Ulrich Leo

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Ulrich Leo (* 28. Mai 1890 in Göttingen; † 4. Juli 1964 in Toronto) war ein deutsch-kanadischer Romanist, Italianist, Hispanist und Literaturwissenschaftler.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Ulrich Leo war der Sohn des Klassischen Philologen Friedrich Leo (1851–1914) und der Cécile geb. Hensel (1858–1928). Die Familien beider Eltern waren jüdischer Herkunft, aber schon seit dem frühen 19. Jahrhundert evangelischer Konfession. Nach dem Tod des Vaters lebte die Familie in bescheidenen Verhältnissen, die durch die Wirtschaftskrise der Zwanziger Jahre noch verstärkt wurde.

Nach Studium in Göttingen, Berlin und München (bei Karl Vossler) wurde Leo 1914 in Göttingen bei Alfons Hilka über Die erste Branche des Roman de Renart promoviert. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil (1914–1917), arbeitete am Thesaurus Linguae Latinae (1917–1918) und habilitierte sich 1922 in München mit Studien zu Rutebeuf (Halle a.S. 1922). Die dann eingeschlagene Bibliothekslaufbahn führte ihn nach Marburg, Greifswald und schließlich Frankfurt, wo er ab 1931 auch Dozent für Romanische Philologie unter besonderer Berücksichtigung des Italienischen war (im Institut von Erhard Lommatzsch). 1936 von den Nazis wegen seiner jüdischen Abstammung entlassen, nahm er 1938 eine Bibliothekarsstelle in Caracas (Venezuela) an, ging 1945 an das William Penn College (heute William Penn University) in Oskaloosa, Iowa und wechselte noch im selben Jahr auf eine Professur am Department of Italian and Hispanic Studies der Universität Toronto.

Weitere Werke[Bearbeiten]

  • Fogazzaros Stil und der symbolistische Lebensroman, Heidelberg 1928
  • Estudios filológicos sobre letras Venezolanas, Caracas 1942
  • Torquato Tasso, Bern 1951
  • Rómulo Gallegos, México 1954, Caracas 1967
  • Sehen und Wirklichkeit bei Dante, Frankfurt a.M. 1957
  • Zur dichterischen Originalität des Arcipreste de Hita, Frankfurt a.M. 1958
  • Interpretaciones hispanoamericanas, Santiago de Cuba 1960
  • Romanistische Aufsätze aus drei Jahrzehnten, hg. von Fritz Schalk, Köln 1966
  • Interpretaciones estilísticas, Caracas 1972

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Theodor ElwertLeo, Ulrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 242 f. (Digitalisat).
  • Helmut Hatzfeld in: Yearbook of Comparative and General Literature 9, 1960, S. 70-73 und in: Deutsches Dante-Jahrbuch 43, 1965, S. 212-214
  • Kurt L. Levy in: Hispanic Review 33, 1965, S. 63-65
  • Fritz Schalk: Schriftenverzeichnis von Ulrich Leo, in: Ulrich Leo, Romanistische Aufsätze aus drei Jahrzehnten, hg. von Fritz Schalk, Köln 1966
  • Hans Ludwig Scheel: Ulrich Leo und seine Bedeutung für die Italianistik, in: Deutsche und österreichische Romanisten als Verfolgte des Nationalsozialismus, hg. von Hans Helmut Christmann und Frank-Rutger Hausmann, Tübingen 1989, S. 201-214
  • Geoffrey Stagg in: Ulrich Leo, Romanistische Aufsätze aus drei Jahrzehnten, hg. von Fritz Schalk, Köln 1966

Weblinks[Bearbeiten]