Ulrich I. (Württemberg)

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Siegel Ulrichs von 1259

Ulrich I. von Württemberg, genannt Ulrich der Stifter oder Ulrich mit dem Daumen, (* 1226; † 25. Februar 1265) war ab etwa 1241 Graf von Württemberg.

Leben und verwandtschaftliche Einordnung[Bearbeiten]

Ulrichs verwandtschaftliche Beziehung zu seinen Vorgängern ist historisch nicht geklärt und abschließend belegbar. Der Historiker Hansmartin Decker-Hauff bezeichnet Ulrich als Sohn Hermanns von Württemberg und der Irmengard von Ulten [1]. Hermann, der nur einmal 1231 urkundlich erwähnt wird, ist wahrscheinlich ein Sohn Hartmanns I. Ulrich regierte, urkundete und siegelte 1241 gemeinsam mit seinem Bruder Eberhard von Württemberg. Im Jahr 1243 werden beide als Vettern des Hartmann von Grüningen bezeichnet. Ulrich wird 1255 als Verwandter von Vatersseite des Grafen Albert IV. von Dillingen genannt. Ulrich war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe mit Mechthild von Baden entstammen die Töchter Agnes und Mechthild und der spätere Graf Ulrich II.. Aus der zweiten Ehe mit Agnes von Schlesien-Liegnitz entstammen der spätere Graf Eberhard I. und vermutlich eine weitere Tochter mit Namen Irmengard. Ulrich wurde, wie seine beiden Frauen, im Stift Beutelsbach begraben. Später wurde er in die Stiftskirche Stuttgart überführt.

Politik[Bearbeiten]

Die Auseinandersetzung zwischen dem Stauferkaiser Friedrich II. und den Päpsten Gregor IX. und Innozenz IV. hatte auch Auswirkungen auf die Verhältnisse im Herzogtum Schwaben. Nach der Absetzung Friedrichs II. durch das Konzil von Lyon gelang es der päpstlichen Diplomatie, einen großen Teil der Adligen des Herzogtums auf die Seite der Gegenkönige Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland zu ziehen. Ulrich trat 1246 gemeinsam mit weiteren schwäbischen Adligen zu Heinrich Raspe über, was zum Sieg Heinrichs über das Heer von Konrad IV., dem Sohn Friedrichs II., in der Schlacht bei Frankfurt entscheidend beitrug. Ulrich nutzte die Situation, um seine Territorialmacht im Herzogtum Schwaben auszubauen. Nach dem Tod Konrads IV. 1254 wurde dessen zweijähriger Sohn Konradin formell als Herzog von Schwaben anerkannt. Im Gegenzug verzichtete Konradins Vormund Herzog Ludwig II. von Bayern auf die Rückforderung der Erwerbungen Ulrichs und anderer schwäbischer Adliger nach dem Übertritt von 1246. Ulrich gelang es so, die Basis für die Grafschaft Württemberg mit ihrem territorialen Schwerpunkt im mittleren Neckarraum zu legen, die von seinen Nachfolgern ausgebaut wurde, im Wesentlichen von den Grafen Ulrich III. und Eberhard III. Die Heirat mit Mechthild von Baden half zudem, die territoriale Bereinigung beider Häuser mit dem Rückzug Badens aus dem mittleren Neckarraum anzustoßen. So kam zum Beispiel die spätere württembergische Hauptstadt Stuttgart bei der Hochzeit der beiden von Baden nach Württemberg.

Nachkommen[Bearbeiten]

Aus seiner ersten Ehe mit Mechthild von Baden hinterließ er drei Kinder:

Aus seiner zweiten Ehe mit Agnes von Schlesien-Liegnitz hinterließ er zwei Kinder:

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Mertens in: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 20

Quellen und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Hansmartin Decker-Hauff, Die Anfänge des Hauses Württemberg. In: Robert Uhland (Hrsg.), 900 Jahre Haus Württemberg. Leben und Leistung für Land und Volk. Stuttgart 1984, S. 25–81 (Anfänge), ISBN 3-17-008930-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Graf Ulrich I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Ludwig III. Graf von Württemberg
1241–1265
Ulrich II.