Turmstation

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Turmstation
Deaktiviertes Stromhäuschen in Olching 48.2237077046411.354343295097
Das Isolatorenmuseum Lohr am Main befindet sich in einer ehemaligen Turmstation

Als Turmstation bezeichnet man eine Bauform der Transformatorenstation, bei der die technische Anlage in einem turmförmigen Häuschen untergebracht ist. Hier wird die Mittelspannung verteilt und in Niederspannung umgesetzt, um Abnehmer im Umkreis einiger hundert Meter bis zu wenigen Kilometern zu versorgen.

Turmstationen sind überwiegend in ländlichen Gebieten zu finden. In städtischen Gebieten sind Transformatorenstationen als kompakte Einheit in Kellern von Gebäuden ausgeführt. Turmstationen sitzen häufig an Kreuzungspunkten von bis zu vier Leitungen, welche in einer luftisolierten Schaltanlage mit Lasttrennschaltern geschaltet werden können. Außerhalb befinden sich Überspannungsableiter, um die Schaltanlage im Inneren zu schützen.

Im europäischen Ausland sind Turmstationen weit verbreitet, in Nordamerika hingegen gibt es praktisch keine Turmstationen. Dort sind lokale Transformatoren meist als Masttransformator ausgeführt.

Seit Beginn der 1980er Jahre werden nur noch selten neue Turmstationen errichtet. Stattdessen werden Transformatorenstationen ebenerdig als kostengünstigere und kleinere kompakte Transformatorenstation mit genormten Konstruktionselementen ausgeführt. Die elektrischen Leitungen führt man als Erdkabel zu. Bestehende Turmstationen werden großflächig stillgelegt. Sie geben heute – mit ihrer jeweils an die Region angepassten Architektur – Zeugnis über ein Jahrhundert Industriearchitektur.[1] Anwohner bezeichnen sie teilweise als Wahrzeichen.

Nutzung stillgelegter Turmstationen[Bearbeiten]

Um den Abriss der historischen Turmstationen zu vermeiden, werden sie vielerorts von Vereinen oder Privatpersonen für vielfältigste Zwecke im Bereich Naturschutz, Tourismus, Kultur, Wohlfahrt oder Bildung genutzt. Naturschutzvereine und -Stiftungen bauten Turmstationen zu Artenschutztürmen um, mit Nistkästen für Vögel und Versteckmöglichkeiten für Fledermäuse. Einige der alten Turmstationen stehen auch unter Denkmalschutz.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sebastian Ackermann, Maria Dehling: Vom Turm zu Turm. Tipps und Touren rund um ein Stück Stromgeschichte. Klartext Verlag, Essen 2011, S. 5 (Editorial).
  2. Sebastian Ackermann, Maria Dehling: Vom Turm zu Turm. Tipps und Touren rund um ein Stück Stromgeschichte. Klartext Verlag, Essen 2011, S. 11. Die Turmstation „Auf dem Mars“ in Wesel dient beispielsweise als Vogel- und Fledermaushotel mit Nisthilfen für Turmfalken und einem Kasten für Schleiereulen. Es handelt sich dabei um die erste Turmstation, für deren Nachnutzung RWE den Naturschutzbund Deutschland (NaBu) gewinnen konnte. (Weitere sehenswerte umgebaute Turmstationen werden in dem Buch „Von Turm zu Turm“ vorgestellt.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Sebastian Ackermann/Maria Dehling (Hg.): Von Turm zu Turm. Tipps und Touren rund um ein Stück Stromgeschichte. Klartext Verlag, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0637-2.
  • Illo-Frank Primus: "Geschichte und Gesichter der Trafostationen", VDE VERLAG GmbH, 2013, ISBN 978-3-8007-3558-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Verteiler-Trafostationen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien