Ulf Bästlein

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Ulf Bästlein

Ulf Bästlein (* 1959 in Flensburg, Schleswig-Holstein) ist ein deutscher Sänger (Bassbariton) und promovierter Philologe (Germanist und Altphilologe). Bästlein hat eine Professur für Gesang an der Kunstuniversität Graz (Österreich).

Leben[Bearbeiten]

Nach einem Studium der klassischen Philologie und Germanistik (Staatsexamina, Promotion als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes) in Freiburg im Breisgau, Rom und Wien begann Ulf Bästlein sein Gesangsstudium bei Albrecht Meyerolbersleben an der Musikhochschule Freiburg, wo er ein Stipendium der hochschuleigenen Rosenberg-Stiftung erhielt und 1994 seine Ausbildung mit Auszeichnung abschloss. Er besuchte Meisterkurse bei Elisabeth Schwarzkopf, Leonore Kirschstein und Aldo Baldin. In seiner Dissertation befasste er sich mit dem Verhältnis von Ton und Wort (anhand der Problematik der Notation mündlich „vorgetragener“ frühmittelalterlicher Texte).

Noch während des Studiums erfolgte eine erste Rundfunkaufnahme beim SWF sowie sein erstes Engagement am Stadttheater Heidelberg. Ebenfalls während der Ausbildung wirkte er bei den Festspielen in Weikersheim (Escamillo) mit und bekam ein Engagement am Stadttheater Augsburg. Er wurde erster Preisträger beim Landeswettbewerb des VDMK (Baden-Württemberg) und zweiter Preisträger beim Bundeswettbewerb Gesang in Berlin. Fernsehaufnahmen erfolgten bei ARD und ZDF. Er wurde Preisträger beim 2. Nürnberger Meistersänger-Wettbewerb und erhielt darauf folgend ein Engagement am Staatstheater Hannover.

Bühnentätigkeit[Bearbeiten]

1990 bis 1992 war Ulf Bästlein an den Bühnen der Hansestadt Lübeck fest verpflichtet. Seine wichtigsten Partien: Papageno (Zauberflöte, Mozart), Graf Almaviva (Die Hochzeit des Figaro, Mozart), Guglielmo (Così fan tutte, Mozart), Dandini (Cenerentola, Rossini), Zar (Zar und Zimmermann, Lortzing), Fluth (Die lustigen Weiber von Windsor, Nicolai), Onegin (Eugen Onegin, Tschaikowski), Valentin (Margarete, Gounod), Besenbinder (Hänsel und Gretel, Humperdinck).

Er gastierte häufig u.a. mit dem Papageno (Die Zauberflöte, Mozart) an der Hamburgischen Staatsoper und konnte sich als ausgezeichneter Sänger-Darsteller profilieren.

Konzerte[Bearbeiten]

Konzertreisen führten ihn zu den renommierten Konzertzentren und Festivals im In- und Ausland unter Dirigenten wie Donald Runnicles, Christof Prick, Bernhard Klee, Jesús López Cobos, Helmuth Rilling, Marcello Viotti, Jos van Immerseel, Martin Haselböck, Bruno Weil, Cristobal Halffter und vielen anderen.

Unter anderem sang er allein 1994 insgesamt 28 Winterreise-Aufführungen in Deutschland und Italien. Tourneen mit Helmuth Rilling führten ihn nach Israel in Zusammenarbeit mit dem Israel Philharmonic Orchestra (Matthäuspassion mit Rundfunkaufzeichnung). Er wirkte mit beim Brahms-Festival in Lübeck, Musik-Sommer Mecklenburg-Vorpommern, Westfälischen Musikfestival, Rheingau Musik Festival, Festival von Stresa in Italien, Festival von Palermo, Festival van Vlaanderen, Bachfest Rostock, Schleswig-Holstein Musik Festival (verschiedene Recitals und Konzerte), Selzacher Musiksommer (Partie des Don Giovanni in der gleichnamigen Mozart-Oper und des Grafen Eberbach in Wildschütz, Lortzing), Styriarte, Ludwigsburger Schlossfestspiele und vielen anderen.

1996 wirkte er bei der Uraufführung Mittersill 101 (Giovanni Sollima) in Palermo mit und 1997 bei der Uraufführung des Celan-Liederzyklus von Friedhelm Döhl. 2000 sang Ulf Bästlein Beethoven-Konzertarien unter Jos van Immerseel im Concertgebouw Amsterdam (Radio Kamerorkest NL). Das Teatro Massimo Palermo engagierte ihn für mehrere Aufführungen (orchestrierte Schubert-Lieder). 2001 sang er bei den Internationalen Festtagen Alter Musik Stuttgart den Orgonte in Johann Gottlieb Naumanns Oper Acis e Galatea (Frieder Bernius). 2003 wirkte er bei Aufführungen des Jephtha (Händel) in Athen (Megaron) unter Ralf Weikert sowie bei der Uraufführung von Michael Radulescus Passio im Grazer Dom (außerdem in Wien und Vicenza). 2004 führten ihn Konzerte mit der Titelpartie in Mendelssohns Elias nach München (Philharmonie) und Berlin (Schauspielhaus), weltliche Bach-Kantaten nach Mailand (Orchestra Sinfonica Di Milano Giuseppe Verdi, Auditorium) sowie Händels Israel in Egypt in den Wiener Musikvereinssaal (Wiener Singverein, Capella Leopoldina). 2005 sang er die Stimme des Herrn (Franz Schmidt: Das Buch mit sieben Siegeln) u.a. in Graz (Stefaniensaal) und Zagreb (Lisinski-Hall: Grazer Domchor), etliche Liederabende mit Charles Spencer (Schubert, Strauss, Mahler: u.a. bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen) und in Budapest die Partie des Sprechers in der Zauberflöte (State Opera Orchestra, György Györiványi Ráth, National Concert Hall). 2006 übernahm Ulf Bästlein die Partie des Jesus in der wiederentdeckten (Erstaufführung) Markus-Passion von Carl Philipp Emanuel Bach in Bremen (Glocke) und Berlin (Philharmonie, EuropaChorAkademie) und gestaltete die Uraufführung der für ihn von Friedhelm Döhl komponierten Trakl-Lieder in Lübeck (Großer Saal der Musikhochschule).

Aufnahmen[Bearbeiten]

Rundfunk- und Fernsehaufnahmen erfolgten bei Radio Bremen, beim SWF (u.a. Brahms-Lieder, Schumann-Lieder), NDR (u.a. Reiner Bredemeyer Winterreise, Igor Strawinski Les Noces und Le Renard, Friedhelm Döhl Hölderlin-Zyklus „Wenn aber“, Dietrich Buxtehude sowie Bruhns: Solo-Kantaten), BR (Cristóbal Halffter Siete Cantos De Espana in der Reihe Musica Viva mit dem Orchester des Bayrischen Rundfunks), Holländischen Rundfunk (Beethoven: Konzertarien), ARD, ZDF und beim Belgischen Fernsehen (Felix Mendelssohn Bartholdy Paulus).

Sein CD-Debüt (1990, audite) mit Heine-Liedern des 19. Jahrhunderts fand ebenso große Anerkennung in der Fachpresse wie seine Einspielung von Franz Schubert Winterreise (1992, Ars Musici). Weitere CD-Produktionen: Johann Sebastian Bach Weihnachtsoratorium, Gabriel Fauré Requiem, Hans Krása Rimbaud-Lieder (beide bei Ars Musici), Franz Schubert Nacht- und Todeslieder sowie Weinlieder aus drei Jahrhunderten (ebenfalls bei Ars Musici). 1998 nahm er mit der Wiener Akademie (M. Haselböck) Il Gideone von Nicola Porpora auf (cpo). Unter Jos van Immerseel (Orchester: Anima Aeterna) sang Ulf Bästlein die Bariton-Soli in Beethovens 9. Sinfonie (sony classical). Im August 1999 hat er bei CordAria Die schöne Magelone von Brahms (Sprecherin: Barbara Auer) sowie Goethe-Schubert-Lieder für Naxos eingespielt. 2003 nahm er mit Charles Spencer die CD Storm-Lieder (Dabringhaus und Grimm) sowie Schumanns Dichterliebe und Kerner-Zyklus (Hänssler) auf. 2005 wirkte der Bass-Bariton bei einer Neuaufnahme von Mozarts Zauberflöte in Budapest mit (Vox Artis, Hungarian State Opera Orchestra, György Györiványi Ráth). 2006 übernahm er bei der Erstaufnahme der Markus-Passion von Carl Philipp Emanuel Bach (Capriccio) die Partie des Jesus. 2007 folgte die Ersteinspielung von Anselm Hüttenbrenner-Liedern beim ORF (Gramola), für 2008 sind weitere Aufnahmen mit Charles Spencer am Klavier geplant.

Lehrtätigkeit[Bearbeiten]

Der Bass-Bariton lehrte von 1993 bis 2000 an der Musikhochschule Lübeck (1999 Ernennung zum Professor auf Lebenszeit), von 1996 bis 2003 an der Folkwang-Hochschule Essen und ist seit 2000 als Professor für Gesang an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz tätig. 2008 erschienen die beiden ersten Bände der von ihm initiierten und herausgegebenen Edition: Lieder von Anselm Hüttenbrenner beim Musik-Verlag Accolade.

Ulf Bästlein leitet regelmäßig im In- wie Ausland Meisterkurse zu den Themenkreisen Lied – Oratorium – Oper, ist häufig als Juror bei Gesangswettbewerben tätig und gründete in Zusammenarbeit mit dem Pianisten Charles Spencer und der Landesregierung Schleswig-Holstein in Husum ein Lied-Festival. Beide Künstler treten häufig mit unterschiedlichsten Liedprogrammen gemeinsam an die Öffentlichkeit.

