Ulrichsgymnasium Norden

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Ulrichsgymnasium
UlrichsgymnasiumHistHaupteingang.jpg
Schulform Gymnasium
Gründung 1566/67 Lateinschule, 1631 Gymnasium
Adresse

Norddeicher Straße 2-3

Ort Norden
Land Niedersachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 35′ 49,5″ N, 7° 11′ 58,5″ O53.5970805555567.1995944444444Koordinaten: 53° 35′ 49,5″ N, 7° 11′ 58,5″ O
Träger Landkreis Aurich
Schüler ca. 1250
Lehrkräfte ca. 100
Leitung Wolfgang Grätz
Website www.ug-norden.de

Das Ulrichsgymnasium ist ein allgemein bildendes Gymnasium in Norden (Ostfriesland, Niedersachsen). Es wurde 1567 als Lateinschule gegründet und 1631 zum Paedagogium illustre (Gymnasium) umgewandelt. Es ist damit eines der ältesten Gymnasien in Deutschland und das älteste in Ostfriesland. Namensgeber ist Ulrich II. (1606-1648), seit 1628 Graf von Ostfriesland, der auch für die Gründung des Ulricianum in Aurich verantwortlich ist.

Geschichte[Bearbeiten]

An der Stelle des heutigen Gymnasiums befand sich ein um 1264 gegründetes Dominikanerkloster, das bereits eine Schule unterhielt. Das Kloster wurde um 1530 aufgelöst, nachdem die Mönche bereits weitgehend von der Reformation beeinflusst worden waren.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Dass es in Norden bereits vor der Gründung der Lateinschule eine öffentliche Bildungseinrichtung gab, lassen die Annalen der Stadt vermuten, die etwa für 1511 den Scholmester Johann Pipers erwähnen. Für 1536 bis 1540 wird Theodorus Bottmanus genannt. Ihm folgte um 1540 ein gewisser Scipio, der fünf Jahre später von Ptolemeus Johannes abgelöst wurde. Dieser hatte bis 1566 das Amt des Schulmeisters inne.[1]

1529 machte Graf Enno II. kurz nach seinem Regierungsantritt die Absicht bekannt, in Norden und in Emden eine Lateinschule zu errichten. Erklärtes pädagogisches Ziel war es, die "Jugend nicht jämmerlich verderben zu lassen" und gleichzeitig der "Verachtung der lateinischen Kunst" entgegenzuarbeiten.[2] 1537 erneuerte Enno II. seine Absichtserklärung mit der Begründung, damit das Land notdrüftige, geleerde luiden bekomme.[3] Es dauerte allerdings noch weitere 30 Jahre bis Graf Edzard II. 1567 diese Pläne verwirklichte und in Norden eine Lateinschule gründete. Dieses Jahr gilt als das Gründungsjahr des Ulrichgymnasiums Norden.

Lateinschule[Bearbeiten]

Ubbo Emmius, Schüler und 6. Rektor des Ulrichgymnasiums

Bereits 1566 hatte Edzard II. den Niederländer Johannes Florianus zum Gründungsrektor der Lateinschule berufen. Der Unterricht begann im folgenden Jahr mit drei Unterrichtsklassen. Das erste Kollegium bestand zunächst aus dem genannten Rektor und zwei Lehrern. Als Schulraum diente das sogenannte Osterhaus, ein Trakt des säkularisierten Dominikanerklosters. Überschattet wurden die Anfangsjahre durch konfessionelle Konflikte zwischen Lutheranern und Reformierten. Zwar dominierte in Norden das Luthertum, niederländische Glaubensflüchtlinge hatten aber den bis dahin schwachen kalvinistischen Flügel des Norder Protestantismus erheblich gestärkt. Da Lateinschulen jener Zeit primär als Vorstufe der Ausbildung von Geistlichen betrachtet wurden, waren beide evangelischen Konfessionsparteien daran interessiert, einen möglichst großen Einfluss auf den Lehrplan zu gewinnen und die theologische Ausrichtung der Schule zu bestimmen.[4] Obwohl Anfang der 70er Jahre des 16. Jahrhunderts eine Rückwanderungswelle der niederländischen Glaubensflüchtlinge einsetzte, wurde 1579 der reformierte Theologe, Historiker, Pädagoge und spätere Gründungsrektor der Universität Groningen (Niederlande) Ubbo Emmius (1547-1625) zum Rektor der Lateinschule berufen. Neun Jahre lang übte er dieses Amt an seiner ehemaligen Ausbildungsstätte aus, wurde aber aufgrund seines Glaubens vom lutherischen Grafenhaus der Cirksena aus dem Amt gedrängt. Danach leiteten fast drei Jahrhunderte hindurch lutherische Rektoren die humanistische Bildungsanstalt.

Die Norder Lateinschule galt zwar im Rahmen damaliger Konventionen als Höhere Lehranstalt, war aber aufgrund ihres Lehrangebots nur eine Partikularschule. Durch die Entlassung des in Ostfriesland und in den Niederlanden anerkannten Theologen Ubbo Emmius verlor sie außerdem an Ausstrahlung.

Paedagogium illustre[Bearbeiten]

Unter Graf Ulrich II. wurde die Schule 1631 dann zu einem Paedagogium illustre erhoben und erhielt den Namen Schola Ulriciana Sie wurde damit zu einem Vollgymnasium, an dem der Erwerb der Hochschulreife möglich war. Ab diesem Zeitpunkt hatte die Schule acht Klassen und acht Lehrern. Nachdem die Schülerzahlen aufgrund von Pest und kriegerischen Auseinandersetzungen wie Ständekämpfen und dem Dreißigjährigen Krieg zurückgegangen waren, wurde die Schule 1666 kurzzeitig geschlossen, aber schon wenig später wiedereröffnet. Dennoch begann in dieser Zeit der Niedergang der Schule. Sie hatte zeitweilig nur noch drei Klassen, ohne dass sie damit den Rang einer Vollanstalt verlor. Der Tiefpunkt wurde zwischen 1750 und 1800 erreicht. In dieser Zeit schwankten die Schülerzahlen zwischen 14 und 34.

Progymnasium[Bearbeiten]

Schulgebäude des Progymnasiums um 1840

Unter Hannoverscher Regierung wurde die Schule in ein Progymnasium umgewandelt, womit der Erwerb der allgemeinen Hochschulreife nicht mehr möglich war.

Vollgymnasium[Bearbeiten]

Nachdem die Schülerzahlen wieder anstiegen, wurde die Schule in den Jahren 1851-1875 um- und ausgebaut. Unter preußischer Regierung wurde die Schule dann 1877 wieder in den Rang eines Vollgymnasiums erhoben. Seit 1928 ist auch Mädchen das Ablegen der Reifeprüfung am Ulrichsgymnasium möglich.[5] Während die Schülerzahlen bis zum Zweiten Weltkrieg kontinuierlich stiegen, wurde die Anzahl der Pädagogen aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage der 1920er Jahre durch Zwangpensionierungen stark reduziert.[6]

Oberschule[Bearbeiten]

1937 wurde das Ulrichs-Gymnasium in eine Oberschule umgewandelt. Damit wurde unter anderem ein gymnasialer Bildungsweg mit dem Schwerpunkten Mathematik und Naturwissenschaften eröffnet. Die traditionellen Fächer der humanistischen Bildung traten unter dem Einfluss des Nationalsozialismus in ihrer Bedeutung zurück. Die Fächer Evangelische und Katholische Religionslehre wurden abgeschafft. Jüdische Schüler mussten die Schule verlassen. Ostern 1939 verfügte das Ulrichsgymnasium über 10 Klassen mit 213 Schülern, die von insgesamt 15 Lehrern unterrichtet wurden. Im Herbst desselben Jahres erhielten alle Schüler der Jahrgangsstufe 8 ihr Abgangszeugnisse. Darin stand die Bemerkung „[...] verlässt die Schule, um Kriegshilfsdienst zu leisten“. Die Kellerräume des Schulgebäudes wurden zu Luftschutzräumen umgebaut.[7]

