Ulrike Ottinger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ulrike Ottinger (* 6. Juni 1942 in Konstanz als Ulrike Weinberg) ist eine avantgardistische, zeitgenössische Künstlerin. Sie ist besonders bekannt und erfolgreich als Filmemacherin, Malerin und Fotografin.

Leben[Bearbeiten]

Am Bodensee aufgewachsen, absolvierte die Tochter der Fremdsprachenkorrespondentin Maria Weinberg und des Kunst- und Dekorationsmalers Ulrich Ottinger nach der Mittleren Reife zunächst eine Banklehre. Ab 1959 war sie Gaststudentin an der Akademie der Künste in München und arbeitete als Malerin.

Von 1962 bis 1968 lebte und arbeitete Ottinger in Paris als Malerin und studierte bei Johnny Friedlaender Radiertechnik. Sie beteiligte sich an mehreren Pop-Art Ausstellungen und schrieb 1966 ihr erstes Drehbuch mit dem Titel Die mongolische Doppelschublade.

Ulrike Ottinger kehrte nach Deutschland zurück und gründete 1969 in Zusammenarbeit mit dem Filmseminar der Universität Konstanz den Filmclub „Visuell“, den sie bis 1972 leitete. Sie baute eine Galerie auf und eine dazugehörige Druckerei, die „galeriepress“, wo sie zeitgenössische Kunst editierte und zu einem Kristallisationspunkt avantgardistischer Bildender Kunst wurde. Seit 1973 lebt Ulrike Ottinger in Berlin.

In Berlin arbeitete Ottinger immer wieder mit der Schauspielerin und Szene-KünstlerinTabea Blumenschein zusammen, die neben Magdalena Montezuma Hauptdarstellerin ihrer ab 1972 entstandenen Filme wurde. Ulrike Ottinger entwickelte einen ausdrucksstarken bizarr-surrealistischen Filmstil, der gekennzeichnet ist durch einen weitgehenden Verzicht auf lineare Handlungsstränge. Ottinger erzählt so, wie ein Flusslauf mäandert. Kunstvoll und ästhetisch überzeugend werden bewegte magische (Film-) Bilder inszeniert. Ottingers unkonventionelle und originäre Phantasie schafft mit handwerklicher Solidität und technischer Brillanz immer wieder überraschende, ausdrucksstarke und extravagante Formen in kräftigen Farben und mit magnetisierenden Gestalten.

Ottinger arbeitete auch für das Theater und inszenierte unter anderem 1983 am Staatstheater Stuttgart Elfriede Jelineks Clara S. und 1986 in Graz Jelineks Begierde und Fahrerlaubnis.

Seit ihrer Kindheit ist Ottinger fasziniert von andersartigen Kulturkreisen. In Ottingers Dokumentar- und Spielfilmen findet mongolische und japanische Formensprache Anerkennung und Ausdruck. Ottinger drehte beeindruckende Dokumentarfilme über asiatische Kulturkreise, darunter das viereinhalbstündige Werk China – die Künste – der Alltag und die achteinhalbstündige Produktion Taiga.

Ottinger wurde im Rahmen der Reihe 100Tage - 100 Gäste der documenta 10 im Juli 1997 nach Kassel eingeladen und erneut2002 zur documenta 11. Die Ausstellung "Floating Food" machte 2011 im Haus der Kulturen der Welt Furore.

Im Jahr 2005 erschien eine Retrospektive von Ottingers Fotografien im Deutschen Verlag für moderne Kunst unter dem Titel: Ulrike Ottinger. Bildarchive. Fotografien 1970–2005.[1] Im Jahr 2008 publizierte Laurence A. Rickels, Professor an der Universität von Kalifornien, unter dem Titel Ulrike Ottinger: the Autobiography of Art Cinema einen Überblick über das Leben und Werk der Künstlerin. Innerhalb des Buches werden Interviews mit Ottinger und Ausschnitte ihrer fotografischen Arbeiten zu einer Exploration des Filmemachens und der Möglichkeit des Kunstfilmes zusammengeführt.[2] Ihre Filme werden regelmäßig zur Berlinale eingeladen.

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1972–74: Laokoon & Söhne
  • 1973: Berlinfieber. Dokumentation des Happenings Berlinfieber von Wolf Vostell.[3]
  • 1975: Die Betörung der blauen Matrosen
  • 1978: Madame X – Eine absolute Herrscherin
  • 1979: Bildnis einer Trinkerin
  • 1981: Freak Orlando
  • 1984: Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse
  • 1985: China – die Künste – der Alltag. Eine filmische Reisebeschreibung
  • 1986: Superbia – Stolz
  • 1987: Usinimage
  • 1988: Johanna d'Arc of Mongolia
  • 1990: Countdown
  • 1992: Taiga
  • 1997: Exil Shanghai
  • 2002: Südostpassage
  • 2004: Zwölf Stühle
  • 2007: Prater
  • 2008: Seoul Women Happiness
  • 2008: Die koreanische Hochzeitstruhe
  • 2009: Still Moving
  • 2011: Unter Schnee

