Ulrich Matthes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ulrich Matthes bei einer Lesung des Anne Frank-Tagebuches, Juni 2012

Ulrich Matthes (* 9. Mai 1959 in Berlin) ist ein deutscher Schauspieler.

Leben[Bearbeiten]

Ulrich Matthes (links) im Gespräch mit Jim Rakete, 2008

Ulrich Matthes, 1959 als zweiter Sohn von Günter Matthes (langjähriger Redakteur, zeitweise Chefredakteur beim Berliner Tagesspiegel) und Else Matthes in Berlin-Wilmersdorf geboren, hat schon als Kind zwischen 10 und 13 Jahren in großen TV-Rollen gespielt und ab 1970 synchronisiert (u.a. den Jason in Die Waltons und den Charlie Brown in einigen Episoden). In den Pubertätsjahren entstand der Wunsch, Lehrer zu werden, so studierte Ulrich Matthes fünf Semester Germanistik und Anglistik an der FU in Berlin. Durch eine Begegnung mit Martin Held ermutigt, brach Ulrich Matthes sein Studium ab und nahm für circa 1 ½ Jahre Schauspielunterricht bei der legendären Else Bongers, die u. a. Hildegard Knef und Götz George entdeckte.

Am Theater wirkte er seit den 1980er Jahren an den Vereinigten Bühnen Krefeld/Mönchengladbach, am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Münchner Staatsschauspiel, an den Münchner Kammerspielen, später in Berlin an der Schaubühne am Lehniner Platz und am Deutschen Theater sowie in Wien am Burgtheater. Legendär ist sein zweistündiger Kleistabend, den er mit Hermann Beil erarbeitete.

Ulrich Matthes ist seit der Saison 2004/05 festes Ensemblemitglied am Deutschen Theater in Berlin (Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, Minna von Barnhelm). Regie führte er zuvor schon in Frank Wedekinds Frühlings Erwachen in den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Ein Rollenangebot aus Hollywood für einen Film mit Tom Hanks lehnte er ab, um unter dem Regisseur Christian Petzold am Deutschen Theater Berlin in Arthur Schnitzlers Drama „Der einsame Weg“ mit Nina Hoss zu spielen.[1]

Filmografie[Bearbeiten]

Synchronisation[Bearbeiten]

Seine markante Stimme lieh Matthes zudem zahlreichen fremdsprachigen Kollegen. So war er lange Zeit die deutsche Standard-Stimme von Kenneth Branagh (u.a. in Henry V., Hamlet, Viel Lärm um nichts, Othello). Daneben synchronisierte er auch Malcolm McDowell (Das Geheimnis des Dirigenten), Charlie Sheen (Platoon), Ralph Fiennes (Quiz Show) oder Sean Penn ( in Carlito’s Way).

Hörbücher[Bearbeiten]

Unter den zahlreichen Hörspielen und Hörbüchern, in denen Ulrich Matthes als Sprecher mitgewirkt hat, sind Das Kalkwerk von Thomas Bernhard in der Inszenierung von Ulrich Gerhardt (2001) sowie Pnin von Vladimir Nabokov hervorzuheben. Für seine Lesung von Pnin erhielt Ulrich Matthes 2003 den Deutschen Hörbuchpreis. Ebenso las er den Roman Middlesex von Jeffrey Eugenides im August 2003, herausgegeben auf acht CDs. Außerdem las Matthes Murakamis Roman Mister Aufziehvogel auf insgesamt 24 CDs mit einer Dauer von 28 Stunden. Er verlieh dabei sowohl der optimistisch-lakonischen Lebenseinstellung des Helden Toru Okada als auch der etwas vorlauten Sprechart der pubertären May Kashahara stimmliches Leben. Ebenfalls las Ulrich Matthes Die Vermessung der Welt und Ruhm von Daniel Kehlmann. 2008 erschien Das Schloß sowie Die Verwandlung von Franz Kafka gelesen von Ulrich Matthes als Hörbuch. Ebenso die großen Romane von Albert Camus.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Eberth (mit einem Vorwort von Volker Schlöndorff): Matthes (backstage 1), Verlag Theater der Zeit, Berlin 2009, ISBN 978-3-940737-41-0, (mit einer Fotostrecke von Daniel Josefsohn).

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tobias Becker: Der Fremdgeher, In: Kulturspiegel, März 2009, S. 19
  2. Ulrich Matthes in: Kulturamt Landeshauptstadt Düsseldorf