Turgi

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Turgi
Wappen von Turgi
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Badenw
BFS-Nr.: 4042i1f3f4
Postleitzahl: 5300
UN/LOCODE: CH TGI
Koordinaten: 661455 / 26072947.4944458.254173342Koordinaten: 47° 29′ 40″ N, 8° 15′ 15″ O; CH1903: 661455 / 260729
Höhe: 342 m ü. M.
Fläche: 1.55 km²
Einwohner: 2962 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 1911 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 37,7 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.turgi.ch
Turgi

Turgi

Karte
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Turgi ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt zwischen Baden und Brugg im Limmattal und gehörte bis 1884 zur Gemeinde Gebenstorf.

Geographie[Bearbeiten]

Turgi liegt zwischen dem Nordabhang des zum Tafeljura gehörenden Gebenstorfer Horns und dem Südufer der Limmat. Die Siedlung an der Hauptstrasse (Gehling) und der östlich gelegene Ortsteil Wil, die zusammen die so genannte Hochzone bilden, befinden sich auf einer steil abfallenden Hangstufe. Das Dorfzentrum liegt auf einer dreissig Meter tiefer gelegenen Halbinsel, die zu zwei Dritteln von einer Flussschlaufe der Limmat umflossen wird. Die nördliche Spitze dieser Halbinsel wird von einem künstlichen Kanal durchschnitten.[3]

Die Fläche des Gemeindegebietes beträgt 155 Hektar, davon sind 55 Hektar bewaldet und 67 Hektar überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 555 Metern am Chörnlisberg, einem Ausläufer des Gebenstorfer Horns, der tiefste auf 333 Metern an der Limmat.

Nachbargemeinden sind Untersiggenthal im Norden, Obersiggenthal im Nordosten, Baden im Osten sowie Gebenstorf im Süden und Westen. Auf dem Gebiet der Stadt Baden befindet sich eine kleine Exklave, die aus einer von Wald umschlossenen Wiese besteht.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Turgi geht auf den Thurgau zurück, der im frühen Mittelalter bis an die Aare reichte. Das nahe gelegene Wasserschloss der Schweiz bildete die Grenze zwischen dem Thurgau (östlich der Reuss-Aare-Linie), dem Aargau (zwischen Aare und Reuss) sowie dem Augstgau (zwischen Aare und Rhein).[4] Bis Anfang des 19. Jahrhunderts bestand Turgi lediglich aus dem Anwesen eines Fährmanns an der Limmat. Östlich davon lag der bescheidene Weiler Wil. Dort stiess ein Bauer im Jahr 1534 beim Pflügen auf einen römischen Meilenstein, der in der Zeit des Kaisers Trajan an der Heeresstrasse von Vindonissa in Richtung Osten aufgestellt wurde. Heute ist er im Landesmuseum in Zürich zu sehen.[5]

Der Aufschwung begann erst, als die Zürcher Fabrikantenfamilie Bebié die Flussschlaufe als idealen Standort für den Bau von Fabrikanlagen sah. 1826 wurde der Grundstein für die erste Baumwollspinnerei gelegt, die zweite Fabrik folgte 1833. Rund um die Fabriken entstand eine proletarisch geprägte Industriearbeitersiedlung. Das Wachstum beschleunigte sich weiter, als am 29. September 1856 die Eisenbahnstrecke Baden–Turgi–Brugg eröffnet wurde. Am 18. August 1859 folgte eine Zweigstrecke von Turgi nach Waldshut.

Der Gegensatz zwischen den alteingesessenen Gebenstorfern und den Turgemern wurde immer grösser. Obwohl Turgi mittlerweile mehr Einwohner hatte, wurden ihre Einwohner bei den Gemeindeversammlungen regelmässig überstimmt, da die Bevölkerung des neuen Dorfes einen hohen Anteil nicht stimmberechtigter Jugendlicher und Ausländer aufwies. Nachdem der Grosse Rat des Kantons Aargau das dritte Gesuch genehmigt hatte, erfolgte am 1. Januar 1884 die Trennung und Turgi wurde eine selbständige Gemeinde. Innerhalb eines Jahrhunderts vervierfachte sich die Einwohnerzahl.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Alte Spinnereien mit Kraftwerk

