Hügelgrab

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Tumulus)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grabhügel ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu Grimms Märchen siehe Der Grabhügel.
Informationstafel zum Aufbau eines Hügelgrabes
Der Raknehaugen in Norwegen, mit 15 Meter Höhe der größte Grabhügel in Nordmitteleuropa
Tumulus in Evessen, Landkreis Wolfenbüttel
Hügelgrab Magdalenenberg
Hügelgrab im botanischen Garten von Marburg aus der jüngeren Bronzezeit
Fürstengrab in der Lüneburger Heide bei Niederhaverbeck
Hügelgrab aus der Hallstattzeit, Stockdorf
Vållehög, Södra Åkarp – ein Grabhügel in Schweden
Der Leeberg bei Großmugl mit rund 16 Metern Höhe und bis zu 46 Meter Durchmesser

Ein Hügelgrab oder ein Grabhügel (latein. tumulus, Plural tumuli) ist eine gestreckte, runde oder ovale Erdaufschüttung, unter der bzw. in der sich Grablegen befinden. Dabei kann es sich um Körperbestattungen (ggf. im Baumsarg), Urnengräber oder ausgestreuten Leichenbrand handeln. Die Hügel können Einbauten (z. B. aus konzentrischen Kreisen oder Steinkisten) haben. Die in Deutschland nicht vorkommenden steinernen Versionen der Hügel heißen Cairns (franz. Tumuli de pierres) in Dänemark und Schweden Gravröse. Die altertümlichen Hügelgraber Nordamerikas werden als Mounds, die für den Osten Niedersachsens charakteristischen Hügelgräber als Buckelgräber bezeichnet.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Keine Grabhügel im Sinne dieses Artikels (der Erdhügel beschreibt) sind Cairns und Rösen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Grabhügel können weder zeitlich noch regional eingegrenzt werden. Es gibt sie in Europa regional beinahe durchgängig ab der Steinzeit über die Bronzezeit bis in die Eisenzeit und das Mittelalter. Auch Schriftkulturen kannten den Grabhügel. Die Griechen warfen in der Antike für ihre Helden ebenso Grabhügel auf wie die Römer. Im Mittelmeerraum wurden sie tumuli genannt, in Osteuropa Kurgane. In Eurasien gibt es Hügelgräber in zahlreichen Ländern und Kulturen. Die größten Grabhügel sind wohl die Hügel über den Gräbern der frühen chinesischen Kaiser. Sie enthalten riesige unterirdische Grabanlagen. Die bekannteste ist das Mausoleum Qin Shihuangdis.

Auch bei den Ureinwohnern Amerikas waren sie vor Christoph Kolumbus üblich.

Grabhügel im Landschaftsbild[Bearbeiten]

Grabhügel haben Höhen von 1 m bis über 30 m oder mehr, abhängig von Tradition und Bedeutung der begrabenen Person. Allein in Dänemark sind 11.054 große (zumeist in Jütland) und 8846 kleine Grabhügel aus unterschiedlichen Zeiten erhalten. Ähnliche Zahlen sind auch für Norddeutschland sowohl an der Ostsee- als auch an der Nordseeküste belegbar. So sind z.B. in Mecklenburg-Vorpommern 4978 Einzelhügelgräber, sowie 81 Hügelgräberfelder mit ca. 1274 Grabhügeln registriert.[1] Die niedrigen Hügel liegen oft auf Gräberfeldern wie die Mansenberge oder die Männige Berge im Emsland, das Gräberfeld von Pestrup in der Wildeshauser Geest. Die älteren Hügel nahmen (teilweise durch mehrfache Überbauung) an Höhe zu, bis ihre Bedeutung schließlich vergessen wurde. Solche mächtigen Hügel beeinflussten das Landschaftsbild jahrhundertelang, bis sie durch Wind, Wellen oder Bearbeitung wieder abgetragen wurden. Dies hat die Norddeutsche Tiefebene von den Niederlanden bis zur Weichselmündung einschließlich Dänemark und Südschweden damals stark geprägt, da in einigen Gegenden mehr als 4000 Jahre Hügelgräber errichtet wurden. Auch in Großbritannien dürfte es diesen Effekt an einigen Orten gegeben haben. Die Landschaften Nordeuropas dürften durch Dolmen, Steinsetzungen, Kreisgrabenanlagen und Hügelgräber zur Bronze- und Eisenzeit vermutlich äußerst beeindruckend ausgesehen und die Fantasie der Menschen beflügelt haben. Ähnliche, das Bild der Landschaft beeinflussende Effekte kann man an einigen Stellen noch sehen, wo viel später Skythen und Saken ihre Grabhügel anlegten. Manche dieser Gegenden werden poetisch als Tal der Könige bezeichnet. Erst durch das intensive Pflügen der Äcker in Europa wurden die meisten dieser Grabhügel wieder eingeebnet. Einige fielen auch der Küstenerosion zum Opfer, andere wurden beim Ausrauben abgetragen. Noch heute befinden sich im Antiquitätenhandel und in Museumsmagazinen zahlreiche Gegenstände, die aus Hügelgräbern stammen. Insbesondere in Osteuropa, z. B. im Land der Daker und Thraker, aber auch in Russland ist das ein unschätzbarer Verlust. So tauchten z. B. während des Kosovo-Krieges zahlreiche Kunstgegenstände auf, die auf Grabraub schließen lassen. Das z. T. fehlende Wissen verleitet sehr schnell dazu, nur nach Westeuropa zu schauen. In Deutschland verschwanden z. B. viele Grabhügel oder ihre Reste in Unkenntnis ihrer Bedeutung erst in den letzten 200 Jahren, als die preußischen Könige den Ackerbau massiv förderten. Auch in Deutschland verleitet die heute fehlende Sichtbarkeit dazu, die Menge an Grabhügeln massiv zu unterschätzen. Erst durch die Luftbildarchäologie wurden und werden viele dieser Strukturen nach und nach wieder neu entdeckt. Die große Anzahl an Gräbern verschiedenster Kulturen zum Ende des Neolithikums und am Anfang der Bronzezeit im Raum Mitteldeutschland/Norddeutsche Tiefebene sind ein deutliches Indiz dafür, das diese Sichtweise überdacht werden muss. Deutsche und skandinavische Wissenschaftler sind derzeit intensiv darum bemüht, das Phänomen der Hügelgräber greifbar zu machen.

Zeitstellung[Bearbeiten]

Hügelgräber wurden in vielen Epochen errichtet, in Europa vom Beginn der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter. Die ältesten Aufschüttungen an Megalithanlagen sind an der atlantischen Küste Iberiens zu finden. Die Einhegungen vom Typ Passy in Frankreich stammen aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. und gehören meist zur Cerny-Kultur und zur La-Hoguette-Kultur. Die Anlagen vom Niedźwiedź-Typ und vom Typ „Konens Høj“ (Frauenhügel – benannt nach einem Fundort) sind die ältesten in Nordmitteleuropa und stammen von den Trägern der Trichterbecherkultur (TBK). Zuschüttungen durch Erde wurden bereits während der Einwanderung der Linearbandkeramiker für verschiedene Kreisgrabenanlagen beobachtet und stellen rituell wohl auch eine Beerdigung dar. Kulturübergreifend ist nicht nur das Hügelgrab, sondern sind auch die Kreisgrabenanlagen sowie megalithische Formen. Daneben gibt es in der Sahara, z. B. in Algerien, Grabhügel, die mit Steinen und Sand aufgeschüttet wurden. Ihr Alter ist bisher unbekannt, da sie kaum oder gar nicht erforscht sind. Es ist anzunehmen, dass ihre heutige Struktur durch Windabtragung bedingt ist. Die küstennahen Grabhügel Nordafrikas sind überwiegend Tumuli der Phönizier und datieren in die Eisenzeit. Der Kurgan ist ebenfalls ein Hügelgrab, nur wird er traditionell mit der Steppe und Asien verbunden. Kurgankulturen sind also Hügelgrabkulturen. Die Unterscheidung zwischen Grabhügel und Kurgan ist eine moderne Sichtweise. Wesentlich für die Einordnung ist die Unterscheidung, ob es sich um Einzelgräber (ggf. auch mit Gefolge) oder um Gruppengräber handelt. Die frühen Grabhügel des 5. Jahrtausends sind fast alle noch Gruppengräber, so dass die Form noch nicht unbedingt rund war. Zudem experimentierte man mit verschiedenen Formen, Aufbau und Materialien und kombinierte Erde, Grassoden, Holz oder Steine. Wahrscheinlich war die Kreisform nie ausschlaggebend, sondern einfach das Ergebnis der Aufschüttung. Zahlenmäßig vorherrschend sind die Hügel des Endneolithikums, der Bronze- und der frühen Eisenzeit.

Neolithikum[Bearbeiten]

In Mittel- und Nordeuropa war die Bestattung unter dem Erdhügel abgesehen von denen der Frühphase der TBK für die späte Einzelgrabkultur, die schnurkeramische oder bzw. Streitaxtkultur und Kugelamphoren-Kultur typisch, kam aber auch in der Baden-Boleraz-Kultur vor, die u. a. auch die ersten Metalle zu den TBK lieferten.

Bronzezeit[Bearbeiten]

Es folgten die Hügel der Hügelgräberkultur in der mittleren Bronzezeit. Die Hügelgräberkultur fasst verschiedene lokale Kulturgruppen der Bronzezeit vom Karpatenbecken bis zum Rheinland zusammen, bei denen Grabhügel üblich waren. In Norddeutschland sind bronze- oder eisenzeitliche Grabhügel mit doppeltem Kreisgraben, oder als Grabhügel mit Schlüssellochgraben umschlossen, wie die Plaggenschale bei Osnabrück. Die Grabhügel im Wald von Bremlevænge auf Langeland sind mit einfachem oder doppeltem Steinkränzen gefasst. Zu den wichtigsten Grabhügeln gehören die Fürstengräber der Aunjetitzer Kultur z. B. der Fürst von Leubingen. Einige Grabhügel sind auch in Anatolien belegt. Daneben gehören die Kurgangrabhügel der Maikop-Kultur in diese Zeit, wobei die Maikop-Kultur bereits eine Kultur der Arsenbronze war, also in Bezug auf Metall viel weiter entwickelt war. Der größte Grabhügel der Bronzezeit in Norddeutschland ist der Dobberworth bei Sagard auf der Insel Rügen mit einer Höhe von 15 Metern einem Durchmesser von 40 Metern und einem Volumen von 22.000 m³.

Eisenzeit[Bearbeiten]

In der frühen Eisenzeit (Hallstattzeit) gibt es Hügelgräber wie am Magdalenenberg bei Villingen-Schwenningen aus der Stufe Hallstatt D1, dendrochronologisch datiert am Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr.. Das abgebildete Grab von Hochdorf an der Enz stammt ebenfalls aus der Hallstattzeit (HaD1). Der Grabhügel 1 von Eichlehen im Frankfurter Stadtwald barg über 20 Gräber der Stufen Bronzezeit B bis Hallstatt D. Auch das keltische Fürstengrab von Glauberg zählt zu den beeindruckenden Grabhügeln jener Zeit. Bedeutende Tumuli gab es bei den Mykenern. So wurde z. B. der Vater von Alexander dem Großen Philipp II. von Macedonien in einem mächtigem Tumulus begraben. Ähnliche beeindruckende Grabhügel findet man auch bei den Karthagern in Nordafrika. Mengen von Grabhügeln sind auch im Gebiet des unteren Don, Dnepr und Kuban, sowie bei Kertsch auf der Krimhalbinsel zu finden, die sowohl von Bolgaren, von Germanen (überwiegend wohl Goten), Kimmerern und vermutlich auch Alanen stammen. Leider sind diese Grabhügel bestenfalls durch Datierung zuzuordnen. Auffällig sind hierbei auch Grabbeigaben, die einem griechisch-skythischem Stil entsprechen und die Verschmelzung mit den Griechen am Pontus dokumentieren.

Grabhügel mit flacher Kuppe[Bearbeiten]

Diese Grabhügel sind von den Dansehøjene, die einer Plattform ähneln, zu unterscheiden. Kong Rans Høj auf dem Friedhof von Randbøl westlich von Vejle in Südjütland hat eine flache Kuppe und ist ein Dansehøj. Seine Untersuchung ergab, dass er über einem Grab der Bronzezeit errichtet wurde.

Grabhügel mit flacher Kuppe stammen dagegen aus der dänischen Eisenzeit und sind bis ans Ende der Wikingerzeit nachzuweisen. Sie unterscheiden sich sehr deutlich von den sphärischen Grabhügeln früherer Zeiten. Von den ältesten Hügeln (etwa 200 n. Chr.) bei Himlingøje auf Seeland sind vier von ursprünglich sieben erhalten. In zweien fand man einen Mittelpfahl. Einer enthielt einen kleinen Aufbau von Steinen auf der Hügelsohle. Auf Vorbjerg Bakke nordwestlich von Horsens liegt eine Gruppe von acht großen Hügeln mit flachen Kuppen. In einem fand man ein Grab aus der jüngeren römischen Eisenzeit, einen kräftigen Mittelpfahl und einen großen Bautastein. Umgefallene Bautasteine lagen auf dreien dieser Hügel. Man kennt sie auch von anderen Grabhügeln. Einen Bautastein auf dem südlichen der Hügel von Jelling kann man noch auf einem Bild von 1591 sehen. Auf einem Hügel bei Kongstrup auf Røsnaes Seeland steht der „Kajesten“.

Etwa 75 – das ist ungefähr ein Drittel – der auf alten dänischen Friedhöfen liegenden Hügel haben flache Kuppen. Sie lassen eine Verbindung zwischen den alten heiligen Stätten der Eisenzeit und den ältesten christlichen Kirchen erkennen. Gelegentlich wurde die flache Kuppe erst im Mittelalter geschaffen, um einen Glockenturm zu errichten (Kirchen von Birket auf Lolland und von Tandslet auf Alsen). Dies betrifft auch den Nordhügel von Jelling und den Galgebakken (Slots Bjergby) auf Seeland. Die flache Kuppe hatte eine Funktion. In der Sagaliteratur wird berichtet, dass Könige „auf einem Hügel saßen“, von dem sie Gewalt ausübten. Dies kennt man vom „Tynwald Hild“ auf der Insel Man, von dessen Kuppe bis in die Gegenwart Königswechsel bekanntgegeben und Gesetze verlesen werden. Den Brauch kennt man auch vom Lybers Høj nördlich von Lund, von dem aus die Bewohner Schonens Oluf, dem Sohn der Königin Margrethe und mehreren seiner Nachfolgern huldigten, zum letzten Male im Jahre 1610. Dass man auf den flachen Kuppen auch Tieropfer darbrachte, lassen die Knochenfunde und die christlichen Gesetze gegen Opfer auf Grabhügeln erkennen. Die Opfersitten erhielten sich bis in unsere Tage. Im Jahre 1909 wurde ein Hügel im Raundal in Norwegen ausgegraben. Sein Besitzer berichtete, dass man ein Tier geopfert habe, wenn jemand auf dem Hofe starb. Das Tier war für „Garvor“ der im Hügel wohnte. Als sein Vater starb, opferte man (zum letzten Male) eine Färse.

