Uettingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Uettingen
Uettingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Uettingen hervorgehoben
49.89.7333333333333232Koordinaten: 49° 48′ N, 9° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Würzburg
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Helmstadt
Höhe: 232 m ü. NHN
Fläche: 13,52 km²
Einwohner: 1841 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 136 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97292
Vorwahl: 09369
Kfz-Kennzeichen: WÜ, OCH
Gemeindeschlüssel: 09 6 79 196
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Im Kies 8
97264 Helmstadt
Webpräsenz: www.uettingen.de
Bürgermeister: Heribert Endres (CSU)
Lage der Gemeinde Uettingen im Landkreis Würzburg
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Über dieses Bild

Uettingen ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Helmstadt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Uettingen liegt im Aalbachtal und befindet im Landkreis Würzburg an der B 8.

Geologie[Bearbeiten]

Uettingen liegt am Rande der Fränkischen Platte. Die Bergkuppen in seiner Umgebung bestehen aus Muschelkalk. Darunter beginnt der Buntsandstein. Dazwischen liegt eine mergelig-tonige wasserundurchlässige Zwischenschicht, die an den Hanglagen oft ergiebige Quellhorizonte ergibt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Neben Gefäßscherben aus der bandkeramischen Zeit wurde in Uettingen auch ein Beil aus der Bronzezeit gefunden. Um 300–400 dürfte man den Beginn der Siedlung „ûot inga“ ansetzen. Diese Schreibweise belegt eindeutig den alamannischen Ursprung des Ortsnamens.

Erste offizielle Erwähnungen[Bearbeiten]

Am 20. Januar 772 wurde Uettingen erstmals urkundlich erwähnt, als ein gewisser Alwalah seine Besitztümer, in Gegenwart König Karls des Großen, aus insgesamt 25 Ortschaften dem Kloster Fulda schenkte. Uettingen selbst jedoch befand sich im Besitz des Klosters Holzkirchen und fiel um 1165 an Wertheim. Zu dieser Zeit wurde das Gebiet in dem sich der Ort befindet als Waldsassengau bezeichnet.

Die Ütinger Artickel des Bauern Kleinhans[Bearbeiten]

In der Folge des aufkommenden Protestantismus und dem beginnenden Humanismus entstanden im Februar 1525 die 12 Artikel der Bauernschaft in Schwaben. Hierbei trat ein angesehener und reicher Bauer namens Kleinhans aus Uettingen in den Vordergrund. Er verstand es, die Empörung zu artikulieren und verfasste die sogenannten Ütinger Artickel. Darin erinnerte aber nur wenig an die 12 Artikel der Bauernschaft und er war beim Versuch, seine Artikel durchzusetzen, skrupellos.

Es war im Wesentlichen ein lokales Konzept, in dem die Forderung des Grafen von Wertheim gerügt wurde, den Mönchen von Holzkirchen alles, was die Uettinger ihnen schuldig waren, in drei Tagen zu bezahlen. Andernfalls würde man den Besitz der Bürger verkaufen und damit ihre Schulden decken. Dies war wegen eines schlechten Erntejahres besonders hart. Ferner hatte der Graf die Freizügigkeit verboten, den Gemeinden Bürgerrechte entzogen, die Weideplätze verkauft und einen Reisigen zum Schultheißen gemacht.

Auf seine Artikel baute Kleinhans seine agitatorischen Umtriebe in der Umgebung auf, wobei er an Lügen und Drohungen nicht sparte. In Uettingen erreichte er leicht, dass man ihm die Leitung der Gemeinde übertrug. Nachdem der vom Grafen von Wertheim eingesetzte Schultheiß treu zu seinem Herrn stand, erklärte man ihn für abgesetzt und Kleinhans ließ sich zum Schultheiß machen.

Die erste Aktion galt dem Kloster Holzkirchen, besonders dessen Weinkeller. Beim Ausmarsch rief er „sy haben follen kasten“. Die Uettinger gingen mit dem Besitz nicht schonend um, sogar die letzten Weinfässer fanden Abnehmer. Eines Nachts setzte eine Uettinger Abordnung mit Kleinhans die Helmstadter unter Druck. Jetzt und gleich müsste man in die Bruderschaft gegen die Mönche und Pfaffen eintreten. Es folgten die Billingshäuser, die beiden Altertheim, die Lautenbacher, die Bettinger, die Dertinger, die Kembacher, die Höhefelder usw. Denen, die sich widersetzten, drohte er unmissverständlich: „ziecht ir, so sind ir nit, so wöllen wir euch niemen, was ir habt und wöllen euch des lands verjagen!“

