Ullstadt

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49.61666666666710.477222222222300Koordinaten: 49° 37′ 0″ N, 10° 28′ 38″ O

Ullstadt
Markt Sugenheim
Höhe: 299–327 m
Einwohner: 387 (1987)
Postleitzahl: 91484
Vorwahl: 09164
Der Ortskern von Ullstadt

Der Ortskern von Ullstadt

Ullstadt ist ein Ortsteil des Marktes Sugenheim in Mittelfranken.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Das Pfarrdorf liegt am Ehebach, einem linken Zufluss der Aisch.

Geschichte[Bearbeiten]

Vermutlich wurde Ullstadt schon während der sogenannten Fränkischen Landnahme im 6. Jahrhundert gegründet. Nachweislich gehörte der Ort in staufischer Zeit Herrschaftsbereich der Edelherren von Speckfeld, danach den Herren von Hohenlohe und im Erbgang 1412 an die Grafen von Castell, denen aber nachweislich nur die Burg Kropfberg gehörte. Nach und nach erwarb die Familie von Seckendorff Grundstücke im Dorfbereich und bauten einen geschlossenen Herrschaftskomplex auf, den sie 1662 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten als Folge des Dreißigjährigen Krieges an die Freiherrn von Franckenstein verkauften. Anders als in anderen Orten des Raumes hatten sich nach Ende des Krieges hier nur vergleichsweise wenige protestantische Glaubensvertriebene aus Österreich niedergelassen, die den Wiederaufbau betrieben.[1] Die Franckenstein ließen von 1718 bis 1725 die alte Wasserburg nach Plänen des Baumeisters Johann Dientzenhofer zu einem schlicht-repräsentativen Schloss umbauen. Im Jahre 1742 ließ der Fürstbischof von Bamberg, Johann Philipp Anton von Franckenstein einen behaglich-monumentalen Schlosshof anlegen, zu dem der Bildhauer Ferdinand Dietz die Figuren und Trophäen lieferte. Ging der Besitz und die Herrschaft über das Dorf verloren, so gehört das Schloss mit dem Schlossgarten und seinem Rokoko-Salettl noch heute der Familie von und zu Franckenstein.

Ullstadt ist bekannt durch seinen jüdischen Friedhof und die Synagoge. Seit dem 17. Jahrhundert gab es in Ullstadt eine jüdische Gemeinde, die bis 1936 bestand. Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Fürth und hatte in ihrer Blütezeit, 1837, 50 Gemeindemitglieder. Der jüdische Friedhof und die Synagoge können noch besichtigt werden.

Ullstadt hat zwei Kirchen, die evangelische St.-Johannes-Kirche (1492) und die katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (1877).

Nördlich von Ullstadt, am Laimbach, befand sich vermutlich das Benediktinerkloster Megingaudshausen (Megingaudeshausen), das 816 von den Mattonen gegründet, aber schon um 877 wieder aufgegeben wurde, als die Mönche nach Münsterschwarzach umzogen.

Bis zur Gebietsreform in Bayern war Ullstadt eine politisch eigenständige Gemeinde. Seit 1. Mai 1978 gehört Ullstadt zur Marktgemeinde Sugenheim.

Baudenkmäler[2][Bearbeiten]

  • Am Bleichwasen 2: Ehemaliger Witwensitz der Margarete Franziska von Franckenstein, Mansarddachbau, 1729–31
  • Buchstraße 10: Ehemalige Synagoge und Rabbinerhaus, eingeschossige Bauanlage, 1821/22
  • Herrenstraße 2: Walmdachhaus mit einseitiger Mansarde, 1773
  • Herrenstraße 5: Wohnstallhaus, eingeschossig, mit verputztem Fachwerkgiebel, 1. Hälfte 19. Jahrhundert
  • Herrenstraße 11: Wohnstallhaus, eingeschossig, mit verputztem Fachwerkgiebel, 1. Hälfte 19. Jahrhundert
  • Herrenstraße 20: Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Johann Baptist, Chor 14. Jahrhundert, Langhaus und Turm 15. Jahrhundert; mit Ausstattung.
  • Herrenstraße 24: Barocke Wasserschlossanlage: Hauptbau 1718–25 von Johann Dientzenhofer, Mitte 18. und Mitte 19. Jahrhundert leicht umgestaltet; Ehrenhof, von zwei Flügelbauten gefasst und durch ein Gittertor geschlossen, 1746–50, von Johann Jakob Michael Küchel; Meiereihof mit Wohnhaus, Scheune und Remise, zweite Hälfte 18. Jahrhundert; mit Ausstattung; ummauerter Schlossgarten mit Gartenpavillon und Gärtnerhaus, erste Hälfte 18. Jahrhundert
  • Hohe Straße: Israelitischer Friedhof mit Grabmälern des 17.–19. Jahrhundert; darin Taharahaus, Sandsteinquaderbau mit Halbwalmdach, 1890; südlich des Ortes.
  • Kapellstraße 2: Wirtshausschild, 18./19. Jahrhundert
  • Kapellstraße 4: Fachwerk-Wohnstallhaus, eingeschossig, mit überdachtem Kellereingang, im Kern 17. Jahrhundert
  • Kapellstraße 7: Walmdachhaus mit Fachwerkobergeschoss, erste Hälfte 19. Jh.
  • Kapellstraße 12: Kath. Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, neuromanischer Bau, 1877; mit Ausstattung.
  • Lange Straße 14: Fachwerk-Wohnstallhaus, eingeschossig, erste Hälfte 19. Jahrhundert
  • Lange Straße 21: Ehemalige Dorfmühle, Satteldachhaus mit Fachwerkobergeschoss, bezeichnet 1709.
  • Nähe Kapellstraße: Katholischer Friedhof, mit Grabmälern des 19. Jahrhunderts; westlich der katholischen Pfarrkirche.

Einwohnerentwicklung der Gemeinde Ullstadt[Bearbeiten]

  • 1910: 563[3]
  • 1933: 443
  • 1939: 380[4]
  • 1987: 387[5]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Ort liegt an der Staatsstraße 2256, die nach Sugenheim bzw. nach Langenfeld führt. Die Kreisstraße NEA 30 führt zur B 8 bei Unterlaimbach.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ullstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eberhard Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Neustadt an der Aisch. Nürnberg 2012 (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 27), passim. ISBN 978-3-929865-32-5
  2. http://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_575165.pdf
  3. http://www.ulischubert.de/geografie/gem1900/gem1900.htm?mittelfranken/scheinfeld.htm
  4. http://geschichte-on-demand.de/bay_scheinfeld.html
  5. http://wiki-de.genealogy.net/Ullstadt