Streitende, den Streit zu unterbrechen. Speziell aus dem Rittertum stammt die Tradition des kaschen oder psetluk: eine eher idealisierte Beziehung zwischen Männern und Frauen, die manchmal mit der mittelalterlichen Minne verglichen wird.[55]

Der „Adyge-Chabse“ hatte eine kulturformende, allgegenwärtige Prägekraft. Dieser ritterliche Geist soll auch die benachbarten Völker fasziniert haben, so dass auch diese einen Ehrenkodex ähnlich dem tscherkessischen „Chabse“ entwickelten. Vom krimischen Hof bis zu georgischen Königen wurde die „Chabse“ als adeliges Ideal wertgeschätzt. Ihre Kinder sandten sie als Schüler zu tscherkessischen Honoratioren, damit auch sie anhand des tscherkessischen Ehren- und Pflichtenkodex erzogen würden. Sicherlich ist die tscherkessische Lebensweise nie von allen Tscherkessen praktiziert worden. Die Gesellschaft versucht dennoch, ihre Sitten und Traditionen am Leben zu erhalten und zu leben. Ihre ethnische und kulturelle Identität führt die tscherkessische (adygeische) Gesellschaft auf den „Adyge-Chabse“ zurück.

Einige weitere Elemente des Adyge-Chabses sind u. a.[56]:

  • Haynape (= Schande): Alle unerwünschten Handlungen, neben der erwähnten Anhäufung von Besitztümern, z. B. auch Ältere zu unterbrechen oder nicht aufzustehen, wenn andere den Raum betreten.
  • Eine Tradition des regelmäßigen Verschenkens der eigenen Besitztümer, die in der Ethnologie als Potlatch-System bezeichnet wird.

In seinen heute noch legalen Teilen - Sklaverei und Blutrache gehören natürlich nicht dazu - hat das „Adyge-Chabse“ bis heute eine Bedeutung für die Identität der Tscherkessen. Oft meint man heute damit das Brauchtum, die Tänze und Musik, die Gastfreundschaft und Höflichkeit, also die Teile, die von der Umgebung positiv aufgenommen werden.

In der Gegenwart sind die Tscherkessen, vor allem die, die in der Diaspora leben, vom Verlust ihrer Kultur bedroht. Dabei spielt die Assimilierung eine bedeutende Rolle, deren Folge vor allem die zumeist fehlenden tscherkessischen Sprachkenntnisse der Kinder sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühe Sprachgeschichte[Bearbeiten]

Die frühe Geschichte der Nordwestkaukasischen Sprachen in der Region ist schwer rekonstruierbar, weil sie lange Zeit keine verschriftlichten Sprachen waren und erst ab dem 17. Jahrhundert (Abchasisch, erste Versuche einer Niederschrift in den Reiseberichten von Evliya Çelebi) bzw. ab dem 18./19. Jahrhundert (Tscherkessisch, Abasinisch und Ubychisch) niedergeschrieben und erforscht wurden. Wissenschaftler sind deshalb auf Hypothesen durch den Vergleich sprachhistorischer Rekonstruktionen mit archäologischen Forschungsergebnissen und den Angaben über Stammesverbände im westlichen Kaukasus in historischen Quellen angewiesen. Die meisten Kaukasiologen gehen seit den 1960er Jahren davon aus, dass die nordwestkaukasischen Sprachen neben den nordostkaukasischen Sprachen und den südkaukasischen Sprachen zu den autochthonen Sprachfamilien gehören, die seit mindestens 5000 Jahren in Kaukasien gesprochen werden und nicht, wie man bis ins 20. Jahrhundert (wenige Autoren bis heute) annahm, aus dem Süden eingewandert sind.[57]

Einige Autoren vertreten ältere Hypothesen, die viele Kaukasiologen heute kritisch sehen oder ablehnen. Schon die frühesten Wissenschaftler zur Region stellten sehr weitreichende Hypothesen auf. So leiteten Marschall von Bieberstein, Adelung[58], Pallas und Reineggs[59] die Tscherkessen von den bei Strabo[60] und Pomponius Mela erwähnten Cercetae ab, Thurmann von den Siraken[61] und Howorth von den Chasaren[62], wobei die beiden letzten Hypothesen heute abgelehnt werden. Es ist zu beachten, dass der Prozess der Ethnogenese nie so geradlinig verläuft, wie man es sich noch im 19. Jahrhundert vorstellte. Im Verlauf der Jahrtausende wurden immer wieder verschiedene anderssprachige Gruppen assimiliert. Das gilt auch für das zerklüftete Gebiet des Großen Kaukasus, in dem sich sehr viele Sprachen sehr lange erhalten haben. Die Veränderungen waren hier nur seltener und langsamer, als unter den mobilen Reiter-Nomaden der nördlich angrenzenden Steppe.

Eine ältere Hypothese verweist auf Ähnlichkeiten zwischen den Nordwestkaukasischen Sprachen und der Hattischen Sprache, der ältesten Schriftsprache Anatoliens überhaupt (bis ca. 1500 v. Chr.), und sehen eine Verwandtschaft, die tscherkessische und abchasische Nationalverbände z. T. bis heute vertreten. Darauf und auf ähnlichen Stammesnamen aufbauend vertraten einige ältere Kaukasiologen (zuletzt u. a. Igor Diakonow) die Hypothese, die Anwesenheit Nordwestkaukasischer Sprachen sei auf eine Einwanderung von Hattiern in den westlichen Kaukasus zurückzuführen. Sie wird auch heute noch von einigen abchasischen Historikern und Sprachwissenschaftlern (Wladislaw Ardsinba, Wjatscheslaw Chirikba[63] und Stanislaw Lakoba) und einigen tscherkessischen (u. a. Kadir I. Natho und Amjad M. Jaimoukha) vertreten. Dem halten führende Kaukasiologen entgegen, dass sich diese Einwanderung aus dem Süden nicht archäologisch nachweisen lässt, dass der zeitliche Abstand von über 3000 Jahren zu groß für gesicherte Aussagen ist, dass das System der grammatischen Einschübe, Vorsilben und Nachsilben im Hattischen noch zu schlecht erforscht ist und dass viele rekonstruierte nordwestkaukasische Grundworte auf einen Siedlungsraum im Hochgebirge und am Meer, also etwa der Region der heutigen Verbreitung dieser Sprachen hinweisen.[64] Es bleiben also weitere Forschungen abzuwarten, ob die nordwestkaukasischen Sprachen und Hattisch überhaupt verwandt sind und ob es eine Einwanderung in den westlichen Kaukasus gab.

Eine weitere früher eher anerkannte und heute wieder umstrittene Frage ist die Hypothese sprachlicher und kultureller Verbindungen der Bewohner des Westkaukasus zu den Bewohnern der nördlicheren Steppen am Schwarzen Meer von etwa 4000 v. Chr. bis 300 n. Chr. Die Kulturen im Westkaukasus dieser Zeit (Maikop-Kultur, Novotitorovka-Kultur, Koban-Kultur und ab 700 v. Chr. namentlich bekannte Stammesverbände, vgl. nächstes Kapitel) zeigen in diesem Zeitraum archäologisch starke Ähnlichkeiten zu denen in den Schwarzmeersteppen. Diese westliche Steppenregion war nach Meinung vieler Indogermanisten eventuell ab 5000 v. Chr. Sprachgebiet früher Formen der Indogermanischen Sprachen.[65] Glaubte man noch bis Anfang 20. Jahrhundert, dass damals auch im Westkaukasus indogermanische Sprachen gesprochen wurden, wird diese These heute allgemein verworfen und man geht davon aus, dass schon damals nordwestkaukasische Sprachen in der Region vorherrschten und es lediglich Kontakte mit den nördlichen Nachbarn gab.[66] Einige Sprachwissenschaftler versuchten, diese Kontakte auch durch eine Gruppe von Lehnworten aus frühen indogermanischen Sprachen in den nordwestkaukasischen Sprachen nachzuweisen.[67] Auch diese Hypothese wurde von den Indogermanisten Wilhelm Eilers und Manfred Mayrhofer methodisch kritisiert, weil der große Zeitabstand ohne sprachhistorische Rekonstruktionen keine sicheren Aussagen zulässt.[68] Die Hypothese der Kontakte mit und eventuellen Aufnahme von indogermanischen Gruppen in nordwestkaukasische bleibt also, wie auch die Hypothese der Zuwanderung der nordwestkaukasischen Sprachen aus dem Süden, „hochspekulativ“ (James Patrick Mallory)[69], beide werden aber auch von einigen Autoren vertreten[70] und die Klärung bleibt zukünftigen Forschungen überlassen.

