Turandot

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das Theaterstück von Carlo Gozzi. Zur Oper von Puccini siehe Turandot (Oper). Siehe auch Turandot (Begriffsklärung).
Die Figuren Pantalone und Tartaglia in der Inszenierung von Jewgeni Wachtangow 1922

Das Theaterstück Turandot ist ein tragikomisches Märchen in fünf Akten, das von dem Venezianer Carlo Gozzi geschrieben wurde. Das Stück ist nach der Hauptfigur Turandot benannt, der Tochter des Kaisers von China. Der Stoff stammt aus einer persischen Erzählung, die durch die Märchensammlung Tausendundein Tag (oder Häzâr-jak Rûz) auch im westlichen Kulturkreis bekannt wurde (die Handlung ist dort in Russland angesiedelt). Die Uraufführung des Werkes fand am 22. Januar 1762 im Teatro San Samuele in Venedig statt.

Bekannte Nachdichtungen stammen von Friedrich Schiller (Turandot, Prinzessin von China), Karl Gustav Vollmoeller (Turandot, chinesisches Märchenspiel) 1911 und Wolfgang Hildesheimer (Das Märchen von Prinzessin Turandot). Bertolt Brecht hinterließ das Theaterstück Turandot oder Der Kongreß der Weißwäscher, das erst 1969 uraufgeführt wurde.

Entstehung[Bearbeiten]

Sowohl Ferruccio Busoni als auch Giacomo Puccini verdanken die Inspiration für ihre Opern der Freundschaft und Zusammenarbeit mit Karl Gustav Vollmoeller. Dieser war es, der, den Spuren seines Landsmanns Friedrich Schiller folgend, Gozzis Turandot der Vergessenheit entriss. Er forschte in den alten Theaterarchiven Venedigs so lange, bis er auf die Urfassung stieß, deren Commedia dell'arte-Strukturen er originalgetreu für seine Bühnenbearbeitung übernahm. Vollmoeller war es auch, der seinen Freund Busoni mit der Komposition der Musik zu seiner Turandot beauftragte. Erst die über ein Jahr dauernde sehr enge Zusammenarbeit, die in Busonis Tagebüchern und Briefen tiefe Spuren hinterlassen hat, ließ in Busoni den Wunsch entstehen, sich dem Werk einige Jahre später nochmals zuzuwenden.

Im Falle Giacomo Puccinis war es die berühmte Inszenierung Max Reinhardts der Vollmoeller'schen Turandot von 1911, die diesen zu seiner Oper inspirierte. Somit hat Karl Vollmoeller mehr als jeder andere Autor oder Komponist des 20. Jahrhunderts dazu beigetragen, einen vergessenen Autor und eines seiner vergessenen Stücke der Nachwelt wieder zu geben. Schließlich hatte sein Stück am 18. Januar 1913 Premiere in London, wo „Turandot“ in der Inszenierung von Sir George Alexander mit Busonis Musik und Ernst Sterns Bühnenbild für Aufsehen sorgte. Nicht ohne Grund erschien bereits im Frühjahr 1913 eine englische Übersetzung von Vollmoellers „Turandot“ in London sowie eine amerikanische Ausgabe in New York.

Die Personen[Bearbeiten]

Turandot, Prinzessin von China,
Stahlstich von Jaquemot nach Ramberg
eine von 50 Figuren der Schiller-Galerie, um 1859
Altum Kaiser von China
Turandot Prinzessin von China, seine Tochter
Adelma Prinzessin von Tatarenland, Lieblingssklavin von Turandot
Zelima eine andere Sklavin Turandots
Schirina ihre Mutter
Barach Schirinas Mann, einstiger Erzieher Kalafs
Kalaf Fürst der nogaesischen Tataren
Timur König von Astrachan, Kalafs Vater
Ismael Erzieher des Fürsten von Samarkand
Pantalon Altums Sekretär
Tartaglia Großkanzler von China
Brighella Pagenmeister an Altums Hof
Truffaldino     oberster Eunuch in Turandots Serail

Ort der Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung spielt in einem mystischen, märchenhaften China am Hofe Kaiser Altums.

Die Handlung[Bearbeiten]

Erster Akt[Bearbeiten]

Kalaf;
Stich von Fleischmann, Schiller-Galerie

Erste Szene
Barach und Kalaf - Ein Stadttor von Peking
Der Prinz Kalaf trifft in Peking Barach wieder. Kalaf erzählt, wie das Königreich seines Vaters verlorenging und er sich hat durchschlagen müssen. Von Barach erfährt Kalaf, dass die Geschichten um Turandot, die Tochter des Kaisers Altum, keine Märchen sind. Es stimmt, dass Turandot nur den Prinzen heiraten wird, der die drei Rätsel lösen kann, die sie ihm aufgibt. Versagt er, so muss er zum Schafott geführt werden. Etliche Prinzen hat dieses Schicksal schon ereilt.

Zweite Szene
Barach, Kalaf und Ismael
Ismael berichtet von der gerade vollzogenen Hinrichtung des Prinzen von Samarkand, dessen Erzieher er war. Er erzählt ferner, wie der Prinz einst nur durch den Anblick eines Bildes von Turandot dieser verfallen war. Das Bild wirft er in den Staub.

Dritte Szene
Barach und Kalaf
Kalaf, neugierig geworden, will das Bild aufheben, wird jedoch von Barach daran gehindert. Als es ihm schließlich gelingt und er das Bild von Turandot sieht, ist er augenblicklich in Turandot verliebt und fasst den Plan, sich der Rätselprobe zu stellen.

Vierte Szene
Barach, Kalaf und Schirina
Kalaf verschenkt sein Pferd und sein Geld an Barach und dessen Frau.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Erste Szene
Truffaldino, Brighella - Großer Saal im kaiserlichen Palast
Eine komische Szene, in der die beiden Bediensteten den Diwan, eine Art Ratsversammlung des kaiserlichen Hofes, für die neue Rätselprobe vorbereiten.

Zweite Szene
Kaiser Altum, Tartaglia, Pantalon
Der Kaiser beklagt sich bitter über Turandots harte, grausame Haltung. Aber er steht zu dem Gesetz, das Turandot ihm abgetrotzt hat, wonach die Prinzen die Rätsel lösen oder sterben müssen.

Dritte Szene
Kaiser Altum, Tartaglia, Pantalon, Kalaf
Kalaf besteht vor dem Kaiser darauf, dass sein Name und seine Herkunft vorerst ungenannt bleiben. Der Kaiser gewährt ihm dies, worauf die Hofbediensteten versuchen, Kalaf von seinem Vorhaben abzubringen. Dieser bleibt standhaft.

Vierte Szene
Der Diwan tritt zusammen.

Fünfte Szene
Altum, Turandot, Kalaf, Zelima, Adelma, Pantalon, Tartaglia
Beim Anblick Kalafs spürt Turandot, dass dieser Prinz, anders als all die anderen Prinzen zuvor, in ihr eine Zuneigung weckt, die sie sich aber aus Stolz nicht zugestehen kann. Sie stellt die drei Rätsel, die Kalaf alle löst. Turandot ist entsetzt, sie will lieber sterben, als mit Kalaf zum Altar geführt zu werden. Kalaf wiederum will sie dazu nicht zwingen und stellt ihr jetzt seinerseits ein Rätsel. Sie solle bis morgen seinen Namen nennen und den Namen seines Vaters. Falls ihr dies gelänge, sei sie wieder frei.

Dritter Akt[Bearbeiten]

Erste Szene
Adelma, eine Sklavin - Ein Zimmer
Adelma, verliebt in Kalaf, schmiedet Pläne, wie sie selbst der Sklaverei entkommen und Kalaf gewinnen kann.

Zweite Szene
Turandot, Zelima, Adelma
Zelima bedrängt Turandot, nachzugeben und in die Heirat einzuwilligen, worauf Turandot auch wankt. Aber nur kurz, denn sie will den Prinzen besiegen, von dem sie sich durch die gelösten Rätsel gedemütigt fühlt. Adelma, die das Gespräch belauscht hatte, bestärkt Turandot in diesem Vorhaben und verspricht, ihr dabei zu helfen, den Namen des Prinzen in Erfahrung zu bringen.

Dritte Szene
Kalaf, Barach - Saal im kaiserlichen Schloss
Barach tadelt Kalaf, dass er sich auf eine weitere Rätselprobe eingelassen hat.

Vierte Szene
Kalaf, Barach, Pantalon Tartaglia, Brighella
Die Bediensteten des Kaisers führen Kalaf ab.

Fünfte Szene
Barach, Timur
Überraschend treffen Barach und König Timur wieder zusammen. Der König hatte gerade noch gesehen, wie sein Sohn Kalaf abgeführt wurde. Barach deutet nur dunkel an, was dies alles bedeutet.

Sechste Szene
Barach, Timur, Schirina
Schirina berichtet, wie sie Turandot erzählt hat, dass Kalaf in ihrem Haus gewohnt hatte. Barach ist sich sofort im Klaren, welche Gefahr dies für ihn bedeutet: Turandot wird versuchen, den Namen aus ihm herauszupressen.

Siebte Szene
Barach, Timur, Schirina, Truffaldino
Truffaldino nimmt mit Hilfe von Bewaffneten Barach und Timur fest.

Vierter Akt[Bearbeiten]

Erste Szene
Turandot, Barach, Timur, Schirina, Zelima - Säulenhalle
Unter Androhung von Gewalt verlangt Turandot von Barach, dass er die Namen nenne. Dieser bleibt standhaft. Timur gibt sich als der Vater von Kalaf zu erkennen, ohne seinen Namen zu verraten.

Zweite Szene
Turandot, Barach, Timur, Schirina, Zelima, Adelma
Adelma erzählt Turandot, dass sie die Wachen von Kalaf bestochen habe und dass sie einen Plan habe, wie sie mit Schirina und Zelima Kalaf dazu bringen werde, seinen Namen selbst preiszugeben.

Dritte Szene
Turandot
Einerseits zeigt sich Turandot höchst zufrieden mit Adelmas Plan, der ihr den Sieg über Kalaf ermöglichen soll. Andererseits merkt sie, dass ein solcher Sieg sie nicht glücklich machen würde.

Vierte Szene
Altum, Turandot, Pantalon, Tartaglia
Altum versucht vergeblich, Turandot umzustimmen. Er weiß inzwischen die Namen und bietet Turandot an, sie ihr zu nennen, so dass sie im Diwan als Siegerin auftreten könne. Sie müsse ihm aber versprechen, dass sie Kalaf dann trotzdem heiraten werde. Stolz lehnt Turandot ab und setzt all ihre Hoffnung auf Adelma.

Fünfte Szene
Kalaf, Brighella - Gemach
Brighella warnt Kalaf vor „Gespenstern“, die ihn in der Nacht besuchen könnten. In der Folge erscheinen in Kalafs Gemach dann auch die „Gespenster“ Schirina, Zelima, Truffaldino und Adelma.

Sechste Szene
Schirina, Kalaf
Schirina, als Soldat verkleidet, erzählt Kalaf, dass sich sein Vater im Palast befände. Sie bietet sich an, eine unterschriebene Nachricht zu übermitteln. Kalaf durchschaut leicht ihre wirkliche Absicht.

Siebte Szene
Zelima, Kalaf
Zelima gibt vor, dass Turandot folgenden Handel vorgeschlagen habe: Er nennt die Namen, dafür gibt Turandot ihm trotzdem die Hand. Kalaf traut ihr nicht.

Achte Szene
Truffaldino, Kalaf
Truffaldino versucht mit Hilfe einer Zauberwurzel, dem schlafenden Kalaf die Namen zu entlocken, was ihm, wie er irrtümlich glaubt, auch gelingt.

