Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen

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Hauptquartier des UNHCR in Genf (Schweiz) (Garage des Nations)

Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (bzw. Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge; englisch United Nations High Commissioner for Refugees, UNHCR) ist ein persönliches Amt und eine Behörde der Vereinten Nationen (UN). Das Hochkommissariat ist mit dem Schutz von Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen fast weltweit beauftragt und ist auch im Bereich der humanitären Hilfe tätig.

Das Flüchtlingskommissariat ist als Spezialorgan der Vereinten Nationen der Generalversammlung rechenschaftspflichtig. Es wurde am 14. Dezember 1950 von der Generalversammlung gegründet[1] und nahm am 1. Januar 1951 seine Arbeit auf.

Die Behörde ist Nachfolgeorganisation des vom Friedensnobelpreisträger und Polarforscher Fridtjof Nansen nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten (und von ihm bis 1927 geleiteten) Flüchtlingskommissariats des Völkerbundes. Nach seinem Tod wurde das Office international Nansen pour les réfugiés errichtet.

Das Hauptquartier des UNHCR liegt in Genf. Im Jahr 2010 beschäftigte UNHCR rund 6.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 126 Ländern, wobei über 80 Prozent der Mitarbeiter außerhalb der Genfer Zentrale tätig waren. Die deutsche Abteilung mit Sitz in Berlin existiert seit den 1950er Jahren, ebenso ein Büro in Wien. Das Flüchtlingshilfswerk schützt und unterstützt Flüchtlinge und ist dazu durch Artikel 2 und 35 der Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (1951) bzw. ihres Protokolls (1967) mandatiert.[2] Voraussetzung dafür ist, dass der jeweilige Aufnahmestaat diese Rechtsinstrumente unterzeichnet hat. Auf Anfrage einer Regierung oder der UN-Generalversammlung setzt sich das UNHCR auch für den Schutz für Binnenflüchtlinge in zahlreichen Ländern ein. Das Hochkommissariat hilft Flüchtlingen und Vertriebenen auch bei der freiwilligen Rückkehr, der Integration oder ihrer Umsiedlung.

Neben dem rechtlichen Schutz ist zunehmend auch die humanitäre Hilfe für Flüchtlinge vertreten, welche das UNHCR vor allem in Ländern Asiens und Afrikas leistet. Nach dem Flüchtlingsdrama auf der Cap Anamur im Juli 2004 vor der italienischen Küste hat das UNHCR die Europäische Union zur Weiterentwicklung ihres Flüchtlingsrechts aufgefordert. Es müsse ein gemeinsamer europäischer Asylantrag entwickelt werden. Im Jahr 2006 hat sich das UNHCR unter anderem um die im Laufe der Libanon-Krise Vertriebenen gekümmert. Daneben gehörten Tschad/Darfur, Südsudan, Afghanistan sowie Irak zu den größten Missionen des Flüchtlingshochkommissariats. Seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien verantwortet das UNHCR Flüchtlingslager, beispielsweise Zaatari in Jordanien.

Um ein möglichst breites Publikum auf die Arbeit des UNHCR aufmerksam zu machen, arbeitet das Hochkommissariat mit so genannten Sonderbotschafterinnen und Sonderbotschaftern zusammen, darunter etwa die Schauspielerin Angelina Jolie.

1954 und 1981 wurde das Flüchtlingskommissariat mit dem Friedensnobelpreis und 1986 mit dem Balzan-Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern ausgezeichnet.

Die Hohen Kommissare[Bearbeiten]

Das Amt des Hohen Kommissars wurde ausgeübt durch:

Berichte[Bearbeiten]

Zu den vom UNHCR herausgegebenen Berichten zählen u. a. der jährlich im Juni veröffentlichte UNHCR Global Report mit einer Gesamtschau der Herausforderungen und Ergebnisse des UNHCR,[3][4] der jährliche UNHCR Global Trends Report mit weltweiten, von Regierungen und Nichtregierungs-Partnerorganisationen sowie der UNHCR Behörde zusammengestellten weltweiten Flüchtlingszahlen,[5] der Asylum Trends Bericht mit Zahlen zu Asylsuchenden in Industrienationen,[6] der Global Appeal mit einem allgemeinen Überblick über gegenwärtige Ziele und finanzielle Belange des UNHCR,[6] der jährliche finanzielle Bericht der UNHCR und zahlreiche weitere themen- oder regionenspezifische Berichte.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. UNHCR-Webseite: About us (englisch), abgefragt am 13. Dezember 2010
  2. Zur Rolle des UNHCR und zur Orientierungsfunktion seiner Stellungnahmen siehe auch: Andreas Fischer-Lescano, Johan Horst: Das Pönalisierungsverbot aus Art. 31 I GFK. Zur Rechtfertigung von Straftaten bei Flüchtlingseinreisen, Zeitschrift für Ausländerrecht und Ausländerpolitik 3/2011, S. 81–90
  3. Publications. UNHCR, abgerufen am 22. November 2014 (englisch).
  4. The Global Report and Funding Reports. UNHCR, abgerufen am 22. November 2014 (englisch).
  5. Global forced displacement tops 50 million for first time in post-World War II era. In: Pressemitteilung. UNHCR, 20. Juni 2014, abgerufen am 22. November 2014 (PDF; 404 kB, englisch).
  6. a b Zahlen und Statistiken. UNHCR, abgerufen am 22. November 2014.