U-Bahnhof Bayerischer Platz

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Südlicher Eingangspavillon (1970–2013)

Der U-Bahnhof Bayerischer Platz ist ein U-Bahnhof der Linien U4 und U7 der U-Bahn im Berliner Ortsteil Schöneberg. Der unter dem gleichnamigen Platz im Bayerischen Viertel gelegene Bahnhof ging wie die anderen Bahnhöfe der Schöneberger U-Bahn – der heutigen U4 – am 1. Dezember 1910 in Betrieb; seit 1970 kreuzt hier die U7. Beide U-Bahn-Haltepunkte sind als unterirdische Mittelbahnsteige angelegt. Die erhaltenen Bauwerke der Schöneberger Untergrundbahn stehen unter Denkmalschutz.

Historie und Bauwerk[Bearbeiten]

Der Bahnhof entstand im Rahmen des Baus der Schöneberger Untergrundbahn zwischen Nollendorfplatz und Innsbrucker Platz (heute: Linie U4), die das westliche Schöneberg an den damals Neuen Westen Berlins anschließen und das Bayerische Viertel erschließen sollte. Der Bahnhof wurde in den Jahren 1909/1910 erbaut und von Johannes Kraaz gestaltet.

Kraaz konzipierte den südlichen Zugang als Pergola, die in die Schmuckanlage des von Fritz Encke gestalteten Bayerischen Platzes integriert war. Weil der U-Bahnhof Bayerischer Platz als einziger der Schöneberger U-Bahnhöfe bereits von Anfang an mit 95 Meter langen Bahnsteigen erbaut wurde, erhielt der Bahnhof einen zweiten, ebenfalls pergolaartig gestalteten nördlichen Zugang, dessen Steinpfeiler und schmiedeeiserne Gitter in modifizierter Form noch heute erhalten sind. Der südliche Zugang hingegen musste 1956/1957 der Grunewaldstraße weichen, die nun über den Platz geführt wurde. Nach Plänen Rainer G. Rümmlers wurde 1968–1970, als auch die Linie U7 entstand, ein neuer Eingangsbau errichtet. Dieser wurde im Juli 2013 abgerissen.

Die nördliche Vorhalle ist noch weitgehend in originaler Architektur erhalten. Die Wände sind blau gefliest, die Treppenaufgänge sind mit Muschelkalk verblendet. Die Bahnsteigwände der heutigen U4 sind weiß-blau gefliest, unterbrochen durch Werbeschilder. Die Originalkeramik hat sich auch hier weitgehend erhalten. Vom ursprünglichen Bauwerk sind außerdem zwei Bahnsteighäuschen, eines davon mit bauzeitlichen Fliesen, erhalten geblieben.

Bei einem Luftangriff am 3. Februar 1945 schlugen mehrere Bomben in den Bahnhof ein. Zu dem Zeitpunkt standen dort zwei Züge. 63 Menschen kamen bei dem Vorfall ums Leben.[1]

Der Bahnhof der heutigen Linie U7 wurde zwischen 1968 und 1970 von Rainer G. Rümmler erbaut und am 29. Januar 1971 eröffnet. Mit dieser Linie erhielten die Bewohner Neuköllns den U-Bahnanschluss an das West-Berliner Zentrum. Bereits 1909/1910 waren bauliche Vorkehrungen für eine solche Streckenkreuzung getroffen worden: Der U4-Bahnhof war 1910 als Brücke konzipiert worden, unter der die Strecke der Linie U7 rund 60 Jahre später hindurchgeführt werden konnte. Auch der U7-Bahnhof greift die bayerischen Farben auf – die Wände sind mit blauen Eternit-Platten verkleidet, die Stützen sind weiß verfliest. Die Gestaltung ähnelt damit den ebenfalls von Rümmler gestalteten U-Bahnhöfen Eisenacher Straße und Walther-Schreiber-Platz (Linie U9).

Ein im Frühjahr 2013 fertiggestelltes Wandfries zeigt die Geschichte des Bayerischen Viertels vor und nach dem Zweiten Weltkrieg.[2]

Umbau/Sanierung 2013[Bearbeiten]

Abriss des südlichen Eingangsgebäudes, Juli 2013

Die Berliner Verkehrsbetriebe nahmen im Jahr 2013 eine Grundinstandsetzung des Eingangsgebäudes vor.[3] Ende Mai 2013 begann dessen Abriss. Beim Wiederaufbau des Zugangsgebäudes wird auf dessen Dach ein Pavillon mit einem Café und einer begrünten Terrasse errichtet. Eine Dauerausstellung zum jüdischen Leben am Bayerischen Platz wird in das Café integriert. Insgesamt sollen rund 2,2 Millionen Euro investiert werden.[2]

Darüber hinaus wird der Bahnhof mit zwei zusätzlichen Aufzügen barrierefrei ausgestattet.[4]

Anbindung[Bearbeiten]

Der U-Bahnhof wird von den Linien U4 und U7 bedient. Eine Umsteigemöglichkeit zu anderen Linien des Berliner Nahverkehrs ist nur in den Nachtstunden mit dem Nachtbus N7 gegeben. Dieser fährt dann als Ersatz für die U7.

Linie Verlauf
Berlin U4.svg Nollendorfplatz – Viktoria-Luise-Platz – Bayerischer Platz – Rathaus Schöneberg – Innsbrucker Platz
Berlin U7.svg Rathaus Spandau – Altstadt Spandau – Zitadelle – Haselhorst – Paulsternstraße – Rohrdamm – Siemensdamm – Halemweg – Jakob-Kaiser-Platz – Jungfernheide – Mierendorffplatz – Richard-Wagner-Platz – Bismarckstraße – Wilmersdorfer Straße – Adenauerplatz – Konstanzer Straße – Fehrbelliner Platz – Blissestraße – Berliner Straße – Bayerischer Platz – Eisenacher Straße – Kleistpark – Yorckstraße – Möckernbrücke – Mehringdamm – Gneisenaustraße – Südstern – Hermannplatz – Rathaus Neukölln – Karl-Marx-Straße – Neukölln – Grenzallee – Blaschkoallee – Parchimer Allee – Britz-Süd – Johannisthaler Chaussee – Lipschitzallee – Wutzkyallee – Zwickauer Damm – Rudow

Literatur[Bearbeiten]

  • Sabine Bohle-Heintzenberg: Architektur der Berliner Hoch- und Untergrundbahn, Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1980, ISBN 3-922912-00-1, S. 106–107.
  •  Biagia Bongiorno: Verkehrsdenkmale in Berlin. Die Bahnhöfe der Berliner Hoch- und Untergrundbahn. Michael Imhof Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-86568-292-5, S. 128.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: U-Bahnhof Bayerischer Platz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die U-Bahn im 2. Weltkrieg. Bei berliner-untergrundbahn.de
  2. a b  Bahnhof und Begegnungsstätte. In: plus – Das Kundenmagazin. Nr. 10, 2013, S. 5 (online, PDF, abgerufen am 15. Oktober 2013).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBVG-Aufsichtsrat lobt sehr gutes operatives Ergebnis. Berliner Verkehrsbetriebe, 24. April 2013, abgerufen am 25. April 2013.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDrucksache 17/11609. Abgeordnetenhaus Berlin, 7. März 2013, abgerufen am 12. April 2013 (PDF; 195 kB).

52.48842813.34031Koordinaten: 52° 29′ 18″ N, 13° 20′ 25″ O