U 530

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U 530
(vorheriges/nächstesalle U-Boote)
U-530.jpg
Typ:

Typ IX C/40

Kommandanten:
  • 14. Oktober 1942 – Januar 1945
    Kptlt. Kurt Lange
  • Januar 1945 – 10. Juli 1945
    Oblt. Otto Wermuth
Einsätze:

7 Feindfahrten

Versenkungen:

2 Schiffe (12.063 BRT)

Verbleib: am 10. Juli 1945 in Mar del Plata, Argentinien eingelaufen

U 530 war ein deutsches U-Boot vom Typ IX C/40 der Kriegsmarine, das im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde. U 530 fuhr auf sieben Feindfahrten und versenkte zwei Schiffe mit 12.063 Bruttoregistertonnen. Nach dem Kriegsende fuhr sie nach Südamerika und ergab sich am 10. Juli 1945 im Hafen von Mar del Plata den argentinischen Behörden.

Geschichte[Bearbeiten]

U 530 wurde am 14. Oktober 1942 bei der Deutschen Werft in Hamburg auf Kiel gelegt. Sie gehörte während der Ausbildung zur 4. U-Flottille. Ab dem 1. März 1943 bis zum 30. September 1944 war sie der 10. U-Flottille unterstellt. Ab dem 1. Oktober bis zum Kriegsende in Europa gehörte sie der 33. U-Flottille an.

Am 22. Mai 1944 verließ U 530 den Bunker im französischen Lorient und begab sich nach Trinidad. Unterwegs traf sie sich mit dem japanischen U-Boot I-52, um es mit einem Radardetektor Typ Naxos auszurüsten. Zudem ging ein Navigator an Bord der I-52. Zielhafen der I-52 war Lorient.

Die U-Boote trafen sich am 23. Juni im Atlantik, etwa 1.370 km westlich der Kapverdischen Inseln. Nach 133 Seetagen kehrte U 530 von Trinidad wieder nach Lorient zurück. Die Alliierten waren über das Treffen der beiden U-Boote informiert und entsandten den Geleitflugzeugträger USS Bogue zum Treffpunkt. Während U 530 unentdeckt entkommen konnte, gelang es einer Gruppe von Zerstörern, I-52 mit einem akustischen Torpedo zu versenken.[1]

Entgegen dem Befehl von Großadmiral Karl Dönitz an die Kriegsmarine, in die Häfen einzulaufen und alle Schiffe an die Alliierten zu übergeben, lief U 530 in Richtung Südamerika, um schließlich am 10. Juli 1945 im argentinischen Hafen Mar del Plata zu kapitulieren.

Der Kommandant, Oberleutnant Otto Wermuth, hatte entschieden, nach Mar del Plata zu fahren. Er machte bei seiner Vernehmung durch die argentinischen Behörden keinerlei Angaben dazu, warum die Überfahrt fast zwei Monate gedauert hatte, das Deckgeschütz fehlte, die gesamte Besatzung keine Identitätspapiere bei sich führte und was mit dem Logbuch passiert war.

Die Besatzung der U 530 wurde schließlich interniert, U 530 zur Erprobung an die Vereinigten Staaten übergeben, wo sie am 28. November 1947 als Übungsziel durch einen Torpedo der USS Toro versenkt wurde.

Gerüchte[Bearbeiten]

Die unerwartete Ankunft von U 530 war der Anlass für eine Vielzahl von Gerüchten: Der brasilianische Admiral Jorge Dodsworth Martins behauptete, dass U 530 für die Versenkung des brasilianischen Kreuzers Bahia verantwortlich sei. Der brasilianische Admiral Dudal Teixeira glaubte, dass U 530 aus Japan gekommen sei. Ein argentinischer Journalist behauptete, er habe einen Polizeibericht der Polizeibehörde der Region Buenos Aires gesehen, worin die Anlandung eines fremden U-Boots an der argentinischen Küste erwähnt werde. Es seien verschiedene hochrangige Offiziere sowie einige Zivilisten von Bord gegangen, bei den Zivilisten könnte es sich um die verkleideten Adolf Hitler und Eva Braun gehandelt haben.[2] U 977 wurde ebenfalls verdächtigt, die Bahia versenkt zu haben. Eine Untersuchung der brasilianischen Behörden ergab später, dass die Bahia sich selbst durch einen Unfall bei einer Gefechtsübung versenkt hatte.[3]

Das argentinische Marineministerium gab daraufhin eine offizielle Stellungnahme ab, worin festgehalten wurde, dass weder U 530 für die Versenkung der Bahia verantwortlich sei, noch hochrangige Naziführer oder Offiziere an Bord gewesen seien. U 530 sei auch nicht an der argentinischen Küste angelandet, bevor es kapitulierte.[2]

Umstände der Kapitulation[Bearbeiten]

Oberleutnant Otto Wermuths offizielles Gefangenenfoto

In dem 2002 erschienenen Buch Ultramar Sur: La Fuga En Submarinos De Mas De 50 Jerarcas Nazis[4] von Carlos de Nápoli und Juan Salinas stellen die Autoren den Hintergrund zur Fahrt der U 530 nach Argentinien dar. Dieser basiert angeblich auf Fotokopien der mittlerweile nicht mehr als Verschlusssache eingestuften Vernehmung von Kommandant Wermuth zwischen dem 13. und 15. Juli 1945.

Die Vernehmungsprotokolle[5] legen den Schluss nahe, dass der Kapitulationsbefehl für unauthentisch gehalten wurde, da er unverschlüsselt und mit falscher Unterschrift empfangen worden war. Eine Internierung im neutral geglaubten Argentinien muss dann allen Besatzungsmitgliedern als bessere Lösung gegenüber einer durch eine Kriegslist erzwungenen Kapitulation in den USA erschienen sein. Auch die durchgeführte Demilitarisierung und die Versenkung von Geheimsachen legt den Schluss nahe, dass man dem möglicherweise noch existierenden Feind nichts in die Hände fallen lassen wollte.

Bei der Einfahrt in den Hafen von Mar del Plata am 10. Juli 1945 war U 530 in einem „elendigen Zustand“. Die Hülle war rostig, der Turm war aufgebrochen und das Metall trug Spuren eines kurz zuvor erlittenen Feuers. Man hatte versucht, den Dieselantrieb zu sabotieren. Der Kommandant, der in den Zeitungen als groß und blond beschrieben wurde, gab sich als Otto Wermuth zu erkennen. Er und die meisten der Besatzungsmitglieder konnten keine Identitätspapiere mehr vorweisen. Wermuth schilderte einigen Journalisten, dass U 530 am 3. März 1945 von Horten in Norwegen aufgebrochen sei. Ab dem 24. April sei man unter Beachtung einer Funkstille gefahren, da man sich in den Küstengewässern der Vereinigten Staaten befand.

Er beschrieb, dass er sehr nah bei New York gewesen sei und durch das Periskop Autos und Züge habe sehen können. Das U-Boot hatte dann angeblich bis zum 12. Mai keinen weiteren Kontakt, als man von der bedingungslosen Kapitulation und dem Kriegsende in Europa der vorangegangenen Woche erfuhr.

Ermittler der argentinischen Marine kamen zu der Überzeugung, dass es eine Meuterei auf U 530 gegeben habe und der zufolge Kommandant Wermuth nicht durchgehend das Kommando über das Boot hatte. Da das Logbuch oder Kriegstagebuch unauffindbar waren, verblieben die genauen Details der Reise im Dunkeln. Otto Wermuth wurde als kurz und dunkelhaarig beschrieben. Es wurde daher vermutet, der große blonde Otto Wermuth, der das Boot in den Hafen nach Mar del Plata brachte, sei ein Schwindler gewesen, der erst kurz zuvor an Bord gekommen war, womöglich erst kurz zuvor an der argentinischen Küste eingestiegen war. Um diese Auffassung zu stützen, wurde angeführt, er wäre sehr vage zu den genauen Details der Reise gewesen. Zudem sagte Wermuth aus, das Deckgeschütz wäre in Deutschland vom Schiff genommen und am Kai zurückgelassen worden, während die Besatzung einhellig aussagte, es demontiert und über Bord in den Atlantik versenkt zu haben.

Auf den meisten U-Booten des Typ IXC/40, zu denen U 530 gehörte, wurden Deckgeschütze ab etwa 1943 gestrichen.[6]

Aus den Dokumenten der Vernehmung wird nicht klar, welcher Otto Wermuth von der argentinischen Marine am 13. Juli 1945 vernommen wurde. Der Offizier weigerte sich in den meisten Fällen, auf die Fragen zu antworten. Er gab lediglich an, er hätte einen Aufklärungs- und Angriffsauftrag direkt aus Berlin erhalten. Er hätte sich entschlossen, nach Argentinien zu fahren, als er 1000 Seemeilen nordöstlich von Puerto Rico gewesen wäre. Er hätte den Äquator in der Nähe der Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen überquert. Um eine Entdeckung durch Küstenpatrouillen zu vermeiden, wäre man etwa 200 Seemeilen von der Küste entfernt geblieben. Er wäre beim Leuchtturm Punta Mogotes bei Mar del Plata, am 9. Juli 1945 gegen 3 Uhr eingetroffen, um dann entlang der Küste in Richtung Miramar zu fahren, wo er gegen 6 Uhr angekommen sei und dort den Tag verbracht hätte. Er wäre am 10. Juli gegen 7 Uhr nach Mar del Plata zurückgekehrt. Wermuth war nicht in der Lage, den Verbleib eines der sechs aufblasbaren Dingis zu erklären. Er gab zu, alle Torpedos – außer einem Blindgänger – sowie alle Handfeuerwaffen, Maschinengewehre und Munition, alle Radargeräte, das Metox sowie alle Druckmessgeräte über Bord geworfen zu haben. Zudem hätte er alle Aufzeichnungen, Tagebücher, Seekarten, Codebücher und Bücher mit vertraulichem Inhalt zerstört.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang W. E. Samuel: [1578066492 American Raiders]. Univ. Press of Mississippi, 2004, ISBN 978-1578066490.
  2. a b U-530. TIME, 23. Juli 1945, abgerufen am 4. April 2010.
  3.  Jürgen Rohwer: Chronology of the war at sea, 1939-1945: the naval history of World War II. Naval Institute Press, 2005, ISBN 1591141192., Seite 423
  4.  Carlos de Nápoli, Juan Salinas: Ultramar Sur: La Fuga En Submarinos De Mas De 50 Jerarcas Nazis. Belacqua De Ediciones Y Publicaciones, Barcelona 2006, ISBN 9788496326668; Neuauflage Barcelona: Norma 2010.
  5. http://www.uboatarchive.net/U-530INT.htm
  6. U-boat Types: Type IXC/40. Abgerufen am 7. April 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

  • U 530 auf u-boote-online.de
  • U 530 auf Uboat.net
  • U 530 auf uboatarchive.net