Zwischen dem 1. April und dem 1. Juli 1940 wurden sieben Lehrkräfte zum Militärdienst einberufen. Unter ihnen befand sich auch der Oberstudiendirektor Weidemann. Zu Beginn des Schuljahres 1941/42 besuchten 235 Schüler das Gymnasium, darunter 43 Mädchen. Das Schuljahr 1942/43 brachte einen weiteren Anstieg der Schülerzahlen. 248 Schüler (nicht mitgezählt sind aus Emden evakuierte Gastschüler) wurden von nur 8 Lehrern und einem dienstverplichteten Hilfslehrer unterrichtet. Ende März 1943 erfolgte die Einberufung von 19 Schülern der Jahrgangsstufen 10 und 11 (damals 6. und 7. Klasse) als Luftwaffenhelfer. Nach einem fünfwöchigen Lehrgang auf Norderney wurden sie beim Küstenschutz in der Nähe des Senders Radio Norddeich eingesetzt. In einer als Notschule umfunktionierten Wehrmachtsbaracke erteilten Lehrer des Ulrichgymansiums einen erheblich reduzierten Unterricht.

Im Februar 1945 verfügte der Bremer Reichsverteidigungskommissar die Schließung aller Schule im Ems-Weser-Gebiet. Im Zuge dieser Anordnung schloss auch das Ulrichsgymnasium Norden seine Pforten auf unbestimmte Zeit. Die Kohlenvorräte wurden konfisziert und die Klassenräume vom Marinelazarett belegt. Für die Schüler der Klasse 6 fand der Unterricht im Sitzungssaal des Norder Rathauses statt. Die Klassen 7 und 8 waren im Amtszimmer des Direktors untergebracht. Die Klassen 1 bis 5 wurden zweimal pro Woche ins Rathaus bestellt, um Hausaufgaben entgegenzunehmen.[8]

Schulentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Am 1. und 2. Mai 1945 marschierten in Norden kanadische Truppen ein und besetzten die Stadt. Das Marinelazarett im Ulrichsgymnasium wurde verlegt und die Räumlichkeiten des Schulgebäudes vom Armeestab der Besatzungstruppen belegt. Erst ab dem 2. Oktober 1945 wurde das Ulrichsgymnasium wieder als Schule genutzt. Zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Neustart der Schule gab es in Norden keinen gymnasialen Unterricht.[9]

Ein Zeitzeuge und Pädagoge am Ulrichsgymnasium beschrieb die nach 1945 eingetretene Wende als „geistige Revolution, wie es sie höchstens bei der Christianisierung unser Vorfahren gegeben“ hat. Von dieser Wende „blieb kein Fach verschont“. Vor allem der Deutsch- und der Geschichtsunterricht, der „am allerstärksten vom nationalsozialistischen Ungeist verfälscht worden war“, bedurfte einer umfassenden Revision und wurde deshalb - als Chance zur Neubesinnung - für ein ganzes Jahr aus dem Unterrichtsangebot gestrichen. Andere Fächer, die während der NS-Zeit aus dem Lehrplan verschwunden waren, wurden neu eingeführt. Dazu gehörte der Religions- und der Hebräischunterricht. Auch in naturwissenschaftlichen Fächern, vor allem im Biologieunterricht, musste ein Neuanfang gemacht werden. Auch wurde die 1933 verbotene Schulandacht wieder eingeführt.[10]

Eine wesentliche Neuerung im Schulbetrieb war die 1954 erfolgte Miteinbeziehung von Schülern in die Gestaltung des schulischen Lebens. Zu den Aufgaben der sogenannten Schülermitverantung (abgekürzt: SMV) gehörten unter anderem die Pausenaufsicht, Organisation von Sportschulmeisterschaften, Opern- und Theaterbesuchen und Podiumsdiskussionen zu bestimmten gesellschaftspolitischen Themen sowie die Ausrichtung von Schulfesten. Auch die Herausgabe der Schülerzeitung, deren erste Ausgabe 1956 unter dem Titel Der junge Ulricianer erschien, gehörte in den Verantwortungsbereich der SMV.[11] Im Zuge der sogenannten 68er-Bewegung, die auch die Schülerschaft des Ulrichsgymnasiums erfasste, erstritt sich die SMV eine stärkere Position im Schulbetrieb. Aus der Schülermitverantwortung wurde - inspiriert durch das Buxtehuder Modell - die Schülermitverwaltung[12], die bis in die Mitte der 1970er Jahre den Schulalltag stark politisierte.

Am 1. Februar 1967 wurde das Ulrichsgymnasium von 693 Schülern besucht. Knapp die Hälfte davon kam aus dem Norder Stadtgebiet. Damit entfiel auf 100 Einwohner des Einzugsgebietes durchschnittlich ein Gymnasiast.[13]

Gegenwart[Bearbeiten]

Das Ulrichsgymnasium.

Das Ulrichsgymnasium bietet als einzige Lehranstalt im Gebiet der Norderlandes gymnasiale Bildung an. Englisch ist erste Fremdsprache, ab Klassenstufe 6 werden alternativ Latein und Französisch angeboten. Auch in der Oberstufe des Ulrichsgymnasiums werden im Gegensatz zu früheren Zeiten noch Wahlmöglichkeiten angeboten. Neben den Plichtfächern Mathematik und Deutsch stehen hier die Wahlpflichtfächer Englisch, Französisch, Latein, Gesellschaftswissenschaften (Geschichte, Erdkunde, Politik) sowie drei naturwissenschaftliche Fächer (Physik, Chemie, Biologie) im Lehrplan. Hinzu kommen ab Jahrgangsstufe 11 die Wahlfächer Latein, Französisch, Griechisch, Niederländisch und Informatik.

Betrieben wird das Ulrichsgymnasium als Ganztagsschule, die zusätzlich zum Unterricht eine Reihe von Arbeitsgemeinschaften, zum Beispiel im Bereich Kunst, Musik, Theater und Fremdsprachen sowie Wirtschaftsplanspiele und Mediengestaltung. Für die Verpflegung steht eine Mensa zur Verfügung.

Das Ulrichsgymnasium besuchten 2009 zirka 1250 Schülerinnen und Schülern, die von 95 Lehrern und Lehrerinnen unterrichten wurden. Mehr als die Hälfte der Schüler wohnt außerhalb der Stadt Norden. Zum Einzugsgebiet gehören auch die ostfriesischen Inseln Juist, Norderney und Baltrum.[14]

Bibliothek[Bearbeiten]

Das Ulrichsgymnasium besitzt eine Schulbibliothek, die circa 15000 Bände umfasst und als Präsenzbibliothek geführt wird. Bemerkenswert ist vor allem der historische Bestand, der 2188 Titel umfasst. Davon stammen neben einer Inkunabel[15] 10 Titel aus dem 16., 45 aus dem 17., 137 aus dem 18. und 1995 aus dem 19. Jahrhundert. Die meisten dieser Bücher sind Schenkungen ehemaliger Schüler und Lehrer. Sie sind in einem 1912 gedruckten Katalog dokumentiert. Danach ist die Bibliothek in fünfzehn Sachgruppen grob unterteilt. Eine genaue Bestandsbeschreibung ist im sogenannten Fabian-Handbuch zu finden.[16] Die Einrichtung, deren Sammelgebiet sich auf schulrelevante Fächer und Ostfriesland-Literatur beschränkt, ist in erster Line ein Angebot für Lehrer und Schüler. In Ausnahmefällen steht sie nach Anmeldung auch anderen Interessierten zur Verfügung.

Schulmeister, Rektoren und Direktoren des Ulrichgymnasiums[Bearbeiten]

Die in der folgenden Tabelle gemachten Angaben beziehen sich auf die in der Festschrift zum 400jährigen Bestehens des Ulrichsgymnasiums[17] erstellte Liste. Ergänzungen und Korrekturen dieser Liste sind besonders nachgewiesen.

Schulform des UGN Antrittsjahr Schulleiter Herkunft Bemerkungen
Bürgerschule 1511 Meyster Johann Pipers ?
Bürgerschule 1536 Theodorus Bottmanus ?
Bürgerschule 1540 Scipio ?
Bürgerschule 1545 Ptolemeus Johannes ?
Bürgerschule 1566 Johannes Florianus Niederlande Gründungsrektor der Lateinschule
Lateinschule 1567 Johannes Florianus Niederlande Glaubensflüchtling aus den Niederlanden[18], 1. Rektor der Lateinschule, Kartograph, später Pastor in Pilsum[19]
Lateinschule 1572 Nicolaus Sascherus Niederlande[18] Glaubensflüchtling aus den Niederlanden
Lateinschule 1573 Johannes Florianus Niederlande
Lateinschule 1574 Ludolf Potter Groningen / Niederlande Autor und Überarbeiter mehrerer sprachwissenschaftlicher Werke[20]
Lateinschule 1574 Laurentius Orschott ?
Lateinschule 1579 Ubbo Emmius Greetsiel Ehemaliger Schüler der Lateinschule
Lateinschule 1587 (Name unbekannt) Niederlande
Lateinschule 1589 vakant Aufgrund des Konfliktes zwischen Lutheranern und Reformierten blieb die Rektorenstelle 7 Jahre unbesetzt.[21]
Lateinschule 1596 Ulricus Hemringius ?
Lateinschule 1603 Herman Mesander Grimersum Er war von 1603 bis 1611 lutherischer Prediger in Hage,[22] ab 1612 in Norden; wirkte auch als lateinischer Dichter und Verfasser von Epigrammen.[23]
Lateinschule 1604 Magister Joachim Everhardi Rostock
Lateinschule 1607 Magister Henricus Brehorst ?
Lateinschule 1613 Magister Johann Oldewelt ? Zwei Schriften Oldewelts sind bekannt: Facula ludis Nordensis und De linguae latinae antiqitate ... (eine lateinische Grammatik)[24]
Lateinschule 1619 Hibbaeus Magnus Wismar?, Weimar?, Middelburg? Er war vor seinem Rektorat Prediger der lutherischen Gemeinde Resterhafe (1603 - 1613), danach in Utrecht. 1618 weilte er kurz Wismar und ging von dort nach Norden. Ab 1624 ist er Prediger in Den Haag, wo er am 22. August 1638 verstarb.[25]
Lateinschule 1624 Magister Johann Coenring Norden
Lateinschule 1627 Magister Johann Lange Herford In seine Amtszeit fiel die Umwandlung der Lateinschule in ein Paedagogium illustre.
Paedagogium illustre 1631 Magister Johann Lange Herford Die Schule erhielt den Namen Schola Ulriciana.
Paedagogium illustre 1660 Joachim Rachel Lunden bei Dithmarschen Rachel war ein bekannter Barockdichter und Schulbuchautor. Er gilt als Begründer der deutschen Verssatire.[26] In seine Amtszeit fiel die einjährige Schließung der Schule (1666). Gründe waren fallende Schülerzahlen infolgen von Pest und Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges.[27]
Paedagogium illustre 1667 Magister Johann Busch Lüneburg
Paedagogium illustre 1681 vakant (?)
Paedagogium illustre 1683 Lorenz Schnell Norden
Paedagogium illustre 1713 Magister Henrich Gottlieb Leutholf Oßmannstedt / Thüringen
