Turkstaat

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Heutige Staaten die fallweise als „Turkstaaten“ bezeichnet werden

Als Turkstaaten werden im Deutschen vor allem die turksprachigen zentralasiatischen Republiken Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan bezeichnet.[1][2] Auch der Begriff „Turkrepubliken“ wird verwendet.[3] Gelegentlich werden auch Aserbaidschan und die Türkei zu den Turkstaaten gezählt.[4] Sowohl die Türkei als auch Aserbaidschan sind ihrem Selbstverständnis nach Turkstaaten. Karl Steuerwald zählte die Türkei 1963 ebenfalls zu den Turkstaaten.[5]

Politische Entwicklung nach 1989[Bearbeiten]

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde im Oktober 1992 als Interessenverband der Turkstaaten das Türkische Konzil auf einem Treffen unter der Schirmherrschaft der Türkei in Ankara gegründet, mit dem Ziel „die wirtschaftliche und humanitäre Zusammenarbeit unter den Turkstaaten zu fördern“ und „international mit einer Stimme zu sprechen und zu diesem Zweck in ferner Zukunft die Allianz der Turkstaaten nach dem Vorbild der Europäischen Union“.[6] Die Türkei versuchte in der Folge das Gipfeltreffen der Staatspräsidenten der türkisch sprechenden Länder (OATCT) zu institutionalisieren,[7] zwischenstaatliche Differenzen verhinderten jedoch die geplante jährliche Abfolge der Treffen. Die stattfindenden Gipfel führten zu Spannungen mit Russland, das den Verlust von Einfluss auf die ehemaligen Sowjetrepubliken befürchtete.[8] Auch auf anderen Ebenen wie zum Beispiel der seit 1996 abgehaltenen „Versammlung für Freundschaft, Brüderlichkeit und Zusammenarbeit der Turkstaaten und -gesellschaften“ wurden politische und wirtschaftliche Kooperationen beschlossen.

Kultur[Bearbeiten]

1992 wurde bei einem Treffen der Kultusminister von Aserbaidschan, Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisistan und der Türkei in Baku eine kulturelle Kooperation vereinbart. Am 12. Juli 1993 wurde daraufhin in Almaty die Joint Administration of Turkic Culture and Art (TÜRKSOY) gegründet, die sich als eine Art UNESCO der Region versteht und sich der Erforschung der gemeinsamen Geschichte, Kultur, Sprache und Traditionen in den Turkstaaten widmet.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Efe Caman: Türkische Außenpolitik nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, S. 263 (PDF; 1,9 MB)
  2. Ismail Ermagan: Die Europäische Union und der Beitritt der Türkei. Münster 2011, S. 169
  3. European Bibliography of Slavic and East European Studies (EBSEES)
  4. Eurasisches Magazin
  5. Karl Steuerwald Untersuchungen zur türkischen Sprache der Gegenwart, Langenscheidt 1963 Bd. 1, S. 9
  6. Turkstaaten: Von der gemeinsamen Geschichte zur gemeinsamen Zukunft. Eurasisches Magazin, Ausgabe 01/2007
  7. Auswärtiges Amt: Türkei - Außenpolitik
  8. Gipfel der Turkvoelker irritiert Russland. Welt, 29. August 1995
  9. The Joint Administration of Turkic Culture and Art (TURKSOY)