Ukraine beim Eurovision Song Contest

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Bilanz

Flagge der Ukraine
Übertragende Rundfunkanstalt
NTU
Erste Teilnahme
2003
Bisher letzte Teilnahme
2014
Anzahl der Teilnahmen
12 (Stand 2014)
Höchste Platzierung
1 (2004)
Höchste Punktzahl
280 (2004)
Niedrigste Punktzahl
30 (2003, 2005)
Punkteschnitt (seit erstem Beitrag)
140,42 (Stand 2014)
Punkteschnitt pro abstimmendem Land im 12-Punkte-System
3,71 (Stand 2014)

Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichte der Ukraine als Teilnehmerin am Eurovision Song Contest.

Regelmäßigkeit der Teilnahme und Erfolge im Wettbewerb[Bearbeiten]

Die Ukraine nahm erstmals 2003 und seitdem jedes Jahr am Eurovision Song Contest teil. Während der erste Beitrag noch mit dem 14. Platz im Mittelfeld landete, wurde mit Ruslana und Wild dances bereits im Folgejahr der erste Sieg im Wettbewerb erzielt. Nach schlechter Platzierung 2005 konnte die Ukraine 2006, 2007 und 2008 wieder überzeugen und man erreichte einen 7. Platz und zweimal den 2. Platz. Nach einem 12. Platz 2009 und einem zehnten Platz 2010 erreichte man 2011 wieder die Top 4. 2012 wäre die Ukraine bei reinem Televoting zum ersten Mal bereits im Semifinale ausgeschieden, jedoch brachte die Jury das Land knapp ins Finale, wo man trotz hoher Jurywertungen nur Platz 15 erreichte. 2013 wendete sich das Blatt abermals und man erreichte Platz 3 im Finale. Acht von elf Teilnahmen landeten in der vorderen Tabellenhälfte. Somit gehört die Ukraine zu den derzeit erfolgreichsten Ländern beim Contest. Der ukrainische Rundfunk hat angekündigt, dass die Ukraine 2015 aus finanziellen und militärischen Gründen nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen wird.[1]

Liste der Beiträge[Bearbeiten]

Farblegende:   – Siege.   – Punktgleichheit mit dem letzten Platz.   – Beiträge ohne Finalteilnahme.

Jahr Interpret Titel
(Musik / Text)
Übersetzung Platz Punkte
2003 Olexandr Ponomariov
Олександр Пономарьов
Hasta la vista
(Svika Pick / Mirit Shem Or)
Auf Wiedersehen 14 / 26 30
2004 Ruslana
Руслана
Wild Dances
(Ruslana / Ruslana, Oleksandr Ksenofontov)
Wilde Tänze 01 / 24
SF: 02 / 22
280
2005 Greenjolly
Ґринджоли
Razom nas bahato
Разом нас багато
(Roman Kalyn, Roman Kostyuk, Mikola Kulinich)
Zusammen sind wir mehr 20 / 24 30
2006 Tina Karol
Тіна Кароль
Show Me Your Love
(Tina Karol, Mikhail Nekrasov / Pavel Shilko)
Zeige mir deine Liebe 07 / 24
SF: 07 / 23
145
2007 Verka Serduchka
Вєрка Сердючка
Dancing Lasha Tumbai
Dancing Лаша тумбай
(Andrei Danilko)
02 / 24 235
2008 Ani Lorak
Ані Лорак
Shady Lady
(Philip Kirkorov / Karen Kavaleryan)
Dubiose Dame 02 / 25
SF: 01 / 19
230
2009 Svetlana Loboda
Світлана Лобода
Be My Valentine (Anti-Crisis Girl)
(Switlana Loboda / Jewgeni Matjuschenko)
Sei mein Valentin (Anti-Krisen-Mädchen) 12 / 25
SF: 06 / 19
76
2010 Alyosha
Альоша
Sweet People
(Olena Kucher, Borys Kukoba, Vadim Lisitsa / Olena Kucher)
Liebe Leute 10 / 25
SF: 07 / 17
108
2011 Mika Newton
Міка Ньютон
Angel
(Ruslan Kvinta / Maryna Skomorohova)
Engel 04 / 25
SF: 06 / 19
159
2012 Gaitana
Гайтана
Be My Guest
(Gaitana)
Sei mein Gast 15 / 26
SF: 08 / 18
65
2013 Zlata Ognevich
Злата Огневич
Gravity
(Mikhail Nekrasov / Karen Kavaleryan)
Schwerkraft 03 / 26
SF: 03 / 16
214
2014 Marija Jaremtschuk
Mapия Яремчук
Tick Tock
M: Maria Yaremchuk
06 / 26
SF: 05 / 16
113

