Tuffi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der Elefantenkuh Tuffi. Zur gleichnamigen Marke der ehemaligen Milchwerke Köln-Wuppertal siehe FrieslandCampina Germany.
Der Sprung von Tuffi wurde künstlerisch auf einer Wand an der Wupper umgesetzt

Tuffi (* 1946 in Indien; † 1989 in Paris[1]) war eine Elefantenkuh des Zirkus Althoff, die am 21. Juli 1950 im Alter von vier Jahren in Wuppertal aus der fahrenden Schwebebahn in die Wupper sprang.

Geschichte[Bearbeiten]

Tuffis Eltern gehörten zur Menagerie eines indischen Fürsten. Tuffis Vater war ein Elefantenbulle, der zur Treibjagd eingesetzt wurde, während Tuffis Mutter den Söhnen des Fürsten als Reittier diente.[2]

Der deutsche Zirkus Franz Althoff kaufte Tuffi 1949. Als einziger Elefant des Zirkus' zeigte Tuffi keine Furcht vor fremden Menschen und Städten, so dass sie Franz Althoff als Werbe-Attraktion für seinen Zirkus einsetzte.[1] Unter anderem nahm sie teil an Straßenbahnfahrten in verschiedenen Städten, trank aus einem Weihwasserbrunnen in Altötting, transportierte Bierkästen zu einem Baugerüst in Solingen, machte eine Hafenrundfahrt in Duisburg und war beim Stadtdirektor von Oberhausen.[3]

Tuffis Wupperfall[Bearbeiten]

1950 gastierte der Zirkus Althoff in Wuppertal. Erst nach einigen Schwierigkeiten mit den Behörden[3] durfte Althoff mit einer Fahrt in der Schwebebahn für sein Wuppertaler Gastspiel werben. Tuffi rannte jedoch auf Grund von Nervosität kurz nach Abfahrt wild trompetend durch den Triebwagen.[4] Wie der damals zwölfjährige Harry Althoff in der Fernsehsendung „Unsere Besten – Die Lieblingsorte der Deutschen“ (ZDF) im September 2006 erzählte, durchbrach Tuffi im zweiten Versuch ein Fenster und sprang aus dem Fahrzeug circa zehn Meter hinunter in die Wupper, die an dieser Stelle keine 50 Zentimeter tief ist. Tuffi erlitt nur ein paar Schrammen am Hinterteil und blieb ansonsten unverletzt. Sie hatte einfach Glück bei der Art der Landung, meinte der Sohn Althoff. Sein Vater, Zirkusdirektor Franz Althoff, wollte tatsächlich hinterherspringen, wurde aber vom Sohn zurückgehalten, nachdem dieser bereits bemerkt hatte, dass Tuffi offenbar eine glimpfliche Landung „vollbracht hatte“. Die Althoffs mussten bis zur nächsten Haltestelle fahren und konnten erst dann den Elefanten aus dem Wasser zu dem nahegelegenen Zirkusplatz führen.[1]

Die Wupper zwischen den Stationen Alter Markt und Adlerbrücke

Im Waggon war Panik ausgebrochen, und es gab einige Verletzte. Althoff und der verantwortliche Leiter der Verkehrsabteilung der Wuppertaler Stadtwerke, der die Fahrt genehmigt hatte, wurden in einem Gerichtsverfahren wegen „fahrlässiger Transportgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung“ zu einer Geldstrafe von 450 D-Mark verurteilt.[5] Die Schwebebahn sei als Transportmittel für Elefanten ungeeignet, so die Feststellung des Gerichts. Die Unglücksstelle zwischen den Stationen Alter Markt und Adlerbrücke in Wuppertal ist bis heute durch einen gemalten Elefanten auf der Hauswand markiert.

Kuriosität ohne Foto[Bearbeiten]

Obwohl der Waggon mit Journalisten besetzt war und der Elefantentransport auch ein Medienereignis darstellen sollte, hatte aus Panik niemand den entscheidenden Moment fotografiert. Das bekannte Postkartenmotiv mit dem fallenden Elefanten ist eine Fotomontage.[6]

Folgen[Bearbeiten]

Tuffi als Maskottchen des Schwebebahn-Express

1968 löste sich der Zirkus Althoff auf. Tuffi wechselte mit einer Gruppe von Tieren zum Cirque Alexis Gruss, wo sie bis zu ihrem Tod 1989 blieb. Die ehemaligen Milchwerke Köln-Wuppertal verkauften ihre Milchprodukte Tuffi unter dem Namen des Elefanten aus der Schwebebahn. Inzwischen werden die Tuffi-Milchprodukte von Campina vertrieben.

Tuffi spielt auch für die touristische Vermarktung Wuppertals eine Rolle. So ist beispielsweise in der Wuppertaler Touristeninformation ein Sortiment an Souvenirs mit Tuffi-Motiv erhältlich. Der amerikanische Bluessänger Cory P. McDaniel hat das Geschehen in dem Lied Elephant Fall in Wuppertal vertont.[7] Weiterhin wird Tuffi von den Wuppertaler Stadtwerken als Maskottchen für den Schwebebahn-Express, dem Schwebebahnersatzverkehr, verwendet.

Literatur[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

  • Der Fall des Elefanten. Die rätselhafte Geschichte des Elefanten Tuffi. Dokumentarfilm, BR Deutschland, 1986, 43:40 Min., Buch und Regie: Volker Anding, Produktion: Lichtblick, ZDF, Reihe: Das kleine Fernsehspiel, Inhaltsangabe von prisma.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tuffi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Robert Franz: Einmal Schwebebahn und nie wieder. Vor 60 Jahren: Elefant Tuffi überlebt Sprung in die Wupper. In: WDR, 22. Juli 2010, Interview mit Frau Fatima Althoff, archiviert von Internet Archive.
  2. Tuffi in: tuffi-wuppertal.de
  3. a b Tuffi-Chronik in: tuffiwuppertal.de
  4. Der spätere Berliner Zoodirektor, Professor Heinz-Georg Klös, der damals als freier Mitarbeiter des General-Anzeigers für Elberfeld-Barmen zugegen war, erinnerte sich 1997 daran, dass das betreffende Schwebebahn-Abteil mit Journalisten überfüllt war und Panik ausbrach, nachdem der Elefant auf das Quietschen der Bahn in einer Kurve erregt mit Trompeten, Ohrklappen und einer Wendung in Richtung Geräuschquelle reagiert hatte.
  5. Petra Haubner: 21.07.1950: Die Elefantenkuh Tuffi springt aus der Wuppertaler Schwebebahn. In: SWR2, PDF-Datei, 2 Seiten mit Audio-Datei, 3:36 Min.
  6. Stephan Oettermann: Die Schaulust am Elefanten. Eine Elephantographia curiosa (1982), S. 73
  7. Corinna Wolber: Ein Tuffi-Fan aus Amerika. In: Westdeutsche Zeitung online vom 13. April 2011.