Tschirn

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Tschirn in Oberfranken, zum gleichnamigen Funktionär der freidenkerischen und der freigeistigen Bewegung siehe Gustav Tschirn.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Tschirn
Tschirn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Tschirn hervorgehoben
50.39694444444411.449722222222598Koordinaten: 50° 24′ N, 11° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Kronach
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Teuschnitz
Höhe: 598 m ü. NHN
Fläche: 20,13 km²
Einwohner: 554 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 28 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96367
Vorwahl: 09268
Kfz-Kennzeichen: KC, SAN
Gemeindeschlüssel: 09 4 76 182
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulweg 8
96367 Tschirn
Webpräsenz: www.tschirn-online.de
Bürgermeister: Peter Klinger (CSU)
Lage der Gemeinde Tschirn im Landkreis Kronach
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Über dieses Bild
Katholische Kirche St. Jakobus, Haupteingang
Katholische Kirche St. Jakobus, verschieferte Westfassade

Tschirn ist eine Gemeinde im Landkreis Kronach (Regierungsbezirk Oberfranken) und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Teuschnitz.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Tschirn liegt im Naturpark Frankenwald.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

  • Dobermühle
  • Tschirn
  • Gemeindeschneidmühle

Die Gemeindeschneidmühle (Waffenhammer) lag im Tal der Tschirner Ködel. Sie bestand aus einem Wohnhaus, einer Scheune und einem Holzsägewerk, in dem bis zum Ende noch Holz geschnitten wurde. Nach dem Bau der Mauthaustalsperre wurde sie um 1980 abgerissen, da sie in der engeren Schutzzone der Trinkwassertalsperre lag. Die Besitzer Förtsch und Jaksch wurden nach Tschirn umgesiedelt.

Geschichte[Bearbeiten]

Urkundlich erstmals erwähnt wurde Tschirn im Jahre 1276 als Gut Tschirn.

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten]

Tschirn, auch Schirn, Zirn, oder Zschirn geschrieben, ist ein slawischer Name, der vom tschechischen černý (schwarz) abgeleitet ist und etwa Schwarzwald, Fichten- oder Tannenwald bedeutet.

Die Gründung des Ortes an der Hochstraße KronachLehesten, eine der kürzesten Verbindungen ins Thüringische, vollzog sich um die Jahrtausendwende in der Zeit des Geschlechtes der Steinberger und der Schweinfurter Grafen von Henneberg. 1187 waren die Güter im weltlichen Besitz der von Schaumberg, 1276 wurden „Schirn“ (Tschirn) und „Pressans“ und die Kirchen in diesen Eigengütern an das Kloster Langheim abgetreten. Am 18. Dezember 1388 ging das „Eygen“ Teuschnitz mit 31 Orten, darunter auch Tschirn mit dem Patronatsrecht nebst den dazugehörenden Siedlungen Hois, Priesterich und Oßla durch Kauf an das Hochstift Bamberg über. Tschirn gehörte von 1388 bis 1803 bis zur Säkularisation zum unbestrittenen Besitz des Fürstbistums Bamberg, dann ging es an das Königreich Bayern über.

Der um die Mitte des 14. Jahrhunderts wütenden Pest fielen alle Einwohner von Hois und Priestrich zum Opfer. Die Orte erloschen.

