Tunnel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tunnel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Yerba Buena Tunnel: Tunneleinfahrt in Richtung San Francisco
Im Inneren eines Straßentunnels
U-Bahn-Tunnel in Taipeh.

Ein Tunnel oder Tunnelbauwerk ist eine künstliche Passage, die Berge, Gewässer oder andere Hindernisse (in der Regel als Verkehrsweg) unterquert. Regional gibt es neben der Form der Tunnel auch „das Tunell“, siehe unten. Ein Tunnel liegt – abgesehen von der Zu- und Ausfahrt – unterhalb der Erd- oder Wasseroberfläche.[1] Allerdings gelten nach DIN 1076 ab einer Länge von 80 Metern oberirdische Einhausungen von Straßen oder Galeriebauwerke als Straßentunnel.[1] Eine Unterführung zählt nach DIN 1076 nicht zu den Tunnelbauwerken, wenn diese in offener Bauweise hergestellt wurde und nicht länger als 80 Meter ist.[1] Teilweise dienen Tunnel dem Schutz der Anwohner vor Straßen- oder Schienenverkehrslärm.

Tunnel bieten:

eine Trasse.

Straßentunnel können ein-, zweispurig oder mehrspurig sein. Tunnel können im wechselweisen Einrichtungsverkehr betrieben werden. Zwei parallele Röhren werden auch als ein Tunnel gesehen.

Der Bau eines Tunnels ist kostenintensiv und oft eine Herausforderung an die Ingenieurskunst. Lange Tunnel werden üblicherweise im Gegenortvortrieb gebaut, dies gilt vor allem im Gebirge oder unter dem Meer.

Sprachliche Herkunft[Bearbeiten]

Der Begriff Tunnel wurde in England (the tunnel) geschaffen, dabei lehnte man sich an das französische Wort tonnelle an, welches blumenbewachsene, durchschreitbare Bögen in Gartenanlagen zumeist aus Draht oder Holz bezeichnet. Das Wort wanderte weiter nach Deutschland und dann weiter zurück nach Frankreich (le tunnel). Die tonnelle stammt übrigens wegen ihrer Form vom französischen Begriff für ein spezielles, großes Fass (tonne) ab. Dieses Fass wiederum gab wegen seines Inhalts (etwa 1000 Liter) der Masseneinheit Tonne (1000 kg) ihren Namen.

Im Duden wird neben dem Lemma „der Tunnel“ auch „das Tunell“ (süddeutsch und österreichisch neben Tunnel) angeführt. Im Sprachgebrauch ist die Verwendung als Neutrum nur noch selten, besonders aber in der Schweiz anzutreffen.[2] Die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts noch typische Endbetonung (wie im Französischen) ist weitgehend der Betonung auf der ersten Silbe gewichen, mit Ausnahme einiger Sprecher im Süden des deutschen Sprachraums und besonders Südtirols.[3]

Messgrößen[Bearbeiten]

Neben der Länge sind relevante Messgrößen:

  • Querschnittsflächeninhalt: Inhalt einer rechtwinklig zum Tunnelverlauf gespannten Fläche.
  • Überdeckung: Höhenunterschied zwischen der Oberkante des Tunnels und der Oberkante des darüber befindlichen Geländes.
  • Lichte Höhe: Abstand zwischen der Oberkante und dem Boden des Tunnels. Wenn Tunnel für Fahrzeuge bestimmt sind (die üblicherweise ein ungefähr ebenes Dach haben), aber aus bautechnischen oder statischen Gründen gleichwohl gewölbt ausgeführt sind, kann man zwischen einer maximalen lichten Höhe und der lichten Durchfahrtshöhe unterscheiden. Letzteres ist die minimale lichte Höhe in dem planmäßig zum Befahren vorgesehenen Bereich.

Weiterhin kann man jegliche Messgrößen angeben, die auch für Wege im freien Gelände gelten, wie die Steigung.

