Ujest

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Dieser Artikel beschreibt die zweisprachige polnische Stadt Ujest (polnisch Ujazd). Das tschechische Dorf Újezd pod Přimdou heißt auf Deutsch ebenfalls Ujest.
Ujest
Ujazd
Wappen von Ujest
UjestUjazd (Polen)
UjestUjazd
Ujest
Ujazd
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Opole
Landkreis: Strzelce Opolskie
Fläche: 14,69 km²
Geographische Lage: 50° 24′ N, 18° 21′ O50.418.35Koordinaten: 50° 24′ 0″ N, 18° 21′ 0″ O
Höhe: 208 m n.p.m
Einwohner: 1740
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 47-143
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OST
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BytomKędzierzyn-Koźle
Nächster int. Flughafen: Flughafen Katowice
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 14 Ortschaften
11 Schulzenämter
Fläche: 83,31 km²
Einwohner: 6246
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 75 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1611063
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Tadeusz Kauch
Adresse: ul. Sławięcicka 19
47-143 Ujazd
Webpräsenz: www.ujazd.pl

Ujest (polnisch Ujazd; 1936–45: Bischofstal), ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Oppeln. Die Stadt liegt rund 45 Kilometer südöstlich von Opole und 50 Kilometer nordwestlich von Katowice an der Klodnitz und dem Gleiwitzer Kanal. Nahe der Grenze zur Woiwodschaft Schlesien und zwischen Kędzierzyn-Koźle und Pyskowice gelegen, gehört der Ort dem Powiat Strzelecki an und ist Hauptort der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde, die seit 2006 zweisprachig ist (Polnisch und Deutsch).

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Erwähnung des circuitio iuxta Cozli als Besitz des Bistums Breslau stammt aus dem Jahre 1155. 1222 erteilte Herzog Kasimir I. dem Breslauer Bischof Lorenz die Erlaubnis, im bischöflichen Gebiet von Ujest Deutsche anzusiedeln. Während der Herrschaft Bischofs Lorenz begründete 1223 der Neisser Vogt die Stadt Ujest mit den Dörfern Alt Ujest, Niesdrowitz, Jarischau und Kaltwasser, 1239 kam noch Klutschau hinzu. Dies ist auch die älteste nachweisliche Siedlungstätigkeit durch das Bistum Breslau überhaupt.

Der Ujester Halt, wie der bischöfliche Besitz im Herzogtum Oppeln genannt wurde, wurde noch um mehrere Dörfer erweitert, und der Versuch der Herzöge, mit der bischöflichen Kolonisation zu konkurrieren, scheiterte bald und dem herzöglichen Slawentzitz wurden die Stadtrechte wieder entzogen.

Der Ujester Halt wurde 1443 aus dem bischöflichen Besitz verkauft und war seitdem im Besitz verschiedener Adelshäuser, die 1580 das Schloss Ujest errichteten und mehrfach umbauten. 1535 wurde eine Aquarellansicht von Ogest für die Reisebilder Pfalzgraf Ottheinrichs angefertigt. Die damalige Bedeutung Ujests verdeutlichen die dargestellte hölzerne Klodnitzbrücke, sowie das von einer Stadtmauer geschützte Stadtbild mit Burg und Stadtpfarrkirche.[2]

1837 gelangte der Ujester Halt an die Fürsten von Hohenlohe-Öhringen, die damit ihren umfangreichen Grundbesitz an der Klodnitz und Birawka, der bereits Slawentzitz und Bitschin (Bycina) umfasste, erweiterten. 1861 wurde Fürst Hugo zu Hohenlohe-Öhringen der Titel Herzog von Ujest verliehen. Das Herzogtum Ujest umfasste 1910 eine Fläche von 416 km², dazu gehörten drei Fideikommisse (Ujest, Slawentzitz und Bitschin).

Die Stadt erlangte nur kirchliche Bedeutung, der wirtschaftliche und industrielle Aufschwung Oberschlesiens ging an ihr vorbei.

Ruine des Schlosses

Bei der oberschlesischen Volksabstimmung 1921, die über die weitere staatliche Zugehörigkeit des Landes entscheiden sollte, wurden in Ujest von 1545 abgegebenen Stimmen 1.384, also fast 90 Prozent für den Verbleib bei Deutschland und 161 für eine Angliederung an Polen abgegeben.[3] Ujest verblieb in der Weimarer Republik.

Bis 1945 gehörte Ujest, das am 3. September 1936 in Bischofstal umbenannt wurde, dem Landkreis Groß Strehlitz an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel es, zu großen Teilen ausgebrannt, als Ujazd an Polen. Nachdem die deutsche Bevölkerung größtenteils geflüchtet bzw. vertrieben worden war, lebten nur noch 400 Menschen in der Stadt, die in der Folge von Vertriebenen aus Ostpolen bzw. polnischen Ansiedlern besiedelt wurde.[4] Der Wiederaufbau erfolgte am Ring vornehmlich mit Neubauten, in den Nebenstraßen konnten sich teilweise die historische Bausubstanz erhalten. Das Schloss der Fürsten von Hohenlohe-Öhringen wurde nach seiner Zerstörung nicht wiederaufgebaut und ist seitdem eine Ruine.

Vor allem in den ländlichen Teilen der Gemeinde konnte sich eine starke deutsche Minderheit halten, der laut der letzten polnischen Volkszählung von 2002 25,34 % der Gemeindebevölkerung angehören, weitere 12,48 % bezeichneten sich als „Schlesier“.[5] Seit 2006 ist die Gemeinde offiziell zweisprachig und führte 2008 zweisprachige Ortsbezeichnungen ein. Am 19. September 2009 wurden die polnisch-deutschen Ortsschilder in der Gemeinde Ujest aufgestellt.

Pfarrkirche St. Andreas
Barocke St. Josephsstatue

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen der Stadt Ujest nach dem jeweiligen Gebietsstand (inkl. Gutsbezirk; neuere Zahlen ohne Gmina):[6]

Jahr Einwohner
1783 840
1787 960
1825 1.718
1855 2.524
1861 2.587
1885 2.518
1905 2.214
1910 2.207
Jahr Einwohner
1933 2.097
1939 2.201
1961 3.192
1969 2.725
1984 1.900
1995 1.758
2000 1.649
2005 1.652

Politik[Bearbeiten]

Maria-Brünnel-Kirche

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Ujest zeigt einen roten, von einer goldenen Fürstenkrone zusammengehaltenen Wappenmantel, dessen Innenseite aus blauem Hermelin zu einem Schild geformt und mit einer, von zwei goldenen Krummstäben flankierten, goldenen Mitra belegt ist.

Dieses Stadtwappen wird bereits 1898 von Otto Hupp beschrieben – das ursprüngliche, seit dem 17. Jahrhundert nachgewiesene Wappen Ujests zeigte aber noch keinen Wappenmantel, stattdessen auf blauem Grund übereinander zwei waagerecht gespiegelte Türme, flankiert von zwei goldenen Krummstäben sowie außen zwei silbernen Sternen.

Beide zentralen Wappenmotive erinnern an das Bistum Breslau, dessen Gründung und Besitz Ujest lange Zeit war, der Wappenmantel wurde wohl nach dem Aufkommen des Titels Herzog von Ujest hinzugefügt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Ujest unterhält seit 2001 eine Partnerschaft mit der deutschen Gemeinde Nusplingen in Baden-Württemberg. Seit 2004 gibt es zudem eine Städtepartnerschaft mit dem thüringischen Kurort Bad Lobenstein.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • August von Heyden leitete bis 1859 als Generalbevollmächtigter die Bergwerke im Ujester Halt.
  • Josef Treumann (1846–um 1904), deutsch-US-amerikanischer Journalist und Autor, wurde in Ujest geboren.

Gemeinde[Bearbeiten]

Der Stadt- und Landgemeinde Ujest gehören neben dem gleichnamigen Hauptort, der Stadt Ujest, elf Schulzenämter (sołectwo). Dazu gehören:

Die Gmina umfasst aber noch weitere Dörfer, wie Grzeboszowice (Greboschowitz) oder Kolonia Jaryszów (Kolonie Jarischau), die nicht den Status eines Ortsteils (sołectwo) haben.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • V. Loewe: Geschichte der Stadt Ujest; Oppeln, 1923

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ujazd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. Stadtansicht im Reisealbum des Pfalzgrafen Ottheinrich 1536/37
  3. Vgl. Landsmannschaft der Oberschlesier in Karlsruhe: Abstimmung im Bereich Tarnowitz
  4. Vgl. ujazd.pl; abger. am 4. April 2008
  5. Vgl. dat.prosilesia.net; abger. am 4. April 2008
  6. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1783, 1855, 1861: Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien; Breslau 1865.
    1885: Meyers Konversationslexikon; Leipzig, Wien: Bibliographisches Institut, 1885–18924.
    1905: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19; Leipzig 1909; S. 87.
    1933, 1939: Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871–1990: Landkreis Groß Strehlitz (poln. Strzelce Opolskie); 2006.
    1910: Uli Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900.
    1969: Heinz Rudolf Fritsche: Schlesien Wegweiser. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1996.
    1984: Encyklopedia Powszechna PWN.
    1995, 2000, 2005: Główny Urząd Statystyczny: BDR: Strona główna