Tyco International

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Tyco International Ltd.
Tyco-Logo.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft[1]
ISIN CH0100383485
Gründung 1960
Sitz Neuhausen am Rheinfall, Schweiz[1]
Leitung George R. Oliver
(CEO)
Edward D. Breen
(VR-Präsident)
Mitarbeiter 70'000 (27. September 2013)[2]
Umsatz 10,647 Mrd. US-Dollar (2013)[2]
Branche Brandschutz, Sicherheitstechnik
Website www.tyco.com

Die Tyco International Ltd. ist ein international tätiger Mischkonzern mit US-amerikanischen Wurzeln und Sitz in Schaffhausen in der Schweiz sowie bedeutenden Verwaltungszentren in Princeton (New Jersey). Die wichtigsten Geschäftszweige von Tyco schließen elektronische Komponenten, Medizintechnik, Brandschutz, Sicherheits- und Flüssigkeitsauslaufkontrollsysteme ein.

Tyco beschäftigt rund 113'000 Mitarbeiter und erzielte 2008 einen Umsatz von 20,199 Milliarden US-Dollar. Die Unternehmensgruppe ist in mehr als 60 Ländern tätig. Die Aktien der Tyco International Ltd. sind an der New York Stock Exchange kotiert und waren bis zum 16. März 2009 auch im Aktienindex S&P 500 vertreten, wurden später allerdings wieder aufgenommen.[3]

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Tyco wurde 1960 von Arthur J. Rosenburg gegründet.

1992 wurde Dennis Kozlowski CEO von Tyco, der eine aggressive Akquisitionsstrategie von über 1.000 Unternehmen zwischen 1991 und 2001 durchsetzte. Zu den Akquisitionen gehören Unternehmen wie ADT Security, Curad und Geschäftsbereiche von Siemens, Raytheon und AT&T.

Mit der Übernahme von ADT Security 1997 wechselte Tyco seinen Unternehmenssitz nach Pembroke, Bermuda. Obwohl dieser Wechsel des Unternehmenssitzes offiziell als Teil der Fusion dargestellt wurde (ADT war bereits auf den Bermudas angesiedelt), wurde der Wechsel als ein quasi legaler Schritt in ein Steuerparadies in der öffentlichen Debatte angesehen. Der Steuervorteil wurde den Aktionären und Investoren in den Veröffentlichungen angepriesen.

Kurz vor einem geplanten Aktiensplitt 1999 gab es Gerüchte über Bilanzierungsunregelmäßigkeiten. Die Gerüchte wurden durch die Geschäftsleitung von Tyco nachdrücklich dementiert, die die Quellen der Kursmanipulation im persönlichen Interesse bezichtigten. Teilweise als Antwort darauf kämpften einige Aktionäre auf der Hauptversammlung für einen Wechsel der Gesellschaftsform in eine Delaware-AG, aber dieses Verlangen wurde vom Vorstand abgelehnt.

Während dieser Zeit spaltete Tyco seine Tiefseekabelverlegungsabteilung ab, die sie von AT&T erworben und als Tyco Submarine Systems geführt hatte, und brachte sie erwartungsgemäß an die Börse.

Während der 1990er Jahre schienen Tycos Erträge sich kontinuierlich zu steigern, weshalb viele Investoren ihm den Status als Blue Chip einräumten. Im Nachhinein musste dies als Illusion angesehen werden, die durch die bilanzielle Behandlung der Akquisitionen hervorgerufen wurde. Anders als Unternehmen wie Enron, MCI Worldcom und HealthSouth, gegen die 2001 und 2002 Betrugsvorwürfe und andere Beschuldigungen erhoben wurden, geriet Tyco nie in eine Liquiditätskrise.

Am 13. Januar 2006 kündigte das Unternehmen an, sich in drei börsennotierte Unternehmen aufzuspalten: Tyco Healthcare, Tyco Electronics und Tyco Fire & Security. Der Spin-off erfolgte am 29. April 2007. Seitdem firmiert die Gesundheitssparte unter dem Namen Covidien, Tyco Electronics übernahm den Bereich Elektrogeräte und Hardware. Der alleinstehende Unternehmensname (Firma) Tyco wird fortan für die Feuerschutz- und Sicherheitstechniksparte verwandt. Tyco-Electronics kündigte im September 2008 an, bis Mitte 2009 die beiden in Frankreich bestehenden Werke zu schließen und die Produktion in die Standorte Wört (Deutschland) und Trutnov (Tschechien) zu verlagern.

2008 beschloss der Konzern, seinen Sitz von den Bermuda-Inseln in die Schweiz zu verlegen. Die Sitzverlegung nach Schaffhausen wurde am 17. März 2009 vollzogen. Damit verbunden war auch die Umwandlung der Tyco International Ltd. in eine Aktiengesellschaft nach Schweizer Recht.[4] In Neuhausen am Rheinfall wurde auch ein neues Bürogebäude für 75 Mitarbeiter errichtet.

Zum 1. Oktober 2012 erfolgte der Spin Off der Sparte ADT Security System.

Am 2. Mai 2014 gab Tyco bekannt, seinen Hauptsitz bis Ende des Jahres von der Schweiz nach Irland zu verlegen. Kürzliche Änderungen im Schweizer Recht bezüglich des regulatorischen Umfeldes haben das Unternehmen zu diesem Schritt bewogen.[5]

Anklagen[Bearbeiten]

Der frühere Vorstandsvorsitzende und CEO Dennis Kozlowski und der frühere Finanzchef Mark H. Swartz wurden des Diebstahls von 600 Millionen US-Dollar, der verbrecherischen Verschwörung zulasten des Unternehmens, Bilanzmanipulation und des Verstoßes gegen Börsenbestimmungen beschuldigt.

Während der Beratungen der Geschworenenjury schritt eine Geschworene durch den Gerichtssaal und machte mit ihren Fingern ein "okay"-Zeichen in Richtung auf den Verteidigertisch. Später stritt sie ab, diese Geste beabsichtigt zu haben, aber der Vorfall ereignete sich in aller Öffentlichkeit und die Geschworene erhielt nach der Veröffentlichung ihres Namens Drohungen. Richter Michael Obus erklärte am 2. April 2004 die Aussetzung des Verfahrens.

Nach der Wiederaufnahme des Verfahrens am 17. Juni 2005 wurden Kozlowski und Swartz mit Ausnahme von einem aller 30 Anklagepunkte für schuldig befunden. Das Urteil ermöglicht Freiheitsstrafen von bis zu 25 Jahren. Kozlowski selbst wurde zu einer Haftstrafe von nicht weniger als acht Jahren und vier Monaten und nicht mehr als 25 Jahren sowie einem Schadensersatz von US$ 134 Mio. verurteilt.

Tyco in Deutschland[Bearbeiten]

Tyco Electronics ist nach der Übernahme der Deutsche AMP GmbH, der Raychem GmbH und der Jordan GmbH & Co KG Arbeitgeber für 4900 Beschäftigte an den Produktionsstandorten Heidelberg, Langen, Bensheim, Ottobrunn, Berlin, Wört, Dinkelsbühl und Speyer, die zusammen nahezu € 2 Mrd. umsetzen. Seit 2007 ist Thomas J. Lynch, in Nachfolge von Dr. Jürgen W. Gromer, Präsident des Geschäftsbereichs Tyco Electronics mit 88.000 Beschäftigten weltweit, der US$ 12,2 Mrd. umsetzt.

Ferner gehört die TOTAL WALTHER GmbH, Feuerschutz und Sicherheit in Köln zum Tyco-Konzern. Teil des Konzerns ist ebenfalls das für den mobilen Brandschutz zuständige (Feuerlöscher-Löschwassertechnik-Service u.v.m) Unternehmen Total Feuerschutz GmbH, mit Sitz in Ladenburg.

Außerdem wurde 1996 die Sempell AG in Korschenbroich übernommen. Das 1874 gegründete Unternehmen fertigt Armaturen und Ventile für den Anlagenbau.

Weiterhin gehört die gesamte ADT-Gruppe in Deutschland zum Tyco-Konzern. Die wichtigsten ADT-Unternehmen in Deutschland sind:

  • ADT-Deutschland GmbH
  • ADT-Sensormatic GmbH
  • ADT-Service-Center GmbH[6]

Die Medizintechniksparte "Covidien" hat ihren Sitz in Neustadt an der Donau und beschäftigt dort ca. 700 Mitarbeiter die einen Umsatz von über 300 Millionen Euro erwirtschaften.

Unter der Rubrik Tyco Flow Controls ist auch die Division Tyco Thermal Controls angesiedelt. Tyco Thermal Controls - Spezialgebiet elektrische Beheizung, Mess + Regelungstechnik sowie Leckageüberwachung.

Produkte[Bearbeiten]

Zu den vielen von Tyco hergestellten Produkten gehören:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eintrag der Tyco International Ltd. im Handelsregister des Kantons Schaffhausen
  2. a b Annual Report 2013
  3. Standard & Poor's, Indexanpassungen des S&P 500
  4. Tyco International Ltd., SEC-Filing Form 10-Q, 3. Quartalsbericht 2009
  5. Stefan Eiselin: Milliardenkonzern Tyco kehrt Schweiz den Rücken. Handelszeitung, 3. Mai 2014, abgerufen am 20. Juni 2014.
  6. www.adt-deutschland.de, abgerufen am 15. April 2008