Frühe Geschichte[Bearbeiten]

Ein typisch kaukasisches Dolmen

Im späten Neolithikum (Jungsteinzeit) und der Bronzezeit existierte in Westkaukasien ca. 3100–1900 v. Chr. eine kaukasische Ausprägung der sogenannten Dolmen- oder Megalithkultur, die sich in dieser Region durch eine charakteristische geschlossene Bauweise des Dolmen mit Deckplatte und Lochöffnung auszeichnet, wie sie heute noch oft in der Region erhalten sind. Kaukasische Dolmen waren im Gegensatz zu anderen oft auch mit Steinmetzarbeiten verziert. Archäologisch konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden, ob es sich um Grabmäler, Altäre oder andere religiöse Kultstätten handelte.[71]

Maikop-Kultur

Etwa zur selben Zeit bestand etwas östlicher und nördlicher in Nordwestkaukasien die sogenannte „Maikop-Kultur“ (ca. 3700–2500 v. Chr., benannt nach dem ältesten Fundplatz in Maikop), die bereits eine starke soziale Hierarchie mit reich ausgestatteten Fürsten-Grabhügeln entwickelte.[72] Wie erwähnt, vermuten viele Forscher heute, dass bereits die Maikop-Leute zumindest teilweise frühe nordwestkaukasische Sprachen gesprochen haben könnten, obwohl ihre Kultur große Ähnlichkeit zu nördlicheren Kulturen, besonders der Jamnaja-Kultur hatte. Aus der Maikop-Kultur wurden (neben anderen Funden zwischen Mitteleuropa und der Indus-Kultur) sehr frühe Reste und Darstellungen von Rädern und Wagen und auch die ältesten Wagengräber gefunden. Zeitlich überlappte sich mit ihr die ebenfalls kaukasische, etwas nördlichere Nowotitarowskaja-Kultur-Kultur[73] (3300–2700 v. Chr., zwischen Asowschem und Kaspischem Meer, nach dem ältesten Fundort Nowotitarowskaja), die der Maikop-Kultur stark ähnelte, aber eine andere Keramik und mehr Wagengräber aufwies.

Metallschmuck aus einem Grabmal der Koban-Kultur

In der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends bis zur Mitte 2. Jahrtausends v. Chr. folgte diesen beiden Kulturen die Nordkaukasische Kultur[74], die materiell etwas einfacher, als die beiden Vorgängerinnen und die Nachfolgerin war.

Ihr folgte etwas später, circa 1200 bis 400 v. Chr., die spätbronzezeitlich-eisenzeitliche Koban-Kultur, die trotz Kontakten nach Norden und Süden auch eine gewisse Eigenständigkeit mit großen, planmäßig angelegten Siedlungen mit rechteckigem Straßennetz und schwarzer Keramik zeigte. Die Koban-Kultur war wie die benachbarte westgeorgische Kolchis-Kultur ein überregionales Zentrum des Metallabbaus, der Metallverarbeitung und des Metallexports, besonders von Eisen, Kupfer, Zink, Zinn, Gold und Silber.

Antike und mittelalterliche Geschichte bis ins 14. Jahrhundert[Bearbeiten]

Statue eines Kriegers der Sindi

In der historischen Zeit werden in der Region des nordwestlichen Kaukasusvorlandes in antiken Quellen die Stammesverbände der Maioten und Siraken erwähnt. Strabon erwähnt mehrere Teilstämme des Stammesverbandes der Maioten[75], von denen der Teilstamm der Sinder im Land Sindika, der heutigen Taman-Halbinsel, in späteren Quellen noch häufig erwähnt werden. Die Hauptstadt Sindikas war Gorgippa, das heutige Anapa. Sindika war lange Zeit mit dem griechisch dominierten Bosporanischen Reich verbündet. Die Kultur der Sindi stand unter starkem griechischen Einfluss; es wurden viele handwerklich hochstehende Fundstücke der Maioten und Siraken, besonders der Sindi gefunden. Während ältere und westliche Forschung oft bis heute davon ausgeht, dass es sich bei diesen sesshaften Stammesverbänden der Maioten und Siraken um Untergruppen der eigentlich nomadischen, iranischsprachigen Sarmaten handelte, halten es seit den 1960er und 1970er Jahren einige sowjetische bzw. russische Forscher aufgrund von Orts- und Flurnamen für möglich, dass besonders die Maioten westkaukasischsprachig waren.[76]

Unzweifelhaft historische Vorläufer der Tscherkessen waren die Cercetae (Kerket(en), Kaschag(en), Kassog(en) oder ähnlich genannt) nördlich des westlichen Kaukasus von der Taman-Halbinsel bis ins Gebiet des oberen Kuban, auf deren Name, wie erwähnt, vielleicht der Name der Tscherkessen zurückgeht, und der Stammesverband der Zichi (Zygii, deutsch auch: Sichen) südlich des westlichen Kaukasus, etwa zwischen dem heutigen Gagra und Gelendschik.

Die Kerketen wurden erstmals von Pseudo-Skylax um 330 v. Chr. neben weiteren Stämmen in der Region beschrieben (Sarmaten, Maioten, Sindi, Acheaner und im Gebiet des heutigen westlichen Georgiens Heniochen und Kolcher).[77] Seit dieser Zeit werden sie von antiken griechischen und römischen Quellen, z. B. Strabon[78], Pomponius Mela, Quintus Curtius Rufus, bis hin zu mittelalterlichen byzantinischen (z. B. Konstantin VII. Porphyrogennetos), armenischen, georgischen, muslimischen, russischen (z. B. in der Nestorchronik) und genuesischen Quellen immer wieder erwähnt und beschrieben.[79] Nach den Angaben der Quellen scheinen sich die Kerketen/Kaschagen/Kassogen aus ihrem ursprünglich relativ kleinen Siedlungsgebiet an der Nordostküste des Schwarzen Meeres mit Hinterland schrittweise vom 5. bis 10. Jahrhundert auf ihr mittelalterliches Siedlungsgebiet von Gelendschik, der Taman-Halbinsel und der Umgebung des Asowschen Meeres im Westen bis zum Oberlauf des Kuban im Osten ausgedehnt zu haben. Dabei scheinen sie ältere Stämme der Maioten und Siraken mit den Sindi assimiliert oder verdrängt zu haben, deren Erwähnung aus historischen Quellen verschwindet.[80] Aus dem 6./7. Jahrhundert sind einige kurze Inschriften der Kassogen in einer runenähnlichen Schrift überliefert, die man lesen kann, weil sie den sog. Murfatlar-Runen der Proto-Bulgaren entsprechen.[81] Diese Inschriften zeigen, dass die Kassogen nordwestkaukasischsprachig waren. Eventuell wurden daraus die von tscherkessischen Adelsfamilien verwendeten Symbole ohne Lautwert gebildet.[82] Dass aus diesen eine lautlich systematische „alte tscherkessische Schrift“ gebildet wurde, ist eine sehr junge, keine alte Entwicklung.[83] Jaimoukha setzt die Kerketen aufgrund ihres späten Siedlungsgebietes weitgehend mit den späteren Kabardinern gleich, was allerdings viele Autoren nicht teilen.

Die Zichi 250 n. Chr. (im Nordwesten) und benachbarte Gruppen

Die Zichi dagegen wurden erst vor über 2000 Jahren mit zum ersten Mal bei Strabon[84] beschrieben. Auch sie lebten anfangs in einem kleinen Siedlungsgebiet zwischen dem heutigen Gagra und Tuapse und breiteten sich auch mit römischer und byzantinischer Hilfe im 3.–8. Jahrhundert nach Norden bis etwa Gelendschik aus, wobei die älteren Stämme der Acheaner und der Tetraxiten (eine östliche Splittergruppe der Krimgoten) verdrängt oder assimiliert wurden.[85] Ab dem 10. Jahrhundert erwähnen die Quellen nördlich des Königreiches Georgien und westlich des zentral-nordkaukasischen Königreiches der Alanen nur noch die beiden Stammesverbände der Kerketen und Zichen. Zur Sprache der Zichi gibt es verschiedene Hypothesen. Die Mehrheit der Forscher geht davon aus, dass sie ebenfalls westkaukasischsprachig waren. Einige Forscher vermuten, dass sie frühe Formen des Ubychischen sprachen und verweisen auf die Ähnlichkeit des georgischen Namens für die Zichi (Dschigi/Dschigeti) mit dem Namen einer späteren Teilgruppe der Ubychen, den Dschigit/Dschiget.[86] Andere Forscher verweisen darauf, dass sie im ersten Jahrhundert plötzlich auftauchen und begründeten die Hypothese, dass sie aus dem Osten, aus dem Gebiet der kaukasischen Alanen eingewandert sein könnten und vielleicht iranischsprachig waren, bevor sie später westkaukasische Sprachen übernahmen. Sie verweisen auf die Ähnlichkeit des Namens der Zygii mit dem Namen einer hochstehenden Gruppe der Sarmatenstämme, den Ja-zygii, auf deren Name auch die Bezeichnung des weit in den Westen abgewanderten Stammes der Jazygen zurückgeht.[87] Wieder andere Forscher sehen ebenfalls ihre Einwanderung aus dem Osten, meinen aber, dass sie ursprünglich Nordostkaukasische Sprachen gesprochen haben könnten, bevor sie nordwestkaukasische Sprachformen übernahmen.[88] Letztlich sind alle diese Hypothesen sehr spekulativ und einzelne Namensähnlichkeiten keine hinreichenden Beweise. Wie auch immer die sprachlichen Verhältnisse der Zichi waren, ist doch unstrittig, dass sie wie auch die Kerketen Vorläufer der Tscherkessen waren. So wurden noch die frühen Burdschiyya-Mamluken in den Quellen noch als Zichi, später als Tscherkessen bezeichnet.

