Turritopsis nutricula

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Turritopsis nutricula
Systematik
Klasse: Hydrozoa
Ordnung: Anthomedusae
Unterordnung: Filifera
Familie: Oceaniidae
Gattung: Turritopsis
Art: Turritopsis nutricula
Wissenschaftlicher Name
Turritopsis nutricula
McCrady, 1857

Turritopsis nutricula ist eine Hydrozoen-Art aus der Familie der Oceaniidae. Durch Besonderheiten in ihrem Lebenszyklus sind die Individuen dieser Art potentiell biologisch unsterblich.

Beschreibung[Bearbeiten]

Turritopsis nutricula hat einen Durchmesser von 4 bis 5 Millimetern, ist ebenso hoch und von glockenförmiger Gestalt. Die Wände sind gleichmäßig dünn. Der gelblich gefärbte Magen ist im Querschnitt kreuzförmig. Entlang des Schirmrandes sind bei soeben freigesetzten Medusen acht, bei ausgewachsenen Exemplaren achtzig bis neunzig Tentakel einreihig angeordnet, an deren Ansätzen befinden sich Ocelli (Lichtsinnesorgane).

Lebenszyklus[Bearbeiten]

Die befruchteten Eier entwickeln sich innerhalb weniger Tage zur Planula. Aus diesen entstehen am Meeresboden koloniebildende Polypen, die durch Knospung neue Medusen ausbilden. Nach einigen Wochen (die genaue Dauer hängt ab von der Meerestemperatur, bei 20 °C beträgt sie 25 bis 30 Tage, bei 22 °C 18 bis 22 Tage) werden diese geschlechtsreif und können bei Befruchtung neue Planulae bilden. Bei zwei verwandten Arten (Turritopsis polycirrha und T. rubra) entwickeln sich die Eier bis zur fertigen Planula an der äußeren Magenwand (dem Manubrium) der Muttermeduse befestigt. T. polycirrha hat zudem die Besonderheit, daß sie zwittrig (hermaphroditisch) ist.[1]

Unsterblichkeit[Bearbeiten]

Dem üblichen Lebenszyklus der Cnidaria zufolge sterben die Medusen nach erfolgter Vermehrung ab. Bei Turritopsis nutricula können allerdings Zellen des Außenschirms (Exumbrella) durch Transdifferenzierung zum Keim eines neuen Polypen werden. Dadurch wird eine neue Polypengeneration erzeugt, die direkt aus der Meduse hervorgeht und mit dieser genetisch identisch ist. Die Art ist damit der erste bekannte Fall eines Vielzellers (Metazoa), bei dem sich das geschlechtsreife Individuum wieder zu einer sexuell unreifen koloniebildenden Lebensform zurückentwickelt. Auf diese Weise kann ein Individuum den gesamten Lebenszyklus immer wieder durchlaufen und so theoretisch Unsterblichkeit erreichen.[2][3] Neuere taxonomische Untersuchungen haben gezeigt, daß die mediterranen Exemplare, an denen viele der Untersuchungen durchgeführt wurden, sehr wahrscheinlich zur Art Turritopsis dohrnii zu zählen sind, welche z.B. durch eine geringere Anzahl von Tentakeln gekennzeichnet ist.[4] Auch die japanischen Formen von Turritopsis nutricula bzw. dohrnii besitzen dieselbe Fähigkeit zur Rejuvenation (Wiederverjüngug). [5]

Verbreitung[Bearbeiten]

Turritopsis nutricula lebt in den gemäßigten bis tropischen Regionen des Ostatlantik, T. polycirrha in der Nordsee, T. rubra in Neuseeland und T. dohrnii im Mittelmeer.

Quellen[Bearbeiten]

  • Jean Bouillon, Ferdinando Boero: Synopsis of the families and genera of the Hydromedusae of the world, with a list of the worldwide species, in: Thalassia Salentina, Vol. 24, 2000, S. 65–66, PDF

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Schuchert: Revision of the European athecate hydroids and their medusae (Hydrozoa, Cnidaria): Families Oceanidae and Pachycordylidae. Rev. Suisse Zool., Vol. 111(2), 2004, S. 315-369. PDF
  2. Giorgio Bavestrello, Christian Sommer & Michele Sarà: Bi-directional conversion in Turritopsis nutricula (Hydrozoa), in: Bouillon, J. et al. (Hrsg.): Aspects of Hydrozoan Biology, Scientia Marina, Vol. 56(2-3), 1992, S. 137-140, PDF
  3. Stefano Piraino, Ferdinando Boero, Brigitte Aeschbach & Volker Schmid: Reversing the Life Cycle: Medusae Transforming into Polyps and Cell Transdifferentiation in Turritopsis nutricula (Cnidaria, Hydrozoa), in: The Biological Bulletin, Vol. 190, 1996, S. 302–312, PDF
  4. Peter Schuchert: Revision of the European athecate hydroids and their medusae (Hydrozoa, Cnidaria): Families Oceanidae and Pachycordylidae. Rev. Suisse Zool., Vol. 111(2), 2004, S. 315-369. PDF
  5. Shin Kubota: Distinction of Two Morphotypes of Turritopsis nutricula Medusae (Cnidaria, Hydrozoa, Anthomedusae) in Japan, with Reference to their Different Abilities to Revert to the Hydroid Stage and their Distinct Geographical Distributions. Biogeography, Vol. 7, 2005, S. 41-50. PDF

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Turritopsis nutricula – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien