Tyler Hamilton

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Tyler Hamilton Straßenradsport
Tyler Hamilton
Tyler Hamilton
zur Person
Geburtsdatum 1. März 1971
Nation Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
zum Team
Aktuelles Team Karriereende
Disziplin Straße
Funktion Fahrer
Team(s)
1999–2001
2002–2003
2004–9/04
9/04–9/06
2007
2008
US Postal Service Pro Cycling Team
Team CSC
Phonak Cycling Team
Dopingsperre
Team Tinkoff Credit Systems
Rock Racing
Infobox zuletzt aktualisiert: 6. Januar 2013

Tyler Hamilton (* 1. März 1971 in Marblehead, Massachusetts) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Profi-Radrennfahrer.

Karriere[Bearbeiten]

Anfänge und Erfolge[Bearbeiten]

Tyler Hamilton machte sich einen Namen als Edelhelfer von Lance Armstrong bei der Tour de France. Von 1999 bis 2001 half er ihm bei dessen ersten drei Tour-Erfolgen. 2000 errang er mit dem Sieg bei der Dauphiné Libéré seinen bis dahin größten Erfolg.

2002 wechselte Hamilton für zwei Jahre zum dänischen Team CSC, das von dem ehemaligen Tour-Gewinner Bjarne Riis geleitet wird. Hier entwickelte er sich zu einem Klassement-Fahrer, der bei den großen Rundfahrten sehr erfolgreich war. So wurde er trotz eines angerissenen Schulterblatts Zweiter beim Giro d'Italia 2002. Im Jahr darauf gewann er zunächst die Tour de Romandie, um dann bei der Tour de France 2003 sein Meisterstück abzuliefern und für Aufsehen sorgte: Bei einem Massensturz auf der ersten Etappe zog sich Hamilton erneut einen Haarriss am Schlüsselbein zu und gewann trotzdem nicht nur die 16. Etappe, sondern wurde sogar Vierter im Gesamtklassement. Aufgrund dieser starken Leistung wurde die Verletzung zunächst angezweifelt.[1] Allerdings zeigte hierauf sein Teamchef Bjarne Riis Pressefotografen Röntgenbilder, welche die entsprechende Verletzung belegen sollten.[2]

2004 wechselte Hamilton zum Schweizer Team Phonak Cycling Team. Er galt als einer der Favoriten für die Tour de France 2004, nachdem er in der Vorbereitung erneut die Tour de Romandie gewonnen und die Dauphiné Libéré als Zweiter hinter Iban Mayo und vor Lance Armstrong abgeschlossen hatte. Da er während der ersten Etappen der Tour de France 2004 in einem Massensturz erneut Rückenblessuren erlitt,[3] musste er diese Rundfahrt frühzeitig aufgeben.

Doping und Karriereende[Bearbeiten]

Bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen errang Hamilton die Goldmedaille im Einzelzeitfahren. Nach diesem Sieg wurde er positiv auf Blutdoping mit Fremdblut getestet, jedoch konnte die B-Probe aufgrund fehlerhafter Lagerung nicht gegengeprüft werden. So durfte er seine Goldmedaille behalten. Die Klage des zweitplazierten Russen Wjatscheslaw Jekimow wurde Ende Juni 2006 aus formalen Gründen vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) abgewiesen. „Die Klage hätte nur durch das IOC oder den Weltverband UCI eingereicht werden dürfen, hieß es in der CAS-Begründung.“[4] Hamilton behielt zunächst seine Goldmedaille.

Einige Wochen später wurde Tyler Hamilton nach seinem Sieg bei der achten Etappe der Vuelta a España 2004 (Einzelzeitfahren) am 11. September erneut positiv auf Fremdblutdoping getestet. Er selbst stritt dies ab und äußerte Zweifel an der angewendeten neuen Testmethode.[5] Aufgrund des Dopingverdachts kündigte sein damaliges Team Phonak. Am 19. April 2005 wurde Hamilton aufgrund dieses Dopingbefundes von der United States Anti-Doping Agency (USADA) für 24 Monate gesperrt. Hamiltons Einspruch gegen diese Entscheidung vor dem Internationalen Sportgerichtshof wurde zurückgewiesen. Nach Ablauf der Dopingsperre wollte Hamilton wieder Radrennen fahren. Geplant war seine Teilnahme bei den Straßen-Weltmeisterschaften in Salzburg im September 2006, jedoch wurde er nicht vom US-amerikanischen Radsportverband nominiert.

Im August 2006 wurden Aufzeichnungen von ihm bei dem spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gefunden, die belegen, dass er bereits vor dem Olympiasieg Wachstumshormone, Testosteron, das Blutdopingmittel EPO und Insulin einnahm. Die Kopenhagener Zeitung „Politiken“ berichtete unter Berufung auf die spanischen Unterlagen, dass aus Hamiltons „Doping-Tagebuch“ hervorgehe, dass der US-Profi an 114 von etwa 200 Tagen der Saison 2003 gedopt hatte. In dem Zeitungsbericht hieß es, die in dem Tagebuch aufgeführten Doping-Aktivitäten seien so umfassend, dass ein ganzes Team von Helfern beteiligt gewesen sein müsse. Den Unterlagen soll auch eine Rechnung von Fuentes über 54.060 Dollar beiliegen, die Hamiltons Gattin Haven Parchinski für Doping-Präparate bezahlt haben soll.[4]

2007 unterschrieb Hamilton einen Vertrag beim Team Tinkoff Credit Systems, wurde aber Ende April 2007 wieder suspendiert. Von der Saison 2008 bis April 2009 fuhr er für das Team Rock Racing. Mitte Juli konnte er seinen ersten Erfolg für dieses Team feiern: er gewann eine Etappe der Tour of Qinghai Lake. Darüber hinaus konnte er auch die Gesamtwertung der Rundfahrt für sich entscheiden. Im August konnte er mit dem Sieg bei der US-amerikanischen Straßenmeisterschaft einen noch größeren Erfolg verbuchen. Im April 2009 wurde er erneut des Dopings überführt und für acht Jahre gesperrt. Daraufhin erklärte er seine aktive Karriere für beendet.[6]

Im Mai 2011 gestand er in einem amerikanischen TV-Interview langjähriges Doping. Dabei äußerte er auch schwere Doping-Anschuldigungen gegen Lance Armstrong. Armstrong habe bei der Tour de France 1999, 2000 und 2001 das Blutdopingmittel EPO verwendet. "Ich sah EPO in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er es sich gespritzt hat", erklärte Hamilton. Im Zuge seiner Beichte gab er auch seine 2004 im Olympischen Zeitfahren gewonnene Gold-Medaille zurück.[7] Die Beschuldigungen gegen Armstrong und sein Team wiederholte er in seinem Buch The Secret Race: Inside the Hidden World of the Tour de France: Doping, Cover-ups, and Winning at All Costs[8]. Hamilton war einer der Kronzeugen gegen Armstrong im Dopingverfahren der USADA.[9][10] Er belastete auch Bjarne Riis, der in den Jahren 2002 und 2003 sein Teammanager beim Team CSC war. Riis habe ihn mit dem mittlerweile durch den Dopingskandal Fuentes bekannt gewordenen spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes zusammengebracht und von dessen Dopingprogramm gewusst.[11]

Im August 2012 beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC), Tyler Hamilton den Olympiasieg im Zeitfahren von Athen 2004 offiziell abzuerkennen,[12] nachdem Hamilton als Kronzeuge in den Dopingermittlungen gegen Lance Armstrong selbst Doping gestand und gegenüber dem IOC erklärte, dass er seine Goldmedaille zurückgeben wolle.[13][14]

Erfolge[Bearbeiten]

1996

1999

2000

2002

2003

2004

2008

  • eine Etappe und Gesamtwertung Tour of Qinghai Lake
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US-amerikanischer Meister – Straßenrennen

Platzierungen bei den Grand Tours[Bearbeiten]

Grand Tour 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004
Pink jersey Giro - - - - - 2 - -
Yellow jersey Tour 69 51 13 25 95 15 4 DNF
red jersey Vuelta - - - - - - - WD

Legende:

  • DNF: did not finish, Fahrer hat eine Etappe nicht beendet
  • WD: withdrawal, Fahrer hat die Rundfahrt nach einer Etappe abgebrochen

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. radsportnews.com vom 24. Juli 2003: Statt Krankschreibung Etappensieg
  2. Lubbock Avalanche-Journal vom 18. Juli 2003: Time trial crucial for Armstrong
  3. spiegel.de vom 13. Juli 2004: Der König der Schmerzen
  4. a b Doping-Tagebuch von Radprofi Hamilton aufgetaucht gmx, 21. August 2006
  5. Kreative Erklärung für positiven Doping-Test: Chimärismus. Ärzte Zeitung, 1. Juli 2005
  6. velonews.com vom 17. April 2009: Tyler Hamilton retires following second positive doping test
  7. Radsport-Dopingfälle 2009 auf cycling4fans.de
  8. cyclingnews.com vom 31. August 2012: Hamilton says Armstrong gave him EPO before 1999 Tour de France
  9. spiegel.de vom 3. September 2009:"Er war ein Pionier des Dopings"
  10. focus.de vom 12.Oktober 2012: US-Anti-Doping-Agentur USADA veröffentlicht alle Beweise
  11. radsportews.com vom 5. November 2012: Hamilton: "Riis hat mich mit Fuentes zusammengebracht"
  12. IOC: Hamilton wird Olympia-Sieg von 2004 aberkannt auf rad-net.de vom 9. August 2012
  13. Hamilton expected to officially lose 2004 Olympic title tomorrow auf velonation.com vom 9. August 2012
  14. Hamilton requested removal of Olympic title auf cyclingnews.com vom 10. August 2012