Die reichen Grabbeigaben in den Gräbern der Oberschicht der Zichi und Kerketen, besonders aber der maiotischen und sirakischen Stämme, hier besonders der Sindi, lassen vermuten, dass die Anhäufung von Reichtum und Macht zu dieser Zeit noch nicht so gesellschaftlich unerwünscht war, wie später bei den Tscherkessen mit ihrem Adyge-Chabse. In den Quellen werden auch immer wieder Könige als Stammesführer der Kerketen und Zichi, zuvor der Sindi und anderer maiotischer und sirakischer Stämme erwähnt.

Ungefähres Rückzugs- und Entstehungsgebiet der Tscherkessen (hellbraun) im Westkaukasus um 1311

Im 13. Jahrhundert wurde Kaukasien durch die Mongolenfeldzüge schwer verwüstet, die in Nordkaukasien die Enkel Dschingis Khans, Möngke Khan und Batu Khan anführten. Das Reich der Alanen brach zusammen und die überlebenden Alanen flüchteten entweder in den höheren Kaukasus, als Jász nach Ungarn, oder schlossen sich den Mongolen an. Auch das in Transkaukasien zuvor dominierende Königreich Georgien zerfiel in mehrere Teilreiche. Die Zerstörungen wiederholten sich Ende des 14. Jahrhunderts mit den Feldzügen Tamerlans (Timur-e Lenk) nach Kaukasien. Durch diese Ereignisse zogen sich die überlebenden Zichi und Kerketen ins Hochgebirge des Westkaukasus zurück, wo die Ethnogenese der Tscherkessen einen Abschluss fand. Die Zichi und Kerketen wurden in den Quellen nicht mehr erwähnt, sondern seit dem 14. Jahrhundert nur noch die Tscherkessen. Dem entspricht auch die Ansicht der Kaukasiologie, dass sich die tscherkessischen Dialekte, abgesehen vom Ubychischen, seit etwa dem 14./15. Jahrhundert auseinander entwickelten. Das relativ kleine Gebiet des Hochgebirges im Westkaukasus wurde zum Ausgangsgebiet der Expansion der tscherkessischen Stämme seit dem 14./15. Jahrhundert.[89]

Tscherkessen außerhalb Tscherkessiens bis zum 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Trotz der im Vergleich zu Nachbarregionen eigenen Sozialentwicklung der tscherkessischen Gesellschaft und anderer Bewohner Nordkaukasiens sind immer wieder Außenkontakte historisch belegt, meistens als Händler und Kaufleute, oder als Kriegsgefangene und Sklaven. Im Vorland Nordkaukasiens verlief seit dem Mittelalter eine Handelsstraße von Osteuropa und den Handelsstädten der Krim (z. B. Kaffa oder Sudak) nach Derbent und weiter nach Persien und Indien oder China, oder auch von der Krim und der nordkaukasischen Küste nach Anatolien. Tscherkessische und vorher zichische und kerketische Händler, deren Anwesenheit in den Handelsstädten mehrfach belegt ist, handelten v. a. mit Pökelfisch und -fleisch, Schaffellen und Wolle, Holz und Erzeugnissen des einheimischen Handwerks, darunter Bastmatten und Textilien oder Gold-, Silber- und Waffenschmiedearbeiten.[90]

Grabkomplex mit Moschee und Madrasa des ersten Sultans der Burdschi-Dynastie, Barquq (1382–1399) in Kairo
Al-Aschraf Qansuh al-Ghauri (1501–16), der vorletzte Sultan der Burdschi-Mamluken, zeitgenössischer Stich von Paolo Giovio

Bereits seit der Antike bis in die Neuzeit war der West- und Nordkaukasus daneben eines der Herkunftsgebiete gefangener Sklaven für den Sklavenhandel ins Mittelmeergebiet und nach Persien.[91] Einerseits als Haremsfrauen – mehrere osmanische Herrscher hatten tscherkessische Mütter –, andererseits als Militärsklaven.

In mehreren islamischen Reichen wurde die Armee und Verwaltung aus Militärsklaven gebildet (vom arabischen Mamluken, persisch gholām [92] genannt), die zu militärischen und politischen Eliten aufstiegen. In einigen Reichen stiegen sie bis zum Sultan auf, deren bekanntestes das ägyptisch-syrische Mamlukenreich 1252–1517 war, das 1279–1382 von Sultanen der Bahri-Dynastie und 1382–1517 von der Burdschi-Dynastie regiert wurde. Beide Dynastien waren im Allgemeinen keine erbliche Familiendynastien, sondern zwei Fraktionen innerhalb der Mamluken in diesem Reich. Die Bahri-Mamluken hatten ihr militärisches Ausbildungszentrum auf der Nilinsel nahe Kairo Bahr an-Nil (= „Meer des Nils“), die Burdschi-Mamluken dagegen in der Zitadelle von Kairo (Burdsch al-Qāhira = „Turm von Kairo“).[93] Die Bahri-Mamluken waren meist gebürtige Kumanen aus Mittelasien, die Burdschi-Mamluken werden dagegen von Händlern der Krim in Quellen meist als Zichi, später Tscherkessen charakterisiert. Nach dem Tod eines der Mamluken-Sultane begannen oft blutige Nachfolgekämpfe zwischen den Fraktionen der Mamluken und auch zwischen den Kommandeuren der Fraktionen selbst, wobei sich nur selten die Söhne durchsetzten. Oft waren die Nachfolger andere Befehlshaber der Mamluken, 1382–1517 behaupteten sich die Burdschi-Mamluken, die meist tscherkessischer Herkunft waren. Auch nach der Eroberung durch das Osmanische Reich 1517 hatten die Mamluken in der Provinz Ägypten bis ins 19. Jahrhundert eine bestimmende Rolle, waren aber zunehmend verschiedener Herkunft.

Geschichte seit dem 15. Jahrhundert[Bearbeiten]

Siedlungsgebiet tscherkessischer Stämme (grün) 1750 mit größtenteils abhängigen oder verbündeten Abasinen, Karatschaiern, Balkaren, Osseten und Inguschen. In dunklerem grün im Osten die beiden Fürstentümer der Kabarda, im Südwesten die anderssprachigen Ubychen und im Westen der ebenfalls anderssprachige 1802 untergegangene Stamm der Schanejer.

Nach den Mongolenzügen und den Kriegszügen Tamerlans begann ab dem 14./15. Jahrhundert eine Phase der territorialen Expansion der Stämme, die in den Quellen nunmehr als Tscherkessen oder Adygejer zusammengefasst werden. Dabei siedelten sie anfangs entlang des westlichen Kaukasus nach Norden bis zum Kuban und darüber hinaus bis zum unteren Don, teilweise sogar auf die Krim. Seit dem 15. Jahrhundert siedelten die Kabardiner auch nach Osten in das teilweise entvölkerte nördliche Vorland des mittleren Kaukasus, wo zuvor das Reich der Alanen existiert hatte.[94] Dort gerieten die Tscherkessen in Konflikt mit dem islamisierten Krimkhanat, einem der Nachfolgestaaten der zerfallenen Goldenen Horde, das die Regionen nördlich des Kuban für sich beanspruchte und auch mit den dem Krimkhanat verbündeten Nogaiern. Besonders die Handelsstraße von Derbent nach Asow (Tana), eines seiner ökonomischen Lebensadern, ließ das Krimkhanat nicht von expandierenden Tscherkessen unterbrechen.[95] Vor allem im 15. und 16. Jahrhundert führten das Krimkhanat, die Nogaier und ihre Hegemonialmacht, das Osmanische Reich, das einige Festungen an der Küste von den Genuesen erobert hatte, mehrere Kriege gegen die Tscherkessen, die dadurch hinter den Kuban zurückweichen mussten.[96] Um Einfluss unter den Tscherkessen zu bekommen, griff das Krimkhanat aus politischen Gründen seit dem 15. Jahrhundert zum in der islamischen Geschichte seltenen Mittel der Zwangsislamisierung, wobei tscherkessische Orte für zwölf Jahre besetzt wurden, Priester des christlich-paganen Mischkultes vertrieben oder getötet, Moscheen errichtet und der Islam gepredigt wurde. Seit dem 17. Jahrhundert ist diese Praxis nicht mehr überliefert, die Mehrheit der Konversionen, die noch im 18. Jahrhundert nur einen kleineren Teil der Tscherkessen erreicht hatte, war nicht erzwungen.[97]

Wappen des Fürsten der Kabarda im 18./19. Jahrhundert

Während dieser Konflikte kam es unter den tscherkessischen Stämmen im 15. Jahrhundert zu ersten Ansätzen einer politischen Zentralisierung. Mehrere Stämme sammelten sich unter der Führung des tscherkessischen Fürsten Inals des Großen (anderer tscherkessischer Beiname nef = „der Schielende“) zur erfolgreichen Abwehr des Krimkhanats und der Osmanen. Angaben über ihn stammen vorwiegend aus mündlich überlieferten tscherkessischen Erzählungen, zeitgenössische Quellen bestätigen aber seine Existenz. Nach den Angaben des katholischen Missionsbischofs Johannes de Galonifontibus (Jean de Gaillefontaine) könnte er ein Sohn[98], nach anderen Quellen ein anderer Verwandter des burdschi-mamlukischen Sultans al-Aschraf Sayf ad-Din Inal gewesen sein und bündelte erfolgreich den Widerstand gegen äußere Gegner. Als er versuchte, seine Macht zu konsolidieren, sollen viele Stämme von ihm abgefallen sein und schließlich unterlag seine Fürstenpartei im Krieg gegen ihre Gegner. Inal führte anschließend den Stamm der Kabardiner auf seiner Expansion nach Osten und begründete das einzige tscherkessische Fürstentum Kabarda (älterer deutscher Name auch „Kabardei“), das die Dominanz im mittleren Nordkaukasien erlangte. Durch diese Expansion entwickelten sich die Kabardiner zum größten Tscherkessenstamm. Die übrigen westlichen Tscherkessen blieben in staatenloser Gesellschaft.