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1980: 2. Publikumspreis beim Filmfestival von Sceaux für Bildnis einer Trinkerin
  • 1983: 2. Publikumspreis beim Filmfestival von Sceaux für Freak Orlando
  • 1984: Spezialpreis der Jury des Filmfestivals Florenz für künstlerische, formale und inhaltliche Geschlossenheit des Oevres
  • 1986: Preis der deutschen Filmkritik für China – die Künste – der Alltag
  • 1987: Kurzfilmpreis des HDF Hauptverband deutscher Filmtheater
  • 1989: Filmband in Gold (Visuelle Gestaltung) für Johanna d'Arc of Mongolia
  • 1989: Preis der Publikumsjury Montréal für Johanna d'Arc of Mongolia
  • 2006: Konstanzer Kunstpreis
  • 2007: Preis der deutschen Filmkritik in der Kategorie Dokumentarfilm für Prater
  • 2010: Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland
  • 2011: Hannah-Höch-Preis
  • 2012: Special Teddy

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 2013/2014 UNTER SCHNEE, Johanna Breede PHOTOKUNST, Berlin
  • 2013: DAS ALTE IM NEUEN DAS NEUE IM ALTEN, Johanna Breede PHOTOKUNST, Berlin
  • 2012: Sammlung Goetz | München - Ulrike Ottinger 'Floating Food'
  • 2011: Haus der Kulturen der Welt | Berlin - Ulrike Ottinger 'Floating Food', eine Collage aus den Filmen Taiga, Johanna d'Arc of Mongolia und China. Die Künste - Der Alltag.[4]
  • 2013 Ulrike Ottinger | Weltbilder. Kestnergesellschaft, Hannover
  • 2007 film.kunst: Ulrike Ottinger. Museum für Film und Fernsehen, Berlin
  • 2005 En Face. Ursula Blickle Stiftung, Kraichtal-Unteröwisheim
  • 2004 Ulrike Ottinger. Bild Archive. Witte de With. Center for Contemporary Art, Rotterdam Faces, Found Objects, and Rough Riders. ArtPace, San Antonio/Texas
  • 2002 Documenta 11, Kassel
  • 2001 Sessions. Contemporary Fine Arts Galerie, Berlin bild-archive. Kunst-Werke, Berlin in Kooperation mit Filmkunsthaus Babylon und Arsenal, Berlin
  • 2000 Stills. David Zwirner Gallery, New York
  • 1993 Taiga. Völkerkundemuseum Zürich. Weitere Stationen: Filmmuseum Düsseldorf, Reissmuseum Mannheim, u.a.
  • 1981 Freak Orlando - Eine künstlerische Gesamtkonzeption. Installation und Fotografien. DAAD-Galerie, Berlin

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrike Ottinger: Madame X eine absolute Herrscherin. Drehbuch. [Faksimile Edition] Stroemfeld / Roter Stern, Basel/ Frankfurt am Main 1979.
  • Freunde der Deutschen Kinemathek (Hrsg.): Ulrike Ottinger. Texte und Dokumente. Kinemathek 86, Berlin 2001.
  • Ulrike Ottinger: Floating Food. Schwimmende Speisen - Haus der Kulturen der Welt. Künstlerbuch. Walther König, Berlin 2011.
  • Ulrike Ottinger: Taiga : eine Reise ins nördliche Land der Mongolen. Nishen, Berlin 1993.
  • Ulrike Ottinger: Freak Orlando. Kleines Welttheater in fünf Episoden. Drehbuch, Faksimile Edition. Medusa Verlag, Berlin 1981.
  • Ulrike Ulrike: Image archive; Photographs 1970–2005. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2005, ISBN 3-938821-15-9.
  • Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (Hrsg.): film.kunst: Ulrike Ottinger. DruckVerlag Kettler, Bönen 2007, ISBN 978-3-939825-65-4.
  • Ingvild Goetz, Karsten Löckemann, Susanne Touw (Hrsg.): Ulrike Ottinger. Hatje Cantz, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7757-3462-2.
  • Laurence A. Rickels, Ulrike Ottinger: Eine Autobiografie des Kinos. B-Books, Berlin 2006.
  • Katharina Sykora: Vis à Vis. Ulrike Ottinger: Portrait/Sammlung. Selbstverlag, Berlin 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrike Ottinger: Bildarchive. Fotografien 1970–2005. Deutscher Verlag für moderne Kunst, 2005, ISBN 3-938821-14-0.
  2. Laurence A. Rickels: Ulrike Ottinger, the autobiography of art cinema. University of Minnesota Press, 2008, ISBN 978-0-8166-5331-7.
  3. ulrikeottinger.com
  4. Flyer zur Ausstellung 2011 im Haus der Kulturen der Welt



Auch die Literaturliste kann um einiges ergänzt werden. Dies sind die wichtigsten Titel: