Ulrike Müßig

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Ulrike Müßig (geborene Seif, * 8. Juli 1968 in Würzburg) ist eine deutsche Rechtswissenschaftlerin und Rechtshistorikerin und Inhaberin des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht sowie Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte an der Universität Passau.

Leben[Bearbeiten]

Ulrike Müßig erlangte 1987 am Würzburger Wirsberg-Gymnasium das Abitur. Sie studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Würzburg und Cambridge (GB) sowie als Gast an der Université Paris I, Panthéon-Sorbonne in Frankreich. Gefördert wurde sie mit dem Hochbegabtenstipendium der Bayerischen Hundhammerstiftung, von der Studienstiftung des deutschen Volkes und mit einem Auslandsstipendium des DAAD. Nach dem Referendarexamen 1993 war sie Promotionsstipendiatin der Studienstiftung am Institut für Rechtsvergleichung der Universität Würzburg und am Hamburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, bis sie 1995 mit der rechtsvergleichenden Arbeit Der Bestandsschutz besitzloser Mobiliarsicherheiten im deutschen und englischen Recht promoviert wurde. Nach dem mit dem Assessorexamen 1996 abgeschlossenen Referendariat in Würzburg, Brüssel und Paris war Ulrike Müßig von 1996 bis 1999 Habilitationsstipendiatin am Institut für deutsche und bayerische Rechtsgeschichte der Universität Würzburg bei Professor Dietmar Willoweit.

2000 habilitierte sie sich mit einer rechtshistorischen Arbeit an der Juristischen Fakultät der Universität Würzburg für die Fachgebiete Europäische und Deutsche Rechtsgeschichte, Bürgerliches Recht, Rechtsvergleichung und Internationales Privatrecht. Die Habilitationsleistung wurde mit dem Heisenberg-Preis der DFG ausgezeichnet und ist 2009 unter dem Titel Recht und Justizhoheit, Der gesetzliche Richter im historischen Vergleich von der Kanonistik bis zur Europäischen Menschenrechtskonvention, unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsentwicklung in Deutschland, England und Frankreich in 2. Auflage erschienen. 2000 wurde Ulrike Müßig an die Universität Passau auf den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht sowie Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte berufen. Ein gleichzeitiges Berufungsangebot der Universität Bielefeld wurde ausgeschlagen. 2003 hat sie einen Ruf an die Universität Bern abgelehnt. Von 2010 bis 2012 war Müßig Dekanin der Juristischen Fakultät an der Universität Passau.

Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Arbeit sind die europäische Verfassungsgeschichte vom 12. bis zum 21. Jahrhundert einschließlich der Zeitgeschichte der europäischen Integration, die Geschichte der Höchstgerichtsbarkeit, das römisch-kanonische Erbrecht in mittelalterlichen deutschen Rechtsaufzeichnungen und die Ideengeschichte des 18. Jahrhunderts. Zum Handwörterbuch zur Deutschen Rechtsgeschichte, zur Enzyklopädie der Neuzeit und zur Oxford International Encyclopedia of Legal History hat sie gewichtige Beiträge beigesteuert. Zusammen mit Horst Dreier und Michael Stolleis gibt sie bei Mohr Siebeck die Grundlagen der Rechtswissenschaft heraus.

Kennzeichnend für ihr Schaffen ist ihr Bemühen, die historischen Fächer als Bestandteil der juristischen Ausbildung zu erhalten, Bedingungen für interdisziplinäre Forschung zu schaffen und einen internationalen Gedankenaustausch sowie Graduiertenförderung zu ermöglichen.

Ehrungen[Bearbeiten]

Für ihre wissenschaftlichen Leistungen wurde Ulrike Müßig 1996 mit dem Bayerischen Habilitationsförderpreis, 1997 mit dem Preis der Unterfränkischen Gedenkjahrstiftung für Wissenschaft und 2000 mit dem Heisenberg-Preis der DFG ausgezeichnet. 2008 war sie für den Gerda-Henkel-Preis nominiert. 2013 erhielt Müßig einen ERC Advanced Grant aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm des Europäischen Forschungsrats über 1,9 Millionen Euro für ihr Forschungsprojekt zur Europäischen Verfassungsgeschichte.[1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Publikationen sind bis 2005 unter dem Geburtsnamen Seif, ab 2006 unter dem Ehenamen Müßig erschienen:

  • Europäische Verfassungsgeschichte. (hrsg. zus. mit Dietmar Willoweit), Beck, München 2003, ISBN 3-406-49825-6.
  • Der gesetzliche Richter ohne Rechtsstaat? Eine historisch-vergleichende Spurensuche. de Gruyter Recht, Berlin 2007, ISBN 978-3-89949-404-4.
  • Die europäische Verfassungsdiskussion des 18. Jahrhunderts. Mohr Siebeck, Tübingen 2008, ISBN 978-3-16-149796-4.
  • Recht und Justizhoheit, Der gesetzliche Richter im historischen Vergleich von der Kanonistik bis zur Europäischen Menschenrechtskonvention, unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsentwicklung in Deutschland, England und Frankreich. Erweiterte und verbesserte 2. Auflage, Duncker & Humblot, Berlin 2009, ISBN 978-3-42-813016-0.

Recht und Justizhoheit wird ins Spanische und die europäische Verfassungsdiskussion wird ins Englische übersetzt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Passauer Rechtswissenschaftlerin erhält ERC Advanced Grant, Website der Universität Passau, 15. November 2013, abgerufen am 1. März 2014.