U 977

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
U 977
(vorheriges/nächstesalle U-Boote)
Submarino Aleman U-977.jpg
U 977 in Mar del Plata (Argentinien)
Typ:

VII C

Werft:

Germaniawerft, Kiel

Kiellegung:

24. Juli 1942

Indienststellung:

6. Mai 1943

Kommandanten:
  • 6. Mai 1943–28. Februar 1945
    Kptlt. Hans Leilich
  • 1. März 1945–17. August 1945
    Oblt.z.S. Heinz Schaeffer
Flottillen:
  • 5. Flottille (Ausbildung)
    6. Mai 1943 – 30. September 1943
  • 21. Flottille (Schulboot)
    1. Oktober 1943 – 28. Februar 1945
  • 31. Flottille (Ausbildung)
    1. März 1945 – 8. Mai 1945
Einsätze:
Versenkungen:

keine

Verbleib: am 17. August 1945 in Argentinien interniert

U 977 war ein deutsches U-Boot vom Typ VII C der Kriegsmarine. Es gehörte mit U 530 zu den beiden U-Booten, denen es im Jahr 1945 gelang, den Alliierten nach Kriegsende Richtung Südamerika zu entkommen.

Geschichte[Bearbeiten]

Route und Stationen von U 977: Auslaufen in Kiel, Ende April 1945 (1), Zwischenstation in Norwegen, 2. Mai 1945 (2), Kriegsende, 8. Mai 1945 (3), Absetzen der Rückkehrwilligen und Beginn der Tauchfahrt, 10. Mai 1945 (4), Ende der Tauchfahrt und Anlaufen der Kapverdischen Inseln, Juli 1945 (5), Ankunft in Mar del Plata, Argentinien, 17. August 1945 (6)

U 977 wurde bis zum Kriegsende als reines Ausbildungs- und Schulboot benutzt. Nach Bekanntwerden des Kriegsendes ließ der Kommandant Heinz Schaeffer über das weitere Vorgehen abstimmen. Von der 48-köpfigen Besatzung stimmten 30 für eine Flucht nach Argentinien, zwei weiteren wäre Spanien lieber gewesen, aber sie blieben an Bord. 16 Unteroffiziere, von denen die meisten verheiratet und Familienväter waren, wollten nach Hause. Sie wurden am 10. Mai 1945 gegen 3 Uhr bei der Insel Holsnøy (nahe Bergen, Norwegen) in Schlauchbooten ausgesetzt und danach an Land mit der Meldung „Boot auf Mine gelaufen und gesunken“ als einzige Überlebende von U 977 registriert. Somit wurde das Boot auf der Verlustliste eingetragen.

Da die alten, erfahrenen Unteroffiziere fehlten, wurde für die verbliebene Mannschaft aus Matrosen und Unteroffizieren schon jedes Alarmtauchen zum Risiko. So kam es, dass der erste Wachoffizier bei einem Alarmtauchen vergaß, das Sehrohr einzuziehen. Weil die Drahtseile dem Druck in 100 Metern Tiefe nicht mehr standhielten, fiel das Periskop ungebremst durch seinen Schacht auf das Deck, wobei seine Prismen beschädigt wurden. Das zweite Sehrohr diente ausschließlich für Angriffe in der Dunkelheit und war zum Einsatz bei Schnorchelfahrt, wo begleitendes Spähen durchs Sehrohr eigentlich unerlässlich war, viel zu kurz.

Die Fluchtroute führte von Norwegen ausgehend zwischen Island und Schottland vorbei über die Kapverdischen Inseln und anschließend über den Atlantik bis nach Argentinien, wo das Boot am 17. August 1945 (14 Wochen bzw. dreieinhalb Monate nach Kriegsende) eintraf. Dabei fuhr das U 977 für 66 Tage ununterbrochen getaucht, tagsüber auf 50 m Tiefe und nachts mit Schnorchel 14 Meter unter der Wasseroberfläche. Dabei gab es während der nächtlichen Fahrtabschnitte für die Dieselmotoren sowie für die Besatzungen zwar Frischluft von der Schnorchelanlage. Der Kommandant erlaubte während der Schnorchelfahrt sogar jeweils kleinen Gruppen im Dieselraum zu rauchen. In den übrigen Zeiten der rein elektrischen Tauchfahrt ohne Schnorcheleinsatz musste man aber natürlich mit der im Bootskörper eingeschlossenen, nicht erneuerbaren Atemluft auskommen. Nach den 66 Tagen fuhr U 977 nachts aufgetaucht und nur noch tagsüber getaucht. Nach einer gewissen Zeit im Atlantik stellte man fest, dass das Tauchen nicht notwendig war. Man tarnte (bei den seltenen Sichtkontakten mit anderen Schiffen) das U-Boot als kleinen Kohledampfer, wobei der Kamin aus Blechdosen bestand und der Rauch mit ölgetränkten Lappen erzeugt wurde.

Am 17. August 1945, nach 108 Tagen, erreichte U 977 die argentinische Küste. Die Mannschaft wurde in Mar del Plata interniert. Es bestand zunächst der von der Sowjetunion lancierte Verdacht, an Bord von U 977 wären Adolf Hitler, Eva Braun und deren nächste Getreuen gewesen und dann an Land gebracht worden. Auch der zunächst erhobene Vorwurf der Torpedierung des brasilianischen Kreuzers Bahia, der nach einer mysteriösen Explosion am 9. Juli 1945 unterging, konnte widerlegt werden. Dennoch halten sich hartnäckig gegensätzliche Darstellungen, die auch neueren Datums sind (Salinas/de Nápoli). Am Ende wurde U 977, wie auch seine Besatzung, an die USA ausgeliefert und am 13. November 1946 vor der Küste von Massachusetts vom U-Boot USS Atule bei Torpedoversuchen als Zielboot versenkt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Janusz Piekałkiewicz: Seekrieg 1939–1945. Südwest-Verlag, München 1980, ISBN 351700703X
  • Heinz Schaeffer: U 977 Geheimfahrt nach Südamerika. Limes-Verlag, Wiesbaden 1950
  • Juan Salinas, Carlos de Nápoli: Ultramar Sur. La última operación secreta del Tercer Reich (Coleccion Biografias y Documentos) . Grupo Editorial Norma, Buenos Aires etc. 2002, 2010. ISBN 9875450758

Weblinks[Bearbeiten]