Uniform Resource Locator

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Ein Uniform Resource Locator (Abk. URL; englisch für einheitlicher Quellenanzeiger) identifiziert und lokalisiert eine Ressource wie z. B. eine Website über die zu verwendende Zugriffsmethode (z. B. das verwendete Netzwerkprotokoll wie HTTP oder FTP) und den Ort (engl. location) der Ressource in Computernetzwerken. Der aktuelle Stand ist als RFC 1738 publiziert. Die RFC-Spezifikationen sind industrielle Standards der Internet Foundation IETF.

URLs sind eine Unterart der generellen Identifikationsbezeichnung mittels Uniform Resource Identifiern (URIs). Da URLs die erste und häufigste Art von URIs darstellen, werden die Begriffe häufig synonym verwendet. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden URLs auch als Internetadresse oder Webadresse bezeichnet,[1] wobei damit (der umgangssprachlich häufigen Gleichsetzung von Internet und WWW[2] folgend) meist speziell URLs von Webseiten gemeint sind.

Aufbau[Bearbeiten]

Der grundsätzliche URL-Aufbau besteht aus einer die Zugriffsmethode festlegenden Schema-Bezeichnung (englisch scheme) und einem Schema-spezifischen Teil (scheme-specific-part), die durch einen Doppelpunkt getrennt sind:

<scheme>:<scheme-specific-part>

wobei scheme oft, aber nicht zwingend gleich lautet wie das zugrundeliegende Netzwerkprotokoll (bei ftp oder http ist das z. B. der Fall, aber nicht bei mailto oder file).[3]

Mögliche URL-Elemente sind z. B. bei http:

     scheme-specific-part →                        →                       → |
     |
http://hans:geheim@example.org:80/demo/example.cgi?land=de&stadt=aa#geschichte
|      |    |      |           | |                 |                |
|      |    |      host        | url-path          query            fragment
|      |    password           port
|      user
scheme (hier gleich Netzwerkprotokoll)

bei mailto:

mailto:hans@example.org
|      |
|      E-Mail-Adresse gemäß RFC822)
scheme (hier kein Netzwerkprotokoll)

bei news (in diesem Beispiel ist weder ein Netzwerkprotokoll noch eine Host-Adresse enthalten):

news:alt.hypertext
|    |
|    Name der Newsgroup
scheme

oder bei file:

file:///C:/foo/bar.txt
|       |
|       Pfad zur Datei (lokal, d. h. im Dateisystem des Rechners, der die URL interpretiert)
scheme

Streng genommen hat dieses Schema die Form file://<host>/<path>, wobei aber der Host-Teil praktisch nicht verwendet wird, da das file-Schema mangels einer Möglichkeit, ein Netzwerkprotokoll für den Zugriff auf die Datei anzugeben, kaum sinnvoll über ein Netzwerk benutzt werden kann.[4] File-URLs werden z. B. in der Programmiersprache Java verwendet, um auf eine Weise auf lokale Dateien zuzugreifen.[5] Je nach Browser ist oftmals das Öffnen von file-Links nur nach spezieller clientseitiger Konfiguration oder unter Zuhilfenahme von AddOns etc. möglich.[6]

scheme[Bearbeiten]

Legt fest, mit welcher technischen Methode die Ressource angesprochen werden soll. Ist meistens, aber nicht zwingend gleichlautend mit dem verwendeten Netzwerkprotokoll, über das die Ressource lokalisiert werden kann. Beispiele sind HTTP, HTTPS oder FTP, aber auch mailto (zum Schreiben einer E-Mail) oder file (zum Zugriff auf lokale Dateien).

scheme-specific-part[Bearbeiten]

Je nach scheme sind unterschiedliche spezifische Angaben erforderlich und möglich. In den meisten Fällen beginnt er mit der Zeichenkette ://, jedoch ist bei manchen Varianten auch lediglich der Doppelpunkt definiert. Die folgenden Beispiele beziehen sich auf das HTTP-Protokoll.

user/password[Bearbeiten]

Falls benötigt, kann ein Login aus Benutzername (user) und Passwort (password) übermittelt werden. Diese werden, voneinander durch Doppelpunkt getrennt, dem Host mit einem trennenden At-Zeichen (@) vorangestellt.

Auch wenn für dieses Beispiel das Protokoll HTTP gewählt wurde, ist die Angabe von Benutzername und Passwort als Teil der URL nicht Teil der HTTP-Spezifikation![7] Aktuelle Browser akzeptieren diese URL-Syntax zwar, fragen aber beim Benutzer nach, ob er sich wirklich mit den angegebenen Daten anmelden möchte. Der Internet Explorer 6 (ab Windows XP SP2) und neuere Versionen fallen hier aus dem Rahmen, indem sie diese URL-Syntax rundweg als fehlerhaft ablehnen. Mit einem Registry-Eintrag kann man sie zum gleichen Verhalten zwingen, wie es die Vorgänger bis Version 5.5 zeigen: Diese übernehmen die Anmeldedaten ungefragt und übergeben sie direkt an den Server.

Bei einigen anderen Protokollen, etwa FTP, ist die Angabe der Benutzerdaten in der gezeigten Form dagegen völlig korrekt und durch die Standards abgedeckt.

host[Bearbeiten]

Die Host-Komponente wird in Form einer IPv4-Adresse in dezimaler Schreibweise durch Punkte getrennt, in Form einer IPv6-Adresse in hexadezimaler Schreibweise durch Doppelpunkte getrennt und in eckige Klammern gesetzt oder in Form eines FQDN notiert.[8]

Port[Bearbeiten]

Die Angabe des Ports erlaubt die Ansteuerung eines TCP-Ports. Wird kein Port angegeben, so wird der Standard-Port des jeweiligen Protokolls verwendet – zum Beispiel bei HTTP 80, bei HTTPS 443 und bei FTP 21.

Url-path[Bearbeiten]

Der Pfad beschreibt eine bestimmte Ressource (diese kann sich beispielsweise mit der Verzeichnisstruktur des Zielsystems decken, also etwa eine Datei oder ein Verzeichnis) auf dem Server. Der Pfad kann auch leer sein. Ein leerer Pfad kann optional durch einen Slash ersetzt werden und ist zu diesem gleichbedeutend.[3]

Die Interpretation (Datei oder Verzeichnis; Textdatei liefern oder Skript ausführen) bleibt dem Server überlassen. Ein typisches Beispiel für die Interpretationsfreiheit ist das Verhalten bei der Anforderung des Pfades / durch einen Client: Je nach Einstellung liefert der Server etwa den Inhalt einer namentlich ausgezeichneten Datei (wie /index.html, /README, /HEADER), ohne dass dies für den anfragenden Client ersichtlich ist. Genauso kann der Server allerdings – je nach Protokoll – auch explizit zu dieser Ressource weiterleiten oder eine Verzeichnisauflistung ausgeben.

Query String[Bearbeiten]

Hauptartikel: Query String

Im Fall des HTTP kann nach dem eigentlichen Ressourcenanzeiger – getrennt durch ein Fragezeichen – ein Query String folgen.[9] Damit können zusätzliche Informationen übertragen werden, die server- oder clientseitig weiterverarbeitet werden können.

Fragment[Bearbeiten]

Hauptartikel: Fragmentbezeichner

Nach einem Doppelkreuz kann ein Teil der Ressource referenziert werden, typischerweise ein Anker in einer HTML-Seite, zu dem dann automatisch heruntergescrollt wird: Die URL „http://example.com/dokument.html#absatz3“ würde im fiktiven Dokument den Anfang des dritten Absatzes zeigen.

Beispiele[Bearbeiten]

  • ftp://hans:geheim@ftp.example.org FTP mit Benutzer und Passwort
  • http://de.wikipedia.org Webseite ohne Pfad (Aufruf der „Startseite“)
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Uniform_Resource_Locator Webseite mit Pfad
  • https://de.wikipedia.org wie Aufruf der Webseite ohne Pfadangabe, allerdings mit dem verschlüsselten Hypertext Transfer Protocol Secure
  • mailto:hans@example.org zum Schreiben einer E-Mail an die angegebene Mailadresse (öffnet den Standard-Mailclient mit einer neuen, leeren Mail, in der die TO-Adresse vorausgefüllt ist)
  • news:alt.hypertext Anzeige einer Usenet-Newsgruppe (generisch, ohne Angabe des Netzwerkprotokolls NNTP)
  • nntp:alt.hypertext Anzeige einer Usenet-Newsgruppe (mit Angabe des Netzwerkprotokolls NNTP)
  • telnet:example.org Start einer Telnet-Session
  • file:///C:/foo/bar.txt Zugriff auf eine lokale Datei

Relative URL[Bearbeiten]

Neben den bisher dargestellten „absoluten“ oder „vollständigen“ URL gibt es auch relative URL.[10] Sie sind nur innerhalb eines Kontextes gültig, von dem sie Eigenschaften „erben“. Ihnen fehlt die Ortsangabe im World Wide Web oder einem echten Intranet. Sie sind vor allem in der Gruppe http, https und ftp möglich, aber auch bei mailto. Das entspräche einer Telefonnummer ohne Vorwahl (des Landes, des Ortsnetzes).

Relative URL für http, https, ftp
Beginn Bedeutung Anmerkung Beispiel
// Gleiches Protokoll sinnvoll, um http: oder https: der momentanen Umgebung zu verwenden //example.com/pfad/zu/datei
/ Gleiche Domäne (host+port), „Wurzelverzeichnis /pfad/zu/datei
# Gleiche Ressource Wirkung über Nebenwirkung #
#fragment Gleiche Ressource, Sprungmarke #knoten
nichts Gleiche Ressource
../ ein Pfad-Segment aufwärts Ein Server muss keine durch / gegliederte Pfad-Segmentierung unterstützen. /pfad/zur/../zur/datei
./relativer/pfad
./
sonstige
gleiches Pfad-Segment

Relative URL werden oft eingesetzt, um eine Gruppe zusammengehörender Ressourcen wahlweise in einem lokalen Dateisystem oder an unterschiedlichen Orten in verschiedenen Netzwerk-Domänen unverändert abzulegen und aufeinander zu verlinken. Im Übrigen ist die Interpretation des Identifikators (Zeichenkette zwischen host+port und #) jedem Server freigestellt – zwar handhabt es die weitaus überwiegende Anzahl der Server und jede Standard-Software wie oben angegeben, jedoch können / genau wie ? % & nach eigenen Regeln ausgewertet werden.

Bei mailto: wäre eine relative URL mailto:Nachbar (ohne @) – sie gilt nur im lokalen Netzwerk.

Liste erlaubter Zeichen[Bearbeiten]

Nicht reservierte Zeichen sind:

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 - _ . ~

Reservierte Zeichen – Folgende Zeichen müssen in bestimmten Fällen mit der Prozentkodierung kodiert werden:

! * ' ( ) ; : @ & = + $ , / ? % # [ ]

Sprachgebrauch[Bearbeiten]

Die Abkürzung URL bleibt im englischen Sprachgebrauch immer sächlich. Dagegen wird im deutschen Sprachgebrauch häufig mit einem weiblichen Artikel, aber auch mit männlichem Artikel verwendet.[11] Die Wahl des Genus hängt davon ab, ob es in Anlehnung an die deutsche Übersetzung „die Adresse“ (feminin) gebildet wird oder mittels der Regel, dass Wörter auf „-or“ (hier „Locator“ oder „-identifikator“) oder „-er“ („-bezeichner“, „-lokalisierer“, „-anzeiger“) im Deutschen stets maskulin sind.[12]

URLs in Texten[Bearbeiten]

RFC 3986, Anhang C, empfiehlt, URIs (und damit auch URLs) in Texten

  • eigenständig auf einer Zeile,
  • mit doppelten Anführungsstrichen "http://example.com/" oder
  • mit spitzen Klammern <http://example.com/>

gegen den Kontext und vor allem gegen die Interpunktion des Satzes abzugrenzen.

Geschichte[Bearbeiten]

Name und Standardisierung[Bearbeiten]

In der Anfangszeit des WWW (ab Ende 1990) fand sich in der Dokumentation auf info.cern.ch zunächst keine dezidierte Bezeichnung für die Adressierung von Webseiten, das Thema wurde nur beschreibend als „W3 document address“, „W3 name“, „W3 address“ oder „Hypertext Name“ dokumentiert.[13][14][15] Die damals spezifizierte (und in den ersten Webseiten verwendete) Gestalt der Adressierung entspricht aber schon der später als „URL“ standardisierten Form; im Standardisierungsprozess wurden zwar Änderungen erwogen, wegen der inzwischen schon fortgeschrittenen Verbreitung des WWW aber wieder verworfen.[14][16]

Im Sommer 1992 versuchte Tim Berners-Lee beim IETF-Meeting in Boston eine Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen, die den Zugriff auf Dokumente im Web standardisieren sollte. Er schlug als Namen Universal Document Identifier (UDI) vor, womit nach seiner Vorstellung ein allgemeiner Internet-Standard definiert werden sollte. Der Name wurde aber als zu „arrogant“ kritisiert, was vor allem am Wort „universal“ (engl für allgemeingültig, umfassend) lag. Statt dessen wurde von der Gruppe der bescheidenere Begriff „uniform“ (engl für einheitlich) vorgeschlagen. Weiters wurde „Document“ durch „Resource“ ersetzt, um zu unterstreichen, dass das Web mit anderen Informationssystemen integriert werden sollte. Die URI-Arbeitsgruppe kam schließlich zustande, wobei noch eine weitere Namensänderung für den zu definierenden Standard beschlossen wurde: „Identifier“ wurde durch „Locator“ ersetzt, um zu betonen, dass es sich bei Web-Adressen nicht um dauerhaft registrierte Adressen handelt.[17]

Aufgrund der konfliktreichen Arbeitsweise der Gruppe wurde der erste – noch informelle – Standardisierungsentwurf RFC 1630 erst im Juni 1994 von Berners-Lee vorgelegt.[18] Er nennt den von Berners-Lee favorisierten Namen „Universal Resource Identifiers“ im Titel und definiert bereits die Begriffe URI, URL und URN. Im Dezember 1994 wurde von der Gruppe in RFC 1738 der Standard für „Uniform Resource Locators (URL)“ veröffentlicht.

Bestandteile[Bearbeiten]

Berners-Lee entlehnte die einzelnen Bestandteile zum Teil bewusst aus bereits existierenden Systemen, um Webadressen neuen Anwendern möglichst unmittelbar vertraut resp. logisch erscheinen zu lassen:[19]

  • Der Path-Teil (http://www.example.com/foo/bar/baz.html) zitiert direkt die Pfad-Syntax in UNIX-Dateisystemen.[19]
  • Die mit einem Doppel-Schrägstrich eingeleitete Notation des Hosts stammt aus der Syntax des Netzwerk-Dateisystems von Apollo Domain/OS, in der Pfade auf entfernten Hosts nach dem Muster //example.com/foo/bar/… adressiert wurden.[19]
  • Das mit einem Doppelkreuz markierte Fragment ist der in den USA üblichen Schreibweise für Apartment- und Suitenummern in Postadressen entlehnt: „12 Foo Avenue #34“ steht für „Foo Avenue Nr. 12, Apartment 34“; entsprechend bedeutet foo.html#bar „Teil (Abschnitt, Kapitel …) bar innerhalb des Dokuments foo.html“.[19]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Tim Berners-Lee, Mark Fischetti: Der Web-Report. Der Schöpfer des World Wide Webs über das grenzenlose Potential des Internets. Econ, München 1999 (Originaltitel: Weaving the Web: The Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web), ISBN 3-430-11468-3.

Weblinks[Bearbeiten]

  • RFC 3986Uniform Resource Identifier (URI): Generic Syntax
  • RFC 1738Uniform Resource Locators (URL)
  • RFC 1808Relative Uniform Resource Locators (veraltet, aktuell: RFC 3986)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 6. Auflage
  2. Internet und World Wide Web – der Unterschied. News.de, 29. Oktober 2009, abgerufen am 11. Dezember 2010.
  3. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatRFC3986: Uniform Resource Identifier (URI): Generic Syntax. Abgerufen am 12. Januar 2009.
  4. RFC 1738 Uniform Resource Locators (URL); 3.10 FILES
  5. Class File (Java 1.5.0 API). Oracle, abgerufen am 11. Dezember 2010.
  6. File URI scheme #Browser behaviour in der englischsprachigen Wikipedia
  7. RFC2616: Hypertext Transfer Protocol – HTTP/1.1, 3.2.2 http URL
  8. RFC 1738 Uniform Resource Locators (URL); 3.1. Common Internet Scheme Syntax
  9. RFC 1738 Uniform Resource Locators (URL); 3.3. HTTP
  10. RFC 3986, Abschnitt 4.2
  11. Duden – Deutsches Universalwörterbuch, siehe auch Online-Suche auf duden.de
  12. Antwort des Bertelsmann-Verlags auf Frage nach Genus von „URL“
  13. Technical details. CERN / W3C, 13. November 1992, abgerufen am 22. Dezember 2010.
  14. a b W3 Naming Schemes. CERN / W3C, 24. Februar 1992, abgerufen am 22. Dezember 2010.
  15. W3 address syntax: BNF. CERN / W3C, 29. Juni 1992, abgerufen am 22. Dezember 2010.
  16. Berners-Lee 1999, S.63
  17. Berners-Lee 1999, S.62
  18. Berners-Lee 1999, S.63
  19. a b c d Tim Berners-Lee: Frequently asked questions – Why the //, #, etc? 20. November 2007, abgerufen am 22. Dezember 2010.