Grabhügel mit Nasskern[Bearbeiten]

Unter den archäologisch ausgegrabenen Grabhügeln, besonders der nordischen Bronzezeit, gab es immer wieder Exemplare, die durch exzellent erhaltene Bestattungen hervorstachen. In ihrem Inneren wurden die Bestattungen durch einen ungewöhnlich hohen Wassergehalt konserviert. Zahlreiche Ausgräber berichteten von großen Wassermengen, die sich beim Anstechen des Grabhügels aus ihm ergossen. Neuere Ausgrabungen deuten an, dass solche Grabhügel mit Nasskern möglicherweise, aus noch unbekannten Gründen, von ihren Erbauern gezielt angelegt wurden.[2] Dabei wurde durch den inneren Aufbau des Grabhügels erreicht, dass sich im Bereich der Bestattungen große Mengen Wasser sammelten und hielten. Der dadurch bedingte Sauerstoffabschluss hatte zur Folge, dass die Bestattungen sich ähnlich gut erhielten wie Moorfunde oder Moorleichen. Aktuell lassen sich diese Bedingungen nur noch schwer erforschen, da nahezu alle Grabhügel mit einem erhaltenen Nasskern bereits historisch zerstört oder nicht entsprechend dokumentiert ausgegraben wurden. Mehrjährige experimentalarchäologische Versuche im dänischen Freiland-Forschungszentrum Sagnlandet Lejre bestätigten die bei den Ausgrabungen beobachteten Bedingungen.[3]

Scheingräber[Bearbeiten]

Viele abgeplatteten Grabhügel der Eisenzeit sind Leergräber. Unter ihnen befinden sich einige der Größten des Nordens, wie der südliche Grabhügel von Jelling, der Galgebakken bei Slots Bjergby, der „Farmannshaugen“ und der „Raknehaugen“ in Norwegen. Letzterer ist 15 m hoch und der höchste nordische Grabhügel. Er bedeckte nur eine Ansammlung von Bauhölzern. Es gibt mehrere Erklärungen, warum Großhügel leer sind. In der Skjoldungesaga wird berichtet, dass sich der mythische König Sigurd I. Ring (735–756) nach einer schweren Verwundung in die Løfting, den erhöhten Aufbau im hinteren Teil seines Schiffes, legen ließ, das man in Brand steckte und aufs Meer hinausschickte. Am Strand warf man einen Hügel auf, der den Namen Ringhøje erhielt. In der Ynglingesaga berichtet Snorri Sturluson, dass man die Asche der Toten in den See werfen oder im Boden vergraben solle, und zum Andenken an hervorragende Männer solle man einen Grabhügel errichten. Andere Hügel (später Runensteine) hat man für Häuptlinge aufgeschüttet, die in der Fremde fielen.

Römische Kaiserzeit[Bearbeiten]

Hügelgräber gab es auch noch in der späten römischen Kaiserzeit.

Frühmittelalter[Bearbeiten]

Im Frühmittelalter lebte die Sitte gebietsweise fort, in England zum Beispiel in Sutton Hoo. Für das Frühmittelalter sind für Skandinavien die wikingerzeitlichen, über einem Schiff aufgeworfen Hügel (Schiffsgrab in Gokstad oder von Oseberg), sowie die Grabhügel vom dänischen Jelling und von Ladby mit dem Ladbyschiff bei Odense bekannt. Für die angelsächsischen Kulturen ist das Königsgrab von Sutton Hoo ein eindrucksvolles Beispiel.[4] Daneben finden sich noch Beispiele bei den Rus und Sarmaten. Auf einigen Grabhügeln wurden auch Menhire aufgestellt.

In Mecklenburg-Vorpommern sind 132 Einzelgrabhügel und 5 Hügelgräberfelder aus der Slawenzeit (600-1200) bekannt, wobei ein Gräberfeld bei Ralswiek auf Rügen alleine über 400 Hügelgräber aus dieser Zeit aufweist.[5]

Neuzeit[Bearbeiten]

Die Grabhügelsitte endete erst mit der Christianisierung der Wikinger etwa 1050 n. Chr und der Christianisierung des Baltikums. Im Fürst-Pückler-Park Branitz in Cottbus befindet sich ein Tumulus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Formen und Größen[Bearbeiten]

Die Hügel können niedrig (um einen Meter) oder hoch (2 bis ca. 13 m) und außen von kleinen Gräben oder Steinkreisen umgeben sein. Der Durchmesser der Aufschüttung kann von wenigen Metern bis zu mehr als 100 m reichen. Der größte Hügel ist der Raknehaugen in Norwegen mit einem Durchmesser von 100 m und einer Höhe von 15 m. Schwedens größter Hügel ist der Anundshög mit 60 m Durchmesser und zehn Meter Höhe. Der hallstattzeitliche Magdalenenberg bei Villingen-Schwenningen hat 100 m Durchmesser und 10 m Höhe; sowie etwa 46.000 m³ Schüttungsmasse. Dort fand man – neben einer zentralen Grabkammer – in der Aufschüttung 126 Nebengräber mit insgesamt 136 Bestattungen.

West- und Mitteleuropa[Bearbeiten]

Britische Inseln[Bearbeiten]

Grabhügel aus Erde (engl. barrows) kommen in Großbritannien vereinzelt seit dem frühen Neolithikum vor.[6] Ihre Grabkammern können aus Holzpfählen (nichtmegalithische Rundhügel) oder Megalithen erstellt werden. Es gibt Grabhügel in vielen Formen, wobei die ovale und runde Form von einem Graben umgeben sein kann. Vor allem im Norden der Britischen Inseln überwiegen jedoch die Steinhügel. Der Round Barrow von Veryan in Cornwall ist mit 106 m Durchmesser einer der größten. Der Silbury Hill bei Avebury ist kein Hügelgrab.[7]

Frankreich[Bearbeiten]

In Frankreich ist der Tumulus St. Michel in Carnac der größter Grabhügel auf dem Kontinent. Im Jahre 1993 stellten Ch. Boujot und S. Cassen eine Untersuchung vor, nach der die bretonischen Ganganlagen Vorläufer als kleine runde und rechteckige, im Hügel längs- und quergestellte Kammern hatten. Darunter fallen im Morbihan beispielsweise die Anlagen Mané Pochat er Uieu, Mané Hui, Mané Ty ec, Le Manio I + II und Kerlescan.

Nordeuropa[Bearbeiten]

Die Hügelgräber in Skandinavien wurden (wie die in der norddeutschen Tiefebene) ab dem Endneolithikum bis ins 11. Jahrhundert n. Chr. angelegt. Viele dänische Hügel sind ausnehmend groß (Møllehøj von Årslev). Von den kleineren sind viele in der Zwischenzeit durch Pflügen zerstört worden. Die Grabhügel von Jelling (DK) zählen zum Weltkulturerbe. In Dänemark, besonders aber in Schweden gibt es auch große bronzezeitliche Steinhügelgräber (Röse) und kleine (zwei bis drei Meter) runde Steingräber. Einige sind kreisrund ummauert, wie die im Gräberfeld von Trullhalsar auf Gotland.

Hügelgräber bei Wesiory, Polen
Thrakisches Hügelgrab nahe Pomorje, Bulgarien
Tumulus in der Nekropole von Hierapolis

Osteuropa[Bearbeiten]

Die Kurgane (Rundhügel mit Einzelbestattungen) in Moldawien, Südrussland, Ukraine, Rumänien und Bessarabien wurden von halbnomadischen Völkern der Balkengrab- und Grubengrabkultur errichtet und waren ein Charakteristikum der Steppe. Die Hügelgräber in Pommern z. B. in Wesiory und anderen Orten des heutigen Polen, werden zumeist Goten zugeschrieben.

Südosteuropa[Bearbeiten]

Auch die Thraker im Südosteuropa errichteten Hügelgräber. Sie sind vor allem im Tal der thrakischen Könige, jedoch auch in der Donauebene und in Thrakien anzutreffen. Einige davon, wie das Thrakergrab von Kasanlak und Sweschtari in Bulgarien zählen zum UNESCO-Welt-Kultur- und -Naturerbe.

Südeuropa[Bearbeiten]

Tumulus in der etruskischen Nekropole Banditaccia bei Cerveteri

Die Etrusker errichteten ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. Totenstädte in denen sich zahlreiche Tumuli befanden. Sowohl einfache Erdhügel als auch fest ummauerte Grabhügel mit unterirdischen Grabkammern wurden in Cerveteri, Populonia und anderen etruskischen Ausgrabungsstätten gefunden.

Afrika[Bearbeiten]

Ägypten

In Ägypten wurden Tumuli bis zum Ende der vordynastischen Zeit für Beerdigungen genutzt, sind somit die Vorläufer der Mastabas und der Pyramiden.

Sudan

In fast allen nubischen Kulturen (z. B. C-Gruppe, X-Gruppe, aber auch in historischer Zeit) kommen Hügelgräber vor.

Asien[Bearbeiten]

Indien

Aus dem prähistorischen Tumulusgrab entwickelten sich in Indien monumentale Fürstengräber mit einem großen Halbkugel-Hügel. In der Form des Stupa erlangte das Hügelgrab ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. große Bedeutung als Grab- und Reliquienmal im Buddhismus. Dort erinnerte es als zentrales Symbol an das endgültige Verlöschen (Nirvana) des historischen Buddha und fand in vielfältigen Variationen Verbreitung in mehreren Regionen Asiens (z. B. als Pagode in Ostasien).

Japan
Grabanlage des Nintoku-Tennōs

In Japan werden die Tumuli, die für verstorbene Machthaber errichtet wurden, als Kofun bezeichnet. Die Kofun-Zeit der japanischen Geschichte (etwa 300–552, japanische Epochengliederung: etwa 300–710) leitet ihren Namen von diesen Gräbern her, deren größtes mehr als 700 Meter lang ist.

Andere Grabtypen[Bearbeiten]

Langgestreckte Grabbauten, teilweise mit megalithischen Einbauten, werden in Mittel- und Westeuropa als Langbetten bezeichnet. Felsengräber sind in den gewachsenen Felsen eingetieft, sei es ober- oder unterirdisch. Die neolithischen Megalithanlagen bestehen aus großen Steinen und waren in Europa meist mit Erde überhügelt. Als Flachgräber bezeichnet der Archäologe Bestattungen ohne Hügel.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hügelgrab – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Hügelgrab – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liste der obertägigen Bodendenkmale in Mecklenburg-Vorpommern
  2.  Mechtild Freudenberg: Grabhügel und Kultanlage der Älteren Bronzezeit von Hüsby, Kreis Schleswig-Flensburg. In: Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein (Hrsg.): Archäologische Nachrichten. Nr. 14, 2008, ISBN 978-3-529-01430-7, ISSN 0942-9107, S. 30–32.
  3.  Henrik Breuning-Madsen u. a.: The chemical environment in a barrow shortly after construction – An archaeological-pedological experiment. In: Journal of Archaeological Science. Nr. 28, 2001, ISSN 0305-4403, S. 691–697.
  4. Torsten Capelle: Hügelgrab. In: RGA 2, Bd. 15, S. 179–181
  5. Liste der obertägigen Bodendenkmale in Mecklenburg-Vorpommern
  6. Ian Kinnes, Round barrows and ring-ditches in the British Neolithic. London: British Museum, 1979, Occasional paper 7, ISSN:0142-4815
  7. A. W. R.: Whittle, Sacred mound, holy rings: Silbury Hill and the West Kennet Palisade enclosures: a later Neolithic complex in north Wiltshire. Oxbow Books, Oxbow monograph 74, Oxford 1997