Ulf Kirsten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ulf Kirsten

Ulf Kirsten (ca. 1997)

Spielerinformationen
Geburtstag 4. Dezember 1965
Geburtsort RiesaDDR
Größe 172 cm
Position Stürmer
Vereine in der Jugend
1972–1978
1978–1979
1979–1983
BSG Chemie Riesa
BSG Stahl Riesa
Dynamo Dresden
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1983–1990
1990–2003
Dynamo Dresden
Bayer 04 Leverkusen
154 0(57)
350 (182)
Nationalmannschaft

1985–1990
1992–2000
DDR U-21
DDR
Deutschland
10 00(4)
49 0(14)
51 0(20)
Stationen als Trainer
2003–2005
2005–2011
Bayer 04 Leverkusen (Co-Trainer)
Bayer 04 Leverkusen II
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Ulf Kirsten (* 4. Dezember 1965 in Riesa) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und gilt als einer der besten deutschen Torjäger der 1980er und 1990er Jahre. „Der Schwatte“ war Cheftrainer der zweiten Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen in der Regionalliga West und kümmert sich um seine eigene Stiftung, die „Ulf-Kirsten-Stiftung“, zugunsten der Nachwuchsarbeit seines Heimatvereins Dynamo Dresden.

Laufbahn als Spieler[Bearbeiten]

Ulf Kirsten (rechts) im Duell mit Mathias Morack bei einem DDR-Oberligaspiel Dynamo Dresden – FC Union Berlin im Mai 1988

Vor der Wende[Bearbeiten]

Kirsten begann seine Karriere, bevor er 1979 zur SG Dynamo Dresden wechselte, bei zwei Vereinen in seiner Heimatstadt Riesa – BSG Chemie Riesa (1972–1978) und BSG Stahl Riesa (1978–1979).

Bei den Dresdner Dynamos schaffte Kirsten in der Oberligasaison 1983/84 den Sprung in die erste Mannschaft. Bis zu seinem Wechsel von der SG Dynamo Dresden zum TSV Bayer 04 Leverkusen im Sommer 1990 war der kampfstarke Stürmer aus den Reihen der Schwarz-Gelben nicht mehr wegzudenken. In 154 Oberligaspielen traf er 57-mal für Dresden. Im Europapokal erzielte Kirsten in 21 Spielen acht Treffer. Der international größte Erfolg der Dresdner in Kirstens Zeit bei Dynamo war der Einzug ins Halbfinale des UEFA-Pokal in der Saison 1988/89, wo man knapp (0:1-Niederlage beim VfB Stuttgart und 1:1-Unentschieden in Dresden) am Einzug ins Finale scheiterte. Nationale Titel konnte Ulf Kirsten mit Dynamo Dresden mehrfach gewinnen: 1988/89 und 1989/90 wurden die Dynamos DDR-Fußballmeister und gewannen 1984, 1985 (jeweils gegen den Serienmeister und Erzrivalen BFC Dynamo) und 1990 (gegen den Polizeisportverein Schwerin) mit Kirstens Beteiligung den FDGB-Pokal. Zudem wurde er zum Fußballer des Jahres 1990 ernannt.

Unumstrittener Stürmerstar in Leverkusen[Bearbeiten]

Der Sprung in die 1. Bundesliga gelang Ulf Kirsten ohne Mühe, bereits in seinem ersten Bundesligaspiel traf er gegen den FC Bayern München. Er entwickelte sich bei den Leverkusenern zum besten einheimischen Bundesligastürmer der 1990er Jahre. Von der Spielzeit 1990/91 bis zur Saison 2002/03 konnte Kirsten in 350 Erstligabegegnungen 182-mal ins gegnerische Tor treffen. Dazu kommen 32 Europapokaltreffer in 54 Partien für den Werksklub aus dem Rheinland. Vier Mal – 1996/97, 1998/99, 1999/2000 und 2001/02 – wurde Kirsten jeweils Bundesliga-Zweiter. Ein Meistertitel mit Leverkusen blieb ihm jedoch in allen 13 Spielzeiten versagt, aber 1993 gewann der Verein durch ein Tor von Kirsten den DFB-Pokal 1993 im Endspiel gegen die Amateure von Hertha BSC. Der Traum vom Europapokalsieg erfüllte sich auch bei Bayer 04 Leverkusen nicht. In der Saison 2001/02, als der Verein sowohl in der Meisterschaft als auch im DFB-Pokal 2002 nur Zweiter wurde, unterlagen Kirsten & Co. im Glasgower Hampden Park gegen Real Madrid im Finale der UEFA Champions League mit 1:2.

Zu seinen persönlichen Erfolgen im Fußball gehörten neben der Wahl zum vorletzten DDR-Fußballer des Jahres im Jahr 1990 die drei Torjägerkanonen in den Bundesligaspielzeiten 1992/93 (20 Tore), 1996/97 (22 Tore) und 1997/98 (erneut 22 Tore).

Mit seinen 182 Bundesligatoren belegt Kirsten Platz 5 der ewigen Torschützenliste der Bundesliga.

In den Auswahlteams der DDR und der Bundesrepublik[Bearbeiten]

Ulf Kirsten bestritt exakt 100 A-Länderspiele – 49 Partien für die DDR (14 Tore) und 51 für die Bundesrepublik Deutschland (20 Tore) – (gesamt 34 Tore).

Kirsten, der zehn mal (vier Tore) für die U-21 der DDR aktiv war, debütierte für die A-Auswahl der DDR bereits als 19-Jähriger am 8. Mai 1985 in Kopenhagen bei der 1:4-Niederlage gegen Dänemark. Für eine Welt- oder Europameisterschaft konnte sich die DDR weder 1986 und 1988 noch 1990 qualifizieren. Kirstens Karriere in der DDR-Fußballnationalmannschaft endete am 13. Mai 1990 mit einem 3:3-Unentschieden gegen Brasilien im Estádio Mário Filho (Maracanã) von Rio de Janeiro.

Sein erstes Spiel im Trikot des DFB-Teams absolvierte der gebürtige Riesaer am 14. Oktober 1992 beim 1:1-Remis gegen Mexiko im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. Kirsten gehörte 1994 und 1998 zum WM-Aufgebot der Deutschen unter Trainer Berti Vogts, wobei er nur beim Turnier in Frankreich 1998 zu vier Kurzeinsätzen ohne Tor kam. Während Kirsten 1992 und 1996, als die Vogts-Elf den Titel in England gewann, nicht im deutschen EM-Kader war, nominierte ihn Erich Ribbeck für die Fußball-Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden im Jahr 2000. Im Rahmen dieses Turniers absolvierte Ulf Kirsten am 20. Juni 2000 bei der 0:3-Niederlage gegen Portugal im Feijenoord-Stadion von Rotterdam sein 100. und letztes A-Länderspiel.

In zwei seiner Länderspiele gelangen Ulf Kirsten drei Tore: Am 28. März 1990 für die DDR-Fußballnationalmannschaft unter Trainer Eduard Geyer gegen die USA (3:2-Sieg) und am 2. April 1997 in einem WM-Qualifikationsspiel gegen die Mannschaft Albaniens (3:2-Sieg) für die Deutsche Fußballnationalmannschaft.

Laufbahn als Trainer[Bearbeiten]

Nach dem Karriereende 2003 wurde Kirsten von Bayer Leverkusen als Co-Trainer der ersten Mannschaft verpflichtet. 2005 wechselte er für 6 Jahre auf die Position des ersten Trainers der zweiten Mannschaft.

Seit Oktober 2012 arbeitet Kirsten bei einer Sportagentur im Bereich Marketing und Spielervermittlung mit dem Schwerpunkt Asien.[1]

Soziales Engagement[Bearbeiten]

Ulf Kirsten gründete mit den Einnahmen seines Abschiedsspiels vom 16. November 2003 die Ulf-Kirsten-Stiftung. Deren Ziel ist die nachhaltige Förderung des Sports, insbesondere des Jugendfußballs, in Dresden und der Region Dresden.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Ulf Kirsten ist verantwortlich für den Spitznamen „Zecke“ des Fußballprofis Andreas Neuendorf. Als dieser nach einer Untersuchung eines entzündeten Zeckenbisses zurück ins Training kam, rief Kirsten ihm zu: „Na, da is’ sie ja wieder: Die Zecke!“.
  • Obwohl Ulf Kirsten der erfolgreichste Bundesliga-Stürmer seiner Generation war, wurde nie einer seiner Treffer in der ARD als „Tor des Monats“ ausgezeichnet.
  • Sein Sohn Benjamin Kirsten ist Fußballtorhüter und aktuell Torwart bei Dynamo Dresden. Im Mai 2009 bestritt er dort seinen ersten Profieinsatz.
  • Kirsten war als inoffizieller Mitarbeiter „Knut Krüger“ für die Staatssicherheit der DDR tätig.[2][3]
  • Ulf Kirsten ist bekennender Eishockey-Fan des DEL-Clubs Kölner Haie[4]

Zitate[Bearbeiten]

  • Wenn bei einem Auswärtsspiel keiner ruft: „Kirsten, du Arschloch“, dann weiß ich genau, dass ich schlecht bin.
  • Eduard Geyer: „Dort, wo andere den Fuß wegziehen, geht Kirsten mit dem Kopf hin.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ulf Kirsten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Ich muss niemandem hinterherlaufen“. www.sz-online.de (kostenpflichtig), 11. September 2012, abgerufen am 11. September 2012.
  2. Jörg Winterfeldt: Mielkes Rächer unbestraft. welt.de. 22. März 2000. Abgerufen am 26. Juni 2009.
  3. Ingolf Pleil: Mielke, Macht und Meisterschaft. dynamo-dresden.de. 31. Juli 2001. Abgerufen am 26. Juni 2009.
  4. DEL: Top Team Sotschi: Bundestrainer Cortina benennt finalen Kader. http://www.del.org.+4.Dezember 2012. Abgerufen am 4. Dezember 2012.