Diskografie und Publikationen[Bearbeiten]

  • Lieder nach Gedichten von Heinrich Heine (Schubert, Mendelssohn, Schumann, Heller u.a.), Klavier: Stefan Laux, 1990, audite 97.423
  • Rimbaud-Lieder (Krasa), Ensemble Aventure, 1994, Ars Musici AM 1104-2
  • Fauré-Requiem und Missa sacra (Schumann), Dirigent: Winfried Toll, Camerata und Camerata Vocale Freiburg, 1994, Ars Musici AM
  • Winterreise (Schubert), Klavier: Stefan Laux, 1995, Ars Musici: AM 1126-2
  • Sollst sanft in meinen Armen schlafen: Lieder zu den Themen Nacht und Tod (Schubert), Klavier: Stefan Laux, 1996, Ars Musici: AM 1157-2
  • Trunken müssen wir alle sein: Weinlieder aus drei Jahrhunderten (Meyerbeer, Schubert, Schumann, Wolf, Lortzing, Liszt, Chopin, Schoeck, Eisler u.a.), Klavier: Stefan Laux, 1998, Ars Musici: AM 1237-2
  • Il Gedeone (Nicola Porpora), Dirigent: Martin Haselböck, Wiener Akademie, Musica Imperialis, Partie des Ioas, 1998, cpo 999 615-2
  • Goethe Lieder (Schubert), Klavier: Stefan Laux, Deutsche-Schubert-Lied-Edition 3, 1999, Naxos 8.554665
  • 9. Symphonie (Beethoven), Dirigent: Jos van Immerseel, Anima Aeterna Symphonieorchester und Chor, 1999, Sony Classical, SK 61800 0618002003
  • Die schöne Magelone (Brahms), Klavier: Dietmar Löffler, Erzählung: Barbara Auer, 2000, cordaria, CACD 558
  • Joseph I., Ferdinand III., Leopold I.: Sacred Works, Dirigent: Martin Haselböck, Wiener Akademie, Musica Imperialis, Baß-Partien, 2001, cpo 999 681-2
  • Aci e Galatea (Johann Gottlieb Naumann): Dirigent: Frieder Bernius, Barockorchester Stuttgart, Kammerchor Stuttgart, Partie des Orgonte, 2002, Orfeo, C 222022 H
  • Lieder nach Gedichten von Theodor Storm (Hermann Reutter, Brahms, Alban Berg, Schoeck, Franz Schreker, Joseph Marx, Hans Christian Détlefsen u.a.), Klavier: Charles Spencer, 2004, Dabringhaus und Grimm, MDG 603 1234-2
  • Dichterliebe und Kerner-Lieder (Schumann), Klavier: Stefan Laux, 2004, Hänssler Classic CD 98.452
  • Die Zauberflöte (Mozart), Dirigent: György Györiványi Ráth, Hungarian State Opera Orchestra, Partie des Sprechers, 2006, Vox Artis VA 006
  • Leiden und Tod unseres Herrn und Heilands Jesus Christus: Eine Passion: 2003 (Michael Radulescu): Dirigent: Michael Radulescu, Domkantorei und Domorchester Graz, Christusworte, 2006
  • Hausschatz deutscher Dichtung: Gedichte und Balladen mit Musik aus zwei Jahrhunderten, Sprecher: F. Arnold, C. Brückner, M. Carrière, U. Matthes, C. Rode, J. Sachau, A. Thalbach, D. Wolters, Lieder (F. Schubert und R. Schumann) gesungen von U. Bästlein, Th. Bauer, S. Bluth, H. Hagegård, W. Holzmair, L. Russel, T. Takács, 2006, Audiobuch, Freiburg i. Br., Katalog.-Nr.: ISBN 978-3-89964-214-8, ISBN 3-89964-214-7, Best.-Nr. 64214
  • Markus-Passion (C. Ph. E. Bach), Dirigent: Joshard Daus, Mendelssohn Symphonia, EuropaChorAkademie, Christusworte, Ersteinspielung, 2007, Capriccio 60 132 WG: 31 4006408601326
  • Gliederungsinitialen in frühmittelalterlichen Epenhandschriften, Studie zur Problematik ihres Auftretens, ihrer Entwicklung, Funktion und Bedeutung für den mündlichen Vortrag, Europäische Hochschulschriften, Reihe 1: Deutsche Sprache und Literatur, Bd. 1167, Peter Lang, Frankfurt 1991, ISBN 3-631-42400-0
  • Anselm Hüttenbrenner: Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung: Vol. 1, herausgegeben von Ulf Bästlein, Alice und Michael Aschauer, 2008, Accolade Musikverlag: ACC.1209a
  • Anselm Hüttenbrenner: Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung: Vol. 2, herausgegeben von Ulf Bästlein, Alice und Michael Aschauer, 2008, Accolade Musikverlag: ACC.1209b

Weblinks[Bearbeiten]