Siegelring Maria Temrjukownas

Nach Inals Tod folgte eine Phase interner Konflikte um den Rang des Anführers der Kabardiner, die erst Anfang des 16. Jahrhunderts endeten.[99] Die Kabarda erreichte unter Inals Urenkel Temrjuk dem Großen (gest. um 1571) den Höhepunkt der Macht und beherrschte auch die Mehrheit der anderen nordkaukasischen Sprachgruppen der Abasinen, Karatschaier, Balkaren, Osseten und Inguschen. Der Einfluss der Kabarda reichte unter Temrjuk bis zur Mündung des Terek, diese östlichen Gebiete gingen aber später wieder verloren. Im 15.–18./19. Jahrhundert hatten die politisch uneinheitlichen Tscherkessenstämme also eine dominierende Stellung im Nordkaukasus mit Ausnahme Dagestans und des Siedlungsgebietes der Tschetschenen, und sie bildeten auch die mit Abstand größte Sprachgruppe Nordkaukasiens. Besonders die Kabarda erreichte einen Entwicklungsstand[100] und wurde zeitweilig zur politisch, wirtschaftlich und kulturell dominierenden Macht Nordkaukasiens. Gegen den Druck des Krimkhanats suchte Temrjuk Bündnisse zum Zarentum Russland, das sich seit Iwan IV. dem Schrecklichen nach der Eroberung der Khanate von Kasan und Astrachan als neue Macht im Vorland des Kaukasus etablierte. Seine Tochter Maria Temrjukowna (tscherkessischer Name eigentlich Kutschenej) war eine der Ehefrauen Iwans IV. und mehrere von Temrjuks Söhnen stellten sich mit ihrem Anhang in die Dienste Russlands und begründeten das russische Fürstenhaus Tscherkasski, dem sich bis ins 19. Jahrhundert weitere Nachkommen der Fürsten der Kabarda anschlossen. Im 17. Jahrhundert spaltete sich das Fürstentum durch Erbteilung in die westliche „Große Kabarda“ und die östliche „Kleine Kabarda“. Zur gleichen Zeit, seit dem 16. Jahrhundert, unterwarfen sich nordwestliche Stämme am Kuban dem Krimkhanat, während die übrigen ohne politische Bündnisse zu Russland, zur Krim oder den Osmanen blieben.[101]

Seit der Zeit innerrussischer Wirren, der Smuta in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, ging der russische Einfluss bis zum 18. Jahrhundert in Nordkaukasien zurück, während das neue Nomadenvolk der Kalmücken im nördlichen Vorland expandierte und Russland zeitweilig vom Nordkaukasien trennte. In dieser Zeit suchten zuerst die Kleine Kabarda und danach die Große Kabarda Bündnisse mit dem Krimkhanat.[102] In dieser Zeit begann die Konversion der Oberschicht, der Fürsten und des Adels der Kabardiner zum Islam, während die Religion sich zur gleichen Zeit auch unter den nordwestlichen Stämmen weiter auszubreitete.[103] Einige Mitglieder der Girej-Familie, der Herrscherfamilie des Krimkhanates, die als Nachkommen Dschingis Khans respektiert wurden, erlangten im Nordkaukasus gesellschaftlichen Einfluss.

Kaukasuskrieg[Bearbeiten]

Ein tscherkessischer Kämpfer
Hauptartikel: Kaukasuskrieg (1817–1864)

Seit dem 18. Jahrhundert expandierte das Russische Kaiserreich erneut ins nördliche Vorland des Kaukasus und an die Küsten des Schwarzen Meeres, sowie nach Georgien (siehe Vertrag von Georgijewsk 1783) und ins übrige Transkaukasien. Im Gegensatz zum 16. Jahrhundert kam es diesmal aus mehreren Gründen zu einer zunehmenden kriegerischen Konfrontation mit der Mehrheit der Tscherkessen und überhaupt der Bewohner Nordkaukasiens und des Großen Kaukasus. Diese Kampfhandlungen steigerten sich schließlich zum Kaukasuskrieg des 19. Jahrhunderts, der erst 1864 mit der Eroberung der letzten Gebiete im Großen Kaukasus endete.

Denkmal des Kaukasuskrieges in Maikop mit der bei tscherkessischen Historikern häufigen Datierung 1763–1864

Der intensive und blutige Eroberungskrieg Russlands gegen den erbitterten Widerstand der kaukasischen Völker begann für einige tscherkessische Autoren 1763, als einige Tscherkessen die entfernte russische Festung Kisljar angriffen und Russland mit einem ersten Feldzug nach Tscherkessien antwortete. Für andere Autoren begann er mit dem Friede von Küçük Kaynarca 1774, als das Krimkhanat und die beiden Kabarda-Fürstentümer zu Protektoraten Russlands wurden. Für wieder andere Autoren 1801, als Russland die Umgebung der Georgischen Heerstraße von Mosdok über Wladikawkas nach Tiflis direkt annektierte. Die meisten Autoren setzen den Beginn des Krieges aber mit dem Jahr 1817 an, als sich die Feindseligkeiten soweit steigerten, dass der russische Vizekönig Kaukasiens Alexei Jermolow die Eroberung des gesamten Kaukasus zum Kriegsziel erhob.

Scheretluko Kysbetsch Tughusique war einer der tscherkessischen Heerführer, er starb 1840 an Kriegsverletzungen. Schon sein Vater Scheretluko Said Osman hatte Ende des 18. Jahrhunderts gegen Russland gekämpft. Bild von James Stanislaus Bell.[104]

Für die Tscherkessen begannen die Kriege bereits, als sich Ende des 18. Jahrhunderts eine Fraktion der nomadischen Nogaier vor den von Russland angesiedelten Wehrbauern, den Kosaken, in die Region südlich des Kuban zurückzog und dabei den Tscherkessenstamm der Adamijer besiegte. Die Kuban-Nogaier waren später an den Kämpfen um die Unabhängigkeit auf tscherkessischer Seite beteiligt. Bald darauf eroberten die Kuban-Kosaken auch die Taman-Halbinsel, wobei der Stamm der Schanejer eine Niederlage erlitt. Im Friede von Küçük Kaynarca 1774 wurden auch die beiden Kabarda-Fürstentümer als Protektorate Russlands anerkannt und 1825 annektiert. Während die Kabardiner im 19. Jahrhundert im Unterschied zu den westlichen Tscherkessen nur zur Minderheit gegen Russland kämpften, gab es in den Jahren vor und nach 1774 sehr heftige Widerstände der pro-krimtatarischen Partei unter ihnen gegen Russland und die pro-russische Partei unter ihnen. Im 19. Jahrhundert kämpften v.a. die westlichen Tscherkessenstämme noch um ihre Unabhängigkeit, die im Allgemeinen entweder von führenden Fürsten oder von gewählten Kriegsführern befehligt wurden.

Muḥammad al-Amīn, der Statthalter Schamils für den Westkaukasus.

Ab ca. 1827/29 vereinigten sich viele nordostkaukasische Völker (Tschetschenen und Bewohner Dagestans) unter Ghazi Muhammad, danach Hamsat Bek und schließlich Imam Schamil zum islamischen Aufstand gegen die Expansion Russlands und erschwerten so dem Russischen Kaiserreich die Eroberung. Imam Schamil wurde 1859 von den russischen Truppen gefangengenommen, was den tschetschenisch-dagestanischen Widerstand brach. Der Nordostkaukasus kam somit unter russische Kontrolle. Im Nordwestkaukasus hatte dieser sogenannte Muridenkrieg aber nur eine zeitweilige Rolle. Sie wurden von Schamils Statthalter für den Westkaukasus Muḥammad al-Amīn (Muhammad der Treue, ein Name, den ihm Schamil gab, auch Muhammad al-Daghestani genannt) befehligt. Muḥammad al-Amīn gelang es 1848–51 zeitweilig, die meisten Bschedughen, Schapsugen, und kleinere Teile der Natchuajer und Ubychen und die Mehrheit der turksprachigen Karatschaier und Balkaren hinter sich zu bringen. Sein Rivale war der vom Osmanischen Reich unterstützte Saffar-bey, der ab 1845 die meisten Natchuajer und Abadsechen hinter sich hatte. Beide zeitweilig bedeutenden überregionalen Befehlshaber gerieten aber in den 1850er Jahren in die Defensive und wurden 1859 besiegt, wobei sich Muḥammad al-Amīn ergab und Saffar-bey umkam[105]. Die meiste Zeit des Krieges wurden die tscherkessischen Stämme aber von gewählten Kriegsführern angeführt, die von Schamil oder vom Osmanischen Reich unabhängig waren.

Nach Schamils Kapitulation konnte die russische Armee ihre vereinigten Kräfte auf die im Nordwestkaukasus beheimateten Tscherkessen (einschließlich Abchasen) richten. Seit 1861 wurde der Widerstand der letzten drei noch gegen Russland kämpfenden Stämme der Abadsechen, Schapsugen und Ubychen und einiger Abasinen vom bereits erwähnten gemeinsamen Madschlis, der an der Stelle des heutigen Sotschi tagte, koordiniert. Sotschi wird deshalb von einigen Tscherkessen als letzte Hauptstadt bezeichnet, das damals aber ein Dorf war, in dessen Nähe der Madschlis tagte. Die letzten, vernichtenden Gefechte wurden im Gebiet oberhalb von Sotschi beim heutigen Krasnaja Poljana ausgetragen. Der 21. Mai 1864 gilt offiziell als Ende der russisch-kaukasischen Kriege, das Datum, bis zu dem auch die Tscherkessen und Abchasen bezwungen werden konnten und eine erste Siegesparade auf der Lichtung des heutigen Krasnaja Poljana abgehalten wurde. Die Kämpfe der letzten Jahre waren ein blutiger Höhepunkt des Kaukasuskrieges. Der – insbesondere von vielen Tscherkessen als solcher angesehene – Genozid an ihrem Volk findet hier heute kaum Würdigung oder Gedenken.[106]

Kaukasische Flüchtlinge. Künstlerische Darstellung.

Nach dem Krieg wurden die Tscherkessen aus ihrer Heimat vertrieben oder an den Kuban umgesiedelt. Etwa 500.000 bis 1.000.000 Tscherkessen, Abchasen und andere Kaukasier wurden über das Schwarze Meer ins Osmanische Reich zwangsverschifft, sogenannte Muhadschire. Dabei kamen nach Schätzungen über 100.000 Vertriebene um.[107] Die zurückgebliebenen fast 100.000 westlichen Tscherkessen wurden in festgelegte Ansiedlungsgebiete am Kuban außerhalb des Gebirges umgesiedelt.[108] Im übrigen Westkaukasus wurden Siedler zugelassen, nur zwischen Sotschi und Tuapse konnten sich ab 1878 einige schapsugische Dörfer etablieren.

Während einige ältere russische und sowjetische Literatur diese Ereignisse euphemistisch als Umsiedlung und Aussiedlung charakterisiert, bezeichneten zuerst tscherkessische Verbände die Kampfhandlungen am Ende des Krieges und die Deportation als Genozid, der Streit zwischen beiden Standpunkten hat manchmal politische Züge. In den letzten Jahren beschäftigt sich auch die akademische Genozidforschung damit, die aber noch zu verschiedenen Ergebnissen kommt, wobei doch zunehmend in einigen Maßnahmen genozidale Züge gesehen werden (siehe dazu Kaukasuskrieg (1817–1864)).

Es wird vermutet, dass sich eine gesamttscherkessische Identität über die Stammesgrenzen hinaus erst während des langen Krieges bildete oder zumindest verstärkte. So wurde z.B. die tscherkessische Flagge (vgl. Die zwölf tscherkessischen Stämme) von einem tscherkessischen Bekannten James Stanislaus Bells anfangs noch mit sieben Sternen für Adelsgeschlechter entworfen und derart international rezipiert gelegentlich vom Madschlis nun mit zwölf Sternen verwendet und endgültig 1992 als Nationalflagge festgelegt.

Auch die Islamisierung wurde durch den langen Krieg wohl verstärkt. Während Mitte des 18. Jahrhunderts noch weniger als die Hälfte der Tscherkessen keine Muslime waren, bekannten sich 1864 fast alle bis auf die erwähnte kleine Gruppe bei Mosdok zum Islam. Die Religion blieb aber in Teilen der Gesellschaft oberflächlich verankert und verdrängte vorislamische Rituale nicht.

Geschichte 1864–1922[Bearbeiten]

Osmanisches Reich[Bearbeiten]

Tscherkessen (grün) und Abchasen und Abasinen (rot) in der heutigen Türkei.
Tscherkessen im Osmanischen Reich zwischen 1880 und 1900. Die Person vorn in der Mitte ist Kleidung und Orden zufolge wahrscheinlich ein osmanischer Beamter. Foto der osmanischen Hoffotografen Abdullah Frères.

Der Vertrag zwischen dem Russischen und Osmanischen Reich 1860 über die Ansiedlung der kaukasischen Flüchtlinge sah eigentlich vor, sie in einem Siedlungsgebiet abseits der osmanisch-russischen Grenze von Samsun aus südlich bis Zentralanatolien anzusiedeln. Die osmanischen Behörden hatten aber wenig Interesse, die als kriegerisch bekannte Bevölkerungsgruppe vollkommen zu konzentrierten, sondern sie auch als irreguläre Hilfstruppen der Grenzsicherung und als Gegengewicht gegen die zunehmend national unruhig werdenden christlichen Untertanen einzusetzen.[109]

Ethnographische Karte des europäischen Teils des Osmanischen Reiches und autonomer Gebiete 1877 von dem österreichisch-ungarischen Konsul Carl Sax. Tscherkessen, Abchasen u.a. Kaukasier sind die violett karierten Schraffuren.

Die Ansiedlungen geschahen teilweise auch gegen den Willen der tscherkessischen und kaukasischen Muhadschire selbst. So beschreibt Özbek aus den Erzählungen der Kosovo-Tscherkessen, dass ein Teil der Flüchtlinge von Samsun nach Istanbul und davon ein Teil nach Saloniki weitergeleitet wurde, in dessen Hinterland sie freies Ackerland fanden und beabsichtigten, sich anzusiedeln, während die osmanische Verwaltung sie nördlich in der Nähe der Grenze zu den formal autonomen Fürstentümern Rumänien und Serbien haben wollte. Nach Niederschlagung eines bewaffneten Widerstands durch die osmanische Armee wurden sie mit der neuen Eisenbahn in ihre späteren Siedlungsgebiete transportiert.[110] Somit wurden neben dem Hauptansiedlungsgebiet südlich von Samsun weitere Dörfer auf der Balkanhalbinsel und in Ostanatolien gebildet.

In den ersten Jahrzehnten waren die Muhadschire schlecht in ihre Umgebung integriert, ihre landwirtschaftlichen Kenntnisse aus dem Kaukasus nutzten in der neuen Umgebung oft wenig, weshalb es immer wieder zu Landkonflikten und anderen Auseinandersetzungen mit der umgebenden Bevölkerung kam.[111] Diese Konflikte gaben den Großmächten, die sich als Schutzmächte der osmanischen Christen betrachteten, Anlässe zur gelegentlichen Intervention im Osmanischen Reich. Nach dem Russisch-Osmanischen Krieg 1877/78 und dem Berliner Kongress folgte deshalb eine weitere Flucht- und Umsiedlungswelle von der Balkanhalbinsel, besonders aus den nunmehr rumänischen Küstengebieten, dem neuen autonomen Fürstentum Bulgarien und Ostrumelien[112]. Nur im Kosovo, den nun südserbischen Gebieten und dem europäischen Teil der Türkei blieben einige tscherkessische Dörfer erhalten. Ein Teil der tscherkessischen u.a. Dörfer in Westanatolien und nahezu alle in Syrien, Jordanien und Palästina wurden erst ab 1878 gebildet.[113]

Die hierarchische Feudalgesellschaft einiger Stämme, deren Zerfall bereits im Kaukasuskrieg durch wirtschaftliche Rezessionen, einen erfolgreichen Bürgerkrieg 1770–90 unter den Abadsechen zur Beseitigung des Adels und seiner unblutigen Absetzung Anfang des 19. Jahrhunderts unter den Schapsugen begonnen hatte, konnte in der Diaspora-Gesellschaft nicht aufrecht erhalten werden. Viele verarmte Adelige versuchten, durch die Freikaufsummen ihrer Leibeigenen und Sklaven, die sie ohne Landbesitz nicht mehr brauchten, aufzusteigen. Es kam auch zu blutigen Kämpfen der zweiten Gruppe gegen den Adel, in die 1876/77 nahe Istanbul sogar die osmanische Armee eingreifen musste.[114]

Çerkez Ethem (stehend, mit Pelzkragen) und Atatürk (mit weißem Umhang) mit Ethems tscherkessischen Männern der Kuvayı Milliye im Juni 1920.

Bereits in osmanischer Zeit begann die Integration der Tscherkessen und übrigen Kaukasier in die Gesellschaft. Für die Größe der Minderheit überproportional viele waren bereits in den Balkankriegen, im Ersten Weltkrieg und im Türkischen Befreiungskrieg in höhere Offiziersränge der osmanischen Armee und der folgenden türkischen Armee aufgestiegen, besonders in irregulären Hilfstruppen und in Kavallerieeinheiten. Bekanntestes Beispiel ist Çerkez Ethem (=Ethem der Tscherkesse), der im Türkischen Befreiungskrieg anfangs Hilfsmilizen Atatürks befehligte, sich später aber mit ihm überwarf und im Exil starb. Ein anderes Beispiel des Aufstiegs im Rahmen traditioneller dynastischer Beziehungen war die ägyptische Königin Melek Tourhan (1869–1956), die Ehefrau Hussein Kamils aus tscherkessischem Adel.

Russisches Reich[Bearbeiten]

Im Russischen Reich wurde die vorgefundene Sklaverei bei den Tscherkessen am 31. Juli 1864 verboten[115], Leibeigenschaft war bereits seit 1861 im Reich abgeschafft. Die Ansiedlungsbeschränkungen für alle Nordkaukasier galten noch bis zur Revolution 1905.

Offiziere der Wilden Division am 31. August 1917 zur Zeit des Kornilow-Putsches mit Muhammad-Zahir Schamil, einem Enkel Imam Schamils (vorn in der Mitte).

Vom 19. Jahrhundert bis zur Wehrreform 1916 galten alle Nordkaukasier, wie auch Mittelasiaten und Steppennomaden als inarodzy (d.h. etwa „nicht zum (Staats-)Volk gehörend“). Im Gegensatz zu den narodzy (zumeist christliche Völker, aber auch z.B. Tataren und Aserbaidschaner) waren die inarodzy von der Wehrpflicht befreit, trugen aber eine etwas höhere Steuerlast.[116] Ein freiwilliger Eintritt in die russische Armee war aber möglich. Deshalb existierte bereits seit dem 19. Jahrhundert eine kabardinische Freiwilligendivision, die Kabardiner hatten eine längere Tradition des Lebens in Russland hinter sich. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde um sie herum die „Kaukasische Eingeborenen-Kavalleriedivision“, die in Anspielung auf ihre wenig disziplinierte, aber aggressive Kampfweise bald allgemein Wilde Division genannt wurde. Neben Kabardinern gehörten ihr v.a. Inguschen, Dagestaner, Aserbaidschaner, Tschetschenen und Westtscherkessen, aber auch einige Osseten, Karatschaier, Balkaren, Abchasen und Georgier an. Sie wurde vorwiegend an der Front gegen Österreich-Ungarn in den Karpaten eingesetzt. Sie war eine der letzten loyalen Einheiten, die nach der Februarrevolution 1917 noch an der russischen Westfront blieb. Als deren Oberbefehlshaber Kornilow sie aber in Sankt Petersburg gegen die Revolution einsetzten wollte, war ein Hauptgrund des Scheiterns dieses „Kornilow-Putsches“, dass sich große Teile der Wilden Division weigerten, sich politisch einsetzen zu lassen und viele auf eigene Faust in den Kaukasus zurückkehrten. Die Verhaftung einer anderen Einheit der Wilden Division durch die Bakuer Kommune war einer der Auslöser für die dortigen Märzkämpfe oder Märzmassaker.

Die Regierung der Bergrepublik, darunter 3. von rechts stehend Pschemacho Kozew.

Während des sich anbahnenden Russischen Bürgerkrieges bildete sich im Nordkaukasus die autonome Bergrepublik, die sich vom Mai 1917 bis Februar/März 1919 halten konnte und sich im Dezember 1918 unabhängig erklärte. Sie bildete sich aus einem Zusammenschluss spontan gebildeten Nationalräte der Völker Nordkaukasiens von den Abchasen im Westen bis zu den Völkern Dagestans im Osten, darunter auch dem kabardinischen Nationalrat. Die Regierung bestand aus den Vorsitzenden dieser Räte, für die Kabardiner der Jurist Fürst Pschemacho Kozew, seit Dezember 1918 der zweite und letzte Ministerpräsident. Die Westtscherkessen waren dagegen schon bald nicht mehr an der Bergrepublik beteiligt.[117] Viele von ihnen verbündeten sich mit der autonomen Rada der Kubankosaken. Die Bergrepublik wurde letztlich von der Weißen Armee unter Denikin zerschlagen, die etwas länger bestehende „Republik Ter-Dagestan“ und das spätere „Imamat Kaukasus“ waren auf den Nordostkaukasus beschränkt und Tscherkessen beteiligten sich nicht. Ihr Gebiet blieb aber Kampfgebiet zwischen den „Weißen“ und „Roten“ Truppen, bis sich die Roten, d.h. die Bolschewiki Anfang 1920 durchsetzten.[118] Die Zeit des Bürgerkrieges war die einzige Periode vor 1992, in der es zu einer begrenzten Rückwanderung aus dem ebenfalls zerfallenden Osmanischen Reich kam.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tscherkessen. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 15, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1885–1892, S. 883.
  • Abdurrakhman Avtorkhanov, Marie Bennigsen Broxup (Hrsg.): The North Caucasus barrier: the Russian advance towards the Muslim world. London 1992
  • James Stanislaus Bell: Tagebuch seines Aufenthalts in Circassien während der Jahre 1837, 1838 und 1839. Pforzheim 1841
  • Oliver Bullough: Let our fame be great. Journeys among the defiant people of the Caucasus. Allen Lane, London 2010. ISBN 978-0-14-103774-5. Darin S. 15–144: The Circassians
  • Amjad M. Jaimoukha: The Circassians: A Handbook. New York, London 2001
  • Austin Jersild: Orientalism and Empire. North Caucasus Mountain Peoples and the Georgian Frontier 1845–1917. London 2003
  • Charles King: The Ghost of Freedom: A History of the Caucasus. Oxford 2008
  • Theophil Lapinski: Die Bergvölker des Kaukasus und ihr Freiheitskampf gegen die Russen. Hamburg 1863
  • Monika Höhlig: Kontaktbedingter Sprachwandel in der adygeischen Umgangssprache im Kaukasus und in der Türkei. LINCOM Europa, München 1997. ISBN 3-89586-083-2
  • Beatrice Manz: ČARKAS in: Encyclopædia Iranica
  • Kadir I. Natho: Circassian History. New York 2009
  • Carl Friedrich Neumann: Russland und die Tscherkessen. Stuttgart, Tübingen 1840
  • Batıray Özbek: Die tscherkessischen Nartensagen. Heidelberg 1982
  • Barbara Pietzonka: Ethnisch-territoriale Konflikte in Kaukasien, Nomos, Baden-Baden 1995, ISBN 3-7890-3720-6 (Zugleich Dissertation an der TU Dresden 1994).
  • Manfred Quiring: Der vergessene Völkermord. Sotschi und die Tragödie der Tscherkessen, Links, Berlin 2013. ISBN 978-3-86153-733-5.
  • Walter Richmond: The Northwest Caucasus: Past, Present, Future. New York, London 2008
  • Emanuel Sarkisyanz: Geschichte der orientalischen Völker Rußlands bis 1917. München 1961
  • Bagrat Schinkuba: Im Zeichen des Halbmondes. Roman (Originaltitel: Poslednij iz ušedšich, übersetzt von Hans-Joachim Lambrecht), Rütten & Loening, Berlin 1981, (ohne ISBN, DNB).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tscherkessen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Diaspora

