Turiscai

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Turiscai (Begriffsklärung) aufgeführt.
Subdistrikt Turiscai
Turiscai (Osttimor)
Red pog.svg
Hauptstadt Turiscai
Fläche 188,44 km²[1]
Einwohnerzahl 6.993 (2010)[1]
Sucos Einwohner (2010)[2]
Aitemua 742
Beremana 802
Caimauc 1.117
Fatucalo 319
Foholau 393
Lessuata 412
Liurai 497
Manumera 1.454
Matorec 392
Mindelo 449
Orana 416
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung von Manufahi
Lage des Distrikts Manufahi

Turiscai (Toriscai, Turiscae) ist die Hauptstadt des osttimoresischen Subdistrikts Turiscai im Distrikt Manufahi.

Der Ort[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im Inselinneren, in Luftlinie 21 km südöstlich von der Landeshauptstadt Dili und 31 km nordöstlich von Same in einer Meereshöhe von 1431 m. Er gehört zum Suco Manumera.

In Turiscai gibt es eine Grundschule (Escola Primaria Manumera/Maulahulu), eine prä-sekundäre Schule, einen Hubschrauberlandeplatz und ein kommunales Gesundheitszentrum.[3] Francisco Xavier do Amaral, Osttimors erster Präsident, wurde 1937 in Turiscai als Sohn des Liurais geboren.

Der Subdistrikt[Bearbeiten]

Der Ort liegt im Nordwesten des Subdistrikts

Turiscai liegt im Norden von Manufahi. Südlich liegen Same und Fatuberlio. Im Westen grenzt Turiscai an den zum Distrikt Ainaro gehörenden Subdistrikt Maubisse, im Norden an den zum Distrikt Aileu gehörenden Subdistrikt Lequidoe und im Osten an den zum Distrikt Manatuto gehörenden Subdistrikt Laclubar. Die in Turiscai entspringenden Flüsse fließen in den Nördlichen Lacló, Südlichen Lacló, Clerec und Caraulun.[4]

Der Subdistrikt teilt sich in elf Sucos: Aitemua (Aitenua), Beremana, Fatucalo (Fatukalo), Caimauc (Kaimauk), Foholau, Lessuata (Lesuata), Liurai, Manumera, Matorec (Matorek), Mindelo und Orana.[5]

6.993 Menschen (2010,[1] 2004: 6.073[7]) leben im Subdistrikt Turiscai. Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Mambai. Östlich vom Ort Turiscai gibt es eine kleine Gruppe, die Isní spricht, das zur Nationalsprache Idalaka gehört. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung beträgt 17,6 Jahre (2010,[1] 2004: 16,0 Jahre[8]).

65 % der Haushalte in Turiscai bauen Maniok an, 67 % Mais, 58 % Kaffee, 55 % Gemüse, 18 % Kokosnüsse und 6 % Reis.[8]

Geschichte[Bearbeiten]

Turiscai war eines der traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[9][10]

Bei der Rebellion von Manufahi (1911/1912) unterstützte Turiscai Boaventura, den aufständischen Liurai von Manufahi. Der Aufstand wurde aber von den portugiesischen Kolonialherren niedergeschlagen.[11]

Australische Soldaten brennen Hütten in Maubissi nieder (Ende 1942)

Während des Zweiten Weltkrieg wurde Portugiesisch-Timor von den Japanern besetzt und wurde Schauplatz der Schlacht um Timor, in der australische Kommandos und ein Teil der Bevölkerung in Guerillataktik gegen die Besatzer kämpften. Am 12. Dezember 1942 brannten australische Soldaten mehrere Hütten in Maubissi von pro-japanischen Timoresen nieder, damit diese nicht als Basis für die Japaner dienen konnten.

Während des Bürgerkriegs zwischen FRETILIN und UDT 1975 griffen FRETILIN-Kämpfer im September die Aldeia Leubuti (Leobuti) im Suco Foholau an. Die Bewohner, zumeist Anhänger der APODETI, flohen in die Wälder. Drei von ihnen wurden getötet. Andere wurden nach Turiscai gebracht und mussten dort auf den Feldern arbeiten.[12]

1975 marschierten die Indonesier in Osttimor ein. Der Widerstand der FRETILIN und ihres militärischen Arms, der FALINTIL, formierte sich in den Bergen, auch in Turiscai. Im März 1976 drangen indonesische Truppen nach Turiscai ein. Es kam zu Kämpfen im Suco Liurai, als dieser besetzt wurde. Fünf FALINTIL-Kämpfer kamen ums Leben, von der geflohenen Bevölkerung kamen 300 wegen Krankheiten und Hunger ums Leben. Weitere 250 starben im Jahr darauf durch Hunger und Krankheit, als sie aus Lequidoe vertrieben wurden.[12]

Der von der FRETILIN eingesetzte Staatspräsident Francisco Xavier do Amaral versuchte 1977 auf lokaler Ebene über Truppenreduzierung und Waffenstillstand zu verhandeln. Er wollte so seine Heimat Turiscai vor Gräueltaten der indonesischen Armee schützen. Das FRETILIN-Zentralkomitee warf ihm daher Hochverrat vor und setzte ihn am 14. September 1977 ab.[13]

1978 griffen die Indonesier Foholau, Orana und Matorec an. Häuser und Getreidespeicher wurden niedergebrannt. Die Einwohner flohen nach Süden in Richtung Alas und Fatuberlio. 90 starben durch Hunger und Krankheiten. 150 von ihnen wurden eingefangen und wieder zurückgebracht.[12]

Nicolau dos Reis Lobato, der Nachfolger von Amaral wurde in Mindelo am 31. Dezember 1978 von der indonesischen Armee gestellt und kam dabei ums Leben.

1979 flohen Timoresen vor Angriffen auf Alas und Fatuberlio in das bereits indonesisch besetzte Turiscai. Hier starben 120 Menschen an Hunger und Krankheiten. Ende 1979 gab es beim Ort Turiscai ein indonesisches Lager für Osttimoresen, die zur besseren Kontrolle von den Besatzern umgesiedelt werden sollten. Hier wurden auch die ehemaligen Bewohner der Widerstandsbasis (base de apoio) des Sektors Centro Sul interniert. Sie stammten aus Turiscai, Fatuberlio, Maubisse und Dili. Von 1980 bis 1981 lebten die Einwohner von Liurai in Turiscai. In dieser Zeit wurden eine Frau und zwei 14 Jahre alte Mädchen von indonesischen Soldaten vergewaltigt.[12] Gegenüber der letzten Volkszählung in der portugiesischen Kolonialzeit 1970 sank die Bevölkerungszahl in Turiscai von 5.981 auf 2.890 um 51,7 %.[12]

Nach einem Angriff von FALINTIL-Kämpfern auf das Subdistrikthauptquartier von Alas der indonesischen Armee am 9. November 1998 reagierten die Indonesier mit einer Vergeltungsaktion gegen Zivilisten in der Umgebung und brannten die Häuser von jenen ab, die sie für Unabhängigkeitsunterstützer hielten, so auch in Lessuata und Manumera.[12]

Während der indonesischen Besatzungszeit (1975-1999) wurde Turiscai, das bisher zum Distrikt Ainaro gehörte, dem Distrikt Manufahi angeschlossen, wofür der Subdistrikt Hato-Udo von Manufahi zu Ainaro wechselte.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Turiscai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  2. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Census 2010; PDF; 22,6 MB)
  3. UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (PDF; 523 kB)
  4. Timor-Leste GIS-Portal
  5. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (Portugiesisch; PDF; 323 kB)
  6. a b Seeds of Life
  7. Direcção Nacional de Estatística Census 2004
  8. a b Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 14,0 MB)
  9. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  10. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR
  11. History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  12. a b c d e f „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  13. Monika Schlicher: Osttimor stellt sich seiner Vergangenheit, missio 2005, ISSN 1618-6222 (PDF; 304 kB)

-8.8166666666667125.7Koordinaten: 8° 49′ S, 125° 42′ O