Tympanoplastik

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a) Trommelfell (rot); b) Hammer; c) Amboss; d) Steigbügel; e) Mittelohr

Die Tympanoplastik (gr. tympanon „Pauke“; Paukenhöhle des Ohrs; Plastik: chirurgische Wiederherstellung) ist eine Operation des Ohres, bei der Trommelfell (Membrana tympani, Myrinx) und Gehörknöchelchenkette wiederhergestellt werden.

Erforderlich wird die Tympanoplastik bei einer bleibenden Trommelfellperforation oder bei Defekten der Gehörknöchelchenkette vor allem durch Verletzung, Entzündung oder Cholesteatom.

Bei der Operation wird zur Rekonstruktion des Trommelfelles meistens körpereigenes Gewebe benutzt, meist Muskelhaut (Faszie) des Musculus temporalis oder Knorpelhaut (Perichondrium) vom Tragus oder der Ohrmuschel. Zum Ersatz der Gehörknöchelchen werden vorhandene Reste der Gehörknöchelchen des Patienten oder Prothesen aus verschiedenen Materialien wie Keramik oder Titan verwendet.

Perforiertes Trommelfell, Membrana tympani. Man sieht unter 1) eine Tympanosklerose 2) den Hammerstiel, Manubrium mallei 3) den Steigbügelkopf, Stapes

Geschichte der Tympanoplastik[Bearbeiten]

Mit Joseph Toynbee (1815–1866) begann die wissenschaftlich begründete Otologie, indem er durch seine Untersuchungen über die pathologische Anatomie des Ohres eine solide Basis schuf.[1] Emil Berthold (1837–1906) versuchte erstmals operativ einen Trommelfelldefekt zu decken. Er nannte das Verfahren Myringoplastik.[2][3]Berthold verwendete ein aus dem Oberarm explantiertes Gewebestück Haut, dass er nach entsprechender Vorbehandlung mit der Wundfläche gleichmäßig auf den Trommelfellrand andrückte, so dass die Perforationsstelle gleichmäßig bedeckt wurde. Der äußere Gehörgang wurde dann behutsam mit Baumwollwatte ausgefüllt ohne das Transplantat dabei zu verschieben. Später benutzte Berhold, nach Versuchen mit unterschiedlichen Materialien, die äußere Eihaut (äußere Schalenhaut) von einem Hühnerei dabei waren die Ergebnisse von großer Schwankungsbreite. Rudolf Haug, ein Münchner Assistenzarzt, fand heraus, dass es entscheidend war, welche Seite der Eihaut auf den Trommelfelldefekt platziert wurde.[4][5]

Es existieren einige etwas abweichende Einteilungen der Tympanoplastik nach dem Ausmaß der Rekonstruktion, die ursprünglich auf Horst Ludwig Wullstein zurückgehen. Nach einer gängigen Einteilung wird unterschieden:[6]

Trommelfellperforation vor und nach Tympanoplastik
  • Myringoplastik: Alleinige Wiederherstellung des Trommelfelles.
  • Typ I: Wiederherstellung des Trommelfelles und sanierende Maßnahmen im Mittelohr bei intakter Gehörknöchelchenkette.
  • Typ II: Wiederherstellung der Gehörknöchelchenkette (und gegebenenfalls des Trommelfelles) bei intaktem Steigbügel (Stapes) .
  • Typ III: Wiederherstellung der Gehörknöchelchenkette (und gegebenenfalls des Trommelfelles) bei defektem Steigbügel (Stapes).
  • Typ IV: Abdeckung des runden Fensters zum Schallschutz (Schallprotektion).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Theissing, Jürgen Theissing, Gerhard Rettinger, Jochen A. Werner: HNO-Operationslehre: mit allen wichtigen Eingriffen. 4. Auflage. Thieme, Stuttgart u. a. 2006, ISBN 3-13-463704-9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  •  Rudolf Haug: Ueber die Organisationsfahigkeit der Schalenhaut des Huhnereies und ihre Verwendung bei Transplantationen: eine experimentelle chirurgisch-histologische Studie.. Rieger, München 1889.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Esther Schimanski: Geschichte der Tympanoplastik. 2004 (Dissertation, Ruhr-Universität Bochum, online).
  2.  Emil Berthold: Über Myringoplastik. In: Med.-Chir. Centralbl.. 14, 1879, S. 195-207.
  3.  Vincent Van Rompaey, Matthew R. B. Farr, Evert Hamans, Albert Mudry, Paul H. Van de Heyning: Allograft Tympanoplasty: A Historical Perspective. In: Otology & Neurotology. 34, 2013, S. 180–188, doi:10.1097/MAO.0b013e31826bf16d, PMID 23032665.
  4. Monatsschrift fuer Ohrenheilkunde, Volume 24, Expedition der Allgem. Medicinischen Central-Leitung, 1890, S. 217
  5. Wolf Lübbers: Hörverbesserung auf Zeit. Das künstliche Trommelfell. HNO-NACHRICHTEN 2, 2011
  6.  Mirko Tos: Manual of Middle Ear Surgery. Band 1, Thieme, Stuttgart 1993, ISBN 3-13-112701-5.
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