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. z. B. den Artikel in der Encyclopaedia Iranica, 2. und 3. Absatz, mit weiteren Verweisen.
  2. So vertreten z. B. in Louis Loewe A Dictionary of the Circassian Language. London 1854, S. 5.
  3. Georgij A. Klimov: Einführung in die Kaukasische Sprachwissenschaft. Hamburg 1994, S. 47
  4. Einen besseren Überblick über die Verbreitung der tscherkessischen, ubychischen, abchasischen, sads-abchasischen und abasinischen Dialekte Mitte des 19. Jahrhunderts bietet diese Karte der an der Russischen Akademie der Wissenschaften arbeitenden Wissenschaftler Timur Maisak und Juri Korjakow (ohne östliche Kabardiner).
  5. Einen genaueren Überblick gibt diese Karte des Historikers Artur Zuzijew (russisch). Alle Blautöne: Tscherkessen und archäologisch ähnliche Abasinen im 16. Jahrhundert, mittel-und dunkelblau: zurückgedrängte Verbreitung im 17.–18. Jahrhundert, dunkelblau: heute noch von Tscherkessen und Abasinen besiedelte Gebiete, rot: heutige Grenzen von Adygeja, Karatschai-Tscherkessien und Kabardino-Balkarien.
  6. http://www.parliament.ge/index.php?lang_id=ENG&sec_id=63&info_id=31806
  7. Andreas Kappeler: Russland als Vielvölkerreich. Entstehung Geschichte Zerfall, C. H. Beck, Berlin, 1993, S. 153.
  8. Ülkü Bilgin: Azınlık hakları ve Türkiye. Kitap Yayınevi, Istanbul 2007; S. 85. ISBN 9756051809 (Türkisch)
  9. Hans-Joachim Hoppe: Die Tscherkessen – ein unbekanntes Volk erwacht, Eurasisches Magazin, Ausgabe 10–11, 2. Oktober 2011.
  10. Ergebnisse der Volkszählung Russlands 2010, Excel-Tabelle 7, Zeile 330.
  11. Ergebnisse der Volkszählung Russlands 2010, Excel-Tabelle 7, Zeile 491.
  12. Ergebnisse der Volkszählung Russlands 2010, Excel-Tabelle 7, Zeile 471.
  13. Ergebnisse der Volkszählung Russlands 2010, Excel-Tabelle 7, Zeilen 464 (13.834 „Adygejer“) und Zeile 470 (3839 „Schapsugen“).
  14. Excel-Tabelle 5, Zeilen 29 (Adygejer); 79 (Kabardiner); 185 (Tscherkessen) und 194 (Schapsugen).
  15. Vgl. W.A. Dimitriew: Die Westlichen Adygen: Sozium und Verbreitung vom 18. Jahrhundert – erste Hälfte 19. Jahrhundert. (russisch). Es gibt auch die Hypothese, dass sich diese kleineren adelslosen demokratischen Stämme den größeren anschlossen, nachdem diese ihren Adel beseitigt hatten.
  16. Vgl. z. B. Johannes Preiser-Kappeler: Zwischen Konstantinopel und der Goldenen Horde: Die byzantinischen Kirchenprovinzen der Alanen und Zichen im mongolischen Machtbereich im 13. und 14. Jahrhundert. in: Jürgen Tubach (Hrsg.): Caucasus during the Mongol Period. Wiesbaden 2012, S. 199–216.
  17. Genauere Beschreibung z. B. bei Kadir I. Natho, S. 112–120, auf Basis mehrerer russischer und tscherkessischer Forscher.
  18. James Stanislaus Bell: Journal of a residence in Circassia during the years 1837, 1838, and 1839 Band 1, S. 177 und Band 2, S. 110–145
  19. Vgl. Sarkisyanz, S. 99–107.
  20. Wolfdieter Bihl: Die Kaukasuspolitik der Mittelmächte. Band 1: Ihre Basis in der Orient-Politik und ihre Aktionen 1914–1917. Wien/ Köln/ Graz 1975, S. 30–31.
  21. Vgl. z. B. Chantal Lemercier-Quelquejay: Cooptation of the Elites of Kabarda and Daghestan in the sixteenth century. In: Abdurrahman Avtorkhanov, Marie Bennigsen Broxup u. a. (Hrsg.): The North Caucasus barrier: the Russian advance towards the Muslim world. London 1992, online, S. 25–26 (Kabardiner) und S. 27–28 (westliche Tscherkessen und nichttscherkessische Abasinen)
  22. Amjad M. Jaimoukha: The Social Structure of the Circassians. S. 2, zur Struktur der Westtscherkessen mit Beispielen der Adelsgeschlechter der Hatkuajer und Machoscher und ihrer "Kongresse" (chase).
  23. Amjad Jaimoukha: Social Hierarchy in Eastern Circassia: The Kabardian Class System.
  24. Ayhan Kaya-Aufsatz 6. Kapitel, 4. Absatz (Version vom 13. April 2013 im Internet Archive)
  25. Vgl. Kadir I. Natho, S. 94.
  26. Vgl. z. B. Kadir I. Natho S. 102.
  27. Eintrag im Album der Pferdezucht der UdSSR mit Zuchtdaten (russ.)
  28. Beschreibung (russ.), andere Kaukasusrassen heißen „Abchase“,„Lesgine“,„Pschawier“ und „Tuschetier“. Die Verwendung von Pferden im Hochgebirge ist eine Besonderheit des Kaukasus, in den meisten anderen Gebirgen müssen Esel oder Maultiere verwendet werden.
  29. Zur Anschauung siehe diese Reportage ab min.13:50
  30. Zu Viehzucht, Ackerbau, Jagd und Fischfang auch in genuesischen Berichten siehe z. B. Kadir I. Natho S. 102–103.
  31. Georgij A. Klimov Einführung in die kaukasische Sprachwissenschaft. Hamburg 1994, S. 50. Zu weiteren Infos siehe Amjad Jaimoukha: The Secret Language of the Hunters: One of the Twelve Secrets of the Caucasus.
  32. Vgl. z. B. Amjad Jaimoukha Circassian Costumes and Accoutrements.
  33. Vgl. Kadir I. Natho, S. 89.
  34. Männerkleidung Nordkaukasiens 18. bis erste Hälfte des 19. Jahrhunderts (russisch) aus der Zeitschrift Nauka (= Wissenschaft) 1989.
  35. Männerkopfbedeckungen der Völker Kaukasiens 18. bis erste Hälfte des 19. Jahrhunderts (russisch) aus Nauka 1989.
  36. Der russ. Name gazyr stammt aus Turksprachen Kaukasiens und bedeutet „bereit“, türkisch z. B. „hazır“
  37. Frauenkleidung des 18.–19. Jh. (russisch) aus Nauka 1989.
  38. Schulterkleider Nordkauksiens des 18.–19. Jh. (russisch) aus Nauka 1989.
  39. Siehe Circassian Dance von Amjad Jaimoukha mit Hörbeispielen.
  40. Siehe z. B. diese Aufführung des Staatlichen Akademischen Tanzensembles Kabardino-Balkariens „Kabardinka“, bei dem auch die im Text erwähnten hohen Holzsandalen zu sehen sind. Es ist eine der Melodien, die in Anwesenheit von Fürsten getanzt wurde und deshalb auch pschi qafe genannt wird.
  41. Vgl. z. B. den Artikel aus Meyers Konversationslexikon mit Nachweis.
  42. Siehe The Circassian Ministrels von Amjad Jaimoukha.
  43. Circassian Music and Musicology von Amjad Jaimoukha mit Hörbeispielen.
  44. Siehe Vortrag Music as a Medicine for Adyghs von Alla Sokolova auf einer Konferenz der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Wie das ausgesehen haben könnte, zeigt z. B. dieser Ausschnitt eines tscherkessischen Spielfilms. Die Rituale mussten rund um die Uhr am Krankenbett durchgeführt werden.
  45. Beschreibung bei Circassianworld (Version vom 13. April 2013 im Internet Archive)
  46. Beispiel bei Youtube
  47. Siehe auch Jaimoukha Circassian Cuisine. (Version vom 6. März 2012 im Internet Archive) mit Rezepten, oder zur Anschauung von Al-Jazeera English Jordanian Cuisine ab min 13:30 die der tscherkessischen Minderheit, dort auch Jaimoukha interviewt.
  48. Zum Handel vgl. z. B. Kadir I. Natho S. 103. Hauptabnehmer für Sklaven waren in der Neuzeit Händler von der Krim, aus dem Osmanischen Reich, aus Genua und Venedig.
  49. Die Ausführungen des Kapitels beruhen ursprünglich auf der Darstellung von Irfan Genel
  50. Amjad M. Jaimoukha: Circassian Costums and Traditions. 2009. Für nähere Informationen siehe dort.
  51. Sie alle aufzuzählen, wäre hier zuviel, siehe Amjad M. Jaimoukha: Circassian Costums and Traditions. 2009, S. 22–53. In einer ostkabardinischen Variante, die auch die Festivals etwas ausführlicher zeigt, siehe diese Aufführung.
  52. Mädchenkorsette des 18. bis zur zweiten Hälfte des 19. Jh. (russisch) aus Nauka 1989.
  53. Vgl. z .B. Richmond S. 26–28
  54. Amjad Jaimoukha: Circassian History, S. 12–15.
  55. Zu dieser und einigen weiteren Traditionen vgl. z. B. Kaya (Version vom 13. April 2013 im Internet Archive) (unten) oder Jaimoukha
  56. Vgl. z. B. Kaya (Version vom 13. April 2013 im Internet Archive) oder Jaimoukha
  57. Georgij A. Klimov: Einführung in die Kaukasische Sprachwissenschaft. Hamburg 1994, S. 15–23. (unter Auswertung zahlreicher Autoren)
  58. Johann-Christoph Adelung: Mithridates, oder, Allgemeine Sprachenkunde mit den Vater Unser als Sprachprobe in bey nahe fünfhundert Sprachen und Mundarten. Voss, Berlin 1806, S. 441; Christoph von Rommel: Caucasiarum regionum et gentium Straboniana descriptio. Siegfried Lebrecht, Leipzig, S. 68
  59. Allgemeine historisch-topographische Beschreibung des Kaukasus, Gotha/St. Petersburg, 1796–1797
  60. Strabo, Geographica XI, 2, 1
  61. Johann-Christoph Adelung: Mithridates, oder, Allgemeine Sprachenkunde mit den Vater Unser als Sprachprobe in bey nahe fünfhundert Sprachen und Mundarten. Voss, Berlin 1806, S. 441
  62. H. H. Howorth: On the Westerly Drifting of Nomades from the Fifth to the Nineteenth Century. Part IV, The Circassians and White Khazars. Journal of the Ethnological Society of London 1869–1870/2, S. 182–192
  63. Z. B. der Artikel "Abkhazian Origins" in George B. Hewitt: The Abkhazians: A Handbook. Richmond 1998, S. 23 ff. Die dort vertretene Behauptung, ohne andere Ansichten zu erwähnen, die Sprecher der Nordwestkaukasischen Sprachen wären die "Urbevölkerung" von Anatolien bis Westgeorgien hat auch nationale Hintergründe, weil sie die Abchasen zur ältesten Bevölkerung Westgeorgiens machen soll, mit älteren Rechten an dem Land, als die Georgier. Ardsinba, Chirikba und S. Lakoba wurden führende Politiker der separatistischen Regierung Abchasiens.
  64. Georgij A. Klimov Einführung in die kaukasische Sprachwissenschaft. Hamburg 1994, S. 83. Klimov schreibt dort nach der Übersetzung von Jost Gippert: "... u. ä. als Erbwörter erschließen lassen, kann das Verbreitungsgebiet der westkaukasischen Grundsprache mit großer Wahrscheinlichkeit lokalisiert werden; es dürfte weitgehend mit dem heutigen Siedlungsgebiet der westkaukasischen Stämme im Kaukasus am Nordostufer des Schwarzen Meeres identisch gewesen sein, nicht jedoch mit den Niederungen der Kolchis." (also nicht mit Westgeorgien).
  65. Vgl. Artikel Kurgan-Hypothese, Anatolien-Hypothese und Armenien-Hypothese von Tamas Gamqrelidse und Wjatscheslaw Iwanow
  66. Z. B. der Indogermanist und Archäologe J. P. Mallory formuliert in seinem Werk In Search of the Indo-Europeans S. 233 die Kulturen im Westkaukasus seien "precisely in regions which later demonstrate the presence of non-Indo-European populations."
  67. Vgl. z. B. Georgij A. Klimov Einführung in die kaukasische Sprachwissenschaft. Hamburg 1994, S. 87
  68. Vgl. z. B. Roland Bielmeier: Sprachkontakte nördlich und südlich des Kaukasus in: Roland Bielmeier, Reinhard Stempel (Hrsg.) Indogermanica et Caucasica: Festschrift für Karl Horst Schmidt zum 65. Geburtstag Berlin, New York 1994, S. 427–446, besonders S. 429.
  69. Im Artikel „Maykop Culture“ in der Encyclopedia of Indo-European Culture formuliert Mallory "Such a theory, it must be emphasized, is highly speculative and controversial although there is a recognition that this culture may be a product of at least two traditions: the local steppe tradition embraced in the Novosvobodna culture and foreign elements from south of the Caucasus which can be charted through imports in both regions."
  70. Z. B. Kadir I. Natho S. 28–58 oder Jaimoukha.
  71. Russischer Artikel mehrerer Autoren in der Zeitschrift Sotschinski Kraewed (Sotschier Ethnograf) 4 1999 (zweites Kapitel von M. I. Kudin)
  72. Z. B. einführend Artikel der Sowjetischen Historischen Enzyklopädie (russisch)
  73. Vgl. einführend J. P. Mallory: Novotitorovka Culture. In: Encyclopedia of Indo-European Culture, Fitzroy 1997.
  74. Kurzbeschreibung in der Sowjetischen Historischen Enzyklopädie mit (etwas älterer) Literatur (russisch)
  75. Strabon Geographika XI 2.11 (englische Übersetzung)
  76. Während es bei den Siraken verschiedene Meinungen gibt, ist die Zuordnung der Maioten mehrheitlich anerkannt. Schon die Große Sowjetische Enzyklopädie bezeichnet deshalb die Maioten als tscherkessische Stämme. Zuletzt u. a. vertreten von Boris Piotrovskij: Меоты - предки адыгов. Maikop 1989 (deutsch: Die Maioten – Vorfahren der Tscherkessen.) wo ihn namenskundliche und archäologische Vergleiche zu dieser Schlussfolgerung führen.
  77. Vgl. Kadir I. Natho, S. 46
  78. Geographika XI 2.14
  79. Kadir I. Natho S. 46–78.
  80. Vgl. Kadir I. Natho, S. 69–75
  81. Amjad Jaimoukha: Mediaeval Kabardian Alphabet.; Jaimoukha bezieht sich auf P. Dobrev: Inschriften und Alphabet der Urbulgaren. Sofia 1995.
  82. S. 6.
  83. Siehe z. B. die Eingangsworte dieses Videos.
  84. Geographika XI 2.12 und folgender Absatz
  85. Kadir I. Natho S. 59
  86. Kadir I. Natho S. 60 ff.
  87. Kadir I. Natho S. 59–61, Natho zitiert dort die Hypothesen der Forscher S. Khotko und George Kissling.
  88. Z. B. Amjad M. Jaimoukha: The Circassians. A Handbook S. 42 ff.
  89. Zur Folge der Mongolenzüge für die Tscherkessen vgl. Kadir I. Natho, S. 89–95.
  90. Vgl. z. B. Kadir I. Natho S. 88 f.
  91. Vgl. z. B. das zweite Kapitel Artikels in der Encyclopaedia Iranica von Beatrice Manz
  92. [1] ähnliches System auch das der osmanischen Janitscharen
  93. Vgl. z. B. Kadir I. Natho S. 149–265
  94. Kadir I. Natho S. 95–98
  95. Vgl. diese Karte von Artur Zuzijew (russisch). Hellblau die Ausbreitung im 16. Jh., die Nordgrenze entspricht der Handelstraße, mittelblau vom Krimkhanat zurückgelegten Siedlungsgebiete im 17./18. Jh., dunkelblau heute noch tscherkessisch besiedelte Gebiete.
  96. Zu diesen Kriegen vgl. z. B. Kadir I. Natho S.133–137, beschrieben z. B. bei den Quellenautoren Giacomo de Lucca, dem russischen Botschafter Tschelischew, dem osmanischen Ibn-i Kemal u. a. meist osmanischen und krimtatarischen Berichten und Quellen. Die Kriege waren z.T. sehr erbittert und auch von der Jagd auf Sklaven begleitet.
  97. Zu den verschiedenen Formen der Islamisierung Kadir I. Natho S. 123 f. und 136–137.
  98. Russische Übersetzung des Textes bei Galonifontibus, II. (Kapitel 9) drittletzter Absatz (der Inal allerdings nicht namentlich erwähnt).
  99. Amjad Jaimoukha A Brief History of Kabarda, S. 17–20.
  100. Siehe z. B. S. 26 die Darstellung der Hauptstadt aus dem Reisebericht von Adam Olearius.
  101. Vgl. z. B. Chantal Lemercier-Quelquejay: Cooptation of the Elites of Kabarda and Daghestan in the sixteenth century. In: Abdurrahman Avtorkhanov, Marie Bennigsen Broxup u. a. (Hrsg.): The North Caucasus barrier: the Russian advance towards the Muslim world. London 1992, online, S. 27–28
  102. Walter Richmond: The Northwest Caucasus. Past, present, future. Routledge 2008, S. 45
  103. Kadir I. Natho S. 123–125
  104. Bild direkt von der Umschlagseite bei Bell.
  105. Vgl. z.B. Zusammenfassung des Kaukasuskrieges auf der Seite kavkaz-uzel (englisch), Kapitel zur dritten Phase, vierten Phase und letzten Phase.
  106. Deutschlandradio Kultur, Fazit, 6. Januar 2014, Barbara Lehmann: deutschlandradiokultur.de: Endstation Schwarzes Meer – Russland verdrängt den Völkermord an den Tscherkessen in Sotschi (7. Januar 2014)
  107. Kadir I. Natho, S. 366–377, 393–395.
  108. Vgl. Diese Karte des Historikers Artur Zuzijew (russ.). Die farbigen Gebiete sind die, in denen allein Angehörige der sog. "Bergvölker" nach Festlegung der Landkommissionen 1868 bis zur Revolution 1905 siedeln durften, davon Kreise 1–4 westliche Tscherkessen, Abasinen und Kubannogaier, 5 Karatschaier und 6 Kabardiner und Balkaren. Die schraffierten Gebiete sind Ansiedlungsregionen für Kosaken.
  109. Kadir I. Natho, S. 378–385.
  110. Batıray Özbek: Erzählungen der letzten Tscherkessen auf dem Amselfeld. Bonn 1986, im Einleitungsteil.
  111. Ayhan Kaya (Version vom 13. April 2013 im Internet Archive) erwähnt z.B. das alte Stereotyp der Diebe, das wohl noch aus der Frühzeit der Diaspora stammt.
  112. Für Ostrumelien wurde nach Berliner Vertrag Art. 15/Abs. 4 ein faktisches Ansiedlungsverbot beschlossen.
  113. Kadir I. Natho, S. 389–391.
  114. Amjad Jaimoukha: The Social Structure of the Circassians., besonders S. 1 und 8.
  115. Amjad Jaimoukha: The Social Structure of the Circassians., S. 8.
  116. Eine häufige Übertragung in der Fachliteratur ist "Fremdstämmige" und "Eigenstämmige". Es leitet sich von russ. "narod"="Volk" ab. Kern der Unterscheidung war die Einschätzung, dass die inarodzy nicht loyal genug für den Dienst in der russischen Armee waren. Zu dieser Unterscheidung siehe z.B. Andreas Kappeler, Gerhard Simon, Georg Brunner: Die Muslime in der Sowjetunion und in Jugoslawien. Köln 1989, S. 117–130.
  117. Zum beanspruchten Gebiet der Bergrepublik vgl. diese Karte des Historikers Zuzijew (grün), hellgrün dabei die Gebiete der beteiligten vorwiegend christlichen Völker-Osseten, Abchasen und Sunscha-Kosaken. Das Gebiet der Westtscherkessen am Kuban wurde schon nicht mehr beansprucht.
  118. Kadir I. Natho, S. 410–412.