Tumba (Grabmal)

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Gusseisen-Tumba-Grabmal für August von Gienanth (1829), Sohn des Industriellen Johann Ludwig Gienanth, Hauptfriedhof Kaiserslautern.

Tumba, auch Hochgrab genannt, bezeichnet ein freistehendes steinernes oder metallenes Grabmal in Form eines Sarkophages. Im Unterschied zum Sarkophag sind in der Tumba nicht die Gebeine des Toten enthalten; allerdings ist diese Differenzierung nicht immer einheitlich.

Kastentumba und Sockeltumba[Bearbeiten]

Eine Tumba besteht gemeinhin aus vier Seitenplatten und einer Deckplatte, was zu einer kastenartigen Wirkung des Aufbaus führt, welche den Terminus Kastentumba prägte. Unter dem leeren Kastenmonument erhebt sich an allen im Untersuchungsgebiet erhaltenen Monumenten ein Sockel; hier scheint der Begriff der Sockeltumba zutreffend. Ein solches Monument stellt z. B. die Doppeltumba für Graf Günther XXV. von Schwarzburg († 1386) mit Gemahlin Elisabeth († 1381) dar.

Die Fenstertumba[Bearbeiten]

Die so genannte Fenstertumba bildet eine Variante der Kastentumba bzw. eine typologische Zwischenstufe auf dem Weg zum Tischgrabmal. Formal weitestgehend der Kastentumba vergleichbar, zeigen hier die Kastenwände eine oder auch mehrere Öffnungen, die einen Einblick in das Innere des Hochgrabmals gestatten. An den Tumbawänden des Monuments für Landgraf Otto von Hessen († 1328) (Marburger Elisabethkirche) finden sich zudem unter einigen spitzbogigen Blendarkaden acht Pleureurs („Weinende“) eingestellt. Einige Arkadenbögen bleiben jedoch offen und gewähren einen Ein– bzw. Durchblick in das Innere der Tumba. Sie ist leer.

Tumba als Scheinsarg[Bearbeiten]

Bis zur Liturgiereform infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils war es in der katholischen Kirche allgemein üblich, dass bei Totenmessen (Requiem), wenn der Sarg mit der Leiche sich nicht in der Kirche befand, eine Tumba aus einem hölzernen Lattengerüst mit einem schwarzen Überwurf als Scheinsarg in der Kirche aufgestellt wurde, an dem am Ende der Messfeier die Absolutio super tumulum (lat., „Lossprechung über dem Grab“), ein fürbittendes Gebet für den Verstorbenen, gesprochen oder gesungen und der Segen gespendet wurde.[1] In der nach 1969 erneuerten Liturgie der römisch-katholischen Kirche sind die Tumba und andere den Sarg mit dem Leichnam vertretende Zeichen abgeschafft. Wo es möglich ist, wird empfohlen, den Sarg mit dem Leichnam zur Feier des Requiems in die Kirche zu bringen.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Bärsch: Allerseelen. Studien zu Liturgie und Brauchtum eines Totengedenktages in der abendländischen Kirche. Aschendorff Verlag, 2004, ISBN 3-402-04069-7.
  • Hans Körner: Grabmonumente des Mittelalters. Primus-Verlag, Darmstadt 1997, ISBN 3-89678-042-5.
  • Das steinerne Hochgrabmal (tombes levées): Kastentumba und Sockeltumba – Die Fenstertumba - ... In: Helga Wäß: Form und Wahrnehmung mitteldeutscher Gedächtnisskulptur im 14. Jahrhundert. Tenea, Bristol/Berlin 2006, ISBN 3-86504-159-0.
    • Band 1: Ein Beitrag zu mittelalterlichen Grabmonumenten, Epitaphen und Kuriosa in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Nord-Hessen, Ost-Westfalen und Südniedersachsen.
    • Band 2: Katalog ausgewählter Objekte vom Hohen Mittelalter bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts. S. 159 ff., 292 ff. (erfasst an die 1000 Monumente / teils mit Abbildung)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anselm Schott: Das vollständige römische Messbuch. Herder, Freiburg i. Br. 1963, S. [224]-[227].
  2. Die kirchliche Begräbnisfeier in den katholischen Bistümern des deutschen Sprachgebietes. 2. Aufl., Leipzig 1988, ISBN 3-7462-0260-4, S. 19, S. 31.

Weblinks[Bearbeiten]