Paedagogium illustre 1750 Johann Joachim Gerhard Wideburg Hamburg Die Schülerzahlen sanken nach seinem Amtsantritt. Dieser Rückgang hielt bis 1800 an.
Paedagogium illustre 1785 Johann Friedrich Meyer Aurich
Paedagogium illustre 1814 David Friedrich August Jani Halle
Paedagogium illustre 1821 Anton Ernst Taaks Dornum In seine Amtszeit fiel die Umwandlung des Paedagogium illustre in ein Progymnasium ohne Abiturberechtigung (1829).
Progymnasium 1829 Anton Ernst Taaks Dornum
Progymnasium 1842 August Heidelberg Bodenburg bei Hildesheim In seiner Amtszeit wurde das Ulrichsgymnasium wegen steigender Schülerzahlen um- und ausgebaut. Der wirtschaftliche Aufschwung Nordens machte die Finanzierung dieser Maßnahmen möglich (1851 - 1875).
Progymnasium 1864 August Heidelberg Bodenburg bei Heidelberg Das Progymnasium verfügt über fünf Klassen mit insgesamt 82 Schülern, die von fünf Lehrkräften unterrichtet werden.[28]
Progymnasium 1870 Max Gottfried Hoche Zeitz
Progymnasium 1873 Karl Heinrich Julius Babucke Königsberg / Preußen Babucke verfasste eine Schulgeschichte des Ulrichgymnasiums.[29]
Progymnasium 1875 Richard Schneider Ilmenau In seine Amtszeit fiel die Umwandlung des Progymnasiums in ein Vollgymnasium (1877).
Vollgymnasium 1877 Richard Schneider Ilmenau
Vollgymnasium 1881 Franz Karl Münnich Dessau, Zerbst (Anhalt) [30]
Vollgymnasium 1887 Friedrich Hermann Verden (Aller) Mitglied des Corps Neoborussia Halle
Vollgymnasium 1901 Geheimrat Carl Stegmann Grohnde / Weser Bekannter Herausgeber und Kommentator klassischer Texte[31]
Vollgymnasium 1920 Oberstudiendirektor Harmannus Ites Rysum In seiner Amtszeit wurden Mädchen erstmals zur Reifeprüfung am Ulrichsgymnasium zugelassen (1928). Dem Schulkomplex wurde 1930 ein Südflügel hinzugefügt.
Vollgymnasium 1936 Oberstudiendirektor Wilhelm Weidemann Hannover In seiner Amtszeit wurde der Lehrplan des humanistisch geprägten Lehrplans im nationalsozialistischen Sinne verändert. Der Hebräisch- und der Griechisch-Unterricht zum Beispiel wurden abgeschafft, ebenso das Fach Religion.[32] - Ab Herbst 1939 kam es zu häufigem Unterrichtsausfall und Unterrichtsminderung aufgrund des begonnen Krieges.
Vollgymnasium 1942 Oberstudiendirektor Friedrich Maertens Eisenach / Thüringen In seine Amtszeit fiel die dreivierteljährige Schließung der Schule (1945). Die Schulgebäude diensten in dieser Zeit als Marinelazarett. Für die Oberstufe wurde ein Notunterricht durchgeführt. Den Unterstufen-Schülern wurden lediglich Hausaufgaben aufgegeben. Im Oktober 1945 wurde der Unterricht auf Anordnung der Militärregierung weder in vollem Umfang aufgenommen.[33]
Vollgymnasium 1946 Oberstudiendirektor Karl Ehlers Elmshorn / Schleswig-Holstein
Vollgymnasium 1957 Oberstudiendirektor Derk de Haan Oldersum
Vollgymnasium Johann Eilers
Vollgymnasium Oberstudiendirektor Jürgen Fiedler
Vollgymnasium 1998 Joachim Strybny
Vollgymnasium 2000 Oberstudiendirektor Harald Rüdig
Vollgymnasium 2010 Oberstudiendirektor Wolfgang Grätz Norden