Das Dorfbild Turgis wird in grossem Masse von den Industriebauten und der Arbeitersiedlung aus dem 19. Jahrhundert geprägt, die im klassizistischen und neugotischen Stil errichtet wurde. Südlich der Bahnlinie entstanden um 1900 zahlreiche herrschaftliche Fabrikantenvillen. Die Gebäude sind fast alle erhalten geblieben und befinden sich in einem ausgezeichneten Zustand. Als Anerkennung für die Erhaltung der Industriekultur erhielt Turgi im Jahr 2002 den Wakkerpreis.

Die Reformierte Kirche Turgi wurde 1960 errichtet.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot weisser Schräglinienfluss, begleitet von schwarzem Zahnrad und gelber Ähre.» Das Wappen wurde 1922 eingeführt und löste jenes von 1883 ab, das gegen beinahe jede heraldische Regel verstossen hatte. Der Schrägfluss symbolisiert die Limmat, das Zahnrad die Industrie (der Turgi überhaupt seine Existenz zu verdanken hat) und die Ähre die Landwirtschaft.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 877 1441 1642 1860 2395 2704 2625 2400 2903

Am 31. Dezember 2013 lebten 2962 Menschen in Turgi, der Ausländeranteil von 37,7 % ist rund doppelt so hoch wie der kantonale Durchschnitt. Bei der Volkszählung 2000 waren 43,5 % römisch-katholisch, 24,4 % reformiert, 6,2 % christlich-orthodox und 9,6 % moslemisch. 2,7 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 73,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 7,6 % Italienisch, 3,2 % Albanisch, 3,0 % Serbokroatisch, 2,5 % Türkisch, 1,6 % Portugiesisch, 1,5 % Englisch, 1,3 % Französisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Turgi gehört zum Friedensrichterkreis Mellingen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Industrie, der das Dorf Turgi überhaupt seine Entstehung zu verdanken hat, ist in den letzten Jahrzehnten weitgehend durch Dienstleistungsbetriebe verdrängt worden. Die aus der ABB entstandene und immer noch im alten Spinnereigebäude einquartierte Ampegon AG ist einer der Marktführer für Rundfunksender im Kurz- und Mittelwellenbereich sowie bei Hochspannungs- und Hochfrequenzverstärkern. Der Elektronikhersteller Enics hat ein Werk in Turgi.

Insgesamt gibt es in Turgi gemäss Betriebszählung 2008 rund 700 Arbeitsplätze, davon 59 % in der Industrie und 41 % im Dienstleistungssektor.[10] Zahlreiche Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in den nahe gelegenen Städten Baden und Brugg.

Verkehr[Bearbeiten]

Alte Holzbrücke über die Limmat
Die Limmat in Turgi

Turgi ist verkehrsmässig ausgezeichnet erschlossen. Der Bahnhof Turgi liegt an der SBB-Hauptlinie ZürichBasel (Bözbergstrecke) und wird von der Linie S12 der S-Bahn Zürich bedient. Hier zweigt die Strecke ins untere Aaretal ab, mit Zügen nach Bad Zurzach und Waldshut. Beim Bahnhof verkehrt auch die Postautolinie von Gebenstorf über Untersiggenthal nach Würenlingen. Der Ortsteil Wil und die Hochzone von Turgi werden durch die RVBW-Buslinien 1 und 4 bedient (in der Hauptverkehrszeit im 10-Minuten-Takt).

Durch die Hochzone und Wil verläuft die vielbefahrene Hauptstrasse 3 von Baden nach Brugg. Drei Brücken führen über die Limmat nach Untersiggenthal.

Bildung[Bearbeiten]

In Turgi können die Schulkinder den Kindergarten, die Primarschule und die Bezirksschule besuchen. Jugendliche, welche die Realschule und die Sekundarschule besuchen, müssen sich ins benachbarte Untersiggenthal und Gebenstorf begeben. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Turgi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo
  4.  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 424–426.
  5.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 201.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 292.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.