Schlitzturmschnecken

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Schlitzturmschnecken
Antimelatoma buchanani maorum, Neuseeland

Antimelatoma buchanani maorum, Neuseeland

Systematik
Überordnung: Caenogastropoda
Ordnung: Sorbeoconcha
Unterordnung: Hypsogastropoda
Teilordnung: Neogastropoda
Überfamilie: Conoidea
Familie: Schlitzturmschnecken
Wissenschaftlicher Name
Turridae
H. Adams & A. Adams, 1853

Die Familie Turridae, deutsch Schlitzturmschnecken[1] ist eine Familie ausschließlich mariner Schnecken, die von den Polarmeeren bis zu den tropischen Meeren beheimatet sind. Es sind fast ausschließlich räuberisch lebende Formen, die ihre Beute mit Gift töten. Wie die Kegelschnecken gehören sie zu den Pfeilzünglern (Conoidea). Mit mehr als 4000 Arten[2] sind die Turridae im Sinne von Powell (1966)[3] die artenreichste Familie der Weichtiere.[4]

Merkmale[Bearbeiten]

Die Gehäuse sind schlank hochkonisch bis seltener niedrig spiralig aufgerollt. Die kleinste Art misst adult etwa 2 mm, die größte Art wird bis über 12 cm hoch. Es sind meist viele Windungen vorhanden. Sehr charakteristisch ist eine kleine Einbuchtung im oberen Teil der Außenlippe der Mündung. Die Ornamentierung und die Färbung sind außerordentlich vielfältig. Die Mündung ist meist lang und schmal. Das untere Ende ist zu einem langen Siphonalkanal ausgezogen. Die Mündung kann bei einigen Arten auch im Adultstadium noch von einem Operculum verschlossen werden.

Vorkommen und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Vertreter der Turridae kommen vom flachen Wasser bis in abyssale Tiefen vor. Sie sind von den Polarmeeren bis zu den tropischen Meeren verbreitet. Ein häufiger Vertreter in der Nord- und Ostsee (unterhalb 20 Meter Tiefe) ist das Treppengiebelchen (Oenopota turricula).

Lebenszyklus[Bearbeiten]

Schlitzturmschnecken sind wie die meisten Vorderkiemerschnecken getrenntgeschlechtlich. Die Eier werden in Eikapseln abgelegt, die keine Nähreier enthalten. Bei untersuchten Arten der Gattung Oenopota läuft die Entwicklung 6-7 Wochen in der Eikapsel ab, wo das Stadium der Trochophora durchlaufen wird. Weitere 6-7 Wochen lebt die Veliger-Larve als Zooplankton, ehe sie die Metamorphose zur Jungschnecke durchmacht.[5]

Nahrung[Bearbeiten]

Schlitzturmschnecken leben räuberisch und besitzen eine Giftdrüse. Die Beute wird mit den Giftzähnen der Radula gelähmt und getötet. Bei einigen Arten werden die Giftzähne von der Radula abgelöst und wie eine Harpune eingesetzt (ähnlich wie bei den Kegelschnecken). Wahrscheinlich leben fast alle Arten der Turridae ausschließlich oder großenteils von Vielborstern (Polychaeten), doch bisher ist nur bei einer kleinen Anzahl von Schlitzturmschnecken das Beutespektrum untersucht worden. Von 19 Arten, die bis 1990 untersucht wurden, sind acht Arten auf jeweils eine Art Vielborster (Polychaeten) spezialisiert, drei Arten fressen eine begrenzte Anzahl unterschiedlicher Polychaeten, fünf Arten fressen als Generalisten verschiedene Polychaeten, eine Art frisst Polychaeten und Schnurwürmer und zwei Arten fressen Spritzwürmer.[6][5]

Feinde[Bearbeiten]

Wichtige Feinde der Schlitzturmschnecken sind Krabben.[5]

Systematik[Bearbeiten]

Die Familie Turridae wird in der populärwissenschaftlichen Literatur auch als Turmschnecken bezeichnet. Dieser Name wird jedoch hauptsächlich für die Familie Turritellidae verwendet, so dass er für diese Familie nicht anwendbar ist. Die Familie Turridae wird von Bouchet und Rocroi derzeit in fünf Unterfamilien unterteilt:

Literatur[Bearbeiten]

  • Philippe Bouchet & Jean-Pierre Rocroi: Part 2. Working classification of the Gastropoda. Malacologia, 47: 239-283, Ann Arbor 2005 ISSN 0076-2997
  • Victor Millard: Classification of the Mollusca. A Classification of World Wide Mollusca. Rhine Road, Südafrika 1997 ISBN 0-620-21261-6
  • Frank Riedel: Ursprung und Evolution der "höheren" Caenogastropoda. Berliner Geowissenschaftliche Abhandlungen, Reihe E, 32: 1-240, Berlin 2000 ISNN 3-89582-077-4
  • R. Tucker Abbott und S. Peter Dance: Compendium of Seashells. 411 S., Odyssey Publishing, El Cajon, Kalifornien ISBN 0-966-1720-0-0

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag Turridae [von *turri-], die Schlitzturmschnecken. Lexikon der Biologie. Spektrum Akademischer Verlag. Freiburg 2004.
  2. Des Beechey (2003): Family Turridae. Turrids.
  3. A.W.B. Powell (1966): The molluscan families Speightiidae and Turridae an evaluation of the valid taxa, both Recent and fossil, with lists of characteristic species. Bulletin of the Aukland Institute and Museum, 5, 1–184.
  4. P. Bouchet (1997): Inventorying the molluscan diversity of the world: what is our rate of progress? The Veliger, 40, 1–11.
  5. a b c R. L. Shimek (1982): The Biology of the Northeastern Pacific Turridae. Journal of Molluscan Studies, vol. 49, No. 2, pp. 146-163.
  6. John A Miller (1990): The feeding and prey capture mechanism of Turricula nelliae spurius (Hedley) (Gastropoda: Turridae). In: Brian Morton (ed.): The Marine Flora and Fauna of Hong Kong and Southern China II: Behaviour, morphology, physiology and pollution. Hong Kong University Press, 1990 (1268 Seiten). S. 979.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Turridae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien