Ulmer Münster

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Das Ulmer Münster
Innenansicht, Blick zum Chor
Das innere Südschiff, Blick vom Südostturm her nach Westen
Blick auf die Turmspitze von Innen (Treppenaufgang zur Aussichtsplattform)

Das Ulmer Münster ist eine im gotischen Baustil errichtete Kirche in Ulm, einer ehemals freien Reichsstadt. Der 1890 vollendete 161,53 m hohe Turm ist der höchste Kirchturm der Welt. Der Grundstein wurde 1377 gelegt, als die freie Reichsstadt Ulm durch Jahrhunderte römisch-katholisch war. Durch die Predigten des Ulmer Reformators Konrad Sam und die nachfolgende Einführung des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses im Jahre 1520/1522 wurde das Ulmer Münster ein Gotteshaus der evangelischen Kirche, war bis 1894 im Besitz der Stadt Ulm und kam danach in den Besitz der evangelischen Kirchengemeinde Ulm. Es überstand die Bombardierungen der Stadt Ulm am Ende des Zweiten Weltkriegs 1944/1945 weitgehend unbeschädigt.

Bedeutung[Bearbeiten]

Das Ulmer Münster, wie es heute aussieht (etwa nach 1894)
Das Ulmer Münster 1887

Das Ulmer Münster ist eines der größten gotischen Gebäude in Süddeutschland und Kulturdenkmal. Es hat mit 161,53 m Höhe den bis heute höchsten Kirchturm der Welt. Der Chor des Münsters wird rechts und links von den beiden Chortürmen flankiert, die mit ihrer Höhe von 86 m zur Gruppe der besonders hohen Türme gehören. Das Kirchengebäude ist 123,56 Meter lang und 48,8 Meter breit. Das Mittelschiff hat eine Höhe von 41,6 Metern, die Höhe der Seitenschiffe beträgt 20,55 Meter. Das Münster hat rund 190.000 Kubikmeter umbauten Raum und der hohe Westturm belastet die Fundamente mit einer Masse von 51.500 Tonnen. Bei der Grundsteinlegung 1377 sollte diese Pfarrkirche eine Kirche der Bürger sein. Sie wurde von den weniger als 10.000 Bürgern der Stadt finanziert. Da das Münster nie als Bischofssitz geplant war, waren von Beginn an nur ein zentraler Westturm und zwei Chortürme vorgesehen (vgl. Abbildung des Grundsteinreliefs). Deshalb gibt es in der Kirche auch keine Krypta oder Grablege. Hauptfassaden mit zwei flankierenden Türmen waren im Allgemeinen Bischofskirchen und Abteien vorbehalten.

Das Münster bietet 2.000 Sitzplätze in der normalen Bestuhlung. Beim Württembergischen Landesposaunentag, der alle zwei Jahre in Ulm stattfindet, haben durch zusätzliche Sitzgelegenheiten 4.500 Bläser mit Instrumenten Platz im Münster. Im Mittelalter bot es Platz für 20.000 bis 22.000 Menschen, da es damals üblich war, während des Gottesdienstes zu stehen.

Der Hauptturm kann über 768 Stufen bis zu einer Galerie im oberen Drittel des Turmhelms in einer Höhe von 143 m[1] bestiegen werden. Von dort bietet sich dem Besucher ein eindrucksvolles Panorama der Stadt und ihrer Umgebung. An einigen Tagen im Jahr ist bei Föhn sogar der Blick über ganz Oberschwaben bis zu den Alpen möglich.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Erster Bauabschnitt 1377–1543[Bearbeiten]

Die Höhe des Ulmer Münsters im Vergleich zum Kölner Dom, der Münchner Frauenkirche, der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und dem Aachener Dom
Grundriss

Da im 14. Jahrhundert immer wieder Unruhen herrschten, die Ulmer Pfarrkirche aber rund einen Kilometer vor den Toren der Stadt stand, strebten die Bürger an, innerhalb der Stadtmauern eine neue Kirche zu errichten. Sie waren es leid, von der Kirche abgeschnitten zu sein, wie es zum Beispiel 1376 bei der Belagerung Ulms durch Kaiser Karl IV geschehen war. Außerdem wollten sie sich vom Kloster Reichenau unabhängig machen, dem die Kirche 813 von Kaiser Karl dem Großen unterstellt worden war.

Sie beschlossen also, die Kirche innerhalb der Stadtmauer neu zu bauen, finanziert durch die Einwohner selbst. Die Stadt hatte um diese Zeit kaum 10.000 Bewohner. Am 30. Juni 1377 fand die Grundsteinlegung durch den Bürgermeister Ludwig Krafft und unter dem Baumeister Meister Heinrich II. Parler statt. Dieser hatte zuvor Erfahrungen am Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd gesammelt. Von Meister Heinrich II. Parler, der bereits vorher an der alten Pfarrkirche Ulms mitgearbeitet hatte, stammt offensichtlich auch der Bauplan für das Ulmer Münster. Dieser Plan beinhaltete eine Hallenkirche mit drei etwa gleich hohen Schiffen, einem Westturm und zwei Chortürmen. Er erbaute den Chor und die unteren Teile der Chorflankentürme.

Ulmer Münster vor 1860: Holzschnitt eines unbekannten Künstlers als Titel-Illustration des Hauspredigtbuches von Prälat Friedrich Albert Hauber, Generalsuperintendent und erster Frühprediger am Münster zu Ulm
Edmund Herger: Inneres des Ulmer Münsters, 19. Jahrhundert

Der Chor, der eine Länge von 29 Metern und eine lichte Breite von 15 Metern hat, ließ bereits damals die Ausmaße des geplanten Projektes erkennen. An der Grundsteinlegung wirkten auch die Frauen der Ulmer Sammlung mit, was auf einer zeitgenössischen Darstellung dieses Ereignisses zu sehen ist. Aus der „Sammlung“ ging später die bislang einzig bekannte Ulmer Komponistin des 17./18. Jahrhunderts – Barbara Kluntz – hervor.[2]

1381 wurde die Baustelle von Meister Michael Parler übernommen, der zuvor an der Dombauhütte in Prag gewirkt hatte. Er führte den Bau im Langhaus weiter, das zunächst als dreischiffige Hallenkirche mit annähernd gleich breiten und hohen Schiffen konzipiert wurde. Von 1387 bis 1391 übernahm Meister Heinrich III. Parler die Leitung der Bauhütte.

1392 wurde Ulrich Ensinger, auch Ulrich von Ensingen genannt, die Bauleitung übertragen, der zuvor in Prag und am Straßburger Münster gewirkt hatte. Er träumte von einem über 150 m hohen Hauptturm. Am 25. Juli 1405 wurde das Münster geweiht, lediglich bedeckt durch ein provisorisches Notdach. Mit Matthäus Ensinger übernahm 1446 der Sohn von Ulrich die Bauleitung (bis 1463). Er vollendete 1449 das Chorgewölbe und 1452 das Gewölbe des Nordschiffes.

Der neue Baumeister Matthäus Böblinger änderte 1477 die Pläne, vor allem die des Hauptturms. In seine Zeit (bis 1494) fielen die ersten massiven Schäden: 1492 mussten die Seitenschiffe abgerissen und niedriger geplant werden, da sie die Wände des Mittelschiffs belasteten (die Nordwand des Mittelschiffs weist noch heute eine Abweichung aus dem Lot von bis zu 27 cm auf). Der Baumeister Burkhard Engelberg aus Augsburg übernahm den Bau und führte die notwendigen Sicherungen durch: Verstärkung der Fundamente des Westturms, Abbruch der schweren Seitenschiffgewölbe, Unterteilung der Seitenschiffe durch schlanke Pfeiler und Aufbau von leichteren Gewölben.

1530/1531 trat die Ulmer Bevölkerung im Zuge einer namentlichen Abstimmung zum evangelischen Glauben über. Dem sogenannten Bildersturm fielen am 19. Juni 1531 über 60 Altäre, darunter der Hauptaltar, zum Opfer. Zuvor hatte der Rat der Stadt aber den Besitzern der Altäre seine Absicht mitgeteilt, sodass diese ihre Altäre in Sicherheit bringen konnten. Übrig gebliebene Altäre brachte die Stadt in ihr Magazin (einige davon sind heute in Dorfkirchen der Umgebung aufgestellt, z. B. in Scharenstetten).

1543 kam es – aufgrund von innenpolitischen Spannungen, aber auch der Reformation sowie schlicht durch Geldknappheit – zum Baustillstand. Der Hauptturm hatte zu dieser Zeit eine Höhe von rund 100 m, die Chortürme waren jeweils etwa 32 m hoch. Von 1543 an ruhte der Bau für über 300 Jahre. Im Kupferstich von etwa 1650 in De Merian Sueviae ist der bauliche Zustand am Ende des ersten Bauabschnittes dargestellt.

Zweiter Bauabschnitt 1844–1890[Bearbeiten]

1817 wurden bei Malerarbeiten die Fresken im Innern des Münsters grau übermalt. Mit dem Einzug eines neuen Wohlstandes wurde ab 1844 am Münster wieder weitergebaut: Es begann mit den Sicherungsmaßnahmen für den Weiterbau allgemein sowie mit dem Ausbau der beiden Chortürme. Baumeister in dieser Zeit waren bis 1870 Ferdinand Thrän und danach Ludwig Scheu (1871–1880).

Ab 1880 mussten erneut Erhaltungsmaßnahmen eingeleitet werden, bevor 1885 mit der Vollendung des Haupt- bzw. Westturms begonnen wurde. Mit dem Aufsetzen einer Kreuzblume wurde dieser am 31. Mai 1890 vollendet und das Münster hatte sein heutiges Aussehen erhalten. Die Leitung für diesen Bauabschnitt hatte August von Beyer. Der Hauptturm wurde dabei gegenüber den ursprünglichen Plänen um zehn Meter erhöht. Bei genauer Betrachtung kann man an der höchsten Plattform auch einen leichten Knick feststellen. Es wurde spekuliert, diese Änderung sei vorgenommen worden, damit der Turm mit etwas über 161 Metern den Kölner Dom (157 Meter) überragen sollte. Diese Darstellung wurde von Ulmer Seite jedoch stets bestritten.[3]

Am 29. Juni 1890 wurde die Fertigstellung mit einem Festakt gefeiert, bei dem 320 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung des Münsterorganisten Johannes Graf das Oratorium Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy aufführten. Der Chor gründete sich noch im gleichen Jahr als Verein für klassische Kirchenmusik.[4]

Ab dem 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bei den verheerenden Fliegerangriffen auf Ulm am 17. Dezember 1944 wurde das Münster kaum beschädigt, obwohl fast sämtliche anderen Gebäude des Münsterplatzes schwer getroffen wurden. Nur die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Fenster wurden zerstört; andere kunsthistorisch bedeutenden mittelalterlichen Chorfenster waren vorher aus der Kirche ausgelagert worden. Kurz vor Kriegsende explodierte eine Sprengbombe im Chorgewölbe, ihre Wirkung ist noch heute durch das Auftreten immer neuer Mauerrisse zu spüren.

Um den Bauzustand des Münsters zu erhalten, werden jährlich mehrere hunderttausend Euro ausgegeben.

Kunstwerke im und am Münster[Bearbeiten]

Spätmittelalter[Bearbeiten]

Schmerzensmann (Kopie) von Hans Multscher (1429) am Mittelpfeiler des Westportals

Gestaltung der Portale[Bearbeiten]

Bemerkenswert sind die Darstellungen in den Tympana der Portale des Münsters. Jene weisen ein überaus komplexes und ausgefeiltes theologisches Programm auf. Im Gegensatz zu den meisten Tympana des Hauptportals (Westportal) befindet sich im – in einer 3-jochigen Vorhalle gelegenen – Tympanon des Hauptportals des Ulmer Münsters nicht nur eine (sehr im Hintergrund in den 3 Ecken des Tympanons angeordnete) Darstellung des Jüngsten Gerichts, sondern als Hauptmotiv eine Darstellung der Schöpfungsgeschichte, welche wohl in den 1380er Jahren entstanden ist. Gott erschafft hier die Erde als eine sich drehende Kugel, welche von „Planetenkugeln“ umgeben ist; ein Beweis dafür, dass man im Mittelalter sehr wohl wusste, dass die Erde eine Kugel ist (vgl. auch das Portal an der Nordseite des Freiburger Münsters). Wie auch andere Darstellungen im Münster (z. B. die Philosophen des Chorgestühls) verweist auch diese eher auf antike Weltbilder als auf wortgetreu übernommene Schilderungen der Bibel. Die Darstellung des Tympanons vereint somit Anfang und Ende der „Weltgeschichte“, wie sie in der Bibel geschildert sind, und verweist zugleich in sehr komplexer Weise auf Christus, der in der Bibel als Alpha und Omega, Anfang und Ende, Weltenrichter und leidender Mensch bezeichnet wird. Dies spiegelt sich auch in der unterhalb des Tympanons gelegenen Darstellung des Schmerzensmanns von Hans Multscher (1429) am Mittelpfeiler zwischen den beiden Portaltüren (heute als Kopie, das Original befindet sich im Innern des Münsters am südwestlichen Chorpfeiler). Das Gewände des Hauptportals ist von zahlreichen Heiligenfiguren aus Holz, welche lediglich eine gemalte „Steinfassung“ aufweisen, umgeben. Bemerkenswert sind auch die im „weichen“, sogenannten „internationalen Stil“, gehaltenen Figuren an den Pfeilern der Vorhalle. Am kleinen Marienportal (Nordwestportal) sind die Geburt Jesu und die Anbetung durch die Könige dargestellt. Das Tympanon stammt aus dem Jahre 1356 und wurde von der alten Pfarrkirche „Unserer lieben Frau über dem Felde“ übernommen. Das Passions- oder auch Reformationsportal (Nordostportal, um 1370) zeigt Szenen der Passion Christi. Am Südostportal, dem sogenannten Braut- oder Gerichtsportal ist die Darstellung des Jüngsten Gerichts (1360) zu sehen, welche wohl ebenfalls von der alten Pfarrkirche stammt. Das prächtigste und größte Portal ist das große Marienportal (Südwestportal), dessen Darstellungen wahrscheinlich ursprünglich für das Hauptportal vorgesehen waren. Das Tympanon (1380) zeigt Motive aus dem Marienleben. Darunter befinden sich drei Reliefs (wohl von 1400). Das linke Relief zeigt die Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige. Das rechte Relief stellt die Geburt Christi dar, im mittleren Viereckblock ist der Zug der Heiligen Drei Könige zum Kind zu sehen.

Chorfenster[Bearbeiten]

Der Chorabschluss besteht aus fünf Seiten eines regelmäßigen Zehnecks. Die über 15 Meter hohen Fenster im Chor stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Diese Fenster sind, wenn man mit Blickrichtung zum Choraltar nach dem halb hohen Fenster von links nach rechts beginnt:[5][6]

Detail aus dem Kramerfenster „Die Heimsuchung“, um 1480
  • Fenster der beiden Johannes, Werkstatt Jakob Acker der Ältere Ulm, nach 1385 entstanden, das zweitälteste Fenster des Münsters – Dieses Fenster erzählt im oberen Teil die biblischen Geschichten von Johannes dem Täufer (von oben nach unten): die Taufe Jesu durch Johannes, der predigende Vorläufer, das Gastmahl des Herodes und die Enthauptung und Grablegung des Rufers in der Wüste. Im unteren Teil sind die Legenden des Jünger Johannes dargestellt.
  • Kramerfenster, Straßburger Werkstatt des Peter Hemmel von Andlau, um 1480 – Dieses Fenster wurde von der Kramerzunft (d. h. Krämer bzw. Kaufleute) gestiftet und wurde wohl an Stelle eines älteren Fensters, welches von Jakob Acker stammte, eingebaut. Im unteren Teil sind die Kronenwappen der Stifter zu sehen. Darüber befindet sich eine Wurzel-Jesse-Darstellung. Im oberen Teil sind sechs Bilder der Weihnachtszeit dargestellt: Verkündigung an Maria, die Heimsuchung, Geburt Jesu, die Beschneidung, die Könige und die Darstellung im Tempel.
  • Ratsfenster, Straßburger Werkstatt des Peter Hemmel von Andlau, um 1480 – Das Fenster, das vom Rat der Stadt gestiftet wurde, ist wohl ebenfalls an Stelle eines älteren Fensters eingebaut worden. Es steht in der Mittelachse des Chors und ist ein Christusfenster, welches von unten nach oben zu lesen ist: Ganz unten in der Mitte ist der Reichsadler und zwei Ulmer Wappen zu sehen. Links daneben sind die Schutzpatrone Antonius und Vincenz und rechts daneben St. Martin mit dem Bettler dargestellt. Darüber sind von links nach rechts zu finden: die Versuchung Jesu, das kanaanäische Weib und eine Heilung. Darüber sind kunstvolle Baldachine ausgeführt, über denen (von links) zu sehen sind: die Speisung der Fünftausend, die versuchte Steinigung und der Einzug in Jerusalem. Im oberen Teil des Fensters sind dann noch über die gesamte Fensterbreite die Auferstehung und über weiteren Baldachinen die Himmelfahrt des Herrn dargestellt. Die sich früher darüber im Maßwerk befindende Gestalt des Gottvaters und vier musizierende Engel wurden 1945 zerstört.
  • Anna-Marienfenster, Werkstatt Jakob Acker, um 1385 – Dieses Fenster gilt als ältestes Fenster des Münsters und wurde durch die Zunft der Weber gestiftet, wohl deswegen, weil Maria eine Tempelweberin war und Anna die Patronin der Weber ist. Es zeigt in 20 vergleichsweise kleinflächigen Szenen Annens Legende sowie Mariens Geburt, die von oben nach unten zu lesen sind: Joachims Zurückweisung vom Tempeldienst, seine Flucht in die Wüste, die Engels-Erscheinung, das Treffen beider an der goldenen Pforte. Darunter dann in der fünften Zeile: Mariens Geburt, der Tempelbesuch und die Tempeljungfrau Maria beim Weben. Weiter dann die Werbung um Maria, die Vermählung, Joseph auf Reisen und Maria allein, die Verkündigung, Mariens Besuch bei Elisabeth, Josephs Traum und die Geburt Jesu. In der untersten 13. Zeile, die wohl erst später hinzugefügt wurde, ist noch das Erscheinen der drei Könige, die Flucht nach Ägypten und der Kindermord dargestellt.
  • Fenster der fünf Freuden Mariens, Werkstatt Jakob Acker, um 1400 – Dieses Fenster ist ebenfalls eine Stiftung der Weberzunft und ist von unten nach oben zu verstehen mit folgenden Bildern: Geburt Christi, Anbetung der Könige, Darstellung im Tempel, Mariens Tod und die Aufnahme in den Himmel.
  • Medaillonfenster, Werkstatt Jakob Acker, um 1404 bis 1408 – Dieses Fenster befindet sich an der geraden Südwand und beinhaltet Themen aus den Evangelien der Fastenzeit, wie zum Beispiel: die Speisung der Fünftausend oder die Auferweckung des Lazarus.

Chorgestühl[Bearbeiten]

Büste Vergils im Chorgestühl von Jörg Syrlin d. Ä., um 1470, möglicherweise ein Selbstporträt Syrlins

Der Dreisitz und das Chorgestühl, mit Hunderten aus Eichenholz geschnitzten Figuren, ist eines der berühmtesten und schönsten Gestühle der deutschen Gotik und wurde 1469–1474 von Jörg Syrlin d.Ä. in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Michel Erhart geschnitzt. Es zählt neben dem Chorgestühl in St. Martin zu Memmingen zu den wertvollsten gotischen Gestühlen in Deutschland. Der Dreisitz von 1468 unter dem Chorbogen ist ein Probestück Jörg Syrlins d. Ä., bevor der Rat der Stadt ihm den ganzen Auftrag für das Chorgestühl gab. Charakteristisch und untypisch für die Gotik ist, dass das Chorgestühl eher die Waagerechte betont. Die 18 Meter langen Seitenteile sind klar gegliedert und mit reich verzierten Baldachinen überspannt.

Die Büsten auf den Pultwangen der Nordseite zeigen dabei berühmte Männer des Altertums: Pythagoras, Cicero, Terenz, Ptolemäus, Seneca, Quintilianus und Secundus den Schweigsamen. Die erste Büste auf der Männerseite ist ohne Beschreibung, die bei allen anderen Büsten zu finden ist. Diese Büste soll nach Meinung von Kunsthistorikern den antiken Dichter Vergil darstellen. Vermutet wird, dass Jörg Syrlin d. Ä. sich hier ein Selbstporträt geschaffen hat.[7]

Den antiken Gelehrten gegenüber sind auf den Pultwangen der Südseite weise Frauen des Altertums dargestellt, die Sibyllen: Phrygische, Cumanische, Cimerische, Tiburtinische, Hellespontische, Delphische und Libysche Sibylle. Auch die erste Büste auf der Frauenseite ist ohne Beschreibung, die bei allen anderen Büsten zu finden ist, sie soll nach Meinung von Kunsthistorikern die Persische Sibylle darstellen. Vermutet wird, dass Jörg Syrlin d. Ä. hier das Porträt seiner Ehefrau geschaffen hat. Zwei weitere Sibyllen sind am Dreisitz zu sehen.

Sicher ist, dass der Meister Syrlin das Chorgestühl mindestens viermal signiert hat. Aus diesem Grund wurde ihm früher das Chorgestühl allein zugeschrieben. Es setzt sich aber die Erkenntnis durch, dass mehrere Meister am Werke waren. Wer außer Michel Erhart am Chorgestühl mitgearbeitet hat, ist bisher noch ungeklärt.

Choraltar[Bearbeiten]

Hochaltar von Martin Schaffner (1521)

An Stelle des im 16. Jahrhundert verlorengegangenen Hochaltars steht der Heilige-Sippen-Altar, der nach seinem Stifter Laux Hutz (der „Junker Lukas“) auch als Hutzaltar bezeichnet wird. Die Flügel des Altars stammen von Martin Schaffner aus dem Jahre 1521. Die Werkstatt Niklaus Weckmanns (um 1450/44–1528 Ulm) soll den Schrein mit der Sippe Christi geschaffen haben. Die Predella zeigt das Abendmahl Jesu.

Kapellen am Chor[Bearbeiten]

Südlich und nördlich am Chorraum befinden sich drei Kapellen, die nach Persönlichkeiten der Stadtgeschichte benannt sind. Es sind dies die Besserer-, die Neithart- und die Konrad-Sam-Kapelle (ehemalige Sakristei).

Die interessanteste ist wohl die kleinste Kapelle, die sogenannte Bessererkapelle, die vom Chor aus nach rechts – auf der Frauenseite des Chorgestühls in dessen hinterem Teil – zu erreichen ist. Sie wurde etwa 1429 unter Werkmeister Hans Kun erbaut. Diese Kapelle war eine Privatkapelle und hat ihren Namen nach der Patrizierfamilie Besserer erhalten, die über mehrere Generationen in Ulm nachweisbar ist. So war zum Beispiel ein Bernhard Besserer (1471–1542) Bürgermeister in der Reformationszeit. Über der Eingangstür ist die Jahreszahl der Stiftung 1414 und an der Wand ist der Doppelbecher, das Wappen der Familie Besserer, zu finden. Bemerkenswert sind zuerst die Glasmalereien im „Chörlein“, die von Hans Acker, dem Sohn von Jakob Acker der Ältere, im Jahre 1430 geschaffen wurden. In den fünf Chorfenstern ist in jeweils acht Bildern die Heilsgeschichte dargestellt. Diese wird im Südfenster durch das Jüngste Gericht abgeschlossen. In diesem Fenster soll in der zweiten Reihe der dritte Apostel ein Selbstporträt Hans Ackers sein. Nach Meinung von Kunsthistorikern sind diese Glasmalereien handwerklich perfekt und von größter zeichnerischer Meisterschaft. Das Kruzifix neben dem Südfenster stammt aus der Werkstatt Michel Erharts (um etwa 1490/1500). Das Ostfenster wurde 1480 in der Straßburger Werkstatt des Peter Hemmel von Andlau gefertigt.

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Altartafel von Bartholomäus Zeitblom (um 1489–1497)
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Glasscheibe „St. Georg“ von Hans Acker, um 1440

Die Neithartkapelle befindet sich im Erdgeschoss des nördlichen Chorturms und wurde nach Osten hin um zwei weitere Räume erweitert. Sie wurde 1437 als Privatkapelle von Heinrich Neithart gestiftet. Über dem Eingang ist die Jahreszahl 1444 zu lesen – das Jahr ab dem sie bis 1450 durch Matthäus Ensinger gebaut wurde – sowie das Wappen der Familie Neithart zu sehen: ein Kleeblatt über drei Bergen. An Kunstwerken seien der Altar für Sebastian (um 1500), der Barbara-Altar (um 1520), die schöne „St. Georg“-Scheibe von Hans Acker (um 1440) und die Predella eines Altars von 1491 unter dem Ostfenster erwähnt. Dieser zeigt die Mutter Gottes und links und rechts davon die Patrone der Kapelle. Nicht unerwähnt seien die Tafeln eines Flügelaltars, unter anderem das Bild „Hl. Margarete mit einer Gruppe heiliger Jungfrauen“ aus der Werkstatt des Bartholomäus Zeitblom (um 1489–1497), die ursprünglich aus der Klosterkirche zu den Wengen stammen.

Die Konrad-Sam-Kapelle unterhalb des südlichen Chorturms ist die ehemalige Sakristei und wurde nach dem ersten reformatorischen Prediger (ab 1524) des Münsters benannt. Diese Kapelle, die zum Teil noch aus der Zeit der Parler stammt, ist mit einem Passionsfenster von Hans Gottfried von Stockhausen aus dem Jahre 1957 geschmückt. Unter diesem Fenster befindet sich das sogenannte „Schongau-Altärchen“ (um 1480). Außerdem bemerkenswert sind hier zwei Altartafeln – die hl. Elisabeth mit dem Bettler und Anna Selbdritt – von Martin Schaffner (um 1525) und die Aposteltafel, die Bartholomäus Zeitblom zugeschrieben wird (um 1489–1497).

Weitere Kunstwerke[Bearbeiten]

Fresko „Jüngstes Gericht“ über dem Chorbogen (Ausschnitt)
Kreuzaltar, Abendmahl von Hans Schäufelein (1515)

Als weitere Kunstwerke sind zu nennen:

  • Das 26,5 m hohe Sakramentshaus von 1467/1471, welches sich am linken Chorbogen befindet. Unter der Freitreppe sind die Figuren der Heiligen Sebastian und Christophorus. An der Geländerbrüstung sind sechs Statuetten von Päpsten und Bischöfen zu sehen.
  • Die 29 alten Konsolen an den Mittelpfeilern sind Zeugnisse ausgezeichneter Steinmetz-Kunst, welche zwischen 1383 und 1391 entstanden sind. Bemerkenswert sind dabei die sechs Konsolen in der Nähe der Kanzel des unbekannten Bildhauers, der seine Werke mit zwei gekreuzten Reißnadeln signiert hat und der deshalb als „Reißnadelmeister“ bezeichnet wird.
  • Über der Kanzel, die sich im Mittelschiff befindet, ist der etwa 20 Meter hohe Schalldeckel von Jörg Syrlin dem Jüngeren aus dem Jahre 1510. Trägerkonsole und Aufgang stammen von etwa 1498, wobei ältere Teile Verwendung fanden.
  • Das Weihwasserbecken (1507) ist im südlichen Seitenschiff nahe dem Chor zu finden.
  • Unweit westlich davon befindet sich das achteckige Taufbecken (1474) unter einem Baldachin mit sechs Propheten, zwei Königen und den Wappen der sieben Kurfürsten und des Reiches am Sockel.
  • In der Nähe davon ist am siebten Mittelschiffpfeiler das Relief der Grundsteinlegung. Dieses zeigt, wie der Bürgermeister Lutz Krafft und seine Frau dem gebückten Baumeister Heinrich Parler symbolisch das Kirchenmodell auf den Rücken heben. (Siehe Bild unter „Erster Bauabschnitt 1377–1543“)
  • Am Ende des südlichen Seitenschiffes befindet sich die sog. Kargnische, der Rest eines 1433 von Hans Multscher im Auftrag der Familie Karg angefertigten Wandaltars. Die Steinfiguren, welche die Verkündigung an Maria darstellten, wurden beim Bildersturm 1531 zerstört, daher ist nur der prachtvolle Hintergrund erhalten.
  • Über dem Chorbogen befindet sich ein 145 m² großes Fresko aus dem Jahre 1471, welches das Jüngste Gericht darstellt und möglicherweise von Hans Schüchlin geschaffen wurde. Es ist eine der größten Wandmalereien nördlich der Alpen.
  • Unterhalb des Chorbogens – vor dem Dreisitz – befindet sich der Kreuz- und Seelenaltar mit einer Darstellung des Abendmahls vom Dürerschüler Hans Schäufelein aus dem Jahre 1515.
  • Im Münster befinden sich außerdem 133 historisch wertvolle Wappen- oder Totenschilde, die damit die größte Wappensammlung Deutschlands darstellen.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Skulpturen[Bearbeiten]

Wasserspeier an der Südseite des Münsters

Beim Bau der Strebepfeiler am Münster, die dem Haus Stabilität verleihen, wurden Wasserspeier geschaffen, phantasievolle Figuren aus Stein, durch die das Wasser nach außen „gespuckt“ wird. Unter den Figuren befinden sich Tiere wie Elefanten, Fische, Vögel, menschliche Gestalten und Drachentiere. Von einem Vogelstrauß ist allerdings nur das Hinterteil zu sehen. Der Legende nach soll sich diesen Gag ein Geselle ausgedacht haben: Er hatte sich in die Tochter des Meisters verliebt, die er nach der Zunftordnung aber nicht heiraten durfte. Nun sollte der Geselle eine Tierskulptur erschaffen – und frei nach dem Motto von Götz von Berlichingen zeigte der Strauß den Hintern direkt in die Richtung, wo der Meister wohnte. Ob der Geselle sein „Schätzle“ bekam oder nicht, ist unbekannt.[8]

1877, zum 500. Jubiläum der Grundsteinlegung des Münsters stifteten Mitglieder der Synagogengemeinde von Ulm (unter anderen auch der Vater Albert Einsteins) die Statue des alttestamentlichen Propheten Jeremia. Es ist die einzige Statue mit verhülltem Haupt. Die Statue, die sich auf der Kanzelseite des Hauptschiffes unterhalb der großen Orgel findet, wurde von Hofbildhauer Karl Federlin geschaffen, von dem auch die 16 überlebensgroßen Skulpturen auf den Pfeilerkonsolen stammen.

Fenster[Bearbeiten]

Die Fenster des Münsters, die aus dem 19. Jahrhundert stammten, wurden im Zweiten Weltkrieg nicht ausgelagert und infolgedessen 1944 zerstört. (Siehe: Fritz Birkmeyer)

Restaurierung[Bearbeiten]

Eine heute sehr fragwürdige und deshalb inzwischen weitgehend rückgängig gemachte „Restaurierung“ widerfuhr dem Inneren des Münsters 1817. Man überzog alle Wände mit einer „alterthuemlich grauen Farbe“, um das Münster „in jenem einfach erhabenen Gewande darzustellen, wie es der alte deutsche Baugeist forderte“.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Skulpturen[Bearbeiten]

Im westlichen Bereich des Südschiffs steht ein 1981 ausgeführter Guss der 1930 geschaffenen Bronzeskulptur „Der Bettler“ von Ernst Barlach.

Fenster[Bearbeiten]

Die Mehrzahl der Fenster in den Kirchenschiffen ist sehr einfach gehalten, weil sie aus dem 19. Jahrhundert stammen und 1944 zerstört wurden; nach und nach werden diese „Notfenster“ allerdings durch Fenster mit Kunstbemalungen ersetzt.

Wichtige Münsterfenster, die die Kunstgeschichte als auch die Entwicklung der Glasmalerei des 20. und 21. Jahrhunderts widerspiegeln, sind (kleine Auswahl):

  • Wilhelm Geyer: Brautfenster (1953, über dem Südostportal)
  • Hans Gottfried von Stockhausen:
    • Die sechs Werke der Barmherzigkeit (1956, Südseite),
    • Freiheit (In fellowship 47. US-Inf. Regiment, 1958, Seitenschiff, Stiftung der in Ulm stationierten US-Soldaten)
    • Israelfenster (1986, über dem südlichen Ausgang der Westfront)
  • Wolf-Dieter Kohler:
    • Heimkehrerfenster (1959, Nordseite),
    • Himmelfahrtsfenster (1962, über dem Marientor)
  • Valentin Peter Feuerstein:
    • Predigtfenster (1981),
    • Fenster der Verheißung (1985, dargestellt ist darin die Entwicklung der modernen Naturwissenschaft mit den Köpfen von Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei, Johannes Kepler, Sir Isaac Newton und dem in Ulm geborenen Albert Einstein samt dessen bahnbrechender Einsteinscher Formel E=mc2),
    • Fenster der Erfüllung (1985; alle drei figürlichen Fenster befinden sich auf der Südseite)
  • Johannes Schreiter:
    • Weltgefährdungsfenster,
    • Weltvollendungsfenster (beide 2001, östlicher Teil der Südseite).

Orgeln[Bearbeiten]

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Walcker-Orgel von 1856

Es ist nicht davon auszugehen, dass auch die Liebfrauenkirche, der Vorgängerbau des Ulmer Münsters (siehe oben, Baugeschichte) eine Orgel besessen hatte. Der Ulmer Chronist Felix Fabri erwähnt dort keinerlei musikalische Aktivitäten. Möglich ist, dass schon im 1383 für den Gottesdienst benutzbaren Chor des Münsters Orgelmusik erklang. Hier eine chronologische Aufstellung der wichtigsten Stationen im Laufe der langen Geschichte:

  • 1414 wird im Stuerbuch ein Orgelmeister erwähnt, 1416 wird er mit Namen benannt: „Höckel den Orglenmaister“. Baute er eine Orgel?
  • 1423 gibt es im Baupflegbuch des Münsters handfeste Hinweise auf ein vorhandenes Werk.
  • 1431–1433: Meister Ludwig aus Breslau baut eine neue Orgel.
  • 1439: Bruder „Chunrad Rottenburger, der orglenmaister barfuesser ordens“ aus Nürnberg arbeitet an der Orgel. Die Eintragungen im Dokument VE URK 1439 mai 23 (im Ulmer Stadtarchiv) lassen nicht auf einen Neubau schließen; das hat der Ulmer Chronist Elias Frick 1731 wohl falsch herausgelesen.
  • 1486/88: Orgelneubau, vielleicht von Meister Thomas. In seiner Ulmer Orgelpredigt datiert Dieterich den Neubau auf das Jahr 1488; sicher ist, dass Jacob Acker 1486 die Orgelflügel bemalt hat.
  • 1531: Auch in Ulm kommt es zum sogenannten „Götzentag“, dem umfassenden Ulmer Bildersturm, dem 60 Altäre und viele bedeutende Kunstwerke zum Opfer fallen (siehe Ulmer Schule). Weil die Reformation in Ulm zunächst von der Schweiz und ihrem „reformierten Denken“ um Ulrich Zwingli her geprägt war, fällt in diesem Zuge auch die Orgel zum Opfer (vgl. Vorgänge in Zürich). Ein alter Bericht über diese Zeit erzählt: „Sie haben, als sie das Korpus mit den Pfeifen in der großen Orgel nicht füglich anheben können, Seilen und Ketten darum gebunden, an selbige nachmals Pferde gespannt und durch deren Gewalt auf einmal herunterreißen und über einen Haufen stürtzen lassen“. [9]
  • 1550 wird laut Elias Frick eine Notorgel auf hölzernen Säulen errichtet
  • 1576–1578: Kaspar Sturm aus Schneeberg errichtet eine neue Orgel[10] (das vierte Werk) mit 34 Registern und über 3000 Pfeifen für 11.000 Gulden nach dreijähriger Bauzeit.
  • 1595 (oder 1599): Conrad Schott, Peter Grünwald (Nürnberg) und Andreas Sartor (d.h. Schneider, aus Reutlingen) erweitern die Orgel auf 39 (oder 40) Register. Die kunstfreundlichere Theologie Martin Luthers hatte inzwischen in der Stadt Einzug gehalten und die Wertschätzung der Musik im kirchlichen Raum und im Gottesdienst wieder möglich gemacht.
  • 1630: Die Orgel wird durch Johannes Meier renoviert.
  • 1688: Ein heftiger Hagelsturm in Ulm ruiniert ca. 500 Pfeifen.
  • 1699: Chrysostomus Baur (* 1662 in Ulm als Sohn des Schreiners Martin Baur; † 1729 in Augsburg) repariert alles wieder.
  • 1735: Georg Friedrich Schmahl stellt nach vier Jahren Arbeit insgesamt drei neue Klaviaturen, ein Brustwerk und ein Rückpositiv fertig. Jetzt hat die Orgel 45 Register auf drei Manualen und ein Pedal. Auf dieser Orgel spielte Wolfgang Amadeus Mozart bei seinem Ulmaufenthalt im Sommer 1763.
  • 1843: Man nimmt mit Eberhard Friedrich Walcker Kontakt auf; Vertragsabschluss 1849.
  • 1856: Eberhard Friedrich Walcker errichtet einen Neubau, op 144, mit 100 Registern; Weihe am 12/13. Oktober 1856. Nun hat die Orgel vier Manuale und zwei Pedale (Doppelpedal!) mit mechanischer Traktur und ist damit für einige Zeit die größte Orgel der Welt.
  • 1889: Die 1882 abgebrochene Orgel wird in erweiterter Form von Walckers Söhnen wieder eingebaut. Prospekt- und Emporengestaltung von Münsterbaumeister Beyer.
  • 1929: Albert Schweitzer ist auf Besuch in Ulm und schlägt den Bau einer Chororgel vor; zur Realisierung dieser Idee kommt es aber erst 1960.
  • 1930: Die Orgel erhält eine elektropneumatische Traktur mit weiteren Registern (jetzt: 109 Register).
  • 1960: Helmut Bornefeld schlägt als Orgelsachverständiger vor, aus akustischen Gründen (wegen 8 Sekunden Nachhall bei jedem Ton) im Hauptschiff eine neue Orgel zu errichten.

Hauptorgel auf der Westempore[Bearbeiten]

Innenansicht, Blick zur Hauptorgel, darüber ist das Martinsfenster

Die gegenwärtige Hauptorgel (auch „Große Orgel“ oder „Westorgel“ genannt) wurde von 1967–1969 durch die Orgelbaufirma Eberhard Friedrich Walcker & Cie. (Ludwigsburg) erbaut. Sie befindet sich auf der Hauptempore unter dem Hauptturm (Zugang über ein eigenes Treppenhaus). Die Errichtung des Instrumentes wurde durch den Orgelsachverständigen Walter Supper betreut. In dem Instrument wurden Teile des alten Pfeifenmaterials der alten Walcker-Orgel verwendet. Es verfügt über 100 Register auf fünf Manualen und Pedal mit insgesamt 8.900 Pfeifen. Die Orgel gilt als „opus 5000“ bei der Orgelfirma Walcker.

1995/96 wurde die Orgel mit einer modernen elektronischen Setzeranlage ausgestattet, und hat folgende Disposition:[11]

I Rückpositiv C–
1. Praestant 8′
2. Medallgedeckt 8′
3. Weidenpfeife 8′
4. Oktave 4′
5. Flötgedackt 4′
6. Gemsnasat 22/3
7. Superoktave 2′
8. Waldflöte 2′
9. Sifflöte 1′
10. Terzsept II 13/5
11. Mixtur V-VI 1′
12. Rohrschalmey 8′
13. Vox humana 8′
14. Schalmey 4′
15. Tuba triumphalis 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–
16. Praestant 16′
17. Oktave 8′
18. Flöte 8′
19. Spitzgambe 8′
20. Oktave 4′
21. Hohlflöte 4′
22. Quinte 22/3
23. Superoktave 2′
24. Blockwerk VIII 8′
25. Sesquialtera II 51/3
26. Grossmixtur V-VI 2′
27. Kleinmixtur IV-V 1′
28. Trompete 16′
29. Trompete 8′
30. Trompete 4′
III Brustwerk (schwellbar) C–
31. Flötenprinzipal 8′
32. Rohrgedeckt 8′
33. Quintade 8′
34. Prinzipal 4′
35. Koppelflöte 4′
36. Fugara 4′
37. Oktave 2′
38. Blockflöte 2′
39. Salicet 2′
40. Nasat 11/3
41. None 8/9
42. Mixtur V-VI 2′
43. Zimbel III 1/2
44. Dulcian 16′
45. Hautbois 8′
46. Cromorne 8′
47. Krummhorn 8′
Tremulant
IV Oberwerk (schwellbar) C–
48. Bourdon 16′
49. Prinzipal 8′
50. Holzgedeckt 8′
51. Gambe 8′
52. Gambe celeste 8′
53. Oktave 4′
54. Rohrflöte 4′
55. Gemsquinte 22/3
56. Feldflöte 2′
57. Terz 13/5
58. Septime 11/7
59. Vogelpfeife 1′
60. Mixtur VII-VIII 22/3
61. Corona III 1/6
62. Basson 16′
63. Trompette 8′
64. Clairon 4′
Tremulant
Glockenspiel
V Mittelwerk C–
65. Quintade 16′
66. Prinzipal 8′
67. Flûte octaviante 8′
68. Spillpfeife 8′
69. Rauschoktave III 4′
70. Traversflöte 4′
71. Gemshorn 4′
72. Dolkan 2′
73. Cornet V (ab f0) 8′
74. Mixtur VI-VII 22/3
75. Paletta III 2′
76. Zimbel IV 1/2
77. Tuba (horizontal) 16′
78. Tuba (horizontal) 8′
79. Tuba (horizontal) 4′
Tremulant
Pedal C–
80. Grossprinzipal 32′
81. Prinzipal 16′
82. Subbass 16′
83. Gedecktbass 16′
84. Quintbass 102/3
85. Oktavbass 8′
86. Spitzflöte 8′
87. Terzbass 62/5
88. Choralbass 4′
89. Rohrpommer 4′
90. Nachthorn 2′
91. Theorbe III 51/3
92. Mixtur VI 4′
93. Bombarde 32′
94. Posaune 16′
95. Dulcianfagott 16′
96. Trompete 8′
97. Klarine 4′
98. Kornett 2′
Tremulant (Kleinpedal)

Weitere Orgeln[Bearbeiten]

Außer der Hauptorgel auf der Hauptempore sind im Ulmer Münster regelmäßig vier weitere Orgeln zu hören.

Chororgel[Bearbeiten]

Schwalbennestorgel von Rieger

Die Chororgel (auch „Schwalbennestorgel“ genannt), befindet sich an der Südwand (!) des Chores hoch über dem Chorgestühl. Sie wurde 1960 von der Orgelbaufirma Rieger (Vorarlberg) errichtet. Die Disposition erstellte Helmut Bornefeld. Das Instrument verfügt über mechanische Schleifladen, 2 Manuale, Pedal und insgesamt 20 Register (unter anderem mit dem seltenen Alphorn). Diese Orgel ist vor allem bei Abendgottesdiensten und bei Trauungen zu hören.

I Rückpositiv C–
1. Gedackt 8′
2. Prinzipal 4′
3. Rohrflöte 4′
4. Rohrnasat 22/3
5. Waldflöte 2′
6. Sesquialter II 22/3
7. Zimbel IV 1/2
8. Schalmei 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–
9. Schwegel 8′
10. Gedackt 8′
11. Prinzipal 4′
12. Oktave 2′
13. Mixtur IV-VI 11/3
14. Alphorn 16′
Pedal C–
15. Untersatz 16′
16. Prinzipal 8′
17. Gemsflöte 4′
18. Zink III 51/3′+31/5′+ 22/3
19. Rauschpfeife II 2′+11/3
20. Trompete 8′

Sonstige[Bearbeiten]

  • 1962: Orgelpositiv (in der Regel steht dieses Instrument bei Konzerten in der Nähe der großen Kanzel, es ist mobil einsetzbar), Ausführung: Firma Walcker, 5 Register (Schleiflade, mechanische Traktur). Diese Orgel wird vor allem als Teil des Basso Continuo bei Konzerten mit Chor und Orchester eingesetzt.
  • 1977: Orgel in der Konrad-Sam-Kapelle, Disposition: Edgar Rabsch, Ausführung: Firma Reinhard Tzschöckel, Hauptwerk, Oberwerk und Pedal mit 14 Registern (Schleiflade, mechanische Traktur).
  • 1991: Altarorgel, Disposition: Edgar Rabsch, Ausführung: Firma Reinhard Tzschöckel. Diese Orgel besitzt eine vollmechanische Traktur mit 9 Registern auf 2 Manualen und Pedal. Das Instrument ist sowohl fahrbar als auch zerlegbar.[12]

Orgeltraditionen[Bearbeiten]

  • Während der Touristensaison ist seit 1890 im Ulmer Münster täglich um die Mittagszeit Orgelspiel zu hören. Derzeit (Stand 2014) finden zwischen Mai und September von Dienstag bis Samstag Orgelkonzerte von 12-12:30 Uhr statt[13], an Sonntagen findet zur Mittagsstunde ein Orgelkonzert statt. Am 4. Advent schließt die Saison alljährlich mit einem „Wunschkonzert“ ab, dessen Programm aus vorher eingereichten Publikumswünschen zusammengestellt wird.

Münsterorganisten (Auswahl)[Bearbeiten]

Die Zahlen am Ende des Namens geben, wo nicht anders angegeben, den Zeitraum an, in dem die Person Organist am Münster war.

  • um 1452 wird der Minorit Konrad Kaufmann mit 30 Gulden Jahresgehalt als Organist angestellt.
  • Kaufmanns Nachfolger ist 1468 Meister Lienhart, zuvor war er von 1450–1467 Organist in Stuttgart.
  • Martin Grünenbach erhält 1515 vom Rat „Vertröstung zur Organisten-Stelle“
  • Wolf Widenmann: 1578–1579 (wegen Vertragsbruch nach einem Jahr entlassen und bis zur Nachfolgerfindung durch den Stadtpfeifer Heinrich Maier vertreten, der nach dem Tod Reintzkes 1595 erneut einsprang)
  • Christoph Reintzke: 1579 oder 1580–1595
  • Adam Steigleder: 1595–1634
  • Tobias Eberlin: 1634–1653
  • Adam Hollart: 1653–1655
  • Johann Conrad Merckh: 1655–1659
  • Andreas Schwilge: 1659–1671
  • Sebastian Anton Scherer: 1671–1712
  • Conrad Michael Schneider: 1712–1751
  • Johann Christoph Walther: 1751–1770 (Sohn von Johann Gottfried Walther)
  • Johannes Martin: 2. Hälfte 18. Jahrhundert (ab 1770?)
  • J. Christoph Scheifelen
  • J. Chr. Kienlen
  • Samuel Gottlob Auberlen: Ab 1817 (†1829)
  • Johann Friedrich Dieffenbacher: 1830–1881
  • Johannes Graf: 1890–1918
  • Fritz Hayn: 1923–1955
  • Hans Jakob Haller: 1955–1971
  • Edgar Rabsch: 1972–1990
  • Friedrich Fröschle: 1991–2009
  • Friedemann Johannes Wieland: Ab 2010[14]

Glocken[Bearbeiten]

Glockenstuhl vor der Sanierung
Glockenstuhl nach der Sanierung (2009)

Im Hauptturm des Münsters befinden sich insgesamt dreizehn Glocken. Zehn von ihnen sind läutbar, die drei weiteren hängen an den Wandseiten des Oktogons, werden aber nicht geläutet. Alle Glocken wurden bis zur Motorisierung 1953 von Jugendlichen oder Türmern von Hand geläutet.

Am 16. September 2005 wurde das Geläut wegen massiver Schäden am stählernen Glockenstuhl außer Betrieb gesetzt. Bei der Abnahme der Glocken am 3. Oktober 2006 traten starke Schäden an der Großen Betglocke und der Landfeuerglocke zu Tage. Darauf hin bekam die Betglocke eine neue Krone samt Haube eingeschweißt, während die Landfeuerglocke am Schlagring restauriert wurde. Bis auf die Kreuzglocke, deren Klöppel bereits innerhalb der letzten Jahrzehnte einmal erneuert worden war, und die Schwörglocke bekamen alle anderen Glocken neue Klöppel. Zudem wurden Restaurierungen an verschiedenen Holzjochen erforderlich.

Nach Abschluss dieser Arbeiten und der Instandsetzung des Glockenstuhles wurden die Glocken am 12. April 2009 (Ostersonntag) erstmals wieder geläutet.[15]

Läuteglocken[Bearbeiten]

Von den 10 läutbaren Glocken bilden neun Glocken das Festtagsgeläut. Glocke Nr. 10 (Schwörglocke) „entspricht“ in Disposition und Nominal (in etwa) Glocke Nr. 3 (Große Betglocke). Sie läutet zu besonderen Anlässen.

Nr. Name Bild Gussjahr Gießer, Gussort Ø (cm) Masse (kg) Schlagton Anmerkungen
1 Gloriosa
(Festtagsglocke)
Glocke 1 – Gloriosa 1956 Glockengießerei Kurtz (Stuttgart) 199,5 4.912 as0 Lat. die Ruhmreiche. Größte, schwerste und tontiefste Glocke.
Jährlich am 17. Dezember um 19:15 Uhr erinnert ihr 15-minütiges Läuten an den Luftangriff auf die Stadt im Jahr 1944.
Die Glockenzier stammt von Helmuth Uhrig und zeigt den Drachenkampf des Erzengels Michael.
2 Dominica
(Sonntagsglocke oder Reformationsglocke)
Glocke 2 – Dominica 1931 Glockengießerei Kurtz (Stuttgart) 185 4.301 b0 Lat. die dem Herrn Geweihte.
1931 gegossen aus Anlass der Feierlichkeiten zum 400-jährigen Jubiläum der Reformation in der freien Stadt Ulm. Wegen ihres als besonders hochwertig beurteilten Klanges musste die Glocke 1942 nicht zu Kriegszwecken abgeliefert werden.
Auf der Dominica werden die Stunden nachgeschlagen. Als tontiefste Glocke eines werktäglichen Gottesdienstes sowie eines sonntäglichen Hauptgottesdienstes erklingt sie 30 Minuten vor Gottesdienstbeginn zum Zeichenläuten.
3 Große Betglocke
(Vaterunser-Glocke)
Glocke 3 – Große Betglocke restauriert 1454 Gießerei Eger (Reutlingen) 170 3.800 c1 Im Jahr 1454 die erste Glocke, die in der Glockenstube des Münsters geläutet wurde.
Sie wird zum Vaterunser im Haupt- sowie Abendgottesdienst und Montag bis Samstag um 12:00 Uhr zum Mittagsgebet geläutet.
4 Leichenglocke Glocke 4 – Leichenglocke 1678 Gießerei Ernst in Lindau 142 1.750 des1 Erklingt solistisch, während ein Mitglied der Münster-, Paulus- oder Georgskirchgemeinde zu Grabe getragen wird.
5 Kleine Betglocke Glocke 5 – Kleine Betglocke 1956 Glockengießerei Kurtz (Stuttgart) 139 1.766 es1 Läutet täglich um 6:30 Uhr zum Morgengebet sowie um 19 Uhr (im Sommer um 20 Uhr) zum Abendgebet und versteht sich so als Einladung, Tag und Nacht unter das Geleit Gottes zu stellen. Sonntags gibt sie 30 Minuten vor Gottesdienstbeginn das Zeichenläuten zum Früh- und Abendgottesdienst.
Die von Helmuth Uhrig stammende Glockenzier zeigt Oranten.
6 Kreuzglocke Glocke 6 – Kreuzglocke 1956 Glockengießerei Kurtz (Stuttgart) 124 1.248 f1 Nach alter Läuteordnung wurde die Glocke freitäglich zur überlieferten Sterbestunde Jesu um 15 Uhr geläutet. Die neue Läuteordnung sieht stattdessen das Kreuzläuten vor.
7 Landfeuerglocke Glocke 7 – Landfeuerglocke restauriert 14. Jh. 114 900 as1 Die Glocke befand sich ursprünglich in der „Kirche zur lieben Frau“ außerhalb der Stadt. Sie läutete einst bei Gefahr wie Feuer oder herannahenden Feinden, und wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts genutzt, um die Schließung der Stadttore anzukündigen. Da ihr Schlagring beschädigt war, musste er im Glockenschweißwerk Lachenmayer zu Nördlingen restauriert werden.
8 Taufglocke Glocke 8 – Taufglocke 1956 Glockengießerei Kurtz (Stuttgart) 93 506 b1 Läutet zur Taufhandlung.
9 Schiedglocke Glocke 9 – Schiedglocke 1956 Glockengießerei Kurtz (Stuttgart) 83 345 c2 Läutet um 9 Uhr nach Bekanntwerden eines Todesfalles.
10 Schwörglocke 14. Jh. 164 3.500 c1 Älteste Glocke des Ulmer Münsters, die zunächst vor den Toren Ulms in der Pfarrkirche „über dem Feld“ in der Nähe des heutigen alten Friedhofs hing. Sie hat im oberen Teil einen Riss, der – vermutlich bereits kurz nach ihrem Guss – mit Klammern repariert wurde.[16]

Die Glocke wird von Hand geläutet. Sie erklingt nur am Schwörmontag, während des Eides des Oberbürgermeister auf den großen Schwörbrief von 1397, und beim Begräbnis des Oberbürgermeisters, anstelle der Leichenglocke.

Glocken im Oktogon[Bearbeiten]

Im Münsterturm befinden sich an Wandkonsolen im Oktogon – oberhalb der Türmerstube – drei weitere Glocken. Bis zur Elektrifizierung wurden (auch) diese drei Glocken im Viereckumgang durch den Turmwächter bedient. Die Torglocke und das Arbeitsglöcklein werden heute nicht mehr geläutet und auch nicht mehr angeschlagen.

Nr. Name Gussjahr Gießer, Gussort Ø (cm) Masse (kg) Nominal Anmerkungen
11 Torglocke
Frühglocke
1644 Glockengießer Allgeyer (Ulm) 80 375 Die Glocke hing bis 1931 im Glockenstuhl, war aber »bereits 1907 nicht mehr in Gebrauch – außer wenn ein Delinquent frühmorgens hingerichtet wurde« [17]. Da man ihren Klang als unrein empfand, wurde sie 1931 gegen eine neue c2-Glocke ausgestauscht.
Historischen Quellen zufolge wurde diese Glocke bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts geschlagen, um den Torwächtern an der Stadtbefestigung zu signalisieren, dass die großen Stadttore geöffnet werden durften. Andere Quellen berichten, dass zu diesem Zweck nachweisbar die Landfeuerglocke genutzt worden sei.
12 Arbeitsglöcklein
(auch: Henkersglocke)
1606 Glockengießer Allgeyer (Ulm) 46 Einer älteren Überlieferung nach sei sie geläutet worden, wenn der Henker seiner Arbeit auf dem Ulmer Galgenberg nachging. Diese Angabe sei jedoch eine Verwechslung mit der Torglocke[18]
13 Schlagglocke 1414 Glockengießer Seitz (Nürnberg) 121 1.500 g1 Einer älteren Überlieferung nach wetteiferte diese Münsterglocke mit der Rathausglocke darum, wer zuerst erklang, um eine volle Stunde anzuzeigen. Beide Glocken hatten die gleiche Funktion.
Die Schlagglocke wird mit einem Hammer angeschlagen.

Ulmer Glockenimitate[Bearbeiten]

Anlässlich des 41. württembergischen Landesposaunentags 2006, bei dem das Läuten der Glocken wegen Sanierungsarbeiten am Glockenstuhl sowie an einigen Glocken nicht möglich war, komponierte Hans-Peter Braun das Musikstück „Ulmer Festgeläut für Blechbläser“ für vier achtstimmige Posaunenchöre, in dem das Glockenläuten durch den Klang von Blechblasinstrumenten nachgeahmt wird. Bei Hochzeiten während der glockenlosen Zeit spielte der Mesner das Glockengeläut vom Band für die Gemeinde ein, sodass sie auf den Glockeneinzug nicht verzichten musste.

Diskographie[Bearbeiten]

  • Ulmer Münster – Glocken und Orgeln. Friedrich Fröschle spielt an drei Orgeln (Aufnahme von 2000, CD AGK 12219) – Kommentar: neun Glocken des Münsters läuten einzeln, in Gruppen und im vollen Geläut, dazu sind drei Orgeln des Münsters zu hören.
  • Orgel-Wunsch-Konzert im Ulmer Münster. Friedrich Fröschle an der Großen Orgel (Aufnahme von 2003, CD AGK 12223) – Kommentar: die Hauptorgel ist mit 16 Klassikern der Orgelliteratur zu hören.
  • Confidentia – Bläser musizieren beim 40. Landesposaunentag (Aufnahme von 2004, CD SACD 9155) – Kommentar: 4000 Bläserinnen und Bläser musizieren im Ulmer Münster, 8500 vor dem Ulmer Münster unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Hans-Ulrich Nonnenmann Musik von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach und Joseph Haydn, zuletzt läuten zu diesem Spiel die Münsterglocken.

Verwendung des Münsters für Firmenzeichen und Firmennamen[Bearbeiten]

Das Markenzeichen mit der stilisierten Silhouette des Ulmer Münsters an einem Lastwagen von Magirus-Deutz

Der in Ulm ansässige Feuerwehrausrüster und Fahrzeugbauer Magirus machte das Ulmer Münster 1917 zum zentralen Bestandteil seines Markenzeichens.[19] Nachdem dieses anno 1925 neu gestaltet wurde, zeigte es aber nur noch die stilisierte Silhouette des Münsters in Kombination mit einem „M“ für Magirus. Nach der Übernahme von Magirus durch den Humboldt-Deutz-Konzern schmückte die neue Fassung dann die Lastwagen, Busse und Feuerwehrfahrzeuge der Marke Magirus-Deutz, die das Markenzeichen mit der stilisierten Silhouette des Ulmer Münsters in über 100 Länder der Welt verbreiteten. 1964 machte die neue Konzernmutter, die inzwischen Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) hieß, das von Magirus stammende Logo zu ihrem eigenen Firmenzeichen und verwandte es in der Folgezeit auch für andere, nicht in Ulm hergestellte Produkte (beispielsweise für Deutz-Traktoren). So wurde es mit der Zeit mehr mit Deutz als mit Magirus identifiziert. Nach der Eingliederung von Magirus-Deutz in IVECO verschwand das Logo mit der stilisierten Silhouette des Ulmer Münsters dann ab 1980 von den Lkw, Bussen und Feuerwehrfahrzeugen. Von der heutigen Deutz AG, die inzwischen aus KHD hervorging, wird es aber bis heute als Firmenzeichen beibehalten (vgl. Bild). Die alte Fassung des Magirus-Firmenzeichens von 1917, die noch das ganze Ulmer Münster zeigt, lebt heute im Signet des Oldtimerclub Magirus IVECO e. V. fort, der sich um den Erhalt historischer Nutzfahrzeuge von Magirus, Magirus-Deutz und IVECO kümmert.

Namensgebend war das Ulmer Münster für die „Ulmer Münster Brauerei“, die von 1908 bis 2002 in nur 2 Kilometer Entfernung von dem Gotteshaus „Ulmer Münster Bier“ herstellte.

Das Münster als Knotenpunkt verschiedener Pilgerwege[Bearbeiten]

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde das Münster mehr und mehr ein Knotenpunkt für verschiedene Pilgerwege. An der Pforte des Münster ist ein Pilgerstempel für den Pilgerpass erhältlich.

Jakobspilgerwege[Bearbeiten]

Bis Ulm führen zwei ausgeschilderte Jakobspilger-Routen von Norden heran, die sich am Ulmer Münster vereinigen:

Sonstige Pilgerwege[Bearbeiten]

Seit 2008 beginnt ein Teil des Oberschwäbischen Pilgerweges am Münster und führt zu spirituellen Orten Oberschwabens weiter.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Silvester Lechner: Ulm im Nationalsozialismus. Stadtführer auf den Spuren des Regimes, der Verfolgten und des Widerstandes. Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg e.V.( DZOK ), Ulm-Jungingen 1997 ISBN 3-9805396-4-4. Die Münster-Geschichte bis in das 19.Jahrhundert: Seite 27 bis 34; Der Münsterplatz: Seite 34 bis 42.
  • Hermann Baumhauer, Joachim Feist: Das Ulmer Münster und seine Kunstwerke, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen 1977, ISBN 3-8062-0164-1
  • Elmar Schmitt, Adolf Silberberger: Das Ulmer Münster in Vergangenheit und Gegenwart. Konrad, 1989, ISBN 3-87437-288-X.
  • Wolfgang Lipp: Bilder und Meditationen zum Marienportal des Ulmer Münsters, Langenau 1983, ISBN 3-88360-042-3.
  • Wim Swaan: Die großen Kathedralen, DuMont Buchverlag Köln 1996, (Seite 244 bis 250), ISBN 3-7701-3817-1.
  • Erhard John: Die Glasmalereien im Ulmer Münster, Langenau 1999, ISBN 3-88360-067-9.
  • Peter Morsbach: Oberschwaben und Schwäbische Alb – Kunst, Kultur und Landschaft zwischen Mittlerem Neckar und Iller, DuMont Buchverlag, Köln 1999, ISBN 3-7701-4701-4 (Seite 31 bis 39)
  • David Gropp: Das Ulmer Chorgestühl und Jörg Syrlin der Ältere. Untersuchungen zu Architektur und Bildwerk. Berlin 1999.
  • Franz Härle: Das Chorgestühl im Ulmer Münster, Langenau 2000, ISBN 3-88360-115-2.
  • Birgit Bergander: Wasserspeier am Ulmer Münster. (Fotos: Marcellus Kaiser) Laupheim. C & S, 2004. 168 S., zahlr. Ill. ISBN 3-937876-09-X
  • Wolfgang Lipp: Begleiter durch das Ulmer Münster, Armin Vaas Verlag 2005, ISBN 3-88360-011-3.
  • Myrah Adams und Christof Maihoefer: Jüdisches Ulm. Schauplätze und Spuren (ohne Jahresangabe), ISBN 3-933231-03-5 – Kommentar: dort finden sich mancherlei Hinweise zum jüdisch-christlichen Miteinander im Blick auf das Ulmer Münster
  • Hartmut Scholz: Die mittelalterlichen Glasmalereien in Ulm, Berlin 1994, ISBN 3-87157-168-7
  • Kathrin Schulthess: Himmelwärts. Das Ulmer Münster für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Ulm (ohne Jahresangabe), ISBN 3-88294-356-4
  • Hans-Eugen Specker/Reinhard Wortmann (Hrsg.): 600 Jahre Ulmer Münster. Festschrift, Ulm 1977
  • Reinhard Wortmann: Das Ulmer Münster, DKV-Kunstführer Nr. 286, 7. Auflage, München/Berlin 2000

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ulmer Münster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Lipp: Begleiter durch das Ulmer Münster. Hrsg.: Evang. Gesamtkirchengemeinde Ulm, 1977, S. 3
  2. http://www.ulm.de/ulmer_geschichte_die_ulmer_sammlung_1230%E2%80%931808.31191.3076,.htm?_druck=1&id=31191&navi=3076, (Stand: 25. September 2012).
  3. http://www.ulm.de/ulmer_geschichte_die_ulmer_und_ihr_muenster.42799.3076,.htm
  4.  Oratorienchor Ulm e.V. (Hrsg.): Festschrift zum 100jährigen Jubiläum am 24. Mai 1990. 1990.
  5. Wolfgang Lipp: Begleiter durch das Ulmer Münster, Langenau 1999, Seite 30 und 31
  6. Hermann Baumhauer, Joachim Feist: Das Ulmer Münster und seine Kunstwerke, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen 1977, Seite 59 bis 62
  7. Alfred Klemm: Sürlin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 37, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 166–169.
  8. Anekdote aus einer Münsterführung.
  9. Helmut Völkl, Orgeln in Württemberg, Hänssler-Verlag Neuhausen-Stuttgart 1986, S. 15
  10. Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 12, S. 1647, Bärenreiter-Verl.
  11. www.ulmer-orgeln.de: Hauptorgel Ulmer Münster, gesehen 27. Oktober 2010.
  12. http://www.ulmermuenster.de/orgeln_im_muenster.html Homepage des Ulmer Münsterkantorates
  13. Tourist-Information Ulm: Orgelkonzert
  14. Meldung Kieler Nachrichten
  15. Südwest-Presse, 12. April 2009: Glockengeläut nach 3 Jahren Schweigen
  16. Südwest-Presse Ulm, 11. November 2006
  17. Henning Petershagen: »Die Münsterglocken und ihre Ahnen«, Südwestpresse, Ulmer Kulturspiegel, Sonderdruck vom 11. April 2009
  18. Vgl. dazu: Henning Petershagen: »Die Münsterglocken und ihre Ahnen«, Südwestpresse, Ulmer Kulturspiegel, Sonderdruck vom 11. März 2009
  19. http://www.oldiveco.de/images/hist_magirus_logo_gross.jpg
  20. Gerhilde Fleischer, Jakobsweg I, Ostfildern 1997
  21. Wolfgang W. Meyer, Jakobswege, Tübingen 2006, 5. Auflage, S. 7 und S. 189-227

48.3986111111119.9925Koordinaten: 48° 23′ 55″ N, 9° 59′ 33″ O