Geschichte[Bearbeiten]

Antike und Frühmittelalter[Bearbeiten]

Vorläufer der dem Verkehr dienenden großen Tunnel waren unterirdische Be- und Entwässerungsstollen, die bereits seit der Antike errichtet wurden. Seit dem Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. wurde in den verschiedenen Staaten des Orients Grundwasser durch Qanate erschlossen, bei dem auf der Linie des zukünftigen Stollens senkrechte Schächte in die Tiefe getrieben und miteinander verbunden wurden. Ein Qanat besaß immer ein leichtes Gefälle zu einer Siedlung hin. Dadurch konnte unterirdisch das Grundwasser erschlossen und durch das Qanat zur Siedlung geführt werden. Andernfalls hätte man dasselbe Grundwasser aus großer Tiefe unterhalb der Siedlung heraufholen müssen. Die Kanaaniter schlugen in Megiddo bereits einen 70 Meter langen Stollen in den Fels, der ihnen einen gedeckten Zugang zu einem unterirdischen Wasser-Sammelbecken außerhalb der Stadtmauern gewährte.

Anders der Tunnelbau: Hier folgte die Linienführung im sogenannten Gegenortverfahren. Dabei wurden vom Ausgangs- und vom Endpunkt des Tunnels zunächst Suchstollen geschlagen, die erst nach dem Aufeinandertreffen auf den erforderlichen Querschnitt erweitert wurden. In der frühbronzezeitlichen Siedlung Khirbet ez-Zaraqon in Jordanien existiert ein 200 Meter langer Tunnel, an dessen First sich die Suchstollen noch gut nachvollziehen lassen. Seine Datierung in die Zeit vor der Verwendung von Eisenwerkzeugen scheint problematisch.[4] Die Griechen bauten beispielsweise auf Samos zur verdeckten Wasserversorgung um 530 v. Chr. den 1.063 Meter Tunnel des Eupalinos. Unter dem judäischen König Hiskija wurde ebenfalls zur Wasserversorgung bei Belagerungen von der Gihon-Quelle zum Teich von Siloah in Jerusalem der 533 Meter lange Hiskija-Tunnel gegraben. Ein etwa 150 v. Chr. geschlagener 700 Meter langer Tunnel nach Qumran am Toten Meer diente ebenfalls der Wasserversorgung. Die Etrusker schufen die weniger spektakulären, aber zahlreichen sogenannten Cuniculi, schmale Tunnel, die der Wasserleitung, der Drainage oder der Wassersammlung dienten. Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. errichteten sie in den Albaner Bergen erste Straßentunnel. Besonders die Römer führten viele Bauten aus, darunter die Ableitung des Fucino-Sees, ein 5.623 Meter langer Tunnel aus der Mitte des 1. Jahrhunderts. Vespasian ließ im Jahr 77 auf der Via Flaminia einen neuen Tunnel durch den Intercisa-Pass (Furlo) errichten. Besonders gut informiert sind wir über einen Aquädukttunnel im algerischen Bejaia aus dem 2. Jahrhundert n.Chr. durch den römischen Baumeister Nonius Datus, der in einer Inschrift die Schwierigkeiten des Gegenortverfahrens beschreibt.[5] Straßentunnel errichteten die Römer nur in Italien: Der Architekt L. Cocceius Auctus errichtete im Bürgerkrieg mit Sextus Pompeius 38/37 v. Chr. 3 Tunnel um Cumae und am Averner See sowie 2 weitere zwischen Neapel und Puteoli, die eine Länge von bis zu 1.000 Meter erlangten. Auch auf der Insel Ponza ist ein Straßentunnel nachweisbar.[6] Aufgrund von Resten antiker Schachtbauwerke in der Umgebung von Dover geht die moderne Forschung davon aus, dass bereits die Römer sich mit dem Gedanken eines Ärmelkanaltunnels nicht nur theoretisch beschäftigt haben.

Der mitteleuropaweit älteste frühmittelalterliche Wasserstollen ist der Stiftsarm des Almkanals in Salzburg, der der Nutzwasserversorgung der Stadt diente und 1143 durch den Mönchsberg geschlagen worden war. Ein weiterer Tunnel, der vermutlich aus dieser Zeit stammt, ist der so genannte Fulbert-Stollen am Laacher See, der wohl nach 1164 gebaut wurde und der Senkung des Wasserspiegels bei Hochwasser diente.

Neuzeit[Bearbeiten]

Traditionell gebauter Tunnel ohne Innenschale auf Madeira

Nördlich der Alpen gab es in Deutschland vor dem Zeitalter des Eisenbahnbaus nur vier Tunnel, die dem Verkehr dienten. Zu ihnen zählt der Tiergarten-Tunnel in Blankenheim in der Eifel. Die Einführung des Schwarzpulvers zur Gesteinssprengung machte seit dem 17. Jahrhundert Tunnel auch beim Bau von Kanälen realisierbar (beispielsweise der 157 Meter lange Malpas-Tunnel für den Canal du Midi (um 1680) und der Schifffahrtstunnel von Weilburg an der Lahn). 1708 wurde mit dem Urnerloch bei Andermatt der erste Tunnel an einer Alpenstraße (Länge 64 m) für den Güter und Personenverkehr gebaut. Das 1765 fertiggestellte Sigmundstor in Salzburg mit einer Länge von 131 Metern ist der älteste Straßentunnel Österreichs. Der 1789 eröffnete Sapperton-Kanaltunnel im Thames & Severn Canal in England war 3,5 Kilometer lang und erlaubte den Transport von Kohlefrachtern. Auch der 2869 Meter lange Norwood-Tunnel in England, eröffnet 1775, ist ein weiteres Beispiel. Durch den von 1842 bis 1847 erbauten 4880 Meter langen Mauvages-Tunnel im Canal de la Marne au Rhin im Elsass wurden Boote und Schiffe mit einem im Jahre 1912 in Betrieb genommenen elektrischen Kettenschlepper getreidelt. Die Treideleinrichtung ist jedoch nicht mehr in Betrieb, da der Kanal überwiegend von Freizeitschiffern genutzt wird.

Alter Elbtunnel (erbaut 1911)

Der erste Verkehrstunnel unter einem Fluss wurde unter der Themse in London zwischen Rotherhithe und Wapping von 1825 bis 1841 mit einer Unterbrechung von sieben Jahren erstellt. Nach der Ausrüstung mit Licht, Fahrbahnen, Treppen und einer Maschinenanlage zur Drainage wurde er am 25. März 1843 für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Für Fußgänger wurde er nur bis 1865 genutzt, danach wurde dieser Thames Tunnel von der East London Railway als Teil der London Underground (zuletzt East London Line) benutzt.

Der erste amerikanische Verkehrstunnel unter einem Fluss wurde am 1. Januar 1869 in Chicago eröffnet. 1899 wurde der Spreetunnel Stralau in Berlin in Betrieb genommen. Am 7. September 1911 eröffnete der Elbtunnel in Hamburg.

Die ersten Eisenbahntunnel schuf George Stephenson auf der Strecke Liverpool–Manchester 1826 bis 1830. 1837 bis 1839 wurde auf der Strecke Leipzig–Dresden bei Oberau der erste Tunnel einer Vollbahn auf dem europäischen Festland gebaut. Die Erfindung des Dynamits und der mit Druckluft betriebenen Gesteinsbohrmaschinen ermöglichte den Bau der großen Gebirgstunnel.

Bemerkenswert ist auch der 1882 unter dem Col de Tende hindurchgetriebene 3182 Meter lange Col-de-Tende-Straßentunnel. Er war der erste Straßentunnel unter einem Alpenpass und dürfte seinerzeit einer der längsten für den öffentlichen Verkehr freigegebenen Tunnel der Welt gewesen sein.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

Tunnel schrieben auch politisch/militärische Geschichte: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs lagerte die deutsche Rüstungsindustrie zahlreiche Fertigungsstätten in bombensicher vermauerte Verkehrstunnel im Rahmen des so genannten U-Verlagerungsprogramms aus. In den 1960er-Jahren wurden geheime Fluchttunnel aus Ostberlin und der DDR nach Westberlin und Spionagetunnel vice versa während der Zeit der Berliner Mauer gebaut. Während des Vietnamkrieges besaß der Vietcong in den 1970er-Jahren eine Vielzahl von Tunneln bis in die Nähe der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon, in welche die Soldaten der Vietnamesischen Volksbefreiungsarmee sich bei amerikanischen Luftangriffen und Patrouillen versteckten, Nachschublager unterhielten und Verwundete operierten und pflegten. Während des Bosnienkrieges in den 1990er-Jahren bauten die bosnischen Truppen einen geheimen Tunnel von Sarajevo unter dem serbischen Belagerungsring hindurch, durch den sie bescheidenen Nachschub erhielten.

