Tulle

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Tulle
Wappen von Tulle
Tulle (Frankreich)
Tulle
Sunt rupes virtutis iter.
Felsen sind der Tugend Pfad (Latein)
Region Limousin
Département Corrèze (Präfektur)
Arrondissement Tulle
Kanton Chef-lieu von 4 Kantonen
Gemeindeverband Communauté de communes Tulle et Cœur de Corrèze.
Koordinaten 45° 16′ N, 1° 46′ O45.2658333333331.7722222222222235Koordinaten: 45° 16′ N, 1° 46′ O
Höhe 185–460 m
Fläche 24,44 km²
Einwohner 14.666 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 600 Einw./km²
Postleitzahl 19000
INSEE-Code
Website www.tulle.fr

Tulle mit dem Fluss Corrèze

Tulle (okzitanisch Tula) ist eine Stadt in Zentralfrankreich und Präfektur des Départements Corrèze. Ihre 14.666 Einwohner (Stand 1. Januar 2011) nennen sich Tullistes. Die Stadt ist Bischofssitz und somit ein wichtiges geistliches Zentrum des Limousin. Bekannt ist Tulle auch aufgrund seiner historischen Rolle in mehreren Industriezweigen: So gab die Stadt der Tüllspitze, die hier zuerst produziert wurde, ihren Namen; auch in der Akkordeonfabrikation und Waffenherstellung hatte sie lange Zeit eine herausragende Bedeutung.

Geographie[Bearbeiten]

Tulle liegt am westlichen Rand des Zentralmassivs an beiden Ufern der Corrèze, unmittelbar vor ihrem Austritt aus dem engen Flusstal in das Bassin von Brive-la-Gaillarde.

Klima[Bearbeiten]

Durch die Lage von Tulle an der Nahtstelle zwischen dem Zentralmassiv und dem Bassin von Brive ist die Stadt bereits klimatisch begünstigt, sie erhält zugleich jedoch erhebliche Niederschlagsmengen. Das Maximum der Niederschläge entfällt hierbei auf das Winterhalbjahr, während die Sommer zeitweise trocken ausfallen können.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Tulle
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 3,4 4,75 6,78 9,43 13,06 16,52 19,16 18,77 16,43 12,29 6,9 3,86 Ø 11
Niederschlag (mm) 71 66 66 69 90 65 50 66 67 73 68 77 Σ 828
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Quelle: Mapped Planet[1]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Tulle:

Naves Naves Naves und Gimel-les-Cascades
Chameyrat und Naves Nachbargemeinden Chanac-les-Mines
Chameyrat Sainte-Fortunade Chanac-les-Mines und Laguenne

Geschichte[Bearbeiten]

Tulle

Entwicklung bis zum Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Der Name Tulle leitet sich her von Tutela, der alten Kraft römischer Gottheiten, die Menschen, Sachen und Orte beschützt. Zu gallisch-römischer Zeit wurde auf der langen Reise von Armorika zum Mittelmeer hier an dem Ort, in der Nähe der Abtei Saint-Martin, Tutela angerufen. Dies geschah noch bis ins Mittelalter hinein. Im 7. Jahrhundert entstand hier ein Kloster, wo sich dann im Laufe der Zeit immer mehr Menschen ansiedelten. 1130 wurde die im 11. Jahrhundert zerstörte Abtei wieder errichtet. Im Jahre 1317 wurde Tulle von Papst Johannes XXII. zum Bistum erhoben und aus der Abtei wurde eine Kathedrale. Deren Turm ist 75 m hoch und stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert.[2]

Während der Religionskriege stand Tulle auf Seiten der katholischen Liga und widerstand den Angriffen der Hugenotten im Jahre 1577, jedoch wurde die Stadt 1585 von den Truppen des Vicomte von Turenne, Henri de La Tour d’Auvergne, duc de Bouillon, verwüstet. Aber die Erschütterungen durch die französische Revolution waren noch viel weitreichender, so wurden Kathedrale und Abtei zu Waffenfabriken umgewandelt und erst 1803 wieder eröffnet und 1823 erneut zur Kathedrale geweiht.

Das Massaker von Tulle[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges beging die SS-Panzer-Division "Das Reich" unter Heinz Lammerding am 9. Juni 1944 hier an zivilen Opfern Geiselmorde in der Stadt sowie weitere im Umfeld, nachdem die Stadt wenige Tage zuvor von Kräften der kommunistischen FTP erobert und ein Teil der deutschen Sicherungskräfte gefangen und erschossen worden waren. Bei dem als Vergeltung dafür vorgenommenen Massaker, bekannt als die 'Erhängungen von Tulle', wurden 99 Personen, darunter ein aktiver Résistance-Kämpfer, erhängt. Lammerding wurde von der deutschen Justiz aufgrund mangelnder Beweise nicht behelligt; er musste nur „erdulden“, vom Redakteur der linksorientierten Frankfurter Zeitung 'Tat', Werner Sterzenbach, als Geiselmörder bezeichnet zu werden. Gegen die unmittelbar beteiligten Mitglieder der involvierten Aufklärungsabteilung der SS-Division 'Das Reich' wurde 1951 in Frankreich vor einem Militärtribunal verhandelt und die für schuldig Befundenen verurteilt. [3] [4]

Bei der im August 1944 erfolgten endgültigen Befreiung von Tulle von der deutschen Okkupation waren die Forces Françaises de L'Intérieur beteiligt, in deren Reihen auch deutsche Kommunisten wie Leutnant Gerhard Leo[5] kämpften.