Kommerzielle Erfolge[Bearbeiten]

Ruslana, Siegerin 2004 in Istanbul
Zlata Ognevich, 2013 in Malmö
Maria Yaremchuk, 2014 in Kopenhagen

Wild Dances war europaweit kommerziell sehr erfolgreich und lag in Griechenland sowie zehn Wochen lang in Belgien auf Platz eins der Charts. In der Ukraine erreichten die ukrainische und englische Fassung unabhängig voneinander ebenfalls Platz eins in den Charts. Dancing Lasha Tumbai, der Beitrag des Jahres 2007, erreichte – allein durch Downloads – Platz 28 in Großbritannien[2] sowie Platz 31 in Irland.[3] In Frankreich war das Lied sogar ein Top-10-Hit und erreichte Platz sechs.[4]

Nationale Vorentscheide[Bearbeiten]

Während die ukrainischen Vertreter 2003 und 2004 noch intern ausgewählt wurden, veranstaltete NTU in den Folgejahren jeweils einen nationalen Vorentscheid, jedes Mal nach einem anderen Modus:

2005[Bearbeiten]

2005 war der Vorentscheid besonders aufwändig, er umfasste nicht weniger als 15 Halbfinalrunden mit je fünf Teilnehmern, von denen sich jeweils der beste für das Finale qualifizierte. Kurz vor dem Finale gab NTU jedoch bekannt, dass vier weitere Künstler eine "Wildcard" für das Finale erhielten, von denen Greenjolly auch gewannen. Abgestimmt wurde per Telefonvoting.[5]

2006[Bearbeiten]

Mit Hilfe der Castingshow Ti-Zirka, an der jedoch auch professionelle Sänger teilnehmen konnten, sollte der ukrainische Vertreter 2006 bestimmt werden. Die drei Finalisten stellten jeweils einen eigenen Beitrag vor und durch eine Mischung aus Telefonabstimmung und einer professionellen Jury.[6]

2007[Bearbeiten]

2007 wurde ein Vorentscheid im „klassischen“ Sinn veranstaltet, sieben Künstler stellten an einem Abend je einen Titel vor. Der Sieger wurde erneut mit Hilfe einer Mischung aus Telefonvoting und Expertenjury bestimmt.[7]

2010[Bearbeiten]

An Silvester 2009 stellte der ukrainische Sender den intern ausgewählten Kandidaten für den Grand Prix 2010 vor. Es war Wassyl Lazarowich. Am 6. März stellte er in einem öffentlichen Vorentscheid sechs Songs vor. Entschieden wurde per Televoting und Expertenjury. Es gab Kritik, weil andere Sänger nicht die Chance hatten, sich als Kandidat zu bewerben. Gewonnen hat die Ballade I Love You.

Allerdings wechselte kurz darauf das Management des Senders. Dies entschied, dass der jetzige Teilnehmer zurückgezogen und ein Neuer gesucht wird. Jetzt hatten auch andere Sänger die Chance das Ticket nach Oslo zu lösen. Der Sender erlaubte dem zurückgewiesenden Sänger Wassyl Lazarowich an dem neuen Vorentscheid teilzunehmen. Dies tat er auch, wurde aber mit seinem vorher ausgewählten Song nur Achter. 20 Songs nahmen im Finale ohne Semifinals teil. Entschieden wurde wieder per Televoting und Expertenjury.

2011[Bearbeiten]

In diesem Jahr gab es 5 Vorrunden, drei Semifinals vor dem eigentlichen Finale. Auch 2011 gab es einen Eklat bei der Vorentscheidung, da sich die Zweitplatzierte Zlata Ohnewitsch und die Drittplatzierte Jamala aufgrund einer angeblichen Abstimmungsmanipulation durch die Siegerin Mika Newton betrogen fühlten. Der Sender NTU bot ein zweites Finale unter den ersten drei an, das aber aufgrund der Absage der beiden Kläger nicht zustande kam. Somit konnte Mika Newton dennoch die Ukraine vertreten.

2012–2014[Bearbeiten]

Seit 2012 gab es keinerlei Auffälligkeiten mehr. Die Vorrunden wurden abgeschafft und ein Finale, 2012 im Februar und seit 2013 Ende Dezember, bestehend aus 21 und seit 2013 20 Teilnehmern, führt zum ukrainischen Beitrag.

Ausrichter des Eurovision Song Contest 2005[Bearbeiten]

Nach dem Sieg 2004 richtete die Ukraine den Eurovision Song Contest 2005 in Kiew aus. Zwischen den beiden Wettbewerben war im Land die Zeit der „orangen Revolution“, weshalb es nicht sicher war, ob der Wettbewerb tatsächlich in Kiew stattfinden könne. Eine Ausrichtung durch die Ukraine war zudem teilweise nur bedingt gerne gesehen, da es sich um die fünfzigste Ausgabe des Wettbewerbes handelte und man der Ukraine, die erst zweimal teilgenommen hatte, nicht zutraute, das Jubiläum entsprechend zu würdigen.

Sprachen[Bearbeiten]

Ein Großteil der ukrainischen Beiträge wurde komplett auf Englisch vorgestellt, es gab jedoch einige Ausnahmen. So hatte der Beitrag von 2003 eine spanische Titelzeile und der Siegertitel von 2004 enthielt einige Zeilen in der Landessprache. Sowohl 2005 als auch 2007 waren die Lieder multilingual: Greenjolly sangen auf Ukrainisch, Englisch, Polnisch, Deutsch, Spanisch, Tschechisch, Französisch und Russisch;[8], Verka Serduchka zwei Jahre später auf Englisch, Deutsch, Ukrainisch und Russisch.[8] Die beiden Worte in der Titelzeile Lasha Tumbai haben keine Bedeutung, hören sich aber nach Russia goodbye an. Da politische Stellungnahmen beim Eurovision Song Contest nicht erlaubt sind, behauptete Verka, die Worte seien Mongolisch und bedeuteten „geschlagene Butter“.[9]

Verschiedenes[Bearbeiten]

  • Der ukrainische Beitrag von 2006 hieß ursprünglich I Am Your Queen, er erhielt nach dem Vorentscheid aber einen komplett neuen Text. Verfasst wurde dieser von Pavel Shilko – dem Moderator des Eurovision Song Contests 2005 in Kiew.
  • Ruslana war ursprünglich als Moderatorin des Eurovision Song Contests in Kiew angekündigt, gab aber knapp zwei Wochen vor der Veranstaltung ihren Rückzug aus zeitlichen Gründen bekannt.[10] Intern wurde gelästert, dass Ruslana wegen mangelnder englischer Sprachkenntnisse ihren Rückzug bekannt gab.
  • Seit dem Eurovision Song Contest 2005 gilt für Bürger der EU und der Schweiz, die in die Ukraine einreisen, Visafreiheit für 90 Tage. Diese Einreiseerleichterung wurde bei den Contests 2009 in Moskau (Russland) und 2012 in Baku (Aserbaidschan) jedoch nicht übernommen.[11][12]
  • Bei Mika Newtons Auftritt 2011 wurde die Gewinner des ukrainischen Pendants zu "Das Supertalent", Ksenija Symonowa, als Sandmalerin eingesetzt und ihre Zeichnungen auf die LED-Wand im Hintergrund übertragen.
  • 2013 wurde die ukrainische Interpretin Zlata Ohnewitsch von Igor Vovkovinskiy, dem größten lebenden Menschen der USA, auf die Bühne getragen.[13]

Belege[Bearbeiten]

  1. Ukraine withdraws
  2. http://www.esctoday.com/news/read/8753
  3. http://www.keithm.utvinternet.ie/IrishCharts.htm
  4. http://www.charts-surfer.de/musiksuche.php
  5. http://www.geocities.ws/national_finals_90s_00s/Ukraine2005.html
  6. http://www.geocities.ws/national_finals_90s_00s/Ukraine2006.html
  7. http://www.geocities.ws/national_finals_90s_00s/Ukraine2007.html
  8. a b http://www.diggiloo.net/?2005ua
  9. http://www.esctoday.com/news/read/8697
  10. http://www.esctoday.com/news/read/4368
  11. http://www.ukraina.at/neues/visumfreiheitmai2005.html
  12. http://www.ukraina.at/neues/visafreiheitverlaengertjuli2005.html
  13. Marco Brey, eurovision.tv: Ukraine invites us to a surreal fantasy. 2013, abgerufen am 20. Mai 2013 (englisch).