Schulträger[Bearbeiten]

Das Ulrichsgymnasium befand sich ab 1954 in der Schulträgerschaft des Landkreises Norden[33] und wurde nach der Kommunalreform 1972 vom neu gebildeten Landkreis Aurich als Schulträger übernommen. Ebenfalls in Trägerschaft des Landkreises Aurich befinden sich das Ulricianum in Aurich, die Integrierte Gesamtschule (IGS) Aurich-West (bis Jahrgang 13) und die IGS Waldschule Egels (bis einschließlich Jahrgang zehn).

Bekannte Lehrer und Schüler des Ulrichsgymnasiums[Bearbeiten]

Johann Christian Reil (um 1811)
  • Ubbo Emmius, späterer Gründungsrektor der Reichsuniversität Groningen (Niederlande), war als Schüler und ab 1579 für neun Jahre als Rektor an der Schule tätig.
  • David Eilsemius († 1622), Norder Lateinschüler, war reformierter Theologe und Historiker.
  • Hermann Conring (1606 - 1681), Norder Lateinschüler, war Professor in Helmstedt und Begründer der Wissenschaft der deutschen Rechtsgeschichte.
  • Enno Rudolph Brenneysen (1669 - 1734), Schüler des Ulrichsgymnasiums, war unter Georg Albrecht Kanzler in Ostfriesland.
  • Johann Christian Reil (1759 - 1813), Schüler des Ulrichsgymnasiums, war ein bekannter Mediziner.
  • Wilhelm Ihno Adolph von Freeden (1822 - 1894), Lehrer am Ulrichsgymnasium, war ein deutscher Mathematiker, Naturwissenschaftler und Ozeanograph sowie Gründer der Norddeutschen Seewarte.
  • Friedrich Swart (1883 - 1957), Schüler des Ulrichgymnasiums, war Volkswirt, leitender Direktor des Verbandes deutscher Genossenschaften in Polen und galt als "ungekrönter König der Deutschen in Polen".[34] Er verfasste die Friesische Agrargeschichte.
  • Ufke Cremer († 1958), Lehrer am Ulrichsgymnasium und Heimatforscher
  • Hildegard Peters (* 1923), Lehrerin am Ulrichsgymnasium und Malerin
  • Herbert Müller (*1953), Schüler des Ulrichgymnasiums, Kunsterzieher und Maler
  • Johannes Deknatel, bekannter mennonitischer Theologe des 18. Jahrhunderts
  • Wilhelm Krieger (Bildhauer) (1877–1945), deutscher Bildhauer

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Jahresbericht. Norden 1878-1881; 1883-1888; 1935-1937 (Digitalisat Jg. 1884–1888)
  • Bericht über das Schuljahr. Norden 1889–1934 (Digitalisat Jg. 1889–1911; 1915)
  • Wilhelm Fraesdorff: Katalog der Lehrerbibliothek. Soltau, Norden 1912 (Digitalisat)
  • Ufke Cremer (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte des staatlichen Ulrichs-Gymnasiums zu Norden. Zum 50jährigen Bestehen des Vollgymnasiums 1877 - 1927, Norden 1927
  • Derk de Haan (Hrsg.): 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden: 1567 - 1967, Norden 1967
  • Gerhard Canzler: Die Norder Schulen, Weener 2005, ISBN 3-88761-097-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Derk de Haan (Hrsg.): 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden, Norden 1967, S. 60, Sp. I
  2. Bernhard Peters: Das Ulrichsgymnasium 1567 - 1967, in: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden (Hrsg. Derk de Haan), Norden 1967, S.27, Sp. II
  3. zitiert nach Bernhard Peters, a.a.O., S.28, Sp I
  4. Bernhard Peters, a.a.O., S.28, Sp. IIf
  5. ug-norden.de: Geschichte des Ulrichsgymnasiums
  6. Bernhard Peters, a.a.O., S. 30, Sp II
  7. Hildegard Kaszemek: Das Ulrichsgymnasium Norden von Ostern 1939 bis 1. Mai 1945, in: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden (Hrsg. Derk de Haan), Norden 1967, S. 36
  8. Hildegard Kaszemek, a.a.O., S37
  9. Hildegard Kaszemek, a.a.O., S. 37
  10. Ebbel Roelfs Wessels: 1567 und 1945. Zwei entscheidende Jahre in der Geschichte des Ulrichsgymnasiums, in: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden, (Hrsg. Derk de Haan), Norden 1967, S. 34
  11. Udo Radlow: SMV, in: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden (Hrsg. Derk de Haan), Norden 1967, S. 58
  12. Homepage der Universität Oldenburg: Arno Schmidt, S. 190; eingesehen am 4. Dezember 2010
  13. Eberhard Rack: Einzugsbereich und Schülerstruktur des Ulrichgymnasiums, in: 400 Jahr Ulrichsgymnasium Norden (Hrsg. Derk de Haan),Norden 1967, S. 49. Anmerkung: Das Norder Stadtgebiet war vor der Kommunalreform 1972 erheblich kleiner.
  14. Homepage des Ulrichsgymnasiums: Das Ulrichsgymnasium; eingesehen am 4. Dezember 2010
  15. Seneca: Opera, Köln 1478
  16. Fabian-Handbuch: Bibliothek des Ulrichgymnasiums; eingesehen am1. Januar 2010
  17. Derk de Haan (Hrsg.), a.a.O., S. 60
  18. a b Groniger Archive: Artikel Ubbo Emmius; eingesehen am 1. Januar 2010
  19. Ostfrieslandkarten aus vier Jahrhunderten (Virtuelle Kartenausstellung); eingesehen am 1. Januar 2010
  20. Worldcat-Eintrag; eingesehen am 1. Januar 2010
  21. Homepage des Ulrichgymnasiums: Geschichte des UGN; eingesehen am 1. Januar 2010
  22. Fridrich Arends: Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfrieslands und des Harlinger Landes, Emden 1824, S. 418 (einsehbar bei google books); eingesehen am 1. Januar 2010
  23. Friderich Arends, a.a.O., S. 389
  24. zitiert nach Konstantin Fasolt: The Limits of History, Chicago 2004, ISBN 0-226-23910-1, S.53 (Auszug aus dem Buch online hier einsehbar.)
  25. Digital Bibliothek, Artikel: Hibbaeus Magnus (niederl.); eingesehen am 1. Januar 2010
  26. Derk de Haan (hrsg.), a.a.O., S.87 Sp.I
  27. Homepage des Ulrichgymnasiums, a.a.O.; eingesehen am 1. Januar 2010
  28. Hermann Meier: Ostfriesland in Bildern und Skizzen, Leer 1868, S. 253
  29. Karl H. J. Babucke: Geschichte des Königlichen Progymnasiums (der Ulrichsschule) in Norden. Aus Urkunden und Akten zusammengestellt, Emden 1877
  30. Münnich, Franz Karl (PDF; 7,4 MB)S. 425
  31. Derk de Haan (Hrsg.), a.a.O., S.87, Sp.II
  32. Ebbel Roelfs Wessels: Artikel 1567 und 1945, zwei entscheidende Jahre in der Geschichte des Ulrichgymnasiums, in: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden (Hrsg. Derk de Haan), Norden 1967, S. 34, Sp. IIf
  33. a b Homepage des Ulrichgymnasiums: a.a.O.; eingesehen am 1. Januar 2010
  34. Eberhard Rack: Artikel Friedrich Swart in 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden (Hrsg. Derk de Haan), S. 100ff