Tupolew I-4

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Tupolew I-4 (ANT-5)
Tupolev I-4 (ANT-5).jpg
Typ: Jagdflugzeug
Entwurfsland: Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: Tupolew / ZAGI
Erstflug: Juli 1927
Indienststellung: 1928
Produktionszeit: 1928 bis 1934
Stückzahl: 371

Die Tupolew I-4, (russisch Туполев И-4),auch als ANT-5 (АНТ-5) bezeichnet, war ein einmotoriger, einsitziger Anderthalbdecker. Sie wurde in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre entwickelt und stand als Jagdflugzeug bis 1938 bei den sowjetischen Luftstreitkräften im Einsatz.

Entwicklung[Bearbeiten]

Für die Konstruktion verantwortlich war Pawel Suchoi, Leiter eines Entwicklungsteams des AGOS, einer Sonderabteilung des ZAGI, die Andrei Tupolew unterstand.

Es wurden zwei Prototypen gebaut, der erste mit einem Jupiter VI, der zweite mit einem Jupiter IV Motor, beide vom französischen Hersteller Gnôme-Rhône. Im Juli 1927 fand der Erstflug des Modells statt und nach dem Ende der staatlichen Erprobung entschloss man sich im Dezember desselben Jahres, das Flugzeug in die Serienfertigung zu geben. Bevor diese am 25. Oktober 1928 begann, wurden noch einige Veränderungen am Leitwerk vorgenommen. Im Verlaufe der Produktion wechselte man vom Jupiter Motor zur sowjetischen Lizenzausführung M-22.

Der Serienbau endete 1934 nach 371 Maschinen. Sie kamen in den Jagdfliegerstaffeln sowie nach 1938 bei den Ausbildungseinheiten zum Einsatz.
Es wurden noch einige besondere Versionen getestet, so 1931 die I-4bis ohne den unteren Flügel sowie mit Vorflügeln am Oberflügel. Den 1929 für das Huckepack-Projekt Sweno verwendeten I-4 kürzte man den Unterflügel auf jeder Seite um 0,5 m. Bei einem anderen Flugzeug experimentierte man mit einem auf dem Oberflügel befestigtem Maschinengewehr, einige Maschinen erhielten zwei 7,62-cm-Kanonen Kurschewski DRP/APK auf dem Oberflügel montiert.

1932 wurden mit einer I-4 erstmals vom Gasdynamischen Laboratorium (GDL) entwickelte 82-mm-Raketengeschosse getestet. Nach Verschmelzung des GDL mit dem Raketenforschungsinstitut (RNII) wurden die Versuche 1935 fortgesetzt; aus ihnen gingen die Katjuscha-Geschosse hervor.[1]

Eine geplante Schwimmerversion I-4P wurde 1931 aufgegeben.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die I-4 war vollständig in Ganzmetallbauweise konstruiert, die Verkleidung bestand aus gewelltem Duralblech. Der zweiteilige Oberflügel besaß drei Holme, war auf einem Strebenbock montiert und mit zwei Strebenbändern am Rumpf sowie mit zwei V-Stielen am extrem kurzen Unterflügel befestigt. Die Profildicke betrug bei den Streben 16 und an den Enden 12 %. Das starre Fahrwerk besaß eine durchgehende Achse und einen Hecksporn.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Daten
Spannweite Oberflügel 11,40 m
Unterflügel 5,70 m
Länge 7,28 m
Höhe 3,40 m
Flügelfläche Oberflügel 19,80 m²
Unterflügel 4,0 m²
Rüstmasse 978 kg
Startmasse 1.430 kg
Antrieb ein 9-Zylinder-Sternmotor M-22
Leistung 358 kW (480 PS)
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h in Bodennähe
231 km/h in 5.000 m Höhe
Steigzeit 14,3 min auf 5.000 m Höhe
Gipfelhöhe 7.000 m
Flugdauer 3,3 h
Reichweite 580 km
Dauer einer Vollkurve 12,1 s
Besatzung 1
Bewaffnung zwei 7,62-mm-MG PW-1
vier 50-kg-Bomben

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wadim B. Schawrow: Zur Geschichte des sowjetischen Flugzeugbaus. Flugzeugkonstruktionen in den Jahren der sozialistischen Industrialisierung (1). In: Fliegerkalender der DDR 1979. Militärverlag, Berlin 1978, S. 176-178.
  •  Wilfried Kopenhagen: Sowjetische Jagdflugzeuge. Transpress, Berlin 1985.
  •  Karl-Heinz Eyermann: Die Luftfahrt der UdSSR 1917–1977. Transpress, Berlin 1977.
  •  Peter Stache: Jagdflugzeuge von A. N. Tupolew Teil 1. In: Flieger Revue. Nr. 1, 1970.
  •  Peter Stache: Jagdflugzeuge von A. N. Tupolew Teil 2. In: Flieger Revue. Nr. 2, 1970.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. * Peter Stache: Sowjetische Raketen im Dienst von Wissenschaft und Verteidigung. Militärverlag der DDR, Berlin 1987, ISBN 3-327-00302-5, S. 72–74.