Uljanowsk
| Stadt
Uljanowsk
Ульяновск
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Uljanowsk (russisch Улья́новск; bis 1924 Simbirsk, russisch Симби́рск) ist eine russische Großstadt an der Wolga mit 614.786 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010)[1] und Hauptstadt des Gebietes Uljanowsk.
| Uljanowsk | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Inhaltsverzeichnis |
Geografie [Bearbeiten]
Uljanowsk liegt im zentralen Teil des europäischen Russland und erstreckt sich an beiden Seiten des Kuibyschewer Stausees der Wolga, wobei der von der Bevölkerungszahl her größere Teil der Stadt am rechten Ufer liegt. Die Entfernung nach Moskau beträgt knapp 700 Kilometer Richtung Westen. Die nächstgelegene Stadt ist Nowouljanowsk (wörtlich „Neu-Uljanowsk“), etwa 20 km südlich von Uljanowsk entfernt.
Stadtgliederung [Bearbeiten]
Uljanowsk ist administrativ in vier Stadtbezirke (sogenannte Rajons) unterteilt (Einwohnerzahlen jeweils mit dem Stand von 2009):
- Leninski (Ленинский, „Lenin-Rajon“) – 100.942 Einwohner
- Saswijaschski (Засвияжский, „hinter der Swijaga“) – 213.193 Einwohner
- Sawolschski (Заволжский, „hinter der Wolga“) – 214.406 Einwohner
- Schelesnodoroschny (Железнодорожный, „Eisenbahn-Rajon“) – 75.241 Einwohner
Geschichte [Bearbeiten]
Das heutige Uljanowsk wurde im Jahr 1648 gegründet. Ursprünglich hieß der Ort Simbirsk (anfangs Sinbirsk, einigen Hypothesen zufolge abgeleitet von einer zu Zeiten der Goldenen Horde existenten tatarischen Festung namens Sinbar) und diente als militärischer Stützpunkt des Russischen Zarentums an dessen östlichen Grenzen. Zu dieser Zeit war Simbirsk als Festung nach dem Vorbild altrussischer Kremls angelegt. 1670 konnte die Festung einem Angriff der aufständischen Bauern um Stenka Rasin standhalten. Allerdings verlor sie später diese Bedeutung und entwickelte sich als normale Provinzsiedlung. Im 18. Jahrhundert war Simbirsk abwechselnd den Gouvernements Kasan und Astrachan unterstellt, bis es 1796 Stadtstatus erhielt und zum Zentrum des neuen Simbirsker Gouvernements wurde.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt, auch dank der Lage an der Wolga, zu einer bedeutenden Handelsmetropole und einer der reichsten Städte des Russischen Zarenreichs. In dieser Periode entstanden hier zahlreiche öffentliche Einrichtungen und architektonisch anspruchsvolle Gebäude, von denen eine Reihe bis heute erhalten geblieben ist. 1898 erhielt Simbirsk erstmals einen Eisenbahnanschluss und im Jahr 1913 ein Kraftwerk. 1916 wurde die Wolga-Brücke fertiggestellt, was in den Folgejahrzehnten zur Ausweitung der Stadt auf das linke Flussufer geführt hat.
1924 wurde Simbirsk zu Ehren des kurz zuvor verstorbenen Revolutionsführers Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin), der hier 1870 geboren worden war, in Uljanowsk umbenannt. Diesen Namen behielt die Stadt auch nach dem Ende der Sowjetzeit. In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 215 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[2]
Bevölkerungsentwicklung [Bearbeiten]
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1897 | 41.684 |
| 1939 | 98.071 |
| 1959 | 205.942 |
| 1970 | 351.085 |
| 1979 | 463.964 |
| 1989 | 625.155 |
| 2002 | 635.947 |
| 2010 | 613.786 |
Anmerkung: Volkszählungsdaten
Wirtschaft [Bearbeiten]
Uljanowsk gilt heute als bedeutendes Industriezentrum vor allem mit dem Automobilwerk UAZ, dem Flugzeughersteller Aviastar-SP (bekannt u. a. für das Transportflugzeug Antonow An-124, welche in 532 m langen und 36 m Endmontagehallen gebaut werden) und dem Rüstungsbetrieb Uljanowski Mechanitscheski Sawod. Außerdem gibt es in der Stadt weitere Betriebe des Maschinen- und Gerätebaus. Darüber hinaus ist Uljanowsk Hauptsitz der Fluggesellschaft Volga-Dnepr Airlines.
Verkehr [Bearbeiten]
Die beiden Wolga-Ufer sind in Uljanowsk durch die 1916 fertiggestellte Brücke verbunden, die allerdings inzwischen als überlastet gilt. Eine neue Brücke für den Automobil- und Schienenverkehr wurde gebaut und ist für den Verkehr freigegeben. Aus Geldmangel war der Bau der Brücke für zehn Jahr unterbrochen worden. Die unvollendete Brücke, die an keines der beiden Wolgaufer heranreichte, war 2003 Kulisse für das Musikvideo zum Lied Nitschja des gleichnamigen Gesangsduos Nitschja. Der innerstädtische Personennahverkehr ist in Uljanowsk mit einem eigenen Straßenbahn- und Trolleybusnetz relativ gut ausgebaut. Es gibt außerdem Pläne für eine Stadtbahn, die auch die beiden Wolgaseiten miteinander verbinden soll.
Uljanowsk verfügt über einen Fernbahnhof, einen internationalen Flughafen (Uljanowsk-Wostotschnij), einen Regionalflughafen Zentralnij und einen Binnenhafen an der Wolga.[3]
Weiterführende Bildungseinrichtungen [Bearbeiten]
- Filiale der Internationalen Slawischen G.-R.-Derschawin-Universität (des Instituts)
- Filiale der Militärakademie für Etappe und Transport
- Filiale der Militäruniversität für Fernmeldewesen
- Filiale des A.-S.-Gribojedow-Instituts für internationales Recht und Ökonomie
- Höhere militärtechnische Lehranstalt
- Landwirtschaftliche Akademie Uljanowsk
- Luftfahrthochschule für Zivilluftfahrt Uljanowsk
- Ökonomisches Institut Uljanowsk der Staatlichen Ökonomischen Akademie Samara
- Staatliche Pädagogische Hochschule Uljanowsk
- Staatliche Technische Universität Uljanowsk
- Staatliche Universität Uljanowsk
Städtepartnerschaften [Bearbeiten]
Uljanowsk unterhält unter anderem seit 1993 eine Städtepartnerschaft zur nordrhein-westfälischen Stadt Krefeld.
Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]
- Yusuf Akçura (1876-1935), Ideologe des Panturkismus
- Ljudmila Beloussowa (* 1935), Eiskunstläuferin
- Harry Flosser (* 1967), Trickfilmemacher
- Iwan Gontscharow (1812–1891), Schriftsteller
- Alexander Kerenski (1881–1970), Politiker und Gegner Lenins
- Sergei Krutowskich (1928–1981), Computeringenieur
- Anatoli Prudnikow (1927–1999), Mathematiker
- Alexander Putschkow (* 1957), Hürdenläufer
- Dmitri Sadownikow (1847–1883), Ethnograph
- Stanislaw Schuk (1935–1998), Eiskunstlauftrainer
- Wladimir Uljanow, genannt Lenin (1870–1924), Revolutionsführer und Staatsmann
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
- ↑ Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
- ↑ Uljanowsk: Verkehrsmittel
Weblinks [Bearbeiten]
- Stadtverwaltung von Uljanowsk (russisch)
- Deutschsprachige Seite des Wirtschaftsausschusses der Region Uljanowsk
- Uljanowsk auf mojgorod.ru (russisch)
- Uljanowsk-Fotos (russisch)
- Stadtwiki Uljanowsk (russisch)
Verwaltungszentrum: Uljanowsk
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