U-Bahnhof Gleisdreieck

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Bahnhof Gleisdreieck: oben U1, rechts Halle der U2, links stillgelegter Viadukt der S-Bahn, im Hintergrund Viadukt Richtung Pankow, 1986

Der U-Bahnhof Gleisdreieck ist ein oberirdischer U-Bahnhof im Berliner Ortsteil Kreuzberg des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, an dem sich die Linien U1 und U2 in zwei Ebenen kreuzen.

Anlage[Bearbeiten]

Der U-Bahnhof Gleisdreieck ist ein Turmbahnhof. Der untere Bahnsteig der Linie U2 ist 103 Meter lang und liegt zehn Meter über der Straße. Der obere Bahnsteig der Linie U1 ist 110 Meter lang und wird teilweise von einer 81 Meter langen Halle überdacht. Er liegt 15 Meter über der Straße. Beide Bahnsteige sind mit einem Aufzug verbunden, ein weiterer Aufzug führt vom Bahnsteig der U2 zur Straße, weshalb der Bahnhof barrierefrei ist.

Westlich befindet sich das mittlerweile zum Park am Gleisdreieck umgestaltete Areal des ehemaligen Potsdamer Bahnhofs, das vom Fernbahntunnel unterquert wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprüngliche Gleisführung am Gleisdreieck in Richtung Warschauer Straße (links), Potsdamer Platz (vorn) und Bahnhof Zoo (hinten) mit Wagenhalle in der Mitte (1901)

Heute hat der Name Gleisdreieck nichts mehr mit der namensgebenden Form und Funktion zu tun. Bis 1912 verkehrten die abzweigenden Züge hier tatsächlich in einem Gleisdreieck. Schon 1907 gab es Pläne, einen Kreuzungsbahnhof an dieser Stelle zu bauen. Sie wurden aber zunächst nicht verwirklicht.

Unfälle: Anlass für den Bau[Bearbeiten]

Unfall am Gleisdreieck am 26. September 1908[1]

Am 26. September 1908 fuhren zwei Züge gegenläufig – einer vom Leipziger Platz, der andere von der Bülowstraße kommend – auf das Gleisdreieck zu. Beide bogen am Gleisdreieck gleichzeitig in Richtung Möckernbrücke ab, wobei der vom Leipziger Platz kommende Zug das auf „Halt“ stehende Signal überfuhr.

Es kam zu einer Flankenfahrt. Der erste Wagen des angefahrenen Zuges stürzte aus acht Metern Höhe auf den darunterliegenden Platz.[2] 17 Menschen starben, 18 wurden schwer verletzt.[3][Anm. 1] Der Triebfahrzeugführer, der das Signal missachtet hatte, wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt.[3]

Nach einem weiteren – ähnlichen, jedoch weniger folgenschweren – Unfall am 17. Mai 1911 wurde ab Sommer 1912 die Gleisverzweigung aufgehoben und ein neuer Bahnhof geplant, in dem die Züge übereinander kreuzten. Die Entwürfe stammten von Sepp Kaiser.

Bau[Bearbeiten]

Das Gleisdreieck vor und nach dem Umbau

Der Bahnhof Gleisdreieck wurde 1912/1913 in Hochlage zwischen den Gleisfächern der Anhalter, Dresdner, Stamm- und Wannseebahn errichtet.

Der zunächst erbaute untere Bahnsteig ist breit angelegt, sodass der vorläufig notwendige Umsteigeverkehr bewältigt werden konnte. Die heutige Form als Turmbahnhof mit den zwei Strecken in einer Spange zum Nollendorfplatz und dem oberen Bahnsteig existiert seit der Inbetriebnahme der Entlastungsstrecke im Jahr 1926, die heute von der Linie U1 befahren wird.

In der geteilten Stadt[Bearbeiten]

Verbindungsgleis zwischen beiden Strecken (1988, inzwischen überbaut), im Hintergrund der Betriebsbahnhof Gleisdreieck der M-Bahn

Am Gleisdreieck endete nach dem Mauerbau am 13. August 1961 die Linie A (ab 1966: Linie 2), für die bereits Anfang der 1950er Jahre Wendeanlagen befestigt wurden. Da dieser Betrieb ohne Weiterfahrt in den Bezirk Mitte nicht mehr wirtschaftlich war, endeten die Züge ab 1. Januar 1972 am Wittenbergplatz (ab 1984: U2). Die Linie B bediente jedoch weiterhin die Station Gleisdreieck (ab 1966: Linie 1, ab 1984: U1) und hielt am oberen Bahnsteig, zu dem die Fahrgäste über den Durchgang des ruhenden unteren Bahnsteigs kamen.

Von 1977 bis 1979 wurde am Gleisdreieck das Zugbeeinflussungssystem SelTrac erprobt. Zwischen 1984 und 1991 war der untere Bahnsteig ein Endbahnhof der Magnetbahn M-Bahn, die von hier zum Bahnhof Kemperplatz verkehrte. Nach dem Mauerfall wurde die M-Bahn zugunsten der Wiederinbetriebnahme der U-Bahn abgebaut. Deren Wiederaufbau nahm zwei Jahre in Anspruch, sodass die U-Bahnlinie U2 am 13. November 1993 wieder durchgehend von Ruhleben über Gleisdreieck nach Vinetastraße verkehren konnte.

Nach der Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Oberer Bahnsteig der U1 (2008)
Unterer Bahnsteig – hier hält die U2 seit 1993 wieder

Um den in die Jahre gekommenen Bahnhof zu erneuern, begannen die Berliner Verkehrsbetriebe im Jahr 2009 mit einer umfassenden Sanierung der Gleise, der Bahnsteige und der Zugänge sowie der Dachflächen des Bahnhofsgebäudes. Insgesamt sollen sich die Kosten auf rund zwölf Millionen Euro belaufen, im September 2012 sollte die Sanierung abgeschlossen sein.[4][5][6] Im Rahmen dieser Bauarbeiten erhält der Bahnhof bis 2013 mehrere Aufzüge, sodass eine Benutzung des Bahnhofs barrierefrei möglich ist. Der erste Aufzug ging am 30. September 2010 in Betrieb,[7] der zweite folgte am 19. April 2012.

Mit dem Bau der S-Bahn-Strecke S21 ist zukünftig eine Umsteigemöglichkeit zur S-Bahn geplant. Der S-Bahnhof soll parallel zum Bahnsteig der U2 angeordnet werden.

Park[Bearbeiten]

Unter dem Begriff Gleisdreieck wird mittlerweile auch ein 60 Hektar großes Berliner Projektentwicklungsgebiet auf den ehemaligen Güterbahnhöfen des Potsdamer und Anhalter Bahnhofs verstanden. Auf Teilflächen entstand hier zwischen 2011 und 2014 der Park am Gleisdreieck.

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Anbindung[Bearbeiten]

Der U-Bahnhof wird ausschließlich von den Linien U1 und U2 bedient; eine Umsteigemöglichkeit zu anderen Linien des Berliner Nahverkehrs besteht nicht.

Linie Verlauf
Berlin U1.svg Uhlandstraße – Kurfürstendamm – Wittenbergplatz – Nollendorfplatz – Kurfürstenstraße – Gleisdreieck – Möckernbrücke – Hallesches Tor – Prinzenstraße – Kottbusser Tor – Görlitzer Bahnhof – Schlesisches Tor – Warschauer Straße
Berlin U2.svg Pankow – Vinetastraße – Schönhauser Allee – Eberswalder Straße – Senefelderplatz – Rosa-Luxemburg-Platz – Alexanderplatz – Klosterstraße – Märkisches Museum – Spittelmarkt – Hausvogteiplatz – Stadtmitte – Mohrenstraße – Potsdamer Platz – Mendelssohn-Bartholdy-Park – Gleisdreieck – Bülowstraße – Nollendorfplatz – Wittenbergplatz – Zoologischer Garten – Ernst-Reuter-Platz – Deutsche Oper – Bismarckstraße – Sophie-Charlotte-Platz – Kaiserdamm – Theodor-Heuss-Platz – Neu-Westend – Olympia-Stadion – Ruhleben

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: U-Bahnhof Gleisdreieck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Ludwig Ritter von Stockert: Eisenbahnunfälle. Ein Beitrag zur Eisenbahnbetriebslehre., Bd. 1. Leipzig 1913, S. 196, Nr. 74, nennt 17 Tote und 18 Verletzte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Weiteres Foto: Ludwig Ritter von Stockert: Eisenbahnunfälle. Ein Beitrag zur Eisenbahnbetriebslehre., Bd. 2. Leipzig 1913, Abb. 48.
  2. Digitalisierte Ausgabe der Rhön-Zeitung (Vacha) vom 28. September 1908 (bitte vorwärtsblättern auf →1015)
  3. a b Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd.1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 99.
  4. Sanierungsarbeiten am U-Bahnhof Gleisdreieck (U1) und den angrenzenden Viadukten, Pressemitteilung der Berliner Verkehrsbetriebe, 16. Juli 2010
  5. Ab morgen fährt die U1 wieder zwischen U Möckernbrücke und U Wittenbergplatz, Pressemitteilung der Berliner Verkehrsbetriebe, 7. Juni 2012
  6. Zwischenbilanz ‚Sommerbaustellen BVG‘, Pressemitteilung der Berliner Verkehrsbetriebe, 28. Juli 2010
  7. Aktuelle Prioritätenliste des Aufzugsprogramms des Berliner Senats 2011–2016 (PDF; 89 kB), Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, 9. Juni 2009
  8. www.deutscher-tonfilm.de: Gleisdreieck (1936/1937)
  9. Dokureihe ZDF-History: Go East – Weststars in der DDR (gesendet bei ZDFinfo am 30. Mai 2014).

52.49949113.374125Koordinaten: 52° 29′ 58,2″ N, 13° 22′ 26,9″ O