Die Remlinger samt Schultheiß aber widerstanden, soweit bekannt, als einzige. Also sollte der Tauberbischofsheimer Haufe per Brief die Remlinger bekehren. Sie, die sich auch „christliche versamlung der neun stet“ nannten, hätten sich verpflichtet, „alles das das heilig evangelium uffricht, helfen uffrichten und alles das das heilig evangelium niederdruckt, helfen umstoßen“. Die Absage der Remlinger war bestimmt: Sie hätten mit Freuden gehört, gaben sie den Hauptleuten zur Antwort, wie der Haufe das heilige Evangelium aufrichten wollte, da sie selbst schon seit langer Zeit von der Gnade des allmächtigen Gottes die Wahrheit unseres Herrn Jesus Christus von Herzen begehrten; allein sie wüssten auch, dass das friedreiche Wort Gottes mit der Hand zu verfechten sich nicht gebühre. Dazu hätte Herrn Georg Graf zu Wertheim, seinerzeit ihr Herr, so viel Gnade gehabt und sie mit Fleiß gefördert und mit einem gelehrten Prediger versehen. Sie würden deshalb für diese brüderliche Aufforderung danken.

Dieses Verhalten muss auch bei der Deutung der Worte von Graf Georg berücksichtigt werden, als er sagte: „Hätte er in allen seinen Flecken evangelische Prediger gehabt, so würde er wohl dieses Aufruhrs überhoben gewesen sein“.

Wolfskeels[Bearbeiten]

Ab 1625 gehörte Uettingen schließlich zu den Freiherrn Wolfskeel v. Reichenberg.

Uettingen im Januar 2005

Die neuere Geschichte[Bearbeiten]

Das Rittergut der Freiherren Wolfskeel v. Reichenberg gehörte zum Fränkischen Ritterkreis, wurde 1806 durch das Großherzogtum Würzburg mediatisiert und fiel mit diesem 1814 an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

1866 wurden im Mainfeldzug während der Gefechte bei Uettingen die letzten Kämpfe des Deutschen Krieges ausgetragen.

Religion[Bearbeiten]

Uettingen ist ursprünglich eine evangelische Gemeinde, die aber mittlerweile zur Hälfte aus Katholiken besteht und seit den 60er Jahren eine katholische Kirche hat.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1970 1145
1987 1401
2000 1849
2004 1922

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Heribert Endres (CSU).

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 660.000 Euro, davon waren umgerechnet 103.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto) .

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Geteilt von Gold und Blau; oben ein wachsender schwarzer Mohr, eine natürliche Rose mit drei roten Blüten in der Rechten, unten nebeneinander zwei silberne heraldische Rosen.

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Die Partnergemeinden Uettingens sind Échillais und Coschütz. Die Partnerschaft zu diesen Gemeinden wurde durch den TSV Uettingen initiiert und wird unter seiner Schirmherrschaft weiterhin gepflegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die evangelische Bartholomäus-Kirche

Sprache[Bearbeiten]

In Uettingen wird neben Hochdeutsch auch Unterostfränkisch gesprochen.

Bauwerke[Bearbeiten]

Das 1818 von den Grafen Wolffskeel von Reichenberg erbaute Schloss Uettingen befindet sich im Süden des Ortes. Die Bartholomäus-Kirche von Uettingen befindet sich im Ortskern.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Uettingen

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 23, im produzierenden Gewerbe 84 und im Bereich Handel und Verkehr 59 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 61 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 695. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 1 Betrieb, im Bauhauptgewerbe 3 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 2005 23 landwirtschaftliche Betriebe und 1 Biolandbetrieb mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 528 ha, davon waren 509 ha Ackerfläche davon 18 ha Biologischer Anbau und 16 ha Dauergrünfläche, sowie Weinbau. Zwei landwirtschaftliche Betriebe haben noch Viehhaltung und ein Betrieb noch zusätzlich Schafhaltung sowie anbau einer Alten Kartoffelsorte Bamberger Hörnchen.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2005):

  • Kindergärten: 75 Kindergartenplätze mit 59 Kindern in drei Gruppen sowie seit 2012/13 eine "Kleinkindgruppe"
  • Grundschule (Verbandschule Helmstadt)

Lokale Bräuche[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Es wird vermutet, dass der Beiname Uettingens Kleinparis auf einen Ausspruch des Pfarrers Johann Wolfgang Schmidt zurückzuführen ist. Dieser hatte von 1835 bis 1864 das Amt des Pfarrers inne und beklagte den „französierenden Charakter“ der Uettinger Bevölkerung. Was übrigens nicht verwunderlich ist, da eine Generation zuvor die napoleonische Armee während ihres Russlandfeldzugs auf der Poststraße direkt bei Uettingen, vorbeigekommen war und dort auch einige Monate (Nachschubbeschaffung und -sicherung) verbracht hat.
  • Den Ortsnecknamen Schneesenger haben die Uettinger auf Grund der Legende, die Uettinger würden heimlich ihren Schnee verbrennen bzw. versengen. Tatsächlich schmilzt der Schnee dort wegen der südlichen Hanglage Uettingens früher als in den Nachbargemeinden. Die Schneesënger haben diesen Ortsnecknamen in ganz Franken bekannt gemacht.
  • Der Uettinger Norbert Riemer steht mit der Herstellung der kleinsten rauchbaren Tabakpfeife im Guinness-Buch der Rekorde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Uettingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)