Tschiervagletscher

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Tschiervagletscher
Tschiervagletscher von Nordwesten, mit Piz Bernina, Piz Scerscen und Piz Roseg

Tschiervagletscher von Nordwesten, mit Piz Bernina, Piz Scerscen und Piz Roseg

Lage Kanton Graubünden, Schweiz
Gebirge Berninagruppe
Typ Talgletscher
Länge 3,95 km (2012)[1]
Fläche 7,1 km² (1991)[2]
Exposition Nordwest
Höhenbereich 4'000 m ü. M. – 2'340 m ü. M. (2005)[3]
Eisvolumen 0,31 ± 0,08 km³ (1991)[2]
Koordinaten 787993 / 14055446.399.8833170Koordinaten: 46° 23′ 24″ N, 9° 52′ 59″ O; CH1903: 787993 / 140554
Tschiervagletscher (Graubünden)
Tschiervagletscher
Entwässerung Rosegbach, Flaz, Inn

Der Tschiervagletscher (rätoromanisch im Idiom Puter Vadret da Tschierva, deutsch wörtlich „Hirschkuhgletscher“) ist ein Talgletscher in der Berninagruppe im Kanton Graubünden. Im Jahr 2012 betrug die Länge etwa vier Kilometer[1], für die Fläche wurde 1991 ein Wert von 7,1 km² ermittelt.[2]

Der Gletscher ist im oberen Bereich durch die Felskante von Piz Scerscen (3'971 m ü. M.) und Piz Umur zweigeteilt. Der östliche Teil hat seinen Ursprung an der steilen Westflanke des Piz Bernina, während der Westteil seinen Ausgangspunkt im tiefen Kar zwischen Piz Roseg und Piz Scerscen auf rund 3'300 m nimmt. Der Tschiervagletscher fliesst nach Nordwesten entlang der Südwestflanke des Piz Morteratsch in das Val Roseg. Im Jahr 2005 endete die Gletscherzunge auf einer Höhe von 2'340 m ü. M.[3]. Das an dieser Stelle austretende Schmelzwasser fliesst über den Rosegbach (Ova da Roseg) und die Flaz zum Inn.

Während der Kleinen Eiszeit erreichte das Wachstum des Tschiervagletschers ca. 1860 seinen modernen Höchststand und noch bis 1944 vereinigte sich der Tschiervagletscher im Val Roseg mit dem Roseggletscher. Hinter der ehemaligen Mittelmoräne, der nun orografisch linken Seitenmoräne des Tschiervagletschers, bildete sich in der Folgezeit ein See, der auf der Schweizer Landeskarte als Lej da Vadret verzeichnet ist. Im August 1954 stieg der Wasserspiegel des Sees aufgrund von Schneeschmelze und starker Regenfälle rasch um 85 Zentimeter an. Am Seeauslauf kam es daraufhin zu starker Erosion und die zusätzlichen Wassermassen flossen rasch ab, bis sich der der Wasserspiegel wieder etwa auf das ursprüngliche Niveau gesenkt hatte. Die grossen Hochwasserschäden im Oberengadin während des Sommers 1954 sind zum Teil dadurch verursacht worden.[4]

Oberhalb der nordöstlichen Seitenmoräne des Gletschers befindet sich die Tschiervahütte (Chamanna da Tschierva) des Schweizer Alpen-Clubs auf einer Höhe von 2'583 m ü. M. Sie ist Ausgangspunkt für beliebte Hochtouren im Berninamassiv, wie die Besteigung des Piz Roseg und des Piz Bernina über dessen Nordgrat, den Biancograt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich (Hrsg.): Tschiervagletscher. In: Schweizerisches Gletschermessnetz. (online, auch als PDF, abgerufen am 23. Oktober 2014).
  2. a b c Daniel Farinotti, Matthias Huss, Andreas Bauder, Martin Funk: An estimate of the glacier ice volume in the Swiss Alps. In: Global and Planetary Change. 68: 225–231, 2009 (online; PDF; 756 kB).
  3. a b WGMS: Fluctuations of Glaciers Database. World Glacier Monitoring Service, Zurich 2013 (DOI:10.5904/wgms-fog-2013-11), abgerufen am 11. Dezember 2013
  4. Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich: Vadret dd Tschierva, Vadret da Roseg. In: Naturgefahren Gletscher. (online, auch als PDF).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tschiervagletscher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien