U-Bahnhof Gleisdreieck
Der U-Bahnhof Gleisdreieck ist ein oberirdischer U-Bahnhof im Berliner Ortsteil Kreuzberg des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, an dem sich die U1 und die U2 in zwei Ebenen kreuzen.
Das Gleisdreieck wurde 1912/1913 in Hochlage zwischen den Gleisfächern der Anhalter, Dresdner, Stamm- und Wannseebahn errichtet. Westlich befindet sich das große brachliegende Areal des ehemaligen Potsdamer Güterbahnhofs, das vom Fernbahntunnel unterquert wird. Beide Bahnsteige sind mit einem Aufzug verbunden, ein weiterer Aufzug führt vom Bahnsteig der U2 zur Straße, weshalb der Bahnhof barrierefrei ist.
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Geschichte[Bearbeiten]
Heute hat der Name Gleisdreieck nichts mehr mit der namensgebenden Form und Funktion zu tun. Bis 1912 verkehrten die abzweigenden Züge hier tatsächlich in einem Gleisdreieck. Schon 1907 gab es Pläne, einen Kreuzungsbahnhof an dieser Stelle zu bauen. Sie wurden aber zunächst nicht verwirklicht.
Am 26. September 1908 kam es hier zu einer Flankenfahrt nach der Vorbeifahrt an einem "Halt" gebietenden Signal. Der erste Wagen des angefahrenen Zuges stürzte vom Viadukt. Von den 36 Reisenden in dem Wagen starben 16 sofort und von den 20 schwer Verletzten später noch weitere zwei.[2] Nach einem weiteren ähnlichen – jedoch weniger folgenschweren – Unglück am 17. Mai 1911 wurde ab Sommer 1912 die Gleisverzweigung aufgehoben und ein neuer Bahnhof geplant, auf dem die Züge sich übereinander kreuzten. Die Entwürfe stammten von Sepp Kaiser.
Der zunächst erbaute untere Bahnsteig ist 103 Meter lang und liegt 10 Meter über der Straße. Er war breit angelegt, sodass der vorläufig notwendige Umsteigeverkehr bewältigt werden konnte. Die heutige Form als Turmbahnhof mit den zwei Strecken in einer Spange zum Nollendorfplatz existiert seit der Inbetriebnahme der Entlastungsstrecke im Jahr 1926, die heute von der Linie U1 befahren wird. Der obere Bahnsteig ist 110 Meter lang, die Halle 81 Meter. Er liegt 15 Meter über der Straße.
Am Gleisdreieck endete nach dem Mauerbau 1961 die Linie A (ab 1966 Linie 2), für die bereits Anfang der 1950er Jahre Wendeanlagen befestigt wurden. Da dieser Betrieb ohne Weiterfahrt in den Bezirk Mitte nicht mehr wirtschaftlich war, endeten die Züge ab 1. Januar 1972 am Wittenbergplatz (ab 1984: U2). Die Linie B bediente jedoch weiterhin die Station Gleisdreieck (ab 1966: Linie 1, ab 1984: U1) und hielt am oberen Bahnsteig, zu dem die Fahrgäste über den Durchgang des ruhenden unteren Bahnsteigs kamen.
Zwischen 1984 und 1991 war der untere Bahnsteig ein Endbahnhof der Magnetbahn M-Bahn, die von hier zum Bahnhof Kemperplatz verkehrte. Nach dem Mauerfall wurde die M-Bahn zugunsten der Wiederinbetriebnahme der U-Bahn abgebaut. Deren Wiederaufbau nahm zwei Jahre in Anspruch, sodass die U-Bahnlinie U2 am 13. November 1993 wieder durchgehend von Ruhleben über Gleisdreieck nach Vinetastraße verkehren konnte.
Um den in die Jahre gekommenen Bahnhof zu erneuern, begannen die Berliner Verkehrsbetriebe im Jahr 2009 mit einer umfassenden Sanierung der Gleise, der Bahnsteige und der Zugänge sowie der Dachflächen des Bahnhofsgebäudes. Insgesamt sollen sich die Kosten auf rund zwölf Millionen Euro belaufen, im September 2012 sollte die Sanierung abgeschlossen sein.[3][4][5] Im Rahmen dieser Bauarbeiten erhält der Bahnhof bis 2013 mehrere Aufzüge, sodass auch eine Benutzung des Bahnhofs durch mobilitätseingeschränkte Personen möglich sein wird. Der erste Aufzug ging am 30. September 2010 in Betrieb,[6] der zweite folgte am 19. April 2012, sodass die Station nun barrierefrei zugänglich ist.
Mit dem Bau der S-Bahn-Strecke S21 ist zukünftig eine Umsteigemöglichkeit zur S-Bahn geplant. Der S-Bahnhof soll parallel zum Bahnsteig der U2 angeordnet werden.
Park[Bearbeiten]
Unter dem Begriff Gleisdreieck wird mittlerweile auch ein 60 Hektar großes Berliner Projektentwicklungsgebiet auf den ehemaligen Güterbahnhöfen des Potsdamer und Anhalter Bahnhofs verstanden. Auf Teilflächen entsteht hier der Park am Gleisdreieck.
Film und Fernsehen[Bearbeiten]
- Im Umfeld des Hochbahnhofs spielt der deutsche FDF-Spielfilm Gleisdreieck (1936/1937).[7]
- In der ARD-Fernsehserie Praxis Bülowbogen gab es einen Obdachlosen, der „Gleisdreieck“ genannt wurde (gespielt von Klaus Schwarzkopf). Dieser Spitzname bezog sich auf den Lieblingsaufenthaltsort des Obdachlosen, das Gelände des Berliner Gleisdreiecks.
Anbindung[Bearbeiten]
Der U-Bahnhof wird ausschließlich von den Linien U1 und U2 bedient; eine Umsteigemöglichkeit zu anderen Linien des Berliner Nahverkehrs besteht nicht.
| Linie | Verlauf |
|---|---|
| Uhlandstraße – Kurfürstendamm – Wittenbergplatz – Nollendorfplatz – Kurfürstenstraße – Gleisdreieck – Möckernbrücke – Hallesches Tor – Prinzenstraße – Kottbusser Tor – Görlitzer Bahnhof – Schlesisches Tor – Warschauer Straße | |
| Pankow – Vinetastraße – Schönhauser Allee – Eberswalder Straße – Senefelderplatz – Rosa-Luxemburg-Platz – Alexanderplatz – Klosterstraße – Märkisches Museum – Spittelmarkt – Hausvogteiplatz – Stadtmitte – Mohrenstraße – Potsdamer Platz – Mendelssohn-Bartholdy-Park – Gleisdreieck – Bülowstraße – Nollendorfplatz – Wittenbergplatz – Zoologischer Garten – Ernst-Reuter-Platz – Deutsche Oper – Bismarckstraße – Sophie-Charlotte-Platz – Kaiserdamm – Theodor-Heuss-Platz – Neu-Westend – Olympia-Stadion – Ruhleben |
Literatur[Bearbeiten]
- Axel Mauruszat: 100 Jahre Hochbahnhof Gleisdreieck. GVE-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-89218-333-4.
Weblinks[Bearbeiten]
- Eintrag in der Landesdenkmalliste
- Umgebungsplan der BVG; pdf-Datei (76 KB)
- Das Gleisdreieck auf www.Berliner-Verkehrsseiten.de
- Beschreibung der Bahnhöfe der Entlastungsstrecke, inkl. des U-Bahnhofs Gleisdreieck
- Beschreibung des Flankenfahrt-Unglücks 1908 mit Augenzeugenberichten
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Weiteres Foto: Ludwig Ritter von Stockert: Eisenbahnunfälle. Ein Beitrag zur Eisenbahnbetriebslehre., Bd. 2. Leipzig 1913, Abb. 48.
- ↑ Ludwig Ritter von Stockert: Eisenbahnunfälle. Ein Beitrag zur Eisenbahnbetriebslehre., Bd. 1. Leipzig 1913, S. 196, Nr. 74.
- ↑ Sanierungsarbeiten am U-Bahnhof Gleisdreieck (U1) und den angrenzenden Viadukten, Pressemitteilung der Berliner Verkehrsbetriebe, 16. Juli 2010
- ↑ Ab morgen fährt die U1 wieder zwischen U Möckernbrücke und U Wittenbergplatz, Pressemitteilung der Berliner Verkehrsbetriebe, 7. Juni 2012
- ↑ Zwischenbilanz ‚Sommerbaustellen BVG‘, Pressemitteilung der Berliner Verkehrsbetriebe, 28. Juli 2010
- ↑ Aktuelle Prioritätenliste des Aufzugsprogramms des Berliner Senats 2011–2016 (PDF; 89 kB), Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, 9. Juni 2009
- ↑ www.deutscher-tonfilm.de: Gleisdreieck (1936/1937)
52.49949113.374125Koordinaten: 52° 29′ 58,2″ N, 13° 22′ 26,9″ O