Um 1414 machten die Bürger Tschirns regen Gebrauch von der bereits 1234 erlassenen Bergwerksgerechtigkeit. Erz wurde abgebaut, verhüttet und in Waffenschmieden verarbeitet. Damals hatte der Ort 152 Familien und 600 Einwohner, 84 Häuser, ein Pfarramt, eine Schule und eine Pfarrkirche, Revier- und Forstwartei, eine Mahl- und zwei Schneidmühlen mit Waffenhammer.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Der Dreißigjährige Krieg verschonte Tschirn nicht. 1632 wurde Pfarrer Johann Cuno im Pfarrhaus von einem schwedischen Soldaten ermordet. Der Pfarrer soll sich als Metzger verkleidet haben, wurde jedoch, als er die heiligen Geräte vor den räuberischen Landsknechten schützen wollte, erkannt und niedergemacht. Die Bauern rächten den „merttrer von Tschirn“, sie verfolgten seinen Mörder und erschlugen ihn im Grund zwischen Tschirn und Rappoltengrün. Der Sage nach geht heute noch die arme Seele des Schweden zu nächtlicher Stunde um. Für das Heimatfest 1957 hatte der Heimatdichter Andreas Bauer (Bauern-Andres) diese Vorgänge zu einem Theaterspiel unter dem Titel Von Not und Tod und schwerer Zeit verarbeitet. Es wurde von einer Tschirner Laienspielgruppe unter Regie des Autors auf dem freien Platz vor dem Pfarrhaus aufgeführt.

In der Folgezeit des Dreißigjährigen Krieges suchten Rinderpest, Ruhr, Typhus und Blattern die Menschen arg heim. Missjahre, Teuerung und Unwetter brachten immer wieder große Not.

Bauwerke und Kunstwerke[Bearbeiten]

Am früheren Ortsteich, beim Haus Nummer 97 (heute Kronacher Straße 8), befand sich zwischen zwei mächtigen Lindenbäumen die Sandsteinfigur des Heiligen Nepomuk mit der Inschrift im Sockel: „Johan Hader schmittmeister von Tschirn und die sämhdliche Gutt thäter haben zur Ehre Gottes und des He Johann von Nepomuc diese bildnus setzen lassen. Ano 1774“. Die Statue wurde 1998 nach einer Renovierung an die Abzweigung Eckstraße/Kronacher Straße versetzt.

Von der gleichen Art steht etwa 100 Meter nördlich der Pfarrkirche ein Vesperbild, die Muttergottes, den vom Kreuz abgenommenen Christus haltend. Diese Sandsteinfigur war einst bemalt.

Von 1865 bis 1868 bauten die Tschirner die heutige gotische Pfarrkirche. Sie birgt neben wertvollen Kleinodien mehrere Holzfiguren (die älteste ist wohl die um 1500 entstandene stehende Muttergottes), vier Altarbilder, Kreuzweg und vier Evangelisten von Kunstmaler Lorenz Kaim aus Kronach, sowie eine noch wohlklingende Steinmeyersche Orgel.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Tschirn

Die Pfarrer von Tschirn[Bearbeiten]

  • 1401 Richardt Johannes
  • 1415 Nicklas
  • 1440 Lenker Johannes
  • 1471 Weiß Johannes
  • 1521 Lauterbach Johannes
  • 1535 Schütz Johannes
  • 1539 Alstich Johannes
  • 1552 Limmer Simon
  • 1558 Fleischmann Johannes
  • 1587 Zweidler Wolfgang
  • 1596 Neblich Wolfgang
  • 1611 Hammon Otto
  • 1612 Cuno Johannes
  • 1632 Zielfelder Kornelius
  • 1638 Braun Johannes Wilhelm
  • 1640 Johann Konrad Cervinus von Hirsch
  • 1642 Fiedler Martin Johann
  • 1664 Kaupert Friedrich
  • 1666 Arelt Johann
  • 1672 Will Johann
  • 1685 Richter Martin
  • 1686 Leicht Nickolaus
  • 1687 Weber Georg
  • 1689 Hofstetter Johannes
  • 1710 Wecker Johann Georg
  • 1718 Beuschel Johann Tobias (in Tschirn begraben)
  • 1752 Wachter Johann Simon (in Tschirn begraben)
  • 1788 Oehrlein Georg Josef (in Tschirn begraben)
  • 1791 Baumann Friedrich
  • 1802 Lang Johann Georg Philipp
  • 1813 Schauer Valentin
  • 1818 Engel Johann
  • 1834 Kestel Johann
  • 1842 Scharold Georg
  • 1843 Alt Johann
  • 1859 Neblich Kaspar (in Tschirn geboren und begraben)
  • 1866 Besold Johann
  • 1875 Krahl Augustin (in Tschirn begraben)
  • 1878 Schmitt Franz
  • 1883 Schirmer Georg
  • 1889 Stöcklein Georg
  • 1894 Nüßlein Heinrich
  • 1896 Schindelmann Michael
  • 1908 Stenglein Jakob
  • 1913 Dütsch Augustin
  • 1922 Beyerwaltes Andreas
  • 1929 Zwosta Georg
  • 1934 Hagel Johannes
  • 1949 Höfinger Rudolf
  • 1966 Schöring Johannes
  • 1971 Aushilfen: Professor Johannes Seifert, Nurn und Pfarrer Josef Voll, Lahm
  • 1984 Antekolovic Tomislav
  • 1998 Martin Hans (Pfarrei Nordhalben und Tschirn)
  • 2005 Barthelme Peter - Pfarreienverbund Oberer Frankenwald: Teuschnitz, Tschirn, Wickendorf, Marienroth (ab Oktober 2006 Dekan - Dekanat Teuschnitz)
  • 2011 Joachim Lindner

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Tschirn hat acht Mitglieder unter der Leitung des ehrenamtlichen Bürgermeisters.

2014
CSU 4
Alternative für Tschirn 4
Gesamt 8 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: „Geteilt von Blau und Gold; oben das Brustbild des silbern gekleideten und golden nimbierten heiligen Jakobus, der in der Rechten einen goldenen Pilgerstab und in der Linken ein goldenes Kreuz hält; auf der Brust eine rote Pilgermuschel; unten nebeneinander zwei bewurzelte schwarze Nadelbäume.“ (Ministerielle Zustimmung vom 11. April 1957 Nr. I B 1 - 3000 - 29 T/5)

Die untere Schildhälfte enthält durch die schwarzen Nadelbäume einen Hinweis auf den Ortsnamen, der vom slawischen černý (schwarz) abzuleiten und mit Schwarzwald gleichzusetzen ist. Schwarz und Gold spielen zugleich auf die Farben des Löwenwappens des ehemaligen Hochstifts Bamberg an, weil die Fürstbischöfe bis 1802/03 die Landesherrschaft ausübten. Schon vor 1276 und wieder seit 1388 nach dem Kauf der Güter des Zisterzienserklosters Langheim in dieser Gegend war der Ort unbestrittener hochstiftischer Besitz. Der heilige Jakobus war als Pfarrpatron bereits 1276 beglaubigt. Im Wappen wurden ihm seine bekannten Attribute Stab, Muschel und Kreuz hinzugefügt. Die Gemeindefahne zeigt drei Streifen in der Farbenfolge Rot, Weiß und Blau entsprechend den Hauptfarben im Gemeindewappen. [2]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Land- und Forstwirtschaft sowie Heimarbeit boten in früheren Jahrhunderten nur ein Existenzminimum. 1894 wurde die Schiefertafelindustrie gegründet, die 1902 nach Nordhalben abwanderte. Versuche, in den 1920er und 1930er Jahren Schiefervorkommen abzubauen, scheiterten.[3]

Unternehmen[Bearbeiten]

Größter Arbeitgeber in Tschirn ist das Zweigwerk der Dr. Franz Schneider GmbH mit 160 Mitarbeitern.


Ehrenbürger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pfadenhauer, Rudolf (Hrsg.): Tschirn im Frankenwald. Eine Gemeinde erinnert sich 1276–2001. ISBN 3-000-08814-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Klemens Stadler: Die Wappen der oberfränkischen Landkreise und Gemeinden
  3. Quelle: Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Tschirn 2001 – Autor: Günter Böhnlein, Tschirn
  4. Kurz-Biographie zum 80. Geburtstag auf der Firmen-Website

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tschirn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien