Twa (Volk)
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Die Twa oder Batwa sind eine kleinwüchsige Ethnie, die vor allem in Ruanda, daneben auch in den angrenzenden Distrikten Kabale, Kanungu, Kisoro und Rukungiri in Uganda und in in Burundi ansässig ist. Sie zählen zu den als „Pygmäen“ bezeichneten Volksgruppen. Die Bezeichnung für einen einzelnen Volksangehörigen lautet Omutwa oder Mutwa.
Sie sprechen die in Ruanda übliche Bantusprache Kinyarwanda. Ihre Zahl überschreitet wohl kaum 80.000 Menschen, kann aber auch bei nur 50.000 liegen, was rund 0.02 % der Bevölkerung ausmacht. Bei der Volkszählung durch die belgische Kolonialverwaltung im Jahre 1931 lag ihre Zahl bei etwa 15.000.
Die Twa sind nicht wie viele andere „Pygmäen“ überwiegend Tropenwaldbewohner, sondern übten traditionellerweise bestimmte Berufe aus, etwa als Diener oder Hofnarren am Königshof. Sie gelten als die älteste Bevölkerungsschicht Ruandas, welche vor den Hutu und Tutsi präsent war.
[Bearbeiten] Traditionelle Lebensweise
Traditionell waren die Batwa Jäger und Sammler, die in Siedlungen von etwa 10 Häusern wohnten, in welchen 20 bis 30 Menschen lebten. Die Bewohner waren eng verwandte Männer mit ihren Familien, den Eltern ihrer Frauen und Männern ihrer Schwestern. Die Hütten aus Sorghumhalmen, getrockneten Bananenblättern und Grashalmen wurden von den Frauen errichtet. Der Clanälteste war üblicherweise auch der Chef des Dorfes, und jeder Besucher des Dorfes stattete ihm einen Höflichkeitsbesuch ab. Der Wald war ihre Nahrungsquelle, ihr Gott, ihre Welt. Sie hatten umfassendes Wissen über sein Ökosystem, kannten viele Heilpflanzen und weitere nützliche Pflanzen. Batwa-Männer trugen einfache Tierhäute, um ihre intimen Stellen zu bedecken und um ihre Arme zu dekorieren. Ihre Frauen trugen Perlenketten, Arm- und Fußringe. Neben ihren Fertigkeiten im Bogenschießen waren sie als gute Tänzer und begabte Harfenspieler bekannt. An den Höfen Ruandas waren sie als Unterhalter und Soldaten geschätzt. Noch heute sind sie für ihre Flechtkörbe, Töpferwaren und Marijuana bekannt.
[Bearbeiten] Heutige Situation
Das traditionelle Leben der Batwa als Jäger und Sammler besteht heute kaum mehr. Der Siedlungsdruck durch umliegende größere Volksgruppen (z.B. Bakiga in Uganda oder Banyarwanda) reduzierte die Waldfläche, ihren natürlichen Lebensraum. Viele Batwa leben heute als Landarbeiter oder Kleinbauern mit meist wenig Land. Weiterhin sind sie von Diskriminierungen von Teilen der Mehrheitsbevölkerung betroffen.
In Uganda wurden zwei ihrer letzten Rückzugsgebiete von der Regierung zu Nationalparks erklärt, um die Berggorillas zu schützen. Obschon sowohl die Regierung als auch nichtstaatliche Organisationen sie beim Übergang zu einem sesshaften Lebensstil unterstützten (z. B. durch Landkäufe), ist ihre Situation schwierig. In der Region des Bunyonyi-Sees gab es heftige Kämpfe zwischen den Bakiga und den Batwa, in welchen die Überlegenheit von Pfeil und Bogen der Batwa über die Speere der Bakiga zum Ausdruck kam. Trotz dieser Kämpfe organisierte dabei Katuregye (ein Mitglied der Bakiga) am Anfang des 20. Jahrhunderts eine Batwa-Armee gegen die britischen Kolonisatoren.
In Ruanda wurden die Batwa in den 1970er Jahren aus den Virunga-Wäldern zwangsumgesiedelt, nachdem die Regierung auf Betreiben der Primatenforscherin Dian Fossey Jagd und Sammlerei verboten und Nationalparks eingerichtet hatte. Im Zuge der Bemühungen der ruandischen Regierung, nach dem Völkermord in Ruanda 1994 ethnische Unterteilungen der Bevölkerung aufzuheben und eine gemeinsame Identität aller Ruander zu propagieren, stehen auch die Batwa unter Druck, sich nicht länger als eigene Volksgruppe zu betrachten.