Neunte Szene
Adelma, Kalaf
Adelma gibt sich vor Kalaf als Königstochter zu erkennen und erzählt ihm, wie sie zur Sklavin wurde. Sie berichtet weiter, dass Turandot beschlossen habe, ihn zu töten, um der Rätselprobe im Diwan zu entgehen. In blinder, rasender Verzweiflung ruft Kalaf seinen Namen und den seines Vaters aus. Adelma bietet ihm einen Plan zur Flucht an, den Kalaf ablehnt.

Zehnte Szene
Brighella, Kalaf
Brighella holt Kalaf, um ihn zum Diwan zu führen.

Fünfter Akt[Bearbeiten]

Erste Szene
Altum, Tartaglia, Pantalon, Kalaf - Großer Saal im kaiserlichen Palast
Überrascht stellt Kalaf fest, dass er unversehrt vor dem Diwan angekommen ist. Kaiser Altum ist zuversichtlich. Er erwartet die baldige Hochzeit.

Zweite Szene
Altum, Tartaglia, Pantalon, Kalaf, Turandot
Turandot verkündet voll süßer Rache die Namen, die sie von Adelma erfahren hatte, worauf Kalaf sich mit einem Dolch umbringen will. Jetzt fällt ihm Turandot in den Arm, um dies zu verhindern, denn nun will sie seine Braut werden. Adelma sieht ihre letzte Hoffnung auf Kalaf schwinden und ergreift Kalafs Dolch, doch dieser verhindert, dass sie sich ein Leid antut. Auch setzt er sich bei Altum dafür ein, dass Adelma wieder ihre Königswürde zurückerhält, was dieser gewährt.

Turandot beschließt das Stück:

Du liebes Volk der Männer - hört: ich bin euch gut,
Euch allen bin ich gut. Und weil ich reuig bin,
Sollt ihr ein Zeichen der Vergebung mir nicht weigern!

Adaptionen[Bearbeiten]

Beginnend mit der Schauspielmusik von Franz Seraph Destouches für die Uraufführung von Schillers Theaterstück im Jahr 1802 schrieben folgende Komponisten Bühnenmusiken zu Turandot: 1806 Friedrich Ludwig Seidl, 1809 Carl Maria von Weber, 1813 Joseph von Blumenthal und zuletzt 1843 Vinzenz Lachner.

Ab 1809 (Joseph von Blumenthal) entstanden Opern, die den Turandot-Stoff behandeln: 1816 Franz Danzi, 1835 Carl Gottlieb Reißiger, 1838 Johann Hoven, 1840er Jahre Herman Severin Løvenskiold, 1867 Antonio Bazzini (unter dem Titel „Turanda“), 1888 Adolf Jensen, in einer Bearbeitung von Wilhelm Kienzl, 1888 Theobald Rehbaum.[1] [2] Die zuletzt entstandenen Opern sind:

Wolfgang Hildesheimer variierte den Stoff zwischen 1954 und etwa 1960 in zwei Hörspiel- und zwei Dramen-Fassungen, die Bearbeitung als Fernsehspiel (1963) stammt nicht von Hildesheimer selbst, sondern von Roman Weyl.

  • Prinzessin Turandot, Hörspiel (1954)
  • Die Eroberung der Prinzessin Turandot, Theaterstück (1961)

Literatur[Bearbeiten]

Die zusammengefasste Szenenfolge basiert auf

Carlo Gozzi: Turandot. Stuttgart: Reclam, 2001.

Aus dieser Ausgabe wurde auch das Zitat entnommen.

  • Frederik D. Tunnat: Karl Vollmoeller : Dichter und Kulturmanager ; eine Biographie. tredition, [Hamburg] 2008, ISBN 978-3-86850-000-4 (hierin nachzulesen Vollmoellers Engagement und Wirken für Gozzi und seine Turandot)
  • William Ashbrook: Puccini's Turandot: The End of the Great Tradition; Princeton, 1991

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Princess Turandot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. William Ashbrook: Puccini's Turandot:The End of the Great Tradition
  2. Adolf Jensen: Turandot. Operndichtung in drei Aufzügen