Umesamische Sprache

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Umesamisch (Ubmejensámien giella)

Gesprochen in

Schweden
Sprecher ~20
Linguistische
Klassifikation

Uralisch

Finno-ugrisch
Finnopermisch
Finnosamisch
Samisch
Westsamische Sprachen
  • Umesamisch
Nr. 2 zeigt das Verbreitungsgebiet des Umesamischen

Umesamisch (oder Umesaamisch, Umesámisch) ist eine samische Sprache und gehört zur finno-ugrischen Sprachfamilie. Die Anzahl der Sprecher ist äußerst gering (Ethnologue[1] nennt 20 Sprecher) und beruht hauptsächlich auf einigen älteren Sprechern.[2]

Name und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Umesamisch bezieht sich auf das Ausbreitungsgebiet, welches im Süden durch den Ume-Fluss abgegrenzt wird. Als nördliche Grenze kann man den Pite-Fluss bezeichnen. Das umesamische Gebiet umfasst die schwedischen Kommunen Arjeplog, Arvidsjaur, Sorsele und Tärna und, historisch betrachtet, auch Rana in Norwegen.[3] Umesamisch wird zu den westlichen samischen Sprachen gerechnet und zählt zusammen mit Südsamisch zu dessen südlicher Gruppe.

Dialekte[Bearbeiten]

Die Lokaldialekte des Umesamischen kann man in die östlichen Walddialekte, den Dialekt von Sorsele und von Nord-Tärna einteilen.

Grammatik[Bearbeiten]

Stufenwechsel[Bearbeiten]

Umesamisch hat, anders als das Südsamische, teilweise Stufenwechsel (Sammallahti).

Umlaut[Bearbeiten]

Umlaut spielt im Umesamischen eine wichtige Rolle. Vokale werden regelmäßig von folgendem /i/ und /u/ umgelautet:

  + i + u
i i y
u ü u
å ü u
a ä å
ie ii
iei ii yöy
oi üi ui
äi ii öi
ai äi åi
ua(i) üe, üi, üü uu
uou üw/yöy uuw
ou üw/üü  ?
au äy ou
ii yö (ö)

[4]

Morphologie[Bearbeiten]

Die morphologischen Mittel im Umesamischen sind phonologische Veränderungen (Stufenwechsel), Suffigierung, Zusammensetzung und Enklitisierung. Bei Verben und Substantiven unterscheidet man zwischen gleichsilbigen und ungleichsilbigen Wortstämmen.

Verben[Bearbeiten]

Das Verb kennt neben dem Singular und Plural auch eine Dualis-Form.

gullat "hören" Singular Dual Plural
1. Person guulou gullan gullahpa
2. Person guulah gulla gulla
3. Person gullaa gulla gülläh

[5]

Substantive[Bearbeiten]

Die Substantive flektieren nach zwei Numeri (dh. nur Singular und Plural. Die Personalpronomen kennen auch den Dual).

mannaa "Kind" Singular Plural
Nominativ mannaa maannaa(h)
Genitiv maanan maanai
Ackusativ maanau maanaida
Inessiv maanasna Ø
Elativ maanasta maanaista
Illativ mannaje maanaida
Essiv mannana Ø
Komitativ maanaina maanai-

[6]

Beispiel[Bearbeiten]

Text (mit südsam. Orthographie) Phonologische Transkription Übersetzung
Jåa mojhtav akten daalvien goh tjuehkie sjadtji, goh båatsoej miarrije jåhhtajij jah idtjij naake biapmoev åajpmedh gåajvvodeh. Jiaknge jah iatnemisse sjadtji, dia båatsoej jaamedadtjeguutij. Dia tjuavverin jåhhtajidh ruapttoede viht bijjas, men dia tsievvie tij, idtjen åajpmedh baalliedh, gåajvvoedh.

/joo, mujhtaav aktən taalvien kuh čɯehkie šat'tij, kuh poocuoj miarrijə joh'taajij jah ič'čij naakə piapmuov oojpmət koojvvuot. jiakŋə jah iatnəmissə šat'tij, tia poocuoj jaamətaččəkɯɯtji. tia čuavvərin joh'taajit ruapttuotə viht pij'jaas, men tia sievvie lij, ič'čen oojpmət paalliet, koojvvuot./

Ich erinnere mich an einen Winter, als es Bodeneis gab, als die Rentiere zum Meer losgelaufen sind und nicht nach Futter graben konnten. Eis war auf dem Boden und die Rentiere begannen eines nach dem anderen zu sterben. Dann mussten sie wieder hochwärts laufen, aber der Schnee war hart damals, so dass sie nicht graben konnten.

[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bergsland, Knut (1983): Southern Lapp and Scandinavian quantity patterns. In: Symposium saeculare Societatis Fenno-Ugricae. Helsinki: Suomalais-Ugrilainen Seura, 73–87.
  • Israelsson, Per-Martin & Nejne, Sakka (2008): Svensk-sydsamisk, sydsamisk-svensk: ordbok och ortnamn / Daaroen-åarjelsaemien, åarjelsaemien-daaroen: baakoegärja jih sijjienommh. 2. Auflage Kiruna: Sametinget.
  • Sammallahti, Pekka (1998): The Saami languages. An Introduction. Kárášjoka: Davvi Girji.
  • Schlachter, Wolfgang (1958): Wörterbuch des Waldlappendialekts von Malå und Texte zur Ethnographie. Helsinki: Suomalais-Ugrilainen Seura.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ethnologue.com
  2. Sammallahti (1998).
  3. Sammallahti (1998), S. 22.
  4. Tabelle nach Schlachter (1958).
  5. Tabelle nach Schlachter (1958).
  6. Tabelle nach Schlachter (1958).
  7. Aus Sammallahti (1998), S. 159.