Wappen[Bearbeiten]

Auf rotem Hintergrund drei goldene Felsen (2 und 1) und auf blauem Hintergrund drei goldene Lilien.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr[6] 1793 1821 1851 1872 1901 1921 1946 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 9.662 8.097 11.895 13.680 17.412 13.732 18.202 19.084 20.016 20.100 18.800 17.164 15.496 15.647

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Die Kantone Tulle-Campagne-Sud und Tulle-Campagne-Nord haben als Hauptort die Stadt Tulle, aber Tulle selbst ist nicht Mitglied dieser Kantone.

Des Weiteren ist Tulle Sitz des Gemeindeverbandes Tulle et Cœur de Corrèze.

Bürgermeister seit 1925[Bearbeiten]

  • 1925–1945: Jacques de Chammard, Radical
  • 1944–1947: Jules Lafue[8]
  • 1947–1949: Clément Chausson, PCF
  • 1949–1959: Jean Massoulier
  • 1959–1971: Jean Montalat, SFIO
  • 1971–1977: Georges Mouly, RPR
  • 1977–1995: Jean Bombasteil, PCF
  • 1995–2001: Raymon-Max Aubert, RPR
  • 2001–2008: François Hollande, PS
  • 2008–heute: Bernard Combes,[9] PS

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1964 besteht zudem eine Partnerschaft der Handwerkskammern Osnabrück-Emsland und der der Corrèze.[10] Bis zu Beginn der 1990er Jahre gab es dabei ein jährliches erfolgreiches gegenseitiges Besuchsprogramm für Auszubildende beider Kammern.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Industrie[Bearbeiten]

Tulle war früher Sitz einer Waffenfabrik, die heute 2011| nur noch durch ein Waffenmuseum repräsentiert ist. Seit 1919 besteht in Tulle die Firma Maugein, die Akkordeons herstellt. Ein Akkordeonmuseum ist im Entstehen.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt liegt direkt an der Achse BordeauxLyon und zwar einerseits durch die Nationalstraße 89 und durch die Autobahn A89 sowie die Nationalstraße 120 zwischen Uzerche und Aurillac.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helga Bories, Rolf Sawala: J’écris ton nom: Liberté. La France occupée et la Résistance; Schöningh, Paderborn 2002; ISBN 3-14-045500-3 (Diese Quellensammlung beginnt mit dem Bericht, wie eine der bekannten Täterinnen von 1944, genannt „Die Hündin“, im Jahr 1978 in Tulle erkannt wird, als sie regionale Feinkost zum Weiterverkauf in Deutschland erwirbt und wie die Menschen darauf reagieren.)
  • Collaboration and Resistance in France; ISBN 0-8109-4123-6 (auch in frz. Version gedruckt); S. 207: Bild „Lachende Deutsche neben den erhängten Zivilisten“ (eine Illustration, die genau zu Theweleits „Männerphantasien“ passt)
  • Bruno Kartheuser: Reihenwerk Walter, SD in Tulle, 4 Bände & Register; Edition Krautgarten, St. Vith
    • Register: Tulle Band 1–4. Namensregister. Index des noms propres. 2009
    • Bd. 4: Die Erhängungen von Tulle. Ein ungesühntes Verbrechen. Franz.: Les pendaisons de Tulle. Crime sans chatiment. Deutsch: 2008 ISBN 2-87316-032-2
    • Bd. 3: Die Erhängungen von Tulle. Der 9. Juni 1944. 2004. ISBN 2-87316-020-9. Franz.: Les pendaisons de Tulle. Le 9 juin 1944.
    • Bd. 2: Die Tragödie des 9. Juni 1944. Das besetzte Frankreich 1940–1943. 2004 ISBN 2-87316-015-2. Franz.: La France occupée 1940–1943. 2002
    • Bd. 1: Die 30er Jahre in Eupen-Malmedy. Einblick in das Netzwerk der reichsdeutschen Subversion. (viele Täter kamen aus Ostbelgien). In Niederländisch: De jaren dertig in Eupen-Malmedy. Een blik op het netwerk van de Groot-Duitse subversie. In Französisch: Les années trente à Eupen-Malmedy. Regard sur le réseau de la subversion allemande.
  • ders.: Un regard vrai sur les événements de Tulle. Droit de questions. Peuple et Culture, Conférence le 10 nov. 2008, PEC Tulle. Ed. Krautgarten, St. Vith 2009
  • Alan Shillaker: The martyrs of Tulle. (in englischer Sprache) ebd. 2005

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tulle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mapped Planet.
  2. www.ville-tulle.fr/web/patrimoine.
  3. Bruno Kartheuser: Die Erhängungen von Tulle. Der 9. Juni 1966. edition KRAUTGARTEN orte, Neundorf 2004, ISBN 2-87316-020-9.
  4. Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2007, ISBN 978-3-486-57992-5. S. 364ff.
  5. * http://de.wikipedia.org/wiki/Francs-tireurs_et_partisans
  6. Statistik auf cassini.ehess.fr. Abgerufen am 7. August 2011 (französisch).
  7. Site du conseil général de la Corrèze.
  8. www.ajpn.org/juste-1587.html.
  9. www.annuaire-mairie.fr/ville-tulle.html.
  10. www.hwk-os-el.de/index.php?option=com_content&view=article&id=147&Itemid=161.