Tunnelarten[Bearbeiten]

Zeichen 327:Tunnel

Eisenbahntunnel[Bearbeiten]

Hauptartikel: Eisenbahntunnel
U-Bahn-Tunnel

Auch die Eisenbahn benötigt Tunnel. Diese dienen in erster Linie der Umgehung eines topografischen Hindernisses.
Im Gegensatz zu Straßenfahrzeugen oder Zahnradbahnen können Adhäsionsbahnen normalerweise keine großen Steigungen überwinden. Deshalb wurden die Bergstrecken von Eisenbahnen auf künstliche Art verlängert. Dies erfolgte einerseits, wie historisch beim Straßenbau, durch Anlegung von Kehren oder sonst durch Spiralen.
Diese Maßnahmen konnten je nach Topografie oberirdisch angeordnet werden. In den meisten Fällen erforderten sie wegen der engen Topografie aber eine Verlegung in einen Kehrtunnel.
In extremen topografischen Verhältnissen wird auch bei Zahnradbahnen davon Gebrauch gemacht.

U-Bahn-Tunnel[Bearbeiten]

Hauptartikel: U-Bahn

Straßentunnel[Bearbeiten]

Hauptartikel: Straßentunnel

Da Straßenfahrzeuge größere Steigungen als Schienenfahrzeuge überwinden können, begann der Bau von Straßentunneln in größerem Umfang erst im Zuge des Baus von Autobahnen und anderen Schnellstraßen. Vorher waren Straßentunnels vor allem in den Alpen anzutreffen und meist nur wenige Meter lang. Einer der bekanntesten Straßentunnel ist der Tauerntunnel in Österreich mit mehr als 6 km Länge.

Fußgängertunnel[Bearbeiten]

Eiertunnel in Bad Kleinen

Diese Tunnelart findet man hauptsächlich in Städten. Dort dienen Fußgängertunnel häufig als Ersatz für Fußgängerüberführungen über breite Straßen oder als Verbindung von U-Bahn-Stationen. Insbesondere in Bahnhöfen werden Personentunnel angelegt. In Städten in kälteren Klimazonen gibt es auch größere Netze aus Fußgängertunneln, welche auch Untergrundstädte genannt werden. Beispiele für Fußgängertunnel sind die Berliner Fußgängertunnel oder der so genannte Eiertunnel in Bad Kleinen.

Kanaltunnel[Bearbeiten]

Als Kanaltunnel bezeichnet man Bauwerke, mit denen ein schiffbarer Kanal unter Landschaftserhebungen wie Hügeln oder Bergen hindurchgeführt wird. Bei der Planung von Kanälen werden Anhöhen, die nicht mit einem Geländeeinschnitt zu durchqueren sind, wenn immer möglich mit einer längeren Strecke auf gleichbleibender Höhe umgangen oder mit Schleusenreihen überschritten. Wo beides nicht in Frage kommt oder für eine solche Lösung eine zu große Massenbewegung erforderlich wäre, kann der Bau eines Tunnels die wirtschaftlich optimale Variante sein. Kanaltunnel bilden in Kanälen mit mehreren Schleusenstufen einen Abschnitt der Scheitelhaltung.

Kanaltunnel sind in der Regel für einspurigen Verkehr ausgelegt. Vor beiden Portalen sind deshalb ausreichende Warteräume und Signaleinrichtungen für die Verkehrsregelung erforderlich. In einigen Tunneln wird der Wasserweg von einem Bankett über dem Wasserniveau begleitet, das für Kontrollgänge und das Ziehen von Kähnen diente. Der erste Kanaltunnel wurde im 17. Jahrhundert für den Canal du Midi gebaut.

Beispiele für große Kanaltunnel

Das einzige Beispiel in Deutschland für einen schiffbaren Tunnel ist der 195 Meter lange Weilburger Schifffahrtstunnel an der Lahn, der am 18. September 1847 eröffnet wurde.

Scheiteltunnel und Basistunnel[Bearbeiten]

Scheiteltunnel, seltener auch Passtunnel, und Basistunnel nennt man Tunnel, die einen Gebirgspass respektive ganze Gebirge unterführen. Die Abgrenzung ist von den Gegenheiten abhängig, von Basistunnel spricht man, wenn die Rampe nicht die Berghänge benutzt, sondern von den Talungen weitgehend direkt am Bergfuß untertage führt. Dabei befindet sich die nominelle Passhöhe oft innerhalb des Tunnels.

Beispiele für frühe, hohe Straßen mit Scheiteltunnel sind der Col du Galibier (1890, natürlich 2645 m, Straße 2556 m, Scheiteltunnel 363 m lang) oder die Großglockner-Hochalpenstraße (1930/32, Hochtor natürlich 2576 m, Straße 2504 m, Scheiteltunnel 311 m lang). Beispiele für bedeutende Basistunnel der Alpen sind der Mont-Blanc-Tunnel (Straße, erbaut 1965, 11,6 km) und der Tauerntunnel (Autobahn, 1975, 6,4 km), sowie der in Fertigstellung begriffene Gotthard-Basistunnel (Eisenbahn, 57 km).

Scheitel- wie Basistunnel stellen sicherheitstechnisch eine besondere Herausforderung dar, da es meist nicht wie bei anderen Steigungstunnels keine natürliche Entlüftung gibt, und Scheiteltunnel dazu auch naturgemäß entlegen, Basistunnel lang sind. Mont-Blanc- wie Tauerntunnel haben 1999 schwere Tunnelbrände erlebt, und dadurch in Folge neu Maßstäbe der Tunnelsicherheit gesetzt.

Tunnelbau[Bearbeiten]

Hauptartikel: Tunnelbau

Der Bau von Tunneln erfolgt in geschlossener oder in offener Bauweise. Bei der geschlossenen Bauweise erfolgt die Herstellung bergmännisch in der Neuen Österreichischen Bauweise mittels Bohr- und Sprengvortrieb beziehungsweise Baggerausbruch oder maschinell mittels einer Tunnelbohrmaschine. Beim Tunnelbau in offener Bauweise erfolgt die Herstellung des Tunnelbauwerks in einer offenen Baugrube, die anschließend wieder verfüllt wird.

Bei längeren Tunneln im Gebirge und im Hochgebirge kommt oft nur der Gegenortvortrieb, eventuell ergänzt um weitere Vortriebe von Zwischenangriffen aus, als Bauweise in Frage, um die Bauzeit auf eine wirtschaftlich sinnvolle Zeitdauer zu begrenzen. Die Grundlage für einen erfolgreichen Tunnelbau ist eine präzise Vermessung des zu bauenden Tunnels.

Beim Bau des Tunnels werden Lokomotiven mit dieselelektrischem Antrieb und optimalen Traktionseigenschaften eingesetzt.

Tunnel im Bau (New York City)

Bei einem langen Tunnel liegt die Linie des konstanten Gefälles nicht mehr auf einer Geraden, sondern wegen der Krümmung der Erdoberfläche auf Kreisen mit dem Erdmittelpunkt als Kreismittelpunkt. Das Licht zur Vermessung der Tunnelachse breitet sich dagegen völlig geradlinig aus. Eine Missachtung dieses Sachverhaltes führt zu einem Höhenfehler, der beispielsweise bei den etwa 10.000 Meter langen Richtstollen des Simplontunnels etwa acht Meter betragen hätte. Die tatsächliche Abweichung beim Zusammentreffen der beiden Richtstollen betrug jedoch nur etwa 22 Zentimeter.

Der Bau von Tunneln ist sehr investitionsintensiv. So schlägt in Deutschland ein zweistreifiger Straßentunnel, welcher bergmännisch in mittelschweren Bodenverhältnissen hergestellt wird, im Schnitt mit 20.000 Euro pro Meter zu Buche. Dies ist nur ein Durchschnittswert, der nach unten, vor allem aber stark nach oben hin abweichen kann. Davon entfallen in der Regel 15 bis 20 Prozent auf die Ausstattung des Tunnels, zum Beispiel Beleuchtung, Notrufsäulen etc. Neben den zum Teil enormen Baukosten ist die Unterhaltung des Tunnels ebenfalls sehr kostspielig. So rechnet man im Schnitt mit jährlichen 180.000 Euro Folgekosten pro Kilometer Tunnelstrecke.

Tunnelsicherheit[Bearbeiten]

Notrufnische im Autobahntunnel der A 17 bei Dresden

In Tunneln kann ein funktionierendes Sicherheitssystem im Falle eines Unfalls oder Brandes Leben retten. Folgende bauliche und technische Maßnahmen erhöhen die Sicherheit in Tunnelanlagen:

  • Abflusssystem für brennbare Flüssigkeiten,
  • Anlage zur automatischen Branddetektion (Brandmelder),
  • Anlage zur Sichttrübungsmessung,
  • Anlage zur Windgeschwindigkeitsmessung,
  • Belüftungsanlage mit Strahlventilatoren und eventuell Belüftungsschächte,
  • nach Fahrtrichtungen getrennte Tunnelröhren (Richtungsverkehrstunnel, „Zwillingsröhre“ im Gegensatz zu Gegenverkehrstunnel),
  • Notausgänge zu Fluchtwegen, zumeist gebildet durch Querschläge (Querstollen) zu benachbarten Tunnelröhren,
  • zusätzliche Rettungsstollen, die hauptsächlich als Fluchtweg, aber auch als Zugang für Einsatzkräfte genutzt werden können,
  • Fluchtweghinweise mit Entfernungsangabe und Fluchtwegbeleuchtung,
  • Notbeleuchtung bei Eisenbahntunneln,
  • Nothaltebuchten bei Straßentunneln,
  • Notrufnische mit Notrufanlage und mit Brandmelder und Feuerlöscher,
  • Sprinkleranlage und für die Feuerwehr Löschwasserentnahmestutzen,
  • Video-Überwachungskamera-System,
  • Lautsprecheranlage für Sprachdurchsagen durch Leitwartenpersonal und Feuerwehr, insbesondere für Evakuierungsaufforderungen im Brandfall und weitere Sicherheitshinweise. Seit 2009 wird in Deutschland für Straßenverkehrstunnel fast nur noch die von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) empfohlene synchronisierte Längsbeschallung (SLASS-Technik = synchronized longitudinal announcement speaker system) mit Grenzflächenhornlautsprechern installiert, mit der erstmals trotz der extremen akustischen Verhältnisse eine akzeptable Sprachverständlichkeit solcher Durchsagen erreicht wird.

Weiterhin ist ein intensives Sicherheitsmanagement notwendig, welches das Erstellen von Alarmplänen und Übungen mit ansässigen Feuerwehren (so genannte Portalfeuerwehren) beinhaltet. Zahlreiche schwere Unfälle in Tunneln zeigen immer wieder, dass viele Tunnel nur über ein schlechtes Sicherheitssystem verfügen.

Um die Sicherheit zu erhöhen, werden auch laufend Tests von den Verkehrsclubs durchgeführt. Dabei werden ungefähr 30 Tunnel in ganz Europa miteinander verglichen. Durch Veröffentlichung dieser Vergleiche soll auf die Tunnelbetreiber öffentlicher Druck ausgeübt werden. Derzeit (2005) beginnt ein von der Europäischen Union gefördertes Sicherheitsprojekt unter Federführung des ÖAMTC mit zehn weiteren Ländern unter dem Namen EuroTAP (European Tunnel Assessment Programme). Die Europäische Union hat zur Verbesserung der Tunnelsicherheit die Richtlinie 2004/54/EG erlassen, deren Umsetzung in den Mitgliedsstaaten bis zum 30. April 2006 abgeschlossen sein musste. In Österreich wurde dazu das ab 1. Mai 2006 gültige Tunnelsicherheitsgesetz erlassen, das alle Straßentunnel auf den Autobahnen und Schnellstraßen mit einer Länge über 500 Meter betrifft.

Trotz aller dieser Maßnahmen kann vor allem in Straßentunneln keine hundertprozentige Sicherheit gewährleistet werden. Auch die Benutzer müssen sich der Gefahren bewusst sein und sich an die Regeln halten, wie:

  • Ampel unbedingt beachten,
  • Autoradio mit Verkehrsfunk einschalten,
  • Nie hinter einem brennenden Fahrzeug noch in den Tunnel einfahren. Die Verqualmung kann den Motor zum Absterben bringen, was eine Flucht aus dem Tunnel wesentlich erschwert
  • Fahrgeschwindigkeit reduzieren,
  • Fahrzeugbeleuchtung einschalten,
  • Sicherheitsabstand einhalten,
  • nicht stehen bleiben im Tunnel
  • auch die Umstellung der Lichtverhältnisse der Augen beachten.

Motive[Bearbeiten]

Amphibientunnel bei Furtwangen
  • Bei der Querung von Wasserflächen ist oftmals eine Entscheidung zwischen Tunnel und Brücke zu treffen. Generell sind Unterwassertunnel kostspieliger als zum Beispiel Hängebrücken. Bei Schiffswegen ist die Einsetzbarkeit von Brücken jedoch oftmals eingeschränkt. Beispiele für Tunnel, die aus schifffahrtstechnischen Gründen an Stelle einer Brücke gebaut werden mussten, sind der Holland- und Lincoln-Tunnel zwischen New Jersey und Manhattan sowie die Elizabeth-Tunnel zwischen Norfolk und Portsmouth in Virginia.
  • Seit neuerer Zeit wird Tunnelbau auch aus Gründen des Landschafts- und Umweltschutzes betrieben. So wird beispielsweise seit 2008 im Zuge der Bundesautobahn 4 westlich von Jena in Thüringen der Jagdbergtunnel gebaut, um das ökologisch wertvolle Leutratal vom Autoverkehr zu befreien.
  • Um die Tötung von Amphibien und anderen Kleintieren durch Kraftfahrzeuge zu verhindern, die - zumeist während der Paarungszeit - Straßen kreuzen, werden zunehmend Amphibientunnel als Querungshilfe angelegt.

Die längsten Tunnel der Erde[Bearbeiten]

Die derzeit längsten und bereits für den Verkehr freigegebenen Tunnel der Erde sind:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ralf Roman Rossberg: Sicherheit hat Ihren Preis. Teure Tunnel. In: eisenbahn magazin. Nr. 4/2011, Alba Publikation, Düsseldorf April 2011, ISSN 0342-1902, S. 26–29.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Tunnel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Tunnel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c DIN 1076:1999-11: Ingenieurbauwerke im Zuge von Straßen und Wegen. Abs. 3 Begriffe.
  2. Ergebnisse der vierten Befragungsrunde: Tunnel (Genus). In: Atlas der deutschen Alltagssprache. Philologisch-Historische Fakultät der Universität Augsburg, 5. November 2009.
  3. Ergebnisse der vierten Befragungsrunde: Tunnel (Betonung) In: Atlas der deutschen Alltagssprache. Philologisch-Historische Fakultät der Universität Augsburg, 5. November 2009.
  4.  Holger Sonnabend: Mensch und Landschaft in der Antike. J.B. Metzler'sche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-476-02179-3, S. 569.
  5.  Holger Sonnabend: Mensch und Landschaft in der Antike. J.B. Metzler'sche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-476-02179-3, S. 570.
  6.  Holger Sonnabend: Mensch und Landschaft in der Antike. J.B. Metzler'sche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-476-02179-3, S. 571.
  7. Tunnel du Rove. In: Structurae. 14. August. 2009.