Ulrich Kahrstedt

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Ulrich Kahrstedt (* 27. April 1888 in Neiße/Schlesien; † 27. Januar 1962 in Göttingen) war ein deutscher Althistoriker.

Kahrstedt begann 1906 ein Jurastudium in Edinburgh. Später studierte er in Berlin (unterbrochen von einem Semester in Straßburg) altertumswissenschaftliche Fächer und wurde 1910 bei Eduard Meyer mit einer Arbeit über Demosthenes promoviert. 1912 habilitierte er sich, gefördert von Otto Seeck, in Münster mit Arbeiten zur karthagischen Geschichte. 1913/14 vertrat er die althistorische Professur in Münster. Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er kurzzeitig Soldat war, ab 1916 Beamter im Kriegsministerium, war er hauptamtlich für die neu gegründete DNVP tätig. 1921 wurde er auf den althistorischen Lehrstuhl an der Universität Göttingen berufen, den er bis zu seiner Emeritierung 1952 innehatte. Von 1923 bis 1948 war er ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. 1933 wählte ihn das Deutsche Archäologische Institut zum ordentlichen Mitglied.

Auch als Professor in Göttingen blieb Kahrstedt für die konservative DNVP politisch aktiv. Ab 1933 unterstützte er die nationalsozialistische Hochschulpolitik. In einer Rede zur Reichsgründungsfeier im Januar 1934 kritisierte er seine Kollegen Karl Brandi und Percy Ernst Schramm scharf für ihre Teilnahme an einem Kongress in Polen. Anfang 1946 wurde er von der britischen Militärregierung als „politisch unerwünscht“ entlassen, aber schon einen Monat später wieder in sein Amt eingesetzt.

Kahrstedt beschäftigte sich wissenschaftlich zunächst vor allem mit der griechischen und karthagischen Geschichte. Eine geplante umfassende Darstellung des griechischen Staatsrechts blieb unvollendet. Später bildete die Geschichte der römischen Provinzen seinen Arbeitsschwerpunkt.

Schriften[Bearbeiten]

  • Geschichte der Karthager von 218–146. Weidmann, Berlin 1915.
  • Griechisches Staatsrecht. Bd. 1. Sparta und seine Symmachie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1922.
  • Geschichte des griechisch-römischen Altertums. Münchner Verlag, München 1948.
  • Kulturgeschichte der römischen Kaiserzeit. 2. Auflage. Francke, Bern 1958.
  • Die wirtschaftliche Lage Grossgriechenlands in der Kaiserzeit. Steiner, Wiesbaden 1960.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Meyer: Ulrich Kahrstedt †. In: Gnomon. Band 34 (1962), S. 428–431
  • Cornelia Wegeler: „… wir sagen ab der internationalen Gelehrtenrepublik“. Altertumswissenschaft und Nationalsozialismus. Das Göttinger Institut für Altertumskunde 1921–1962. Böhlau, Wien 1996, S. 89–98 (mit Bild), ISBN 3-205-05212-9.
  • Gustav Adolf Lehmann: Ulrich Kahrstedt 1888–1962. In: Göttinger Gelehrte. Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen in Bildnissen und Würdigungen 1751–2001. Göttingen 2001, S. 402f. (mit Bild)
  • Ernst Baltrusch: Kahrstedt, Ulrich. In: Der Neue Pauly (DNP). Supplementband 6: Geschichte der Altertumswissenschaften. Metzler, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-476-02033-8, Sp. 638f.

